Akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse (akute Pankreatitis)

Eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse verursacht sehr starke Schmerzen im oberen Bereich des Bauchs (unterhalb der Rippen). Auslöser sind meist Gallensteine oder hoher Alkoholkonsum.

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Was ist eine akute Pankreatitis?

Gallenblase und Bauchspeicheldrüse
Gallenblase und Bauchspeicheldrüse

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) liegt etwas unterhalb des Magens quer im Oberbauch. Das Pankreas produziert spezifische Verdauungsenzyme (Proteine). Diese gelangen über einen Ausführungsgang, dessen unterer Teil sich mit dem Gallengang vereint, in den Zwölffingerdarm. Die Pankreasenzyme haben eine zentrale Rolle bei der Verdauung, der Aufspaltung der Nahrungsbestandteile im Darm. Darüber hinaus ist die Bauchspeicheldrüse auch für die Produktion von Insulin verantwortlich, das die Aufnahme von Glukose (Zucker) aus dem Blut in die Körperzellen reguliert.

Eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) verursacht sehr starke Schmerzen im oberen Bereich des Bauchs. Wegen der entzündlichen Veränderungen der Pankreaszellen steigen die Pankreasenzyme im Blut und im Urin deutlich an. Die Erkrankung kann einmalig auftreten oder immer wiederkehren (rezidivieren). Verschiedene Ursachen können dieser Erkrankung zugrunde liegen und sie kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein: Von leichten bis hin zu schweren Krankheitsverläufen sind verschiedene Formen möglich. Bei ca. 15–25 % geht die Pankreatitis mit lebensbedrohlichen Komplikationen einher; von diesen Patienten sterben etwa 10–30%. Insgesamt ist die Sterblichkeit heutzutage allerdings geringer als früher.

Die Angaben zur Häufigkeit variieren zwischen 5,4 und 79,8 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner jährlich. Diese Zahlen sind u.a. deshalb so unterschiedlich, weil in vielen Studien verschiedene Diagnosekriterien verwendet wurden und die Häufigkeit der Krankheit wohl auch je nach Region sehr schwanken kann. Grundsätzlich nimmt die Erkrankungshäufigkeit stetig zu. Dies liegt zum Teil an den verbesserten Diagnosemöglichkeiten, aber auch an der zunehmenden Häufigkeit bestimmter Risikofaktoren wie etwa dem Alkoholkonsum.

Symptome und Beschwerdebilder

Von leichten bis hin zu schweren Krankheitsverläufen mit lebensbedrohlichen Komplikationen sind verschiedene Varianten möglich. Bei ca. 15–25 % der Patienten zeigt sich eine schwere Verlaufsform (mit ausgeprägter Bauchfellentzündung), während die Erkrankung in den übrigen Fällen eher milde verläuft. Charakteristisch für die akute Bauchspeicheldrüsenentzündung ist der plötzliche Krankheitsbeginn mit mäßigen bis sehr starken Schmerzen im Bereich des Oberbauchs. Die plötzlich auftretenden, anhaltenden Schmerzen verschlimmern sich häufig, wenn der Betroffene in Bewegung ist oder sich auf die Seite legt, und lassen nach, wenn er sitzt oder sich nach vorn beugt. Die Schmerzen werden meist über mehrere Stunden stärker, ehe sie ein Plateau erreichen, das mitunter einige Tage anhalten kann. Der Schmerz kann bis in den Rücken, die Brust, die Flanken oder den Unterbauch ausstrahlen. Zu den weiteren typischen Symptomen zählen Übelkeit, Erbrechen und leichtes Fieber.

Die Schmerzen treten häufig nach einer üppigen Mahlzeit oder dem Konsum von Alkohol auf. Bei Alkoholikern kommt es häufig nach 4–8 Jahren des Alkoholmissbrauchs zu einer akuten Pankreatitis. Diese tritt normalerweise 6–12 Stunden nach dem Konsum großer Alkoholmengen auf.

Erkrankungsrückfälle kommen recht häufig vor.

Ursache

Zu den Hauptursachen der akuten Pankreatitis zählen Alkoholmissbrauch und Gallenwegserkrankungen. Mehr als 90 % der Erkrankungen werden durch Gallensteine ausgelöst, die somit die dominierende Krankheitsursache darstellen. Die zweithäufigste Ursache ist Alkohol; das Auftreten einer Bauchspeicheldrüsenentzündung scheint allerdings abhängig von der Menge zu sein. Dennoch entwickelt ein Großteil der Menschen mit hohem Alkoholkonsum oder einer Gallenwegserkrankung keine Pankreatitis. Zu den eher seltenen Ursachen zählen die Hypertriglyzeridämie, der Hyperparathyreoidismus, das Pankreaskarzinom, eine vorangegangene endoskopische retrograde Cholangiopankreatikografie (ECRP), schwere Verletzungen, Infektionen, Einnahme bestimmter Medikamente, Fehlfunktionen des Immunsystems und auch erbliche Faktoren.

Die akute Pankreatitis wird durch die Verdauungsenzyme der Bauchspeicheldrüse selbst ausgelöst: Normalerweise werden diese direkt durch den Pankreasgang abgeleitet. Falls die Enzyme aber im Pankreas freigesetzt werden, zerstören sie das Gewebe und die nähere Umgebung. Das Ausmaß der Entzündungsreaktion variiert von einer leichten Schwellung bis hin zu Blutungen aus einem geschädigten Blutgefäß sowie dem Zerfall des Gewebes von Bauchspeicheldrüse und umliegenden Strukturen. Dabei kann die gesamte Bauchspeicheldrüse oder nur ein Teil betroffen sein. Infolge dieses Prozesses kann es zu lokalen oder auch ausgedehnten Komplikationen kommen: es können sich flüssigkeitsgefüllte Hohlräume (Pankreaspseudozysten), Eiteransammlungen (Abszesse) bilden oder Blutgefäße an manchen Stellen ausbuchten (Pseudoaneurysmen). Bei einer schweren akuten Pankreatitis kann das Versagen mehrerer Organe (darunter Lunge, Herz und Nieren, sogenanntes multiples Organversagen) zum Tod führen.

Meist beginnt die Pankreatitis mit einer 1–2 wochen dauernden Phase mit verringerter Pankreasfunktion oder auch Funktionseinschränkungen anderer Organe. Anschließend folgt entweder die Abheilung oder die Gewebezerstörung schreitet weiter voran und es kommt zu Infektionen auch anderer Organe.  

Diagnostik

Bei Verdacht auf eine Bauchspeicheldrüsenentzündung erfolgt die stationäre Aufnahme im Krankenhaus. Die Ergebnisse verschiedener Blutuntersuchungen, insbesondere die Werte der Pankreasenzyme Lipase und Amylase sowie allgemeine Entzündungswerte, können den Verdacht erhärten. Darüber hinaus wird der Arzt den Patienten sorgfältig untersuchen und eine Ultraschalluntersuchung des Bauchs durchführen. Es wurde zudem ein Verfahren entwickelt, bei dem das Pankreas mittels einer Ultraschallsonde durch den Magen hindurch von innen beurteilt werden kann.

Sind die Befunde nicht klar, wird in manchen Fällen geröngt oder ein CT oder MRT des Bauchs verordnet. CT und MRT (sowie weitere speziellere Verfahren, wie endoskopische retrograde Cholangiopankreatikografie, ERCP) eignen sich u.a. besonders gut, um Komplikationen erkennen und beurteilen zu können.

Therapie

Die Therapie bei einer akuten Pankreatitis umfasst in erster Linie eine reichliche Flüssigkeitszufuhr und die Behandlung von Schmerzen. Außerdem wird die Kreislauffunktion fortlaufend überprüft, die Nahrungszufuhr kontrolliert und der Patient rund um die Uhr überwacht, um bei möglichen Komplikationen umgehend handeln zu können. Die Behandlungsmaßnahmen zielen darauf ab, den Patienten durch die akute Phase zu bringen und die auslösende Ursache zu beseitigen. Bei schwerem Krankheitsverlauf wird der Patient auf der Intensivstation betreut.

Eine leichte Pankreatitis heilt normalerweise von allein aus. In diesem Fall besteht die Therapie in erster Linie aus Bettruhe und einer intravenösen Flüssigkeits- und Nahrungszufuhr über mehrere Tage. Kann der Patient auch nach Ablauf von 48 Stunden noch keine Nahrung zu sich nehmen, kann eine Ernährungssonde in den Magen eingebracht werden.

Patienten mit einer schweren Pankreatitis erhalten schmerzstillende Medikamente und ggf. eine Sauerstofftherapie. Sie werden intravenös ernährt. Bei Bedarf kann zusätzlich eine Antibiotikatherapie erfolgen. Früher war man der Auffassung, dass der Darm dringend entlastet werden müsse, weshalb die Ernährung über einen längeren Zeitraum intravenös erfolgte. Inzwischen weiß man, dass das zeitige Wiederaufnehmen normaler Ernährung über den Magen in den meisten Fällen einen positiven Effekt hat. Die Umstellung geschieht schrittweise: Anfangs erfolgt die Ernährung über eine Sonde, ehe man dann zur üblichen Nahrungsaufnahme übergeht.

In einigen Fällen kann auch eine ERCP oder eine Operation erforderlich sein, um vorhandene Gallensteine zu entfernen. Im Rahmen der ERCP kann die Öffnung des Gallengangs etwas geweitet werden, sodass die Gallensteine, welche den Gallen- und Pankreasgang blockieren, in den Darm gelangen und über diesen ausgeschieden werden.

Rund 80 % der Patienten werden wieder gesund. In einigen Fällen jedoch sind die Organschäden so schwer, dass der Zustand lebensbedrohliche Ausmaße annimmt.

Prognose

Sofern Alkohol die Entzündung mitverursacht hat, sollten Sie umgehend den Alkoholkonsum einstellen. Beruht die Pankreatitis auf anderen Faktoren als Alkohol, wird Ihr Arzt Ihnen nahelegen, mindestens ein Jahr lang auf Alkohol zu verzichten. Bei einigen Menschen handelt es sich um eine einmalige Erkrankung, bei anderen kommt es zu mehrfachen Rückfällen. Eine akute Pankreatitis kann, wie erwähnt, mitunter lebensbedrohlich sein. Zu den möglichen Komplikationen zählen eine Entzündung des Bauchfells (Peritonitis), eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung, Versagen anderer Organe und der Tod.

Weiterführende Informationen

Illustrationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Pankreatitis, akute. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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