Colitis ulcerosa und Darmkrebsrisiko

Die Colitis ulcerosa ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung des Dickdarms. Für die Betroffenen besteht ein erhöhtes Risiko, dass sich im Laufe der Erkrankung zusätzlich Darmkrebs entwickelt.

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Colitis ulcerosa

Die Colitis ulcerosa ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung des Dickdarms. Während sich die Entzündung bei einigen Betroffenen auf den Enddarm beschränkt, ist bei anderen auch der restliche Dickdarm teilweise oder komplett betroffen. Die Entzündung betrifft überwiegend die oberen Schleimhautschichten des Darms, in denen es zur Ausbildung von Geschwüren kommt. Zu den typischen Symptomen zählen blutig-schleimiger Durchfall, Bauchschmerzen und Gewichtsverlust. Die Colitis ulcerosa verläuft häufig schubweise und wechselt zwischen Phasen geringer Krankheitsaktivität und solchen mit Entzündungsschüben.

Erhöhtes Krebsrisiko

Aufgrund von Ergebnissen früherer Studien ging man davon aus, dass Patienten mit Colitis ulcerosa ein 5- bis 10-mal höheres Risiko für Darmkrebs haben als Kontrollpersonen. In neueren Studien jedoch zeigte sich ein geringeres Risiko: innerhalb von 30 Jahren Krankheitsdauer war die Diagnose Darmkrebs bei 2–7,5% der Patienten gestellt worden; in manchen Studien zeigte sich sogar gar kein Unterschied im Vergleich zu Menschen ohne Colitis ulcerosa.

Ist nur der Enddarm befallen, kann man davon ausgehen, dass die Betroffenen nicht häufiger als andere an Darmkrebs erkranken werden. Allerdings steigt das Krebsrisiko mit der Krankheitsdauer und dem zunehmendem Ausmaß der Entzündung im Dickdarm kontinuierlich an. Ist der gesamte Dickdarm entzündet, so erhöht sich das Risiko also etwas. Eine Langzeitbehandlung mit Salazopyrin oder 5-ASA kann das Krebsrisiko allerdings verringern. Dies ist wahrscheinlich auch mit ein Grund dafür, dass in den neueren Untersuchungen bei weniger Patienten Darmkrebs zu finden war. 

Trotzdem sind je nach Ausprägung der Krankheit mehr oder weniger häufige Darmspiegelungen (Koloskopie) zur Kontrolle empfehlenswert. Im Rahmen der Koloskopie und bei der histologischen Untersuchung der Gewebeproben (Biopsien) aus der Darmschleimhaut kann der Arzt gezielt nach möglichen Anzeichen von Veränderungen der Zellen der Darmschleimhaut suchen. Solche frühen Zellveränderungen werden als Dysplasie bezeichnet; Patienten mit Dysplasie neigen eher dazu, dass sich eine Krebserkrankung entwickelt.

Verlaufskontrolle

Beschränkt sich die Colitis ulcerosa auf den Enddarm, so besteht kein erhöhtes Krebsrisiko und auch kein Bedarf an gesonderten Kontrolluntersuchungen.

Bei Patienten mit umfassendem Krankheitsbefall wird ein Plan zur Überwachung des Krankheitsverlaufs erstellt. Der Plan zur Krebsüberwachung ist je nach neuen Forschungsdaten ständigen Diskussionen ausgesetzt, viele Experten scheinen sich allerdings für das folgende Kontrollprogramm zu entscheiden:

Spätestens 8 Jahre nach Ausbruch der Erkrankung beginnt die kontinuierliche Überwachung betroffener Patienten mittels Koloskopie, die mindestens alle zwei Jahre durchgeführt werden sollte. Bei nur begrenzter Kolitis kann die 2. Untersuchung auch erst 15 Jahre nach der Erstdiagnose erfolgen. Im Rahmen der Koloskopie erfolgt jeweils auch eine Biopsie. Weisen die entnommenen Gewebeproben auf eine Dysplasie hin, ohne dass gleichzeitig Anzeichen eines aktiven Entzündungsschubs vorliegen, so erfolgt 3 Monate später eine erneute Untersuchung. Die Zeitabstände können je nach Grad der Dysplasie variieren.

Wenn sich bei mehreren aufeinander folgenden Kontrollen eine Dysplasie nachweisen lässt oder die Ergebnisse auf das Vorliegen einer gravierenden Dysplasie hindeuten, werden vorbeugende Maßnahmen in Erwägung gezogen: In dem Fall kann die chirurgische Entfernung des Dickdarms (Kolektomie) sinnvoll sein, um die Entstehung eines bösartigen Tumors zu verhindern oder bereits vorhandene, aber noch nicht nachgewiesene Krebszellen rechtzeitig zu eliminieren.

Aktuelle Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass das Krebsrisiko infolge einer Langzeittherapie mit Salazopyrin oder 5-ASA deutlich geringer ist. Entsprechend früh beginnende, regelmäßige Verlaufskontrollen in Form einer Koloskopie werden daher auch für folgende Patienten empfohlen:

  • Patienten, bei denen eine Langzeittherapie mit Salazopyrin oder 5-ASA nicht möglich ist,
  • Patienten, bei denen schon früh eine totale Kolitis vorliegt, sowie
  • Patienten, die bereits seit Langem an Colitis ulcerosa leiden und gleichzeitig ein erhöhtes erbliches Risiko für kolorektale Krebserkrankungen tragen.

Weiterführende Informationen

Patientenverbände

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med. Medizinjournalistin, Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Colitis ulcerosa. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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