Laparoskopische Gallenblasenentfernung (Cholezystektomie)

Cholezystektomie bedeutet die operative Entfernung der Gallenblase. Dies erfolgt meist per Schlüssellochchirurgie (laparoskopisch). Der Eingriff ist meist nötig bei Vorliegen von Gallensteinen, die Schmerzen verursachen und/oder eine Entzündung der Gallenblase verursachen.

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Gallensteinleiden

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Die Gallenblase ist ein Hohlorgan, das sich an der Unterseite der Leber im rechten Oberbauch befindet und die in der Leber gebildete Gallenflüssigkeit speichert. Der von der Gallenblase ausgehende Gallengang (Ductus cysticus) vereint sich mit dem Hauptgallengang (Ductus choledocus) und mündet gemeinsam mit dem Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse (Ductus pancreaticus) in den Zwölffingerdarm (Duodenum). In der Gallenblase können sich Gallensteine bilden, wenn die in der Galle vorhandenen Substanzen sich zu Konkrementen zusammenklumpen.

Viele Menschen mit Gallensteinen haben keine Beschwerden durch die Steine, bei einigen jedoch können Schmerzen plötzlich auftreten, sich langsam immer mehr verstärken und über mehrere Stunden anhalten. Die Schmerzen sind im rechten Oberbauch unterhalb des rechten Rippenbogens lokalisiert, können aber auch in den Rücken oder die rechte Schulter ausstrahlen. Es handelt sich um einen äußerst intensiven und anhaltenden Schmerz. Häufig verspüren die Patienten das Bedürfnis, sich zu bewegen, um die Schmerzen zu lindern. Weitere mögliche Symptome Übelkeit und Erbrechen. Oft treten die Symptome einige Stunden nach (einer üppigen) Mahlzeit auf, häufig am Abend oder nachts, und halten mindestens eine halbe Stunde, oft sogar über mehrere Stunden, an. Ein Anfall, der länger als 24 Stunden andauert, kann auf eine Entzündung der Gallenblase (Cholezystitis) hinweisen, die in der Regel mit Fieber, einem allgemeinen Krankheitsgefühl und starken, lokalen Schmerzen einhergeht.

Therapie

Eine akute Einweisung ins Krankenhaus ist bei solchen Schmerzen durch Gallensteine nicht unbedingt notwendig, die Schmerzen lassen sich oft auch mithilfe von Schmerzmitteln wirksam lindern. Besteht der Verdacht auf eine Cholezystitis (Fieber), wird die betroffene Person aber in der Regel stationär aufgenommen. Die durch Gallensteine bedingten Schmerzen sind an sich nicht gefährlich. Die Notwendigkeit einer Operation hängt daher auch vom individuellen Schmerzempfinden der Patienten ab. Wird der Gallengang durch einen Gallenstein blockiert, wird ein Eingriff zur Entfernung der Steine allerdings meist empfohlen.

Beim erstmaligen Auftreten eines unkomplizierten Gallensteinleidens (Schmerzanfall ohne Gallenblasenentzündung) besteht in der Regel kein Anlass für eine Operation. Eine Ausnahme sind Gallenkoliken, die so schmerzhaft sind, dass Patienten eine Operation verlangt, oder eine akute Cholezystitis, bei der die medikamentöse Behandlung keine Wirkung zeigt. Wie wahrscheinlich ein Erkrankungsrückfall ist, lässt sich nur schwer beurteilen. Einige Patienten haben die Erfahrung gemacht, dass der Verzicht auf sehr üppige Mahlzeiten vorhandene Beschwerden effektiv lindern und mitunter sogar vollständig beheben kann.

Tritt nach einem früheren Gallensteinleiden eine akute Infektion der Gallenblase auf, wird in der Regel innerhalb von 24 Stunden nach Aufnahme in die Klinik operiert. Zudem erhalten die Patienten Antibiotika gegen die Infektion.

Experten empfehlen in folgenden Situationen in der Regel die Entfernung der Gallenblase:

  • Gallensteine in der Gallenblase und Vorliegen von Beschwerden (symptomatisches Gallensteinleiden):
    • Die Beschwerden sind sehr wahrscheinlich Folge des Gallensteinleidens, auch wenn (noch) keine Komplikationen aufgetreten sind.
    • Es ist wiederholt zu Gallenkoliken gekommen, die so stark sind, dass eine Operation gewünscht wird.
    • Andere Erkrankungen, die ein unnötig hohes Operationsrisiko bedeuten würden, können ausgeschlossen werden.
  • Auftreten einer Gallenblasenentzündung (operative Entfernung der Gallenblase innerhalb von 24 Stunden nach Klinikaufnahme)
  • Entwicklung von anderen Komplikationen infolge der Gallensteine, z. B. Entzündung des Gallengangs (Cholangitis) oder der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis).

Grundsätzlich kann die Gallenblase in einer offenen Operation oder per Schlüssellochchirurgie (laparoskopisch) entfernt werden; im Fall der Entfernung der Gallenblase wird in der Regel die laparoskopische Operation empfohlen.

Voruntersuchungen

Eine Ultraschalluntersuchung eignet sich am besten, um Gallenblasensteine nachzuweisen. Ist die Untersuchung unauffällig, obwohl typische Symptome vorhanden sind, sollte sie wiederholt werden. Mittels Blutuntersuchung wird die Leberfunktion überprüft; die Untersuchung wird wenige Tage vor dem Eingriff wiederholt, um die Wahrscheinlichkeit, dass sich zugleich ein Stein im Gallengang befindet (also ein Stein, der aus der Gallenblase in den Gallengang hinausgespült wurde), beurteilen zu können. Bei einer auffälligen Blutuntersuchung wird ggf. zusätzlich eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder eine sogenannte endoskopische retrograde Cholangiopankreatikografie (ERCP) durchgeführt. Bei einem unauffälligen Ergebnis ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Stein bereits spontan durch den Gallengang in den Dünndarm gespült wurde. In diesem Fall wird oft möglichst bald eine Operation durchgeführt, ehe ein neuer Stein in den Gallengang gelangt.

Operative Therapie

Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose mit laparoskopischer Operationstechnik. Dabei werden über drei kleine Einschnitte in die Bauchwand drei dünne, röhrenförmige Instrumente in den Bauchraum eingebracht, über welche die Operation erfolgt. Eines ist das Endoskop: Ein mit einer Kamera und einem Spiegelsystem ausgestattetes Rohr, durch das die Chirurgin/der Chirurg hindurch und in den Bauchraum schauen kann. Damit das Operationsteam besser sehen kann, wird der Bauchraum mit einem Gas (in der Regel Kohlendioxid) vollgepumpt, sodass sich die Bauchdecke anhebt. Durch ein oder zwei weitere Geräte können die Chirurgen spezielle Operationsinstrumente (Zange, Messer) in den Bauchraum einführen.

Zunehmend häufiger kann eine solche Operation ambulant erfolgen: Am Tag des Eingriffs erscheinen die Patienten morgens mit nüchternem Magen im Krankenhaus, das sie nur wenige Stunden nach der Operation schon wieder verlassen können.

Erfahrungsgemäß können rund 95 % der Patienten nach einem ambulanten Eingriff wie geplant nach Hause gehen. Weniger als 5 % müssen erneut stationär aufgenommen werden, weil weiterhin Beschwerden bestehen oder es zu Komplikationen gekommen ist. In seltenen Fällen (1 % oder weniger) müssen die Chirurgen während des Eingriffs zur klassischen, offenen Operationstechnik übergehen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist etwas höher, wenn die Operation aufgrund einer akuten Cholezystitis erfolgt.

Schmerzen sind nach dem Eingriff normal, weshalb Patienten bei der Entlassung aus dem Krankenhaus ein Schmerzmittel verordnet bekommen. In den meisten Fällen genügt nach einer laparoskopischen Operation eine Krankschreibung über 2–4 Tage. Einige Patienten benötigen hingegen länger, um sich vom Eingriff zu erholen. 

Komplikationen

Im Rahmen der Cholezystektomie kann sein, dass versehentlich der Gallengang oder andere benachbarte Organe verletzt wurden, dies ist allerdings selten. Kommt es zu einer solchen Verletzung, so ist es wichtig, dass sie noch während der Operation entdeckt und behandelt wird. Das Risiko von Blutungen während oder nach der Operation ist ebenfalls gering.

Prognose

85–90 % der Patienten erholen sich nach der Operation wieder vollständig. Bei manchen Patienten sind die Symptome auch nach dem Eingriff noch gleichermaßen oder sogar stärker vorhanden, was dafür spricht, dass die akuten Beschwerden nicht von Gallensteinen verursacht worden sind, sondern eine andere Ursache hatten. Einige Patienten leiden nach der Cholezystektomie an Durchfall und Bauchschmerzen, wenn sie stark fetthaltige Speisen zu sich nehmen. Bei ausreichender Aufklärung im Rahmen eines Informationsgesprächs vor der Operation sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen unnötig.

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Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen