Primäre Peritonitis (Bauchfellentzündung)

Bei der primären Peritonitis (Bauchfellentzündung) handelt es sich um eine bakterielle Entzündung des Bauchfells (Peritoneum), das die Bauchhöhle auskleidet. Eine solche Entzündung entsteht häufig im Zusammenhang mit chronischen Lebererkrankungen, wie z. B. einer Leberzirrhose. Eine primäre Peritonitis wird antibiotisch behandelt, um die Erreger zu beseitigen.

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Was ist eine primäre Peritonitis?

Bei der primären Peritonitis (Bauchfellentzündung) handelt es sich um eine Entzündung des Bauchfells (Peritoneum), das die Bauchhöhle auskleidet. Die Erkrankung wird auch als spontan bakterielle Peritonitis bezeichnet. Im Unterschied zur sekundären Peritonitis, bei der es aufgrund einer anderen Erkrankung im Bauchraum zu einer Entzündung kommt, wird die primäre Peritonitis durch Bakterien hervorgerufen, die über die Blutbahn in die Bauchhöhle gelangen. Meist tritt diese Entzündung im Rahmen einer fortgeschrittenen Lebererkrankung, wie der Leberzirrhose auf. Die Beschwerden der Bauchfellentzündung können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein und sich anfangs nur in einer Verschlechterung des Allgemeinbefindens äußern. Es handelt sich um eine ernste und lebensbedrohliche Erkrankung, die antibiotisch behandelt werden sollte, um den auslösenden Erreger zu beseitigen.

Ursache

Eine primäre Peritonitis entsteht durch eine Infektion mit Bakterien, die sich in der Bauchhöhle ansiedeln und dort eine Entzündung verursachen. Normalerweise ist die Bauchhöhle eine geschlossene, sterile Körperhöhle, in der sich keine Bakterien befinden. Die Erkrankung entsteht häufig bei Menschen mit einer fortgeschrittenen Lebererkrankung wie der Leberzirrhose. Kommt es im Rahmen dieser Lebererkrankung zu einer Flüssigkeitsansammlung in der Bauchhöhle (Aszites), ist die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer primären Peritonitis noch höher. Die genaue Ursache für eine primäre Peritonitis ist nicht eindeutig geklärt. Eine Rolle spielt jedoch die verminderte Wirkung der Abwehrmechanismen gegen bakteriellen Infektionen durch eine vorliegende Leberfunktionsstörung. Auch im Rahmen einer Nierenfunktionsstörung kann es zu einer primären Peritonitis kommen. Gesunde Menschen erkranken allerdings nur selten an einer Bauchfellentzündung.

Die Entzündung kann durch verschiedene Bakterien hervorgerufen werden. Meist handelt es sich aber um Erreger, die auch in der Darmflora vorkommen. Häufige Auslöser sind E. coli oder Klebsiella. In manchen Fällen wird eine Entzündung der Bauchhöhle auch durch Streptokokken verursacht. Die Bakterien gelangen bei einer primären Peritonitis meist über die Blutbahn in die Bauchhöhle und verursachen dort die Infektion.

Definitionsgemäß liegt der primären Peritonitis keine andere entzündliche Erkrankung im Bauchraum, wie z. B. eine Gallenblasenentzündung oder Divertikelkrankheit zugrunde. In solchen Fällen spricht man von einer sekundären Peritonitis.

Symptome

Eine Bauchfellentzündung führt häufig zu Beschwerden wie starken Bauchschmerzen, hohem Fieber und einem aufgeblähten bis brettharten und schmerzempfindlichen Bauch. Nicht immer sind die Symptome jedoch so eindeutig. In manchen Fällen sind die Anzeichen für eine Peritonitis nur mild ausgeprägt oder die Erkrankung äußert sich lediglich in einer Verschlechterung der Leber- und Nierenfunktion mit entsprechenden Symptomen.

Diagnostik

Da die Symptome einer Bauchfellentzündung oft uneindeutig sind, wird neben den geschilderten Beschwerden auch großer Wert auf bisherige Erkrankungen und Risikofaktoren gelegt. In der ärztlichen Untersuchung wird besonderes Augenmerk auf den Bauch und die Bauchdecke gelegt. Eine druckschmerzhafte oder gespannte Bauchdecke kann auf eine Peritonitis hinweisen. Eine Ultraschalluntersuchung kann weiteren Aufschluss über die Bauchorgane und das Vorhandensein von Flüssigkeit in der Bauchhöhle (Aszites) geben. Von dieser Flüssigkeit wird meist etwas entnommen, um diese auf Krankheitserreger und typische Zellen einer Entzündungsreaktion zu untersuchen. Durch eine Blutuntersuchung lassen sich ggf. Anzeichen einer Leber- oder Nierenerkrankung sowie einer bakteriellen Infektion nachweisen.

Therapie

Wird die Diagnose einer primären Peritonitis gestellt, wird diese in der Regel mit Antibiotika behandelt, um die Bakterien zu beseitigen. In manchen, schweren Fällen ist eine intravenöse Verabreichung der Antibiotika über einen Gefäßzugang notwendig. So können schneller hohe Spiegel des Wirkstoffes im Blut erreicht werden. Befindet sich weiterhin Flüssigkeit (Aszites) in der Bauchhöhle, kann es notwendig sein, dass diese mit Hilfe einer Nadel abgelassen wird.

Nach der erfolgreichen Behandlung der bakteriellen Infektion wird häufig ein Antibiotikum in niedriger Dosis zur Vermeidung einer erneuten Bauchfellentzündung eingesetzt. Auch die Behandlung und Vorbeugung von Aszites senkt das Risiko für eine primäre Peritonitis.

Prognose

Bei der Bauchfellentzündung handelt es sich um eine ernste, lebensbedrohliche Erkrankung. Hinzu kommt, dass die Peritonitis meist im Rahmen einer schweren Erkrankung, z. B. einer fortgeschrittenen Lebererkrankung auftritt. Nach einer Bauchfellentzündung ist die Wahrscheinlichkeit für ein erneutes Auftreten hoch. Aus diesem Grund werden meist Maßnahmen zur Prophylaxe ergriffen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Jonas Klaus, Arzt, Freiburg i. Br.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Peritonitis, primäre. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. Aszites, spontan bakterielle Peritonitis und hepatorenales Syndrom. AWMF-Leitlinie Nr. 021-017, Stand 2011 www.awmf.org
  2. Häussinger D, Wettstein M, Kudlek C. Spontan bakterielle Peritonitis: Diagnose, Therapie und Prophylaxe. Deutsches Ärzteblatt 2000. www.aerzteblatt.de
  3. Lotterer E. Spontane bakterielle Peritonitis. Hepatitis&more 2011. www.hepatitisandmore.de