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Pseudozyste in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas-Pseudozyste)

Die meisten Pseudozysten in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) entstehen infolge einer lokalen Entzündung (Pankreatitis).

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Eine Pseudozyste in der Bauchspeicheldrüse – was ist das?

Pseudozysten in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) sind flüssigkeitsgefüllte, von einer dünnen Bindegewebshaut umgebene Kammern (Zysten) im Bereich der Bauchspeicheldrüse. Im Gegensatz zu echten Zysten werden Pseudozysten (pseudo = falsch) nicht von einer regulären Zellwand begrenzt.

20–50 % der Patienten mit akuter Pankreatitis entwickeln als Folgeerscheinungen eine oder mehrere Pseudozysten; bei Patienten mit chronischer Pankreatitis ist der Anteil etwas höher.

Ursache

Die meisten Pseudozysten in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) entstehen infolge einer lokalen Entzündung (Pankreatitis). In der Regel treten sie nach einer akuten, noch häufiger nach einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) auf. Sie können aber auch durch eine Operation oder eine Verletzung verursacht werden; dies ist vor allem bei Kindern der Fall.

Meistens findet sich nur eine Pseudozyste in der Bauchspeicheldrüse, in rund 15 % der Fälle lassen sich mehrere Zysten entdecken. Die Zysten können sich sowohl in der Drüse selbst als auch auf ihrer Außenseite, also in der Bauchhöhle, befinden. Zwei Drittel der Zysten werden im sogenannten Schwanz der Bauchspeicheldrüse gebildet. In seltenen Fällen lassen sich Pseudozysten auch im Beckenbereich oder in der Brusthöhle finden.

Etwa 80 % der Pseudozysten sind auf eine Pankreatitis zurückzuführen, die ihrerseits auf Alkoholmissbrauch oder auf einer Gallensteinerkrankung beruht. Die Zysten enthalten gewebespaltende Enzyme wie Amylase, Lipase und Elastase. Bei der Ruptur einer Pseudozyste tritt die enzymhaltige Flüssigkeit aus und führt zu „Verätzungen“ an den Gewebestrukturen im Bauchraum.

Diagnostik

Wie bereits erwähnt, geht der Entstehung von Pseudozysten häufig eine akute oder chronische Pankreatitis voraus. Einige Patienten leiden unter keinen spezifischen Beschwerden, oftmals aber zeigen sich recht deutliche Symptome. Fast immer verursacht eine Pseudozyste Schmerzen (90 %); weitere potenzielle Symptome sind Übelkeit, Gewichtsverlust und ein Völlegefühl im Magen. Häufig suchen die Betroffenen ihren Arzt aufgrund von unklaren Magenschmerzen und einem frühzeitig eintretenden Sättigungsgefühl, zuweilen in Kombination mit Übelkeit und Erbrechen, auf. Bei Komplikationen können die Symptome dramatischer ausfallen: Gelbsucht, Entzündungsanzeichen, Blutungen oder eine Bauchfellentzündung (Peritonitis) sind möglich.

Blutuntersuchungen tragen nur selten zur Diagnose bei. In der Regel erfolgt eine computertomografische Untersuchung (CT) der Bauchhöhle, mit der sich die Diagnose bei über 90 % der Patienten bestätigen lässt. Zu den weiteren möglichen Untersuchungsverfahren zählen die Magnetresonanztomografie (MRT), der Ultraschall (US) und die endoskopische retrograde Cholangiopankreatikografie (ECRP). Wenn sich nur schwer beurteilen lässt, ob es sich um eine Pseudozyste oder einen Tumor handelt, kann mithilfe einer Nadel etwas Flüssigkeit aus der Zyste entnommen und anschließend analysiert werden. Charakteristisch für eine Pseudozyste ist, dass sie Enzyme enthält.

Therapie

Die Therapie zielt darauf ab, Komplikationen vorzubeugen. Rund 40 % der Pseudozysten bilden sich von allein zurück und müssen nicht behandelt werden. Sind die Symptome nur schwach ausgeprägt, so wird in der Regel mindestens 6 bis 8 Wochen gewartet, ehe eventuelle Maßnahmen ergriffen werden. Die Größe der Pseudozyste(n) wird dann häufig mittels kontinuierlicher computertomografischer Untersuchungen überwacht.

Falls eine Behandlung erforderlich sein sollte, besteht die Therapie der Wahl in einer Drainage, also einer Entleerung der Pseudozyste. Welche Drainagemethode zur Anwendung kommt, ist abhängig von den lokalen Routinen. Drei verschiedene Varianten stehen dabei zur Auswahl: eine offene Operation, eine Entleerung der Zyste mittels Nadel, die durch die Haut eingeführt wird (Punktion), oder ein endoskopischer Eingriff.

Komplikationen und Prognose

Komplikationen können nicht ausgeschlossen werden und müssen entsprechend behandelt werden. Es kann zu einer Infektion kommen, bei der sich abgekapselte, mit Eiter gefüllte Hohlräume (Abszesse) bilden, oder zu einer Pleuritis (Bauchfellentzündung) mit starker Flüssigkeitsansammlung (Aszites). Wenn die Enzyme Löcher in die Gefäßwände ätzen, können innere Blutungen auftreten. Darüber hinaus können die Gallenwege oder der Magenausgang blockiert werden.

In den meisten Fällen ist die Prognose gut. Das Vorliegen einer anderen Grunderkrankung kann allerdings entscheidenden Einfluss auf die individuelle Prognose eines Patienten haben.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Pankreas-Pseudozyste. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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