Abszess in der Bauchhöhle (intraabdomineller Abszess)

Ein Abszess ist eine abgekapselte Eiteransammlung. Ein solcher mit Eiter gefüllter Hohlraum entsteht, wenn Bakterien in das Gewebe eindringen und eine Infektion verursachen.

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Was ist ein Abszess?

Ein Abszess ist eine abgekapselte Eiteransammlung. Ein solcher mit Eiter gefüllter Hohlraum entsteht, wenn Bakterien in das Gewebe eindringen und eine Infektion verursachen. Weiße Blutkörperchen (Leukozyten) sammeln sich an der betroffenen Stelle an und versuchen, die Infektion zu stoppen. Aufgrund der Infektion stirbt ein Teil des Gewebes ab. Die Ansammlung von Bakterien, abgestorbenen Zellen und weißen Blutkörperchen führt schließlich zur Ausbildung eines mit Eiter gefüllten Hohlraums, der gegenüber der Umgebung zunächst von einer Hülle abgegrenzt ist. Diese kann platzen und der Abszess sich entleeren. Befindet sich die Eiteransammlung auf der Haut (wie etwa bei einem entzündeten Pickel), ist dies von Vorteil, da der Inhalt dann aus dem Körper ausgeschieden wird. In der Bauchhöhle kann die Ruptur eines Abzesses allerdings zu ernsten Komplikationen führen, da sich Bakterien und Eiter zwischen den Bauchorganen verteilen.

Ursache

Gelangen Bakterien in die ansonsten sterile Bauchhöhle, kann es zur Ausbildung von Abszessen kommen. Das Eindringen der Bakterien kann verschiedene Ursachen haben, etwa eine allgemeine Entzündung des Bauchfells (Peritonitis). 

Bei bestimmten Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts kann es zu einer Perforation des Magens (Magengeschwür) oder des Darms (Morbus Crohn, Divertikulitis, Dickdarmkrebs) kommen. Der Inhalt des Magen-Darm-Trakts ist aufgrund der Nahrung mit verschiedenen Keimen belastet. Gelangen diese Keime aus dem Magen oder Darm hinaus in die sterile (keimfreie) Bauchhöhle, können sie eine Entzündungsreaktion auslösen, was wiederum zur Ausbildung von Abszessen führen kann.

Auch infolge einer Operation kann es zu einem Abszess kommen, z. B. wenn ein Teil des Darminhalts während der Operation in den Bauchraum gelangt oder eine akute Entzündung (Blinddarmentzündung (Appendizitis)) oder entzündete Ausstülpungen der Darmwand (Divertikulitis)) vorliegt. Auch wenn die Bauchhöhle bei solch einem potenziell keimbelasteten Eingriff stets gründlich ausgespült und gereinigt wird, verbleiben in manchen Fällen noch genügend Bakterien in der Bauchhöhle und können einen Abszess verursachen, selbst wenn die Narbe bereits verheilt ist.

Desweiteren können Unfälle oder Gewalttaten mit einer Verletzung von außen, z. B. durch ein Messer, das in die Bauchhöhle eindringt, einhergehen. Über die Wunde selbst oder über das Tatwerkzeug können Bakterien in den Bauchraum gelangen und dort eine Entzündungsreaktion hervorrufen.

Unterleibs- oder Harnwegsinfekte können ebenfalls auf die Bauchhöhle übergreifen und zur Abszessbildung im Bauch führen. Grundsätzlich kann sich infolge der Infektion eines jeden Organs, darunter Bauchspeicheldrüse und Niere, oder auch der Knochen und Wirbelkörper, in der Umgebung ein Abszess bilden. 

Diagnostik

Normalerweise geht der Abszessbildung in der Bauchhöhle ein anderes Ereignis voraus. Dabei kann es sich um eine Erkrankung des Magen-Darm-Trakts, eine kürzlich stattgefundene Operation oder eine Verletzung handeln. Zu den typischen Symptomen zählen Fieber, ein reduzierter Allgemeinzustand sowie ein Unwohlsein oder Schmerzen im Bereich des Bauchs. Weist der Befund der Blutuntersuchung auf einen erhöhte Blutsenkung und eine stark erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen hin, so erhärtet sich der Verdacht auf das Vorliegen einer Infektion. Mithilfe bilddiagnostischer Untersuchungsverfahren können vorhandene Abszesse nachgewiesen werde. Dies kann mittels Röntgen, Ultraschall oder Computertomografie (CT) geschehen. Die Computertomografie ist dabei am zuverlässigsten, weil sich mit ihrer Hilfe auch Abszesse entdecken lassen, die hinter anderen Organen verborgen liegen. Anschließend kann der Arzt den Abszess unter Zuhilfenahme von Ultraschall oder Computertomografie mit einer Nadel punktieren und etwas Eiter zur diagnostischen Untersuchung entnehmen. Der Laborbefund gibt Aufschluss darüber, welche Bakterien die Infektion verursacht haben, sodass der Arzt die entsprechend wirksamsten Medikamente für die Behandlung wählen kann.

