Fulminante Kolitis

Die fulminante Kolitis ist eine akute, schwere Verlaufsform bei entzündlichen Dickdarmerkrankungen.

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Was ist eine fulminante Kolitis?

Dickdarm, Übersicht

Die fulminante Kolitis ist eine akute, schwere Verlaufsform bei entzündlichen Dickdarmerkrankungen. Die Entzündung beginnt oftmals in der Schleimhaut des Dickdarms, greift auf die Muskelschicht der Darmwand über und kann sich auf diese Weise bis zur Außenseite des Darms ausbreiten. Dadurch wird die Beweglichkeit des Dickdarms eingeschränkt und es kommt zu einer krankhaften Erweiterung. Diese akute Dilatation des Dickdarms geht mit einem deutlich erhöhten Risiko für eine Perforation (Durchbruch/Riss) des Dickdarms oder ein sogenanntes toxisches Megakolon (Aussonderung von Giftstoffen in den Körper) einher. Die fulminante Kolitis ist ein lebensbedrohlicher Zustand.

Ursache

Häufig liegt der fulminanten Kolitis eine Colitis ulcerosa zugrunde. Ein solch schwerwiegender Krankheitsverlauf kann aber auch infolge anderer Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, Antibiotika-induzierten Kolitiden oder Infektionen mit verschiedenen Bakterienarten auftreten. Bei der Colitis ulcerosa kann es durch eine Röntgenuntersuchung des Dickdarms mit Kontrastmittel oder eine Koloskopie während einer kritischen Krankheitsphase, aber auch aufgrund von Infektionen oder Medikamenteneinnahme (NSAR, Antibiotika) zu einer Zustandsverschlechterung kommen.

Symptome und Beschwerdebilder

Charakteristisch für die fulminante Kolitis sind häufige Darmentleerungen, mehr als sechsmal pro Tag, mit blutigem Durchfall. Die Symptome treten sowohl tagsüber als auch nachts auf. Hohes Fieber und ein reduzierter Allgemeinzustand sind üblich. Es kommt zur Dehydratation, der Hämoglobingehalt im Blut sinkt, der Patient wirkt sehr blass. Der Puls ist erhöht.

Untersuchungen

Um den Schweregrad der Erkrankung zu beurteilen, wird dem Patienten Blut für diverse Untersuchungen entnommen. Darüber hinaus wird eine Blutkultur angelegt, um herauszufinden, ob sich Bakterien im Blut befinden. Auch der Stuhlgang wird gründlich untersucht und auf Anzeichen einer bakteriellen Infektion oder eines Parasitenbefalls überprüft. Eine Röntgenuntersuchung des Bauchraums kann wichtige Informationen über den Zustand des Darms liefern. Nach Möglichkeit wird auch eine vorsichtige Darmspiegelung vorgenommen (Rektoskopie oder Sigmoidoskopie). Eine Ultraschalluntersuchung kann ebenfalls hilfreich sein.

Überwachung

Da es sich um einen sehr ernsten Krankheitszustand handelt, erfolgt eine kontinuierliche Überwachung. Gastroenterologen und Chirurgen arbeiten eng zusammen, da der Zustand so kritisch werden kann, dass eine akute Operation notwendig ist. Puls, Blutdruck und Körpertemperatur des Patienten sowie die Anzahl der Darmentleerungen und der Elektrolythaushalt (Dehydratation?) werden regelmäßig überprüft. Blut- und bei Bedarf auch Röntgenuntersuchungen des Bauchraums werden täglich durchgeführt.

Therapie

Befindet sich die fulminante Kolitis in einem frühen Stadium, erfolgt in erster Linie eine konservative Therapie. Diese besteht in einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr, die intravenös erfolgt, und umfasst oftmals auch Bluttransfusionen. Darüber hinaus werden häufig Kortikosteroide sowie Medikamente, die der Bildung von Blutgerinnseln vorbeugen, verabreicht. Verbessert sich der Zustand des Patienten, wird die Dosierung schrittweise verringert. Zeigt die Behandlung nach einigen Tagen noch keine Wirkung, kann eine Operation erforderlich sein.

Auf diese Weise soll verhindert werden, dass es infolge kräftiger Blutungen und unzureichender medikamentöser Wirkung zu einer Perforation des Dickdarms kommt. Normalerweise wird eine sogenannte Ileostomie durchgeführt: Der überwiegende Teil des Dickdarms wird entfernt und das Ende des Dünndarms (Ileum) zeitweilig durch die Bauchdecke ausgeleitet. Der Enddarm wird im oberen Teil verschlossen, die Darmentleerung erfolgt über die Dünndarmöffnung in einen Stomabeutel. Nach etwa drei Monaten muss sich der Patient einer erneuten Operation unterziehen, bei welcher der Dünndarm mit dem Enddarm vernäht wird (ileorektale Anastomose). Anschließend kann der Darm wieder normal über den Enddarm entleert werden. In einigen Fällen ist der Krankheitsverlauf allerdings so schwerwiegend, dass im Rahmen einer akuten Operation auch der Enddarm entfernt werden muss.

Nachuntersuchung

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus sind mehrere Kontrolluntersuchungen vorgesehen. Die erste Untersuchung erfolgt in der Regel einen Monat nach Abschluss der Behandlung, die zweite nach zwölf Monaten. Auch nach einer akuten Operation mit Ileostomie findet die erste Kontrolle nach einem Monat statt. Zwei bis drei Monate darauf erfolgt eine weitere Untersuchung. Hat sich Ihr Zustand verbessert, erhalten Sie einen Termin für eine erneute Operation, bei welcher der Darm wieder nach innen verlegt wird. Andernfalls wird eine zwei- bis dreiwöchige medikamentöse Therapie eingeleitet, ehe Sie erneut operiert werden können.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Fulminante Kolitis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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