Morbus Crohn

Der Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Magen-Darm-Trakts.

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Morbus Crohn – was ist das?

Innere Organe und Milz

Morbus Crohn ist eine Entzündung des Magen-Darm-Trakts. Er kann prinzipiell in jedem Abschnitt des Verdauungstrakts vom Mund bis zum After auftreten, meist ist allerdings der Übergangsbereich zwischen Dünndarm und Dickdarm betroffen. Dabei sind alle Schichten der Darmwand, von der Schleimhaut bis hin zur Außenseite des Darms, von der Entzündung betroffen. Die entzündeten Bereiche sind gerötet, geschwollen und können bluten. Die Erkrankung zeichnet sich durch das Vorkommen entzündlicher, mikroskopisch kleiner Knoten (Granulome) in der Darmwand aus. Darüber hinaus kann es infolge der Entzündungen zu Vernarbungen in der Darmwand kommen. Granulome und Narbengewebe können gleichermaßen dazu beitragen, dass die Darmpassage stellenweise verengt ist. Die entzündeten Bereiche der Schleimhaut sind zudem nicht mehr voll funktionsfähig, es kann zu Durchfall kommen.

Typische Beschwerden bei Morbus Crohn sind wiederholt auftretenden, oft anfallsartige Bauchschmerzen. Meist kommt es auch zu Durchfällen, selten mit Blutbeimengung. Zu den weiteren möglichen Symptomen zählen Völlegefühl, Übelkeit, Erbrechen, Appetitmangel und Gewichtsverlust. Schmerzen im Bereich des Anus kommen häufig vor. Risse in der Schleimhaut sowie die Ausbildung kleiner Strukturen sind möglich, die zu einer Verbindung vom Darm zum Beispiel mit der Haut am Anus oder einem anderen Organ führen (Fisteln). Diese können mit Bakterien infiziert sein und entsprechend zusätzliche Probleme verursachen.

Die Beschwerden können sich unterschiedlich stark äußern. Manche Patienten haben nur leichte Bauchschmerzen und sind im Alltag kaum beeinträchtigt, andere leiden an mäßigen/starken Schmerzen mit häufigen Durchfällen, auch mit Fieber, Gewichtsverlust oder Symptomen, die durch Engstellen im Darm (Stenosen) oder zusätzliche bakterielle Infektionen bedingt sind (Abszesse).

Bei 10–20 % der Betroffenen lassen sich auch in anderen Organen wie der Haut, den Augen und den Gelenken krankhafte Veränderungen nachweisen. Betroffene Kinder wachsen häufig langsamer als ihre Altersgenossen.

Im Durchschnitt erkranken knapp 7 Personen von 100.000 Einwohnern jährlich neu an Morbus Crohn. Es sind unter 100.000 Einwohnern etwa 100–200 von der Darmkrankheit betroffen. Die Diagnose wird meist bei 20- bis 30-Jährigen gestellt; Männer und Frauen erkranken gleich häufig.

Manche Symptome des Morbus Crohn gleichen einer anderen chronisch-entzündlichen Darmerkrankung, die als Colitis ulcerosa bezeichnet wird. Diese tritt allerdings nur im Dickdarm auf und ist durch ein anderes Entzündungsmuster gekennzeichnet. Die beiden Erkrankungen werden unter dem Oberbegriff der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zusammengefasst (nicht bakteriell oder viral bedingte Entzündungen).

Ursache

Die Ursache für die Entstehung des Morbus Crohn ist bislang ungeklärt. Bakterien oder Viren konnten nicht als Auslöser der Entzündungsschübe ausgemacht werden. Vermutlich handelt es sich um eine sogenannte Autoimmunerkrankung. Dabei kommt es zu einer Überreaktion des Immunsystems auf die körpereigenen Strukturen, die fälschlicherweise als fremd erkannt werden. Dies setzt diverse entzündliche Prozesse in Gang, die dem Körper schaden. Forscher konnten gewisse Ähnlichkeiten zwischen Morbus Crohn und anderen Autoimmunerkrankungen wie Arthritis, Psoriasis (Schuppenflechte) und multipler Sklerose (MS) aufdecken.

Vermutlich sind auch genetische Faktoren von Bedeutung. Das gehäufte Auftreten von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa in einigen Familien deutet zumindest darauf hin. Sind beide Eltern eines Kindes an einer chronisch entzündlichen Darmkrankheit erkrankt, so wird das Kind mit einer Wahrscheinlichkeit von 30% ebenfalls daran leiden (bei einem Elternteil: 10%). Vermutlich liegt dies an einer Kombination von Umwelt- und genetischen Faktoren.

Verschiedene Umweltfaktoren können das Risiko für einen Morbus Crohn erhöhen:

  • Rauchen
  • bestimmte Schmerzmittel, wie Ibuprofen
  • bestimmte Bakterienarten im Darm, die nicht den dort üblichen Bakterien entsprechen

Diagnostik

Die Diagnosestellung erfolgt anhand der Krankengeschichte (Anamnese) und typischer Symptome wie Schmerzen und Durchfälle. Um andere Erkrankungen ausschließen zu können, werden Blut und Stuhlgang untersucht. Im Stuhlgang lässt sich zuweilen Blut nachweisen, der Hämoglobin-Wert im Blut kann dann niedriger sein (Blutarmut). Anhand der Blutuntersuchungen lassen sich zudem Entzündungswerte feststellen, die Funktion von Nieren und Leber überprüfen oder auch beurteilen, ob ein durch die Krankheit bedingter Vitaminmangel vorliegt. Im Stuhl kann eine Erhöhung eines Markers namens Calprotectin auf das Vorliegen eines Morbus Crohn hinweisen. Zudem wird der Arzt wahrscheinlich eine Stuhlprobe zur Untersuchung auf verschiedene Darmkeime verschicken, um eine solche Infektion ausschließen zu können.

Anhand einer Ultraschalluntersuchung des Bauchs lässt sich oft eine aktive Entzündung des Dünndarms bei Morbus Crohn erkennen.

Zur Sicherung der Diagnose wird normalerweise eine Koloskopie (Darmspiegelung) durchgeführt: Mithilfe eines speziellen röhrenförmigen Untersuchungsgeräts, das am vorderen Ende mit einer Lichtquelle und einer Kamera ausgestattet ist, kann der Arzt den Dickdarm bis hin zum Ende des Dünndarms inspizieren. So können eventuelle Entzündungen und Blutungen entdeckt werden. Gleichzeitig werden Gewebeproben (Biopsien) zur mikroskopischen Untersuchung entnommen. Besteht der Verdacht auf eine Beteiligung der Speiseröhre und des Magens, wird zusätzlich eine Magenspiegelung sinnvoll sein. Inzwischen wurde zudem eine Methode namens Kapselendoskopie entwickelt: Dabei schluckt der Patient eine in einer kleinen Kapsel verpackte Kamera, die während der Magen-Darm-Passage fortlaufend Aufnahmen macht: So kann der Arzt alle Abschnitte des Magen-Darm-Trakts begutachten.

In einigen Fällen kann auch eine Röntgenuntersuchung (mit Kontrastmittel) des Dünndarms sinnvoll sein. Andere bilddiagnostische Verfahren wie Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) kommen ebenfalls zum Einsatz. Mittels CT und MRT kann die Ärztin vor allem erkennen, ob bereits Engstellen im Darm (Stenosen) oder Fisteln vorliegen.

Therapie

Die Behandlung zielt auf die Linderung und Kontrolle der Symptome sowie der Krankheitsaktivität ab. Die Beschwerden sollen möglichst ganz zurückgehen (Remission), auch wenn sich die Krankheit nicht ganz heilen lässt. Desweiteren soll möglichen Komplikationen vorgebeugt werden.

Im Allgemeinen empfiehlt sich eine nährstoffreiche Ernährung mit ausreichender Kalorienzufuhr. Die Nährstoffaufnahme im Darm wird durch vorhandene Entzündungen gehemmt, der Mangel muss daher durch eine erhöhte Nahrungszufuhr ausgeglichen werden. Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit Eisen, Vitamin B12, Vitamin A, Vitamin D, Folsäure, Vitamin K, Kalium, Kalzium und Magnesium kann unter Umständen erforderlich sein. In bestimmten Situationen (Darmstenosