Reizdarmsyndrom bei Erwachsenen

Zusammenfassung

  • Definition:Das Reizdarmsyndrom (RDS) ist ein bislang in vielen Details nicht verstandener Syndromenkomplex, charakterisiert durch anhaltende Beschwerden wie Bauchschmerzen/Blähungen, aber auch kleinvolumigen Durchfällen und/oder Obstipation sowie einer relevanten Beeinträchtigung der Lebensqualität bei Ausschluss anderer gastrointestinaler Erkrankungen. Ein pathogenetisch schlüssiges Konzept zur Erklärung der Beschwerden existiert aktuell (noch) nicht. Diskutiert werden u. a. eine Dysbiose sowie eine gestörte Neurotransmitterfreisetzung in der neuralen Hirn-Darm-Achse.
  • Häufigkeit:Langzeitdaten liegen nicht vor, eine Studie zeigt eine Inzidenz von 0,36 % und eine Prävalenz von 1,34 % in 2017 in Deutschland.
  • Symptome:Bauchschmerzen/Unwohlsein, Völlegefühl, Diarrhö, Obstipation. Nicht selten psychische Komorbiditäten.
  • Befunde:Meist wird bei der klinischen Untersuchung kein auffälliger Befund außer ein Meteorismus gefunden.
  • Diagnostik:Es gibt keine spezifischen Labortests. Sinnvoll ist eine orientierende Blutuntersuchung, Stuhluntersuchung auf pathogene Erreger, Tests auf Malabsorption, evtl. Calprotektin im Stuhl zum Ausschluss einer CED, ggf. Magendarmspiegelung u. a. Das RDS ist eine Ausschlussdiagnose; die Diagnostik zum Ausschluss anderer gastrointestinaler Erkrankungen kann u. U. sehr umfangreich werden und erfordert in einigen Fällen stationäre Aufenthalte in spezialisierten Abteilungen. Wenn die Diagnose RDS gesichert ist, dann sollte weitere Diagnostik weitgehend unterbleiben.
  • Therapie:Patienten beruhigen. Psychosoziale Probleme idendifizieren. Medikamente können symptomatisch lindernd eingesetzt werden. Eine kausale Therapie existiert nicht. Spasmolytika, Probiotika und Phytotherapeutika mit unterschiedlich guter Evidenz stehen zur Verfügung. Off-Label-Therapieversuche mit z. B. Rifaximin (vor allem intestinal wirksames Antibiotikum) sind teuer und selten erfolgversprechend.
  • Psychosoziale Problematik:Das RDS verursacht erhebliche direkte (Arztbesuche, Medikamente, Diagnostik, Krankenhausaufenthalte, Begleiterkrankungen) und indirekte Kosten (insbesondere Arbeitsausfälle und verminderte Produktivität während der Arbeit). Patienten mit RDS fühlen sich dennoch in der Arztpraxis oft nicht verstanden oder als psychisch Erkrankte missverstanden. Das fehlende pathogenetische Konzept sowie mangelnde kausale Therapiemöglichkeiten führen die Patienten oft zu alternativen Gesundheitsanbietern, deren Erfolge jedoch ebenfalls überschaubar sind.

Allgemeine Informationen

Definition

  • Das Reizdarmsyndrom (RDS; Irritable Bowel Syndrome/IBS) ist ein auch heute noch in vielen Details nicht verstandener Syndromenkomplex.1-2
  • Definition der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie:1 Ein RDS liegt vor, wenn alle folgenden 3 Punkte erfüllt sind:
    1. Es bestehen chronische, d. h. länger als 3 Monate anhaltende Beschwerden (z. B. Bauchschmerzen, Blähungen), die von den Patienten und Ärzten auf den Darm bezogen werden und in der Regel mit Stuhlgangsveränderungen einhergehen.
    2. Wegen der Beschwerden suchen die Patienten Hilfe, insbesondere weil sie ihre Lebensqualität relevant beeinträchtigen.
    3. Voraussetzung ist, dass keine anderen Krankheitsbilder vorliegen, die die Symptomatik erklären; also diagnostisch ggf. ausgeschlossen wurden.
  • Das Symptombild ist vielfältig. Man unterscheidet einen
    • Diarrhö-betonten von einem
    • Obstipations-betonten Typ.
    • Dabei sind aber sehr häufig beide Störungstypen auch überlappend vorhanden.
  • Das Reizdarmsyndrom (RDS) ist durch Motiliätsstörungen gekennzeichnet, die nicht vorübergehender Natur sind.3
    • Nicht selten werden zugleich „gastritische Symptome“ von den Patienten berichtet: Völlegefühl und Brennen im Oberbauch, Aufstoßen.
    • Die Symptome lassen kurzfristig meist nach Stuhlentleerung etwas nach.
    • Nicht selten besteht Stuhldrang mit mehreren Abgängen von kleinvolumigem Stuhl am Tag.
  • Manche Patienten erleben keine Abhängigkeit von Nahrungsmitteln, andere meinen eine Verbesserung mit ballaststoffreicher Kost zu erleben; hingegen sehen andere wiederum hierin einen Auslöser ihrer Beschwerden.
  • Verlauf: Das RDS ist bei einem Teil der Patienten spontan rückläufig, häufig aber auch chronisch oder chronisch-rezidivierend verlaufend.1
  • Komorbidität1
    • Es besteht keine Korrelation mit anderen, schwerwiegenden Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes.
    • Das Reizdarmsyndrom ist dagegen gehäuft mit somatoformen und psychischen Störungen assoziiert.

Diagnostik

Therapie

Verlauf, Komplikationen und Prognose

Verlaufskontrolle

Patienteninformationen