Probleme beim Wasserlassen bei Männern

Probleme beim Wasserlassen (Urinieren) können verschiedene Ursachen haben. Sie können mit Schmerzen und Ausfluss aus der Harnröhre vergesellschaftet sein. Viele ältere Männer haben Probleme beim Urinieren aufgrund einer vergrößerten Prostata.

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Was sind Probleme beim Wasserlassen bei Männern?

Probleme beim Urinieren können in jedem Alter auftreten. Die Beschwerden kommen allerdings häufiger bei älteren Männern vor, die unter einer benignen Prostatahyperplasie leiden. Dabei wird die Harnröhre, durch die Prostata abgedrückt und das Wasserlassen erschwert. Aber auch Infektionen können das Urinieren erschweren und schmerzhaft machen. Je nach Ursache unterscheiden sich die Beschwerden. So können Schmerzen zu Beginn oder am Ende des Wasserlasses auftreten. Ausfluss aus der Harnröhre ist ein Zeichen einer Infektoin. Häufiges Wasserlassen in kleinen Mengen kann auf eine vergrößerte Prostata deuten.

Häufigkeit

Die Symptome der unteren Harnwege treten bei allen, älter werdenden Männern in zunehmendem Maß auf. Bei sonst gesunden Männern über 60 Jahren wird folgendes berichtet:

  • Häufiges Urinieren bei 30–40 %
  • Starker Harndrang bei 10–20 %
  • Startschwierigkeiten und schwacher Strahl bei 10–25 %
  • Nachtropfen bei 30–40 %
  • Bedarf an nächtlichen, drei- oder mehrmaligen Toilettenbesuchen zum Urinieren bei 10–15 %

Aber auch junge Männer können insbesondere durch sexuell übertragbare Krankheiten, die zur Entzündung der harnableitenden Organe führen, Beschwerden entwickeln.

Was ist die Ursache für Probleme beim Urinieren bei Männern?

Häufige Ursachen

  • Gutartig vergrößerte Prostatadrüse (benigne Prostatahyperplasie – BPH)
    • Der normale Zuwachs des Prostatagewebes bei Männern im mittleren und höheren Alter bedingt steigende Prostatabeschwerden.
    • Die Symptome können plötzlicher, starker Harndrang, häufiges Urinieren, Ablassen kleiner Mengen, nächtliches Urinieren, Schmerzen bei gefüllter Blase und manchmal Inkontinenz sein.
    • Andere Probleme äußern sich durch Startschwierigkeiten beim Wasserlassen, einen schwachen Strahl, ein Gefühl der unvollständigen Entleerung, Unterbrechungen beim Urinieren, einen Bedarf des Auspressens, Nachtropfen und Brennen oder Schmerzen beim Urinieren.
  • Prostatakrebs
    • Diese Krebsform ist die bei Männern häufigste und zeigt im Frühstadium keine Symptome, kann aber gleichzeitig mit BPH vorkommen.
  • Verengung im Blasenhals am Ausgang der Harnblase
    • Der Blasenhals öffnet sich nicht, wenn sich die Harnblase zur Entleerung zusammenzieht.
    • Oft kommt dies bei jüngeren Männern mittleren Alters vor, also in einer Altersgruppe, bei der man noch keine gutartig vergrößerte Prostatadrüse erwartet.
  • Harnröhrenverengung aufgrund von Narbengewebe (Urethrastriktur)

Seltenere Ursachen

  • Harnwegsinfektion (akute Zystitis)
    • Diese Erkrankung ist bei Männern relativ selten und wird durch eine äußere Infektion in der Harnblase und in den Schleimhäuten der Harnröhre bedingt.
    • Typische Symptome sind Schmerzen beim Urinieren, häufiges Unwohlsein, Schmerzen und Beklemmungsgefühle oberhalb des Schambeins, aber auch Bauch- und Rückenschmerzen im unteren Rückenbereich sind möglich.
  • Chronische Prostataentzündung (chronische Prostatitis)
    • Die chronische Prostataentzündung ist nicht ungewöhnlich.
    • Die hierbei typischen Symptome sind Schmerzen oder Beklemmungsgefühle in der Leistengegend, Probleme beim Urinieren, Ausfluss und blutiger Samenerguss.
  • Späte Komplikation der Diabetes mellitus (Typ 1 oder Typ 2)
    • Die Blasenentleerung kann durch Nervenschäden beeinträchtigt werden, was zu Entleerungsproblemen führt.
  • Blasenkrebs
    • Diese Erkrankung tritt im Alter von 60–70 Jahren auf, wobei drei Viertel aller Betroffenen Männer sind. Bei 50 % der Männer und 25 % der Frauen wird als Ursache das Rauchen angegeben.
    • Die wichtigsten Symptome sind abwechselnd schmerzfreie Perioden oder permanent sichtbares Blut im Urin. Die Erkrankung kann auch durch häufige und schnell wiederkehrende Zysten und Reizsymptome der Blase gekennzeichnet sein.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

