Chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse (chronische Pankreatitis)

Bei der chronischen Pankreatitis handelt es sich um eine immer wiederkehrende Entzündung der Bauchspeicheldrüse, die meist zu Gewebezerstörung und damit eingeschränkter Funktion des Organs führt..

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Was ist eine chronische Pankreatitis?

Bei der chronischen Pankreatitis handelt es sich um eine anhaltende Entzündung oder bleibende Vernarbungen in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Charakteristisch für diese Erkrankung sind in mäßig bis starke Schmerzen im Oberbauch, die ringförmig bestehen und/oder in den Rücken ausstrahlen. Die Schmerzen treten in unterschiedlich lange dauernden Entzündungsschüben auf, können aber auch ständig vorhanden sein. Nur selten haben Patienten mit dieser Krankheit keine Schmerzen.

Im gesunden Pankreas werden Enzyme gebildet und in den Darm abgeleitet, die die Nahrungsbestandteile (v.a. Fette) weiter aufspalten und daher für die Verdauung sehr wichtig sind. Die sog. Beta-Zellen des Pankreas produzieren zudem das Hormon Insulin, das dafür sorgt, dass der Zucker aus dem Blut in die Körperzellen aufgenommen wird.

Da im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf die Funktionsfähigkeit der Bauchspeicheldrüse stark eingeschränkt sein kann, sind die oben beschriebenen Funktionen oft beeinträchtigt. Mögliche Folgen sind eine Malabsorption (verschlechterte Fähigkeit zur Aufnahme von Nährstoffen im Darm) sowie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit). Des Weiteren kann es zu Gewichtsverlust, Durchfall und sogenanntem Fettstuhl kommen.

Etwa 0,04–5% der Bevölkerung in entwickelten Ländern leiden an einer chronischen Pankreatitis.

Ursache

Die häufigste Ursache (70–80 %) einer chronischen Pankreatitis ist längjähriger Alkoholmissbrauch. Auch Gallensteine  können eine chronische Pankreatitis verursachen. Zu den selteneren Ursachen zählen eine Erhöhung des Parathormons (führt zu erhöhten Kalziumwerten im Blut), sehr stark erhöhte Bluttfettwerte, die erbliche Lungenkrankheit Zystische Fibrose oder auch Fehlfunktionen des Immunsystems (Autoimmunität).

Im Frühstadium der Erkrankung kommt es zu wiederkehrenden Episoden der akuten Pankreatitis, die langfristig mit einer zunehmenden Funktionseinschränkung der Bauchspeicheldrüse einhergehen. Blockieren Vernarbungen von früheren Entzündungen die Ausführgänge der Bauchspeicheldrüse, so kann es zu einer erneuten Entzündung kommen. Enzyme können ins Gewebe übertreten und das Drüsengewebe zersetzen und im Verlauf kann das Pankreasgewebe zunehmend vernarben oder Zysten ausbilden. Dadurch verschlechtert sich die Funktion des Pankreas immer weiter.

Die Schäden an der Bauchspeicheldrüse führen dazu, dass auch die Nährstoffaufnahme im Darm sich verschlechtert. Sind die für die Insulinproduktion verantwortlichen Inselzellen betroffen, so kann eine Diabeteserkrankung die Folge sein. Letztere äußert sich durch Symptome wie häufigen Harndrang, vermehrtes Durstgefühl, erhöhte Flüssigkeitszufuhr, Kraftlosigkeit und Gewichtsverlust. Ist die Nährstoffaufnahme im Darm gestört, so kommt es zu Durchfall, evtl. fettig glänzendem Stuhlgang und ebenfalls zu Gewichtsverlust.

