Verwachsungen im Bauchraum (Adhäsionen)

Nach einer Operation in der Bauchhöhle sind nicht selten Verwachsungen (Adhäsionen) die Folge. Bei bis zu 95 % der Patienten kommt es zu derartigen Verwachsungen in der Bauchhöhle. Die Adhäsionen können mit der Zeit schwerwiegende Folgen für den operierten Patienten nach sich ziehen, bleiben aber in den meisten Fällen symptomlos.

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Was sind intraabdominale Adhäsionen?

Intraabdominale Adhäsionen oder Verwachsungen bestehen aus neu gebildeten Gewebesträngen, die Organe in der Bauchhöhle (Abdomen) untereinander oder mit dem Bauchfell (Peritoneum) verbinden, die zuvor frei beweglich nebeneinander lagen. Zu Ädhäsionen kann es beispielsweise nach einer Operation oder Entzündung kommen.

Das Bauchfell (Peritoneum) überzieht die meisten Organe in der Bauchhöhle und die Innenseite der Bauchwand. Diese dünne, feuchte Haut sorgt dafür, dass die Organe reibungslos gegeneinander verschieblich sind und hält sie gleichzeitig an ihrem Platz. Die intraperitonealen Organe sind vollständig von Bauchfell umkleidet. Magen, Leber und Dünndarm gehören zu den intraperitonealen Organen, ebenso wie Gebärmutter, Eierstöcke und Eileiter bei Frauen. Nicht vom Bauchfell umschlossen sind z.B. die Nieren. Verwachsungen in der Bauchhöhle, die die intraperitonealen Organe betreffen, werden auch als intraperitoneale Adhäsionen bezeichnet.

Ursache

Intraabdominale Adhäsionen oder Verwachsungen entstehen am häufigsten nach einem offenen Bauchschnitt (Laparotomien), seltener nach Schlüssellochoperationen (Laparoskopien). Der körpereigene Reparaturmechanismus sorgt dafür, dass sich nach operativen Eingriffen, Infektionenen, Verletzungen oder Bestrahlungen zwischen zwei Wundrändern Narbengewebe bildet. Das Narbengewebe schrumpft während des Wundheilungsprozesses, so wie die äußere Haut über offenen Wunden während der Heilung. Im Rahmen der Narbenbildung kommt es zusätzlich zu einer entzündlichen Reaktion an der verwundeten Stelle, in deren Folge rasch spezielles Gewebe für den Wundverschluss aufgebaut wird. Dieses Gewebe wird üblicherweise zersetzt, sobald eine feste Narbe entsteht, kann aber versehentlich auch als Gewebestrang bestehen bleiben und zum Beispiel zwei Organe miteinander verbinden.

Wenn während des Heilungsprozesses ein Teil eines Organs mit einem anderen Teil in sehr engen Kontakt kommt, beispielsweise zwei Darmabschnitte miteinander, oder aber mit einem anderen Organ, kann es also infolge der Bildung von fibrösem Narbengewebe/Bindegewebe zu einer Verwachsung (Adhäsion) kommen. 

Häufigkeit

Intraperitoneale Adhäsionen bilden sich oft nach einem offenen Bauchschnitt, können aber auch infolge einer Bauchspiegelung auftreten. Bei bis zu 95 % aller Patienten kommt es nach einer offenen Operation zu derartigen Verwachsungen. In den meisten Fällen sind sie schmerzfrei und bleiben folgenlos. Aber auch ohne vorherige Operation können Verwachsungen entstehen. Ursache kann beispielsweise eine Entzündung eines Organs sein, etwa eine Eierstockentzündung. In Einzelfällen kann eine Adhäsionsbildung jedoch sowohl kurzfristig als auch langfristig eine schwerwiegende Komplikation nach einem chirurgischen Eingriff darstellen. Um die Risiken zu minimieren, achten Chirurgen während dem chirurgischen Eingriff darauf, die inneren Organe mit genügend Flüssigkeit zu spülen und unnötigen Kontakt mit Instrumenten oder anderen Fremdkörpern zu vermeiden.

Symptome

Die Bildung von Narbengewebe beginnt bereits in den ersten Tagen nach der Operation. Entsprechende Symptome treten jedoch häufig erst nach einigen Monaten oder Jahren auf. Sie sind darauf zurückzuführen, dass Organe oder Teile von Organen, die normalerweise keine Verbindung miteinander haben, durch Narbengewebe miteinander verwachsen. Diese Verwachsungen können dazu führen, dass ein zu starker Druck auf die Organe ausgeübt und dazugehörige Nerven gereizt werden. Infolgedessen kann es zu Schmerzen in den Bereichen kommen, wo sich die Adhäsionen befinden. Bei Adhäsionen nach einem gynäkologischen Eingriff können Schmerzen z.B. beim Geschlechtsverkehr auftreten. Adhäsionen oberhalb der Leber im Bereich des Zwerchfells können Schmerzen bei der Einatmung verursachen.

Verwachsungen mit Beteiligung von Darmabschnitten können einen Darmverschluss (Ileus) nach sich ziehen und so die Passage des Speisebreis blockieren. Teile des Darmtrakts werden dabei blockiert, was in der Regel massive Beschwerden und Schmerzen hervorruft. Adhäsionen verursachen 65 bis 75 % aller akuten mechanischen Blockaden des Dünndarms.

Langfristig können sich Verwachsungen negativ auf die Fertilität auswirken und mit chronischen Schmerzen einhergehen. Adhäsionen sind ein häufiger Befund, wenn Frauen, die sich einem chirurgischen Eingriff unterzogen haben, an chronischen Unterbauchschmerzen leiden.

Eine Operation bei Patienten mit zahlreichen Adhäsionen ist häufig mit einer längeren Operationsdauer und einem erhöhten Risiko für Darmschädigungen und andere schwerwiegende Komplikationen verbunden. Jeder neue Eingriff in der Bauchhöhle erhöht das Risiko für weitere Verwachsungen.

Beachten Sie aber, dass nicht alle Schmerzen auf Adhäsionen zurückzuführen sind und dass nicht alle Adhäsionen Schmerzen verursachen!

Diagnostik

In der Regel kommen Patienten aufgrund von Bauchschmerzen zum Arzt. Dieser wird sich die Beschwerden beschreiben lassen, nach einer zurückliegenden Operation oder Entzündung fragen und den Bauch sorgfätig untersuchen.

Das Vorliegen von Adhäsionen wird mittels einer Schlüssellochoperation (Laparoskopie) oder im Rahmen einer Operation mit Bauchschnitt (Laparotomie) bestätigt. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Röntgen, CT oder MRT können weitere Informationen zur Ausdehnung der Adhäsionen liefern. 

Therapie

Vorrangiges Therapieziel ist die Vorbeugung von Adhäsionen durch ein möglichst schonendes Vorgehen bei chirurgischen Eingriffen. Grundsätzlich ist das Risiko für Adhäsionen geringer bei Schlüssellochoperationen als bei offenen Eingriffen. Adhäsionen bilden sich jedoch häufig trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen, und es ist gegenwärtig nicht bekannt, wie die Bildung von Adhäsionen nach einer Operation effektiv verhindert werden kann. Es wurden verschiedene Medikamente und Substanzen geprüft, um einen vorbeugenden Effekt zu testen, allerdings ohne deutlichen Erfolg.

Liegen Verwachsungen vor, können diese im Rahmen von Schlüssellochoperationen oder einem offenen Bauchschnitt vorsichtig gelöst werden. Das Verfahren wird als Adhäsiolyse bezeichnet. Im Rahmen einer Schlüssellochoperation kann der Arzt eine Videokamera durch einen kleinen Schnitt in der Bauchdecke in die Bauchhöhle einführen und die Adhäsionen lokalisieren. Anschließend werden sie vorsichtig getrennt. Bei einem derartigen Verfahren bilden sich weniger neue Adhäsionen als bei einer offenen Operation. Eine Schlüssellochoperation (Laparoskopie) ist für den Körper weniger belastend, aus diesem Grund ist auch die körperliche Reaktion weniger ausgeprägt. Eine Operation, die ausschließlich dem Lösen von Verwachsungen dient, sollte äußerst zurückhaltend erfolgen, da diese keine Garantie dafür bieten kann, dass sich nicht erneut Verwachsungen bilden. Auch kann sich durch die erneute Operation der Zustand der Verwachsungen sogar verschlechtern. 

Nebenwirkungen nach gynäkologischen Eingriffen

Bei Frauen werden auch Gebärmutter, Eierstöcke und Eileiter zu den intraperitonealen Organen gezählt. Adhäsionen können nach einem gynäkologischen Eingriff entstehen und machen sich häufig durch chronische Unterbauchschmerzen bemerkbar. Mit der operativen Entfernung der Verwachsungen ist jedoch kein ausgesprochener Nutzen verbunden. Eine Ausnahme bilden sehr umfangreiche Adhäsionen, die die Organfunktion beeinträchtigen. Verwachsungen im Becken können sich auch nach einer Infektion oder Endometriose bilden. Frauen, die sich mehreren Operationen im Beckenbereich unterziehen mussten, leiden als Folge der Adhäsionen häufig unter einer herabgesetzten Fruchtbarkeit (Fertilität). Typische gynäkologische Eingriffe sind Kaiserschnitte, Entfernung von Myomen (Muskelknoten) der Gebärmutter, Entfernung von Endometrioseherden, Entfernung von Zysten der Eierstöcke oder aber Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) und der Eierstöcke und Eileiter (Adnektomie).

Prognose

Bestehende Adhäsionen kommen in einigen Fällen nach der chirurgischen Entfernung wieder, da die Operation selbst ein erneutes Risiko für die Bildung von unerwünschtem Narbengewebe darstellt. Adhäsionen sind gegenwärtig die häufigste Komplikation nach einer Bauchoperation. Zahlreiche Maßnahmen und Produkte zur Vorbeugung von Narbenbildung wurden untersucht, ein zuverlässiger Nachweis für die Wirksamkeit dieser Methoden wurde bislang jedoch nicht erbracht.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
  • Julia Trifyllis, Dr. med., Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W