Morbus Crohn, Ursachen

Der Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Magen-Darm-Trakts, die grundsätzlich alle Abschnitte des Dünndarms und Dickdarms betreffen kann. Bei etwa der Hälfte der Patienten finden sich jedoch nur entweder im Dünndarm oder im Dickdarm Veränderungen.

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Morbus Crohn

Der Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Magen-Darm-Trakts, die grundsätzlich alle Abschnitte des Dünndarms und Dickdarms betreffen kann. In einigen Fällen sind auch Speiseröhre und Magen mitbeteiligt. Entzündliche Veränderungen der Schleimhaut und Darmwand und dadurch bedingtes Narbengewebe können dazu beitragen, dass die Darmpassage stellenweise verengt ist, wodurch es zu starken Bauchschmerzen kommen kann. Auch Durchfall tritt häufig auf, da die entzündeten Bereiche nicht mehr voll funktionsfähig sind. Entzündungen und Risse im Bereich des Anus sind ebenfalls üblich. Eine besonders unangenehme Folge sind Fisteln, also neu entstandene Verbindungen zwischen z. B. Darm und Haut. Patienten mit Morbus Crohn leiden zudem oft auch an Begleitkrankheiten bzw. Beschwerden an Gelenken, der Haut, der Augen oder innerer Organe.

Der Morbus Crohn führt oft zu ähnlichen Beschwerden wie eine andere Darmerkrankung, die Colitis ulcerosa. Im Einzelnen sind Symptome und v. a. Gewebeveränderungen jedoch in der Regel deutlich verschieden. Die beiden Erkrankungen werden unter dem Oberbegriff der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zusammengefasst.

Warum genau bei einem Individuum ein Morbus Crohn entsteht, ist nicht bekannt. Es spielen mehrere Faktoren eine Rolle, von denen einige anhand von Studien geklärt werden konnten: Erbliche Faktoren, Umwelteinflüsse sowie Infektionen und Mechanismen des Immunsystems.

Genetische Veranlagung

Sowohl beim Morbus Crohn als auch bei der Colitis ulcerosa kann eine familiäre Häufung beobachtet werden. Leiden etwa Vater und Mutter an Morbus Crohn, so liegt das Risiko der Kinder für diese Krankheit bei 30 %; bei einem betroffenen Elternteil bei 10 %. Handelt es sich um ein Geschwisterkind, wird man mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 5 % selbst an Morbus Crohn erkranken. Insgesamt leiden in Deutschland 100–200 von 100.000 Personen an Morbus Crohn.

Vermutlich spielen neben der genetischen Veranlagung auch Umweltfaktoren eine Rolle beim Ausbruch der Erkrankung (s. u.). Forscher gehen davon aus, dass bestimmte Umweltfaktoren existieren, die bei Menschen mit entsprechender genetischer Veranlagung eine entzündliche Reaktion auslösen können. Ist die Entzündung erst einmal im Gange, scheinen gewisse Gene überdies entscheidend daran beteiligt zu sein, den Entzündungsprozess aufrecht zu erhalten. Es ist durchaus möglich, dass der Morbus Crohn aus mehreren bislang unbekannten Subtypen besteht, von denen jeder ein anderes genetisches Profil aufweist und für verschiedene Umwelteinflüsse anfällig ist, aber alle ungefähr die gleichen Symptome auslösen.

Forscher konnten mehrere Gene identifizieren, die beim Morbus Crohn eine Rolle zu spielen scheinen.

Umweltfaktoren

Diverse Umweltfaktoren stehen offenbar im Zusammenhang mit Morbus Crohn, allerdings weiß man bislang nicht, welche Rolle sie bei der Erkrankung im Endeffekt spielen:

  • Bei Rauchern ist das Risiko, an Morbus Crohn zu erkranken, deutlich höher als bei Nichtrauchern. Auch Passivrauchen im Kindesalter erhöht das Erkrankungsrisiko. Bei Rauchern mit nachgewiesenem Morbus Crohn besteht ein erhöhtes Risiko, dass die Erkrankung deutlich stärker ausgeprägt ist bzw. die Medikamente nicht so gut wirken.
  • Entzündungshemmende Schmerzmittel, wie Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen (sog. NSAR), können zur Entwicklung eines Morbus Crohn beitragen.
  • Die Zusammensetzung der Bakterien im Darm (Darmflora) spielt offenbar ebenfalls eine Rolle.
  • Forschungsstudien haben sich mit der Frage befasst, ob bestimmte Ernährungsgewohnheiten eine Rolle spielen. Die Ergebnisse ließen allerdings keine eindeutigen Schlussfolgerungen zu.

Immunsystem

  • Das Immunsystem besteht aus zahlreichen spezifischen Zellen und v. a. Botenstoffen (Zytokine), die einen entzündlichen Prozess aktivieren oder hemmen.
  • Die dadurch verursachten Prozesse sind u.a. abhängig von genetischen Faktoren und Umwelteinflüssen.
  • Bei Morbus Crohn lässt sich im Vergleich zu Gesunden ein Ungleichgewicht zwischen Faktoren nachweisen, die eine Entzündung fördern und denen, die diese eindämmen. Solche aktivierten Entzündungsprozesse spielen eine wichtige Rolle für die Schädigung der Darmwand. 

Wieso erkranken nicht alle Familienmitglieder an Morbus Crohn?

Man könnte meinen, eine genetisch bedingte Erkrankung brächte mit sich, dass alle in der Familie davon betroffen sind. So einfach ist es allerdings nicht. Genauso, wie sich Körperlänge, Gewicht und Aussehen innerhalb einer Familie unterscheiden, sind die einzelnen Familienmitglieder auch unterschiedlich empfänglich für verschiedene Erkrankungen. Bei Morbus Crohn handelt es sich nicht um eine Erbkrankheit im eigentlichen Sinne, vererbt wird lediglich die Veranlagung. Darüber hinaus scheint das Zusammenspiel mit bestimmten Umweltfaktoren eine entscheidende Rolle für den Ausbruch der Erkrankung zu spielen. Einige Familienmitglieder erben bestimmte Gene, die mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko einhergehen, andere nicht. Und während einige Familienmitglieder bestimmten Umweltfaktoren ausgesetzt sind, die zur Entstehung eines Morbus Crohn beitragen können, ist dies bei anderen nicht der Fall.

Auch eine Erkrankung ohne familiäre Vorbelastung ist möglich. Grundsätzlich kann jeder an einem Morbus Crohn erkranken. Bei der Mehrheit aller Betroffenen liegen in der näheren Verwandtschaft keine Erkrankungsfälle vor.

Weiterführende Informationen

Patientenverbände

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Morbus Crohn. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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