Zuweilen kann die Diagnose erschwert sein. Erhält der Patient zum Beispiel aus einem anderen Grund eine Antibiotikatherapie, können die Entzündungszeichen reduziert und die Symptome abgeschwächt sein. Dann kann ein zusätzlicher Abszess manchmal zunächst übersehen werden. In einigen Fällen befindet sich der Abszess tief innen im Bauchraum, weshalb die Symptome möglicherweise nur schwach ausgeprägt sind.

Ein Abszess im Bereich zwischen Leber und Zwerchfell kann zu Schmerzen im unteren Brustbereich, Kurzatmigkeit, Schulterschmerzen und Schluckauf führen. Abszesse im unteren Beckenbereich können Durchfall und starken Harndrang hervorrufen. Abszesse, die dem großen Hüftbeugemuskel (Psoasmuskel) anliegen, können zu Hüftschmerzen, eine gebeugten Haltung und Schmerzen beim Versuch, sich zu strecken, führen.

Therapie

Ein Abszess muss geleert werden, weil er sonst lebensbedrohliche Komplikationen nach sich ziehen kann. Viele Abszesse sind so lokalisiert, dass man eine dicke Nadel durch die Haut führen, den Eiter absaugen und anschließend eine Drainage in Form eines Katheters legen kann. Der Katheter verbleibt einige Tage an Ort und Stelle, so dass der Eiter kontinuierlich abfließen kann. In anderen Fällen kann es notwendig sein zu operieren, um an den Abszess heranzukommen. Dieser wird dann so gut es geht entleert, eine Drainage gelegt und der Bauchschnitt wieder verschlossen. Zugleich erfolgt stets eine Antibiotika-Therapie, um eventuell verbliebene Bakterien abzutöten. Häufig ist es notwendig, mehrere Antibiotika gleichzeitig zu verabreichen. Anfangs erfolgt die Antibiose intravenös (ins Blut).

Grundsätzlich ist es entscheidend, auch die dem Abszess zugrunde liegende Krankheit effektiv zu behandeln.

Prognose

Wird die Behandlung rechtzeitig eingeleitet, so kann die Infektion gut kontrolliert und die Entzündung zurückgedrängt werden. Bei erfolgreicher Behandlung verbessert sich der Zustand des Patienten innerhalb von drei Tagen; die vollständige Genesung kann allerdings mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Die meisten Menschen werden wieder völlig gesund und tragen auch keine Folgen durch die Entzündung davon.

Bleibt der Behandlungserfolg aus, kann dies verschiedene Ursachen haben: Der Abszess wird nicht hinreichend drainiert, es gibt eine weitere Keimquelle (z. B. ein Abszess an einer anderen Stelle), ein Organversagen liegt vor (z. B. Lunge, Nieren oder Leber) oder der Patient leidet an einem blutigen Magengeschwür. In diesem Fall müssen weitere Untersuchungen erfolgen.

Zu den möglichen Komplikationen zählen eine Blutvergiftung (Sepsis), die Ausbildung von entzündeten Gewebesträngen zu anderen Organen (Fisteln), Blutungen sowie eine Bakterienbesiedlung des Bauchfells, die eine schwere Bauchfellentzündung (Peritonitis) nach sich ziehen kann.

Im Einzelfall kann es ein Abszess in der Bauchhöhle auch zum Tod führen. Ist der Patient insgesamt jung und gesund, so ist die Prognose aber in der Regel sehr gut. Bei älteren Patienten mit schweren Erkrankungen kann sie deutlich schlechter ausfallen. Liegt dem Abszess eine andere, schwere Erkrankung zugrunde, kann sich dies ebenfalls negativ auf die Prognose auswirken.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Intraabdominaler Abszess . Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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