Lebertransplantation

Eine Lebertransplantation ist ein äußerst aufwendiges Verfahren, bei dem die Leber eines Verstorbenen oder Teile der Leber eines Gesunden in den Körper einer Person mit massiver Lebererkrankung eingefügt wird. Die Komplikationsrate ist recht hoch, aber die Behandlungsergebnisse werden mit zunehmender Erfahrung immer besser.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Eine Lebertransplantation ist die Verpflanzung einer gesunden Leber eines Verstorbenen oder eines Teils der Leber eines Gesunden in den Körper eines leberkranken Patienten. Bei Kindern sind meist Gallenwegsmissbildungen, bei Jugendlichen meist Stoffwechselerkrankungen und bei Erwachsenen eine endgradige Zirrhose der Grund für eine Transplantation.

Wichtig für eine erfolgreiche Transplantation ist die Behandlung des Patienten vor, während und nach der Operation, und auch die Nachbetreuung muss sorgfältig durchgeführt werden. Im Vorfeld der Transplantatvergabe muss genau überprüft werden, wer sich als Empfänger überhaupt eignet – die Anzahl der Menschen, die eine Lebertransplantation brauchen, ist deutlich höher als die Zahl der Spenderorgane.

Die erste Lebertransplantation weltweit am Menschen führte 1963 der Chirurg Thomas E. Starzl in Denver (USA) durch, den ersten erfolgreichen Eingriff 1967. 1969 nahm Alfred Gütgemann am Universitätsklinikum Bonn erstmals eine solche Operation in Deutschland vor.

Im Jahr 2014 wurden in Deutschland 879 Lebertransplantationen nach postmortaler Organspende und 62 nach einer Lebendspende durchgeführt. Die Übertragung eines Leberteiles wird vor allem von Eltern auf Kinder praktiziert. Derzeit stehen rund 2.500 Patienten in Deutschland auf der Warteliste für eine Lebertransplantation, einige davon seit zwei Jahren und länger. 2014 verstarben 320 Patienten, die zum Teil seit Jahren vergeblich auf eine Lebertransplantion gewartet hatten.1

Weil Organtransplantationen große Erfahrung und Expertise voraussetzen, werden diese Operationen nur in Fachkliniken (Transplantationszentren) durchgeführt. Die Zusammenarbeit zwischen den Zentren sowie die Vergabe von Organen zu steuern, ist Aufgabe von Eurotransplant. Hier sind 8 europäische Länder, darunter Deutschland, zusammengeschlossen; sie verfügen über 81 Transplantationszentren und führen eine gemeinsame Warteliste von Patienten. Gibt es einen Spender, bietet Eurotransplant das Organ dem Patienten an, der laut Warteliste am dringendsten ein Organ benötigt, um überleben zu können. Zusätzlich sollten die Blutgruppenmerkmale zwischen Spender umd Empfänger übereinstimmen. Eurotransplant organisiert nur Spenden von Verstorbenen.

Trotz dieser Organisation gab es vor einigen Jahren größere Unstimmigkeiten bei der Vergabe (Organspendeskandal); wahrscheinlich auch aufgrund dieser Vorkommnisse ist die Zahl der Leberspenden von 1296 (im Jahr 2010) auf 877 (2015) gefallen. 

Was ist eine Lebertransplantation?

Beim erwachsenen Patienten wird im Rahmen der Transplantation die gesamte kranke Leber entfernt und anschließend eine Spenderleber verpflanzt. Dabei müssen natürlich alle Blutgefäße des neuen Organs mit denjenigen des Empfängers verbunden werden. Es sollte höchstens 12 Stunden dauern, bis nach Entnahme des Organs aus dem Spender die Leber beim Gesunden wieder durchblutet wird. Da Spender und Empfänger oft nicht am selben Ort operiert werden, ist ein rascher, sicherer Transport mit entscheidend.

Kinder erhalten häufig nur Teile einer Leber, oft eines Lebendspenders (oftmals handelt es sich dabei um einen engen Verwandten). Auch dieser Eingriff erfordert eine komplizierte Operationstechnik und viel Erfahrung.

Organspender

Die häufigste Todesursache (60 % aller Organspender) ist eine Hirnblutung.

Aufgrund des enormen Mangels an Spenderorganen geht man allerdings zunehmend dazu über, Transplantate von Lebendspendern – meist von engen Verwandten oder dem Partner des Patienten – zu verwenden. Der Eingriff, bei dem etwa zwei Drittel der Leber des Lebendspenders entfernt werden, ist nicht ganz ungefährlich. Die Sterblichkeit liegt bei 0,5 %, postoperative Komplikationen treten bei etwa 20 % der Spender auf. Hinzu kommt, dass man derzeit noch keine Aussage über etwaige Spätkomplikationen treffen kann. Deshalb entsprechen derzeit z. B. in Deutschland jährlich nur 60 von insgesamt etwa 950 Leberspenden einer Lebendspende.

Wer kann eine Lebertransplantation erhalten?