Wenn Sie sich hinsichtlich der Ursache unsicher sind und Beschwerden haben, sollten Sie einen Arzt konsultieren.

Wie geht der Arzt vor?

Krankengeschichte (Anamnese)

Der Arzt wird Ihnen eventuell folgende Fragen stellen:

  • Wie lange hatten Sie diese Beschwerden schon?
  • Wie hat sich der Zustand entwickelt?
  • Haben Sie jetzt akute Beschwerden? Wenn ja, dann welche?
    • Haben Sie Harnstau?
    • Brennt es beim Harnlassen?
    • Haben Sie Blut im Urin?
  • Müssen Sie in der Regel nachts zum Urinieren aufstehen?
    • Wie viele Male pro Nacht kommt das vor?
  • Haben Sie Probleme, den Urin zurückzuhalten? Haben Sie Inkontinenzprobleme?
  • Leiden Sie an anderen Erkrankungen?

Testen Sie sich selbst und nehmen Sie folgenden Fragebogen mit zum Arzt: IPSS-Fragebogen.

Ärztliche Untersuchung

Der Arzt tastet Ihre Prostatadrüse ab, indem er einen Finger den Enddarm hinaufschiebt. Der Arzt beurteilt damit, ob Ihre Prostatadrüse vergrößert ist und ob sie Knoten enthält, was einen Hinweis auf Krebs liefern kann. In vielen Fällen wird Ihr Hausarzt Sie an einen Spezialisten, einen Urologen, überweisen.

Weitere Untersuchungen

In manchen Fällen müssen weitere Untersuchungen erfolgen. So sollte der Urin untersucht werden. Oft werden auch einfache Blutuntersuchungen veranlasst. Bei einer gründlicheren Untersuchung wird der Facharzt für Urologie das Innere Ihrer Harnröhre und die Harnblase mittels Zystoskopie untersuchen. Möglicherweise ist eine Ultraschalluntersuchung notwendig, um krebsartige Veränderungen zu erkennen. Zur Abklärung eines Prostatakrebsleidens wird eine dünne Nadel in die Prostatadrüse eingeführt, durch die man Gewebe zur Mikroskopie entnimmt.

Autoren

  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel LUTS, Symptome des unteren Harntraktes. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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  4. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Deutsche Gesellschaft für Urologie. Die überaktive Blase (ÜAB). AWMF-Leitlinie Nr. 015-007, Stand 2010. www.awmf.org
  5. Deutsche Gesellschaft für Urologie. Benignes Prostatasyndrom (BPS), Therapie. AWMF-Leitlinie Nr. 043-035, Stand 2014. www.awmf.org
  6. Deutsche Gesellschaft für Urologie. Benignes Prostatasyndrom (BPS), Diagnostik und Differenzialdiagnostik. AWMF-Leitlinie Nr. 043-034, Stand 2009. www.awmf.org
  7. Deutsche Gesellschaft für Urologie. Prostatakarzinom; Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien. AWMF-Leitlinie Nr. 43- 022OL, Stand 2014. www.awmf.org
  8. D'Silva KA, Dahm P, Wong CL. Does this man with lower urinary tract symptoms have bladder outlet obstruction?: The Rational Clinical Examination: a systematic review. JAMA 2014; 312:535. Journal of the American Medical Association
  9. Eastham JA, Riedel E, Scardino PT, et al. Variation of serum prostate-specific antigen levels. An evaluation of year-to-year fluctuations. JAMA 2003; 289: 2695-2700. PubMed