Ernährung bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

Wie sich ein Patient mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa am besten ernährt, ist individuell oft sehr verschieden und hängt ab von persönlichen Vorlieben und Unverträglichkeiten sowie auch der Ausprägung der Krankheit. Grundsätzlich jedoch gibt es im Allgemeinen besser oder schlechter verträgliche Nahrungsmittel. Wichtig ist für jeden Betroffenen aber, alle lebenswichtigen Nährstoffe in ausreichender Menge zu sich zu nehmen.

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Was ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung?

Bei einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED) ist der Darm dauerhaft entzündet. Zwei unterschiedliche Erkrankungen werden unter dem Oberbegriff zusammengefasst: Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Bei Morbus Crohn ist vor allem das Ende des Dünndarms betroffen, die Erkrankung kann aber auch im Dickdarm oder anderswo im Magen-Darm-Trakt auftreten. Colitis ulcerosa kommt nur im Dickdarm vor, häufig ist lediglich der Enddarm oder der letzte Abschnitt des Dickdarms befallen. Charakteristisch für Morbus Crohn sind Krankheitsschübe mit Bauchschmerzen und Durchfall. Colitis ulcerosa äußert sich häufig in Form von blutigem Durchfall. Mitunter kann es bei Auftreten erster Symptome schwierig sein, beide Erkrankungen voneinander zu unterscheiden. Durch sorgfältige ärztliche Untersuchungen lässt sich aber eine genaue Diagnose stellen. Die Therapie gestaltet sich in beiden Fällen in manchen Bereichen ähnlich, allerdings existieren auch deutliche Unterschiede.

Da beide chronischen Krankheiten direkt die Schleimhaut der Verdauungsorgane betreffen und zu Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall etc. führen, spielt für die Betroffenen die Ernährung natürlich eine wichtige Rolle. Zum einen stellen manche Patienten fest, dass sie bestimmte Nahrungsmittel besser als andere vertragen, zum anderen kann es auch Krankheitsphasen geben, in denen nur ganz bestimmte Nahrungsmittel zu tolerieren sind. Trotz der Beschwerden, die immer wieder auch im Zusammenhang mit Nahrungsaufnahme auftreten können, ist eine ausreichende und ausgewogene Ernährung gerade für Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa sehr wichtig. Manche sind aus Furcht vor Beschwerden eher unterernährt oder leiden an Mangelernährung, weil sie viele Nahrungsmittel meiden und/oder weil der entzündete Darm nicht in dem Maße wie ein gesunder Darm Nährstoffe aus der Nahrung aufnehmen kann.

Jeder Betroffene muss am besten selbst herausfinden, was er am besten verträgt; Ärzte und Ernährungsberater können dabei helfen. Es gibt zwar allgemeine Hinweise darauf, welche Nahrungsmittel meist günstiger sind als andere, aber: Eine „CED-Diät" gibt es nicht.  

Nahrungsmittel

Die häufig deutlichen Beschwerden schränken die Lebensqualität bei Patienten mit chronisch entzündlicher Darmkrankheit oft ein. Kommen ein Nährstoffmangel bzw. Mangelnährung und/oder Unterernährung noch hinzu, kann dies zu Müdigkeit, Erschöpfung, Kraftlosigkeit oder auch Entwicklungsstörungen bei Kindern führen. Eine ausgewogene, gesunde Ernährung ist also neben der Therapie mit Medikamenten oder anderen Verfahren, entscheidend für das Wohlergehen Betroffener. 

Zu den Nahrungsmitteln, die bei vielen Betroffenen bestehende Beschwerden eher verschlimmern, gehören im Allgemeinen u.a. sehr fetthaltige Milch und Molkereiprodukte, rohes Gemüse, verschiedene Kohlsorten, getrocknete Hülsenfrüchte, Zitrusfrüchte, unreifes Kernobst, frittierte Kartoffeln oder andere Nahrungsmittel, geräucherter, fetter Fisch oder gepökeltes, fettes Fleisch sowie eine an tierischen Fetten und Zucker reiche Ernährung.

Im Allgemeinen werden folgende Nahrungsmittel gut vertragen: Fein gemahlenes Getreide (in Backwaren), Getreideflocken, fettarm zubereiteter Fisch, mageres Fleisch, Obst wie Banane, Kiwi, reife Birne, Pfirsiche etc., pflanzliche Öle, Milch sowie Milchprodukte wie Joghurt, Sauermilch, Quark und milder Käse, milder Kaffee, dünner schwarzer Tee und Kräutertee, säurearme Säfte und Wasser sowie Süßigkeiten in kleinen Mengen.

Hilfreich ist ein Ernährungstagebuch: Betroffene sollten darin über mehrere Wochen täglich notieren, was sie gegessen und getrunken haben und welche Beschwerden sich einstellten. Im Überblick lässt sich meist sehr übersichtlich herausfinden, welche Lebensmittel der Einzelne besser oder nicht so gut verträgt. 

Auch wenn man herausgefunden hat, welche Nahrungsmittel im stabilen Stadium der Krankheit einem gut tun, kann es nötig werden, den Speiseplan in bestimmten Situationen zu ändern. Beispielsweise kann es hilfreich sein, während eines Entzündungsschubs genauer auf säurearme Früchte, ballaststoffarme Lebensmittel oder fettarmes Fleisch zu achten als sonst. Wichtig ist es jedoch auch, nach einem solchen Schub, wenn die Beschwerden wieder besser geworden sind, den Speiseplan wieder zu erweitern. Anfangs ist es sinnvoll, Extreme zu meiden: keine sehr kalten oder sehr heißen Speisen, keine scharfen Gewürze, keine sehr süßen oder salzigen Nahrungsmittel. Mit der Zeit jedoch sollten Betroffene wieder so essen wie zuvor – also möglichst auswogen alles, was sie vertragen. Wichtig ist auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.

Ist es im Verlauf der Krankheit nötig geworden, einen Teil des Darms zu entfernen oder einen künstlichen Darmausgang zu legen, sind zusätzlich speziellere Empfehlungen zu beachten. Gerade in solchen Situationen ist eine ausführliche Beratung durch den Arzt und Ernährungsberater besonders wichtig.  

 

Nahrungsergänzungsmittel

Infolge von Morbus Crohn und der chirurgischen Entfernung entzündeter Darmabschnitte kann es zu einer reduzierten Aufnahme von u.a. Vitaminen, Fetten, Kalzium und Magnesium im Darm kommen. In solchen Fall kann es notwendig sein, dem Körper zusätzliches Eisen und Vitamin B12 in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zuzuführen. Patienten, die nur in begrenztem Maße frisches Obst und Gemüse zu sich nehmen dürfen oder das Medikament Sulfasalazin einnehmen, benötigen möglicherweise zusätzlich ein Folsäurepräparat. Die speziellen Nahrungsergänzungsmittel, also verschiedene Vitamine, Mineralstoffe oder Eisen, wird der Arzt im Einzelfall je nach Situation und Laborergebnissen aus Blutuntersuchungen verschreiben. Gerade bei Kindern, die sich im Krankheitsschub und/oder aus Angst vor (noch mehr) Beschwerden nicht ausreichend und ausgewogen ernähren können, sind gezielte Zusätze von Nahrungsergänzungsmitteln oder auch kalorienreichen Trinknahrungen je nach Empfehlung des Arztes oft wichtig. Es ist sinnvoll, die entsprechenden Präparate in der Apotheke zu kaufen, um die passende Dosierung zu erhalten.

Es wird aber nicht generell allen Patienten mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung empfohlen, ergänzend zu einer ausgewogenen Ernährung Vitaminpräparate oder andere Ergänzungsmittel zu sich zu nehmen. Hier kommt es immer auf den Einzelfall an.

Weiterführende Informationen

Patientenverbände

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen