Arzneimittel zur Behandlung von Morbus Crohn

Morbus Crohn ist eine chronisch entzündliche Krankheit des Verdauungstrakts. Arzneimittel können die Erkrankung nicht heilen, aber sie tragen bei den meisten Patienten dazu bei, die Entzündung und die begleitenden Symptome (deutlich) zu reduzieren.

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Morbus Crohn

Morbus Crohn ist eine chronische Entzündungserkrankung im Verdauungstrakt, die besonders den Übergang zwischen dem unteren Abschnitt des Dünndarms und dem ersten Abschnitt des Dickdarms befällt. Grundsätzlich können jedoch alle Abschnitte des Verdauungstrakt, von der Speiseröhre bis zum Anus, betroffen sein. Entzündungen und Narbenbildungen können die entsprechenden Stellen des Darms einengen, was zu Obstipation oder sogar Darmverschluss führen kann. Da die entzündeten Darmabschnitte nicht mehr normal funktionieren, kommt es bei vielen zu wiederholten Durchfällen (Diarrhö). Morbus Crohn-Patienten leiden außerdem oft an Beschwerden, die durch Entzündungen und Fistelbildungen im Bereich des Anus bedingt sind.

Die Ursache der Krankheit ist nicht geklärt. Sowohl erbliche als auch Umweltfaktoren spielen eine Rolle und führen dazu, dass das Immunsystem fälschlicherweise eine chronische Entzündungsreaktion im Darm auslöst.

Arzneimittel bei Morbus Crohn

Arzneimittel können die Erkrankung nicht heilen, aber sie tragen dazu bei, die Entzündung und die begleitenden Symptome bei vielen Patienten zu reduzieren. Das Hauptziel der medikamentösen Behandlung ist es, die Entzündung im Darm zu bekämpfen. Der Behandlungserfolg hängt von der Fähigkeit des Medikaments ab, die Symptome rasch und möglichst anhaltend zu lindern, ohne zu unangenehmen Nebenwirkungen zu führen. Eine lang anhaltende Phase praktisch ohne Symptome, eine Remission, ist erreicht, wenn die Schäden an der Schleimhaut verheilt sind und die Symptome wie Diarrhö und Bauchschmerzen verschwunden oder fast verschwunden sind. Die meisten Patienten erleiden aber trotz der Therapie im Verlauf mindestens einen (meist mehrere) Rückfall.

Zur Anwendung kommen Kortikosteroide, Präparate auf der Grundlage der 5-Aminosalizylsäure (5-ASA) und verschiedene Wirkstoffe, die durch andere Mechanismen ebenfalls die überschießende Reaktion des Immunsystems dämpfen (Immunmodulatoren). 

 

5-ASA

Mesalazin ist der Eigenname für die Verbindung 5-Aminosalizylsäure (engl. 5-aminosalicylic acid) oder 5-ASA. Das Mittel kann grundsätzlich sowohl bei der Akutbehandlung als auch bei der Langzeitbehandlung von Morbus Crohn verwendet werden, nützt aber vielen Patienten nur wenig. In dieser Gruppe sind inzwischen weitere Medikamente entwickelt worden, die effektiver wirken als Mesalazin, z.B. Sulfasalazin. Mesalazin kommt bei Morbus Crohn nur noch bei wenigen Patienten zum Einsatz.

Sulfasalazin

Sulfasalazin ist seit vielen Jahren das Standard-Mesalazin- oder 5-ASA-Präparat. Sulfasalazin ist eine Kombination aus Mesalazin und Sulfapyridin. Sulfapyridin ist ein Sulfonamid-Antibiotikum, das verhindert, dass Mesalazin absorbiert wird, bevor es den Dickdarm erreicht. Im Dickdarm spalten Darmbakterien das Sulfasalazin in seine beiden Komponenten auf: in Mesalazin, dem aktiven Komponenten, das den Entzündungsprozess blockiert, und in Sulfapyridin, das in der Behandlung keine Rolle spielt.

Bei manchen Morbus Crohn-Patienten, die eine Entzündung im Dickdarm haben, kann das Präparat nützlich sein, aber es hilft kaum bei der Erkrankung im Dünndarm und kann einen Rückfall meist nicht verhindern.

Die Sulfa-Komponente im Sulfasalazin verursacht die meisten Nebenwirkungen und evtl. allergische Reaktionen, die bei bis zu 30 % der Patienten auftreten. Häufige Nebenwirkungen können Sodbrennen, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Verdauungsprobleme, Schwindel, Blutarmut, Fieber und Ausschlag sein. Bei Männern kann das Mittel vorübergehend die Anzahl der Spermien reduzieren und den Urin orange-gold färben. Schwere Nebenwirkungen treten selten auf, aber regelmäßige Blutproben sind nötig, um die Behandlung zu kontrollieren, besonders zu Behandlungsbeginn. Der Einsatz von Sulfasalazin kann einen Folsäure-Mangel verursachen; daher wird empfohlen, Folsäure-Präparate einzunehmen. Wie bei allen wichtigen Medikamenten in der Behandlung von Morbus Crohn kann ein abruptes Absetzen des Sulfasalazins während einer aktiven Krankheitsphase einen schweren Rückfall auslösen.

Olsalazin

Olsalazin ist ein Doppelmolekül aus Mesalazin und bleibt wie Sulfasalazin intakt, bis es den Dickdarm erreicht, wo es in die zwei Mesalazin-Moleküle aufgespalten wird. Das Präparat verursacht bei einigen Patienten Diarrhö, was sich jedoch durch anfänglich niedrige Dosierungen und dem Einnehmen des Medikaments während der Mahlzeiten vermeiden lässt.

Balsalazide

Balsalazide ähneln dem Salazopyrin, aber der Sulfonamidanteil wird durch einen neutralen Stoff ersetzt. Balsalazid besteht aus Mesalazin, das durch eine Azoverbindung an das Trägermolekül 4-Aminobenzoyl-Beta-Alanin (4-ABA) gebunden ist. Dickdarmbakterien spalten diese Bindung auf und setzen das Mesalazin frei.

Kortikosteroide

Kortikosteroide, auch Steroide genannt, sind starke entzündungshemmende Mittel. Die am häufigsten verwendeten Steroide sind Prednisolon, Kortison und Methylprednisolon. Sie werden nur bei aktivem Morbus Crohn verwendet. Aufgrund der ungünstigen Langzeitnebenwirkungen werden sie nicht zur Langzeitbehandlung verwendet. Kortikosteroide werden gelegentlich mit anderen Medikamenten kombiniert, um die Symptome schnell zu lindern und um die Kortikosteroide möglichst schnell wieder absetzen zu können. Neuere Steroide wie Budesonid sind entwickelt worden, die weniger Nebenwirkungen erzeugen, und werden bei einer beträchtlichen Anzahl von Erkrankungsfällen verwendet, besonders bei einer Entzündung im Übergang zwischen dem Dünndarm und dem Dickdarm.

Steroide können sowohl als Tabletten als auch direkt ins Blut (intravenös) oder durch den Enddarm mittels eines Klistiers oder in Schaumform verabreicht werden. Bei moderaten bis schweren Fällen von Morbus Crohn werden oft Tabletten verwendet. Bei einer schweren Erkrankung, die zu einer Einlieferung ins Krankenhaus führt, werden Steroide oft zuerst intravenös verabreicht. Wenn die Darmaktivität normalisiert ist und die Patienten essen können, wird die intravenöse Behandlung beendet, und es werden stattdessen Tabletten verabreicht. Die Dosierung wird allmählich reduziert.

Lesen Sie dazu das separate Kapitel Kortikosteroide, u a. Nebenwirkungen.

Immunmodulatoren

Bei einer sehr aggressiven Entzündung, bei der die Standardbehandlung schlecht wirkt, werden Immunmodulatoren für die Langzeitbehandlung verwendet. Diese Arzneimittel dämpfen das Immunsystem und somit auch die Entzündungsreaktion, die Morbus Crohn verursacht. An erster Stelle steht oft Azathioprin. Azathioprin kann während eines aktiven Schubs mit einem Kortikosteroid kombiniert werden. Dies ermöglicht es, das Kortison niedriger zu dosieren und es eventuell früher abzusetzen, was die Nebenwirkungen verringert. Azathioprin kann Kortison nicht ersetzen, weil es seine volle Wirkung erst nach 3−6 Monaten entfaltet. Das Präparat scheint lang anhaltende Remissionen zu erreichen. Die Patienten müssen zu Beginn häufig untersucht werden, weil das Medikament schwere Nebenwirkungen verursachen kann. Die Verordnung von Azathioprin ist eine Aufgabe von Spezialisten.

Andere Immunmodulatoren sind z.B. 6-Mercaptopurin oder auch sog. TNF-alpha-Blocker. Letztere werden speziell auch Biologika genannt.

Biologika

Zu der Gruppe der sogenannten Biologika zählen Infliximab und Adalimumab, die beide TNF-Alpha blockieren. TNF (Tumornekrosefaktor) ist ein Protein, das vom Immunsystem produziert wird und dazu beiträgt, die Entzündungsreaktion bei Morbus Crohn aufrechtzuerhalten. Ein TNF-Blocker wirkt dem entgegen und dämpft somit die Entzündungsreaktion.

Diese Art von Arzneimitteln hat in vieler Hinsicht die Behandlung von entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa revolutioniert, aber die Langzeitwirkungen ist noch unbekannt. In einzelnen Fällen wurde von Patienten berichtet, die Kombinationen von älteren und neueren Medikamenten verwendet haben und später an schwer zu behandelnden Krebsformen erkrankten. Dies hat zu einer verschärften Überwachung des Gebrauchs von solchen Medikamenten geführt. Das Risiko, diese Form der Krebserkrankung zu entwickeln, ist nichtsdestotrotz für den einzelnen Patienten sehr gering. Die Medikamente können alleine (ohne Kortikosteroide) oder in Kombination mit z.B. Azathioprin verwendet werden, um bei Patienten eine Remission zu erreichen (also den vollständigen Rückgang der Symptome über eine längere Zeit).

Andere Arzneimittel

Mehrere der Arzneimittel, die oben aufgeführt sind, werden auch bei der Behandlung von anderen Autoimmunerkrankungen verwendet, wie z. B bei rheumatoider Arthritis. Wenn die „typischen‟ Medikamente keine Wirkung zeigen, wird eine Behandlung mit Medikamenten versucht, die sich bei anderen Autoimmunerkrankungen als wirksam erwiesen haben. Eines dieser Medikamente ist Methotrexat, das auch bei rheumatoider Arthritis wirksam ist, aber auch in der Krebsbehandlung eingesetzt werden kann.

Enterale Ernährung

Dies ist eine Behandlungsart, die eine sehr positive Wirkung haben kann. Statt der normalen Nahrungszufuhr erhalten die Patienten über einige Wochen lang nur Flüssignahrung über eine Sonde, was v.a. bei Kindern meist sehr effektiv ist. Für weiterführende Informationen über diese Behandlung lesen Sie bitte das Kapitel medizinische Behandlung von Morbus Crohn.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Morbus Crohn. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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