Diagnostik

Die Diagnose erfolgt anhand von Anamnese (Krankengeschichte), Symptomen und klinischem Befund. Zudem beurteilt der Arzt, wie wahrscheinlich alternative Diagnosen sind. Es ist wichtig, dass der Alkoholkonsum des Patienten detailliert offengelegt wird. Blutuntersuchungen geben Aufschluss darüber, wie stark die Pankreasenzyme bereits vermindert sind. Um herauszufinden, ob ein Diabetes mellitus vorliegt, wird der Blutzucker gemessen. In der Regel sind auch bilddiagnostische Untersuchungsmaßnahmen erforderlich, um die Schäden an der Bauchspeicheldrüse genauer beurteilen zu können. Dies kann mittels Ultraschall, Computertomografie, Magnetresonanztomografie oder über eine endoskopische retrograde Cholangiopankreatikografie (ERCP) geschehen.

Therapie

Neben der Schmerzlinderung zielt die Behandlung vor allem darauf ab, das Fortschreiten der Pankreasfehlfunktion hinauszuzögern und die vorhandenen Mängel auszugleichen, indem der Patient die notwendigen Enzyme in Tablettenform zu sich nimmt und sich entsprechend ernährt.

Um eine Verschlimmerung des Zustands zu verhindern, ist eine konsequente Alkoholabstinenz unerlässlich. Auch üppige und fetthaltige Mahlzeiten sollten gemieden werden, da sie zu akuten Schmerzen führen können. Liegt ein Diabetes melllitus vor, muss die Ernährung zusätzlich an die Erkrankung angepasst werden.

Folgende Medikamente kommen bei der Behandlung der chronischen Pankreatitis infrage:

  • Schmerztabletten (Paracetamol oder stärkere Wirkstoffe): Die Schmerztherapie ist nicht ganz einfach, weil der Bedarf an schmerzstillenden Medikamenten zügig ansteigt und das Risiko einer Arzneimittelabhängigkeit daher sehr hoch ist. Hinzu kommt oftmals ein langjähriger Alkoholmissbrauch. Da es sich um eine chronische Erkrankung handelt, sollten die Patienten versuchen, möglichst lange mit mäßig starken Schmerzmitteln zurecht zu kommen.
  • Enzyme in Tablettenform können die Nährstoffaufnahme im Darm verbessern. Außerdem können sie manchmal auch zur Linderung von Schmerzen beitragen.
  • Bei einem sehr starken Fettverlust über den Stuhlgang können Nährstoffkonzentrate verabreicht werden.
  • Nahrungsergänzungsmittel mit fettlöslichen Vitaminen können einen vorhandenen Vitaminmangel ausgleichen.
  • Bei Vorliegen eines Diabetes mellitus kann eine Insulinbehandlung erforderlich sein.

Leidet der Patient unter starken Schmerzen, die nur bedingt auf eine medikamentöse Therapie ansprechen, kann eine Nervenblockade eine Alternative sein. Dafür ist normalerweise ein chirurgischer Eingriff erforderlich. Aber auch diese Maßnahme verspricht nicht unbedingt eine zuverlässige und dauerhafte Schmerzlinderung.

Verschiedene operative Maßnahmen können zum Einsatz kommen, um evtl. vorliegende Gallensteine herauszunehmen, geschädigtes Gewebe des Pankreas zu entfernen oder sogar das ganze Pankreas in einer großen Operation zu entfernen. 

Prognose

Bei fast der Hälfte der Patienten mit chronischer Pankreatitis entwickelt sich eine starke Einschränkung der Pankreasfunktion. Die Patienten sind meist recht beeinträchtigt und leiden immer wieder unter Schmerzschüben. Eine Zuckerkrankheit entwickelt sich meist nach 5–10 Jahren, bei rund 30–50% der Patienten. Das Risiko von Krebserkrankungen ist ebenfalls erhöht. Wichtigste Maßnahmen, neben den medikamentösen und chirurgischen Möglichkeiten und der geeigneten Ernährung, sind keinen Alkohol zu trinken und auch ggf. das Rauchen aufzugeben. 

Weiterführende Informationen

Illustrationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Pankreatitis, chronische. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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