Grundsätzlich kommt eine Lebertransplantation dann in Betracht, wenn ein Patient eine lebensgefährliche Lebererkrankung hat, die weder durch eine Therapie noch von allein heilen wird bzw. die fortschreitend ist. Der Patient sollte frühzeitig zur Beurteilung einer Transplantationsfähigkeit an Fachärzte überwiesen werden, um zu vermeiden, dass die Prognose des Betroffenen vorrangig von der Wartezeit auf einen passenden Spender oder einer unerwarteten Verschlechterung der Leberfunktion abhängt. Ein interdisziplinäres Team von Fachärzten und Experten entscheidet über die Eignung des Patienten zur Transplantation. Diese Entscheidung ist angesichts der großen Anzahl der Wartenden und der geringen Zahl der Spenderorgane enorm bedeutsam.

Zu den häufigsten Lebererkrankungen, bei denen im Jahr 2014 in Deutschland Patienten für einer Transplantation angemeldet wurden, gehörten Fibrosen und Zirrhosen der Leber (insgesamt 28 % der Fälle), Krebserkrankung der Leber (17 %), akutes Leberversagen (10 %) und angeborene Fehlbildungen (6,5 %). Alkoholmissbrauch und Hepatitis C sind in Deutschland die häufigsten Ursachen für eine Leberzirrhose.

Bei alkoholbedingten Lebererkrankungen müssen die Patienten hohe Voraussetzungen erfüllen, um für eine Transplantation infrage zu kommen. Eine Lebertransplantation kann dann in Betracht gezogen werden, wenn der Patient über einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten abstinent lebt und die psychosozialen Voraussetzungen stimmig sind. Bei einer Leberzirrhose infolge einer Erkrankung mit Hepatitis B oder C ist das Risiko sehr hoch, dass es zu einem Erkrankungsrückfall kommt. Diese Patienten sollten idealerweise vor der Transplantation virusfrei sein, weshalb einleitend eine antivirale Behandlung erfolgt.

Krebserkrankungen der Leber können mittels Lebertransplantation behandelt werden. Hier gelten genaue Kriterien zur Größe und Ausbreitung der Tumorherde.

Weitere Krankheiten, die eine Lebertransplantation nötig machen können, sind:

  • Hepatitis B, C, D
  • Erkrankungen der Gallenwege und der Leber
  • Leberzysten, Befall des Fuchsbandwurms (Echinokokkose)
  • Angeborene Stoffwechselkrankheiten, die die Leberfunktion herabsetzen.
  • Mukoviszidose (zystische Fibrose)
  • Angeborene Fehlbildung der Gallenwege
  • Akutes Leberversagen (durch Überdosis von Medikamenten oder Pilzvergiftung).

Untersuchung und Vorbehandlung

Um abzuwägen, ob ein Patient für eine Transplantation infrage kommt, wird jeder einzelne Fall gründlich untersucht. Dabei sollen der Nutzen einer Transplantation für den jeweiligen Patienten beurteilt sowie potenzielle Grunderkrankungen, die ein erhöhtes Komplikationsrisiko während der Operation mit sich brächten, ausgeschlossen werden. Das Auswahlverfahren erfolgt nach einem standardisierten Programm durch ein Team aus Fachärzten und Spezialisten des Krankenhauses, an dem die Transplantation durchgeführt werden soll. Die Patienten, die für eine Lebertransplantation infrage kommen, werden mithilfe verschiedener medikamentöser Behandlungsmaßnahmen, so gut es geht, auf den Eingriff vorbereitet.

Nachbehandlung und Kontrolluntersuchungen

Nach dem Eingriff ist eine intensive Nachbetreuung mit regelmäßigen Kontrolluntersuchungen unumgänglich. Es besteht das Risiko, dass es zu einer Infektion oder einer Abstoßungsreaktion kommt. Eine akute Transplantatabstoßung kann direkt im Anschluss und bis zu 3 Monate nach der Operation geschehen. Erfolgt im Anschluss an die Lebertransplantation die notwendige immunsuppressive Behandlung, so kommt es nur selten nach Ablauf der ersten 3 Monate noch zu einer Abstoßung.

Zur Verhinderung der Transplantatabstoßung wird nach der Operation eine medikamentöse Therapie mit sog. Immunsuppressiva – dies sind Arzneimittel, die die körpereigenen Abwehrreaktionen unterdrücken – eingeleitet. In den ersten 6 bis 12 Monaten erfolgt eine intensive Immunsuppression, danach werden die Medikamente schrittweise ausgeschlichen, bis die niedrigste notwendige Dosierung erreicht ist. Die Therapie zielt darauf ab, eine potenzielle Abstoßung des Transplantats zu vermeiden. Zugleich sollen die Nebenwirkungen so gering wie möglich gehalten werden, da eine übermäßige Unterdrückung des Immunsystems sich negativ auf das Infektionsrisiko, die Nierenfunktion und das Knochenmark auswirken kann.

Ergebnis

Die Lebertransplantation gehört zu den seltenen Eingriffen, dennoch werden inzwischen weit mehr Patienten operiert als noch vor wenigen Jahren. Infolge der zunehmenden Erfahrungen mit einer solchen Operation auf nationaler wie internationaler Ebene verbessern sich auch die Behandlungsergebnisse stetig. Ein Großteil der Patienten überlebt die Transplantation, und viele können nach der Behandlung wieder zum gewohnten Alltag zurückkehren. Fünf Jahre nach einer Lebertransplantation funktionieren im Durchschnitt noch deutlich über die Hälfte der Organe.

 Weiterführende Informationen

Literatur

  1. Eurotransplant. Jahresbericht 2014 (in englischer Sprache).www.eurotransplant.org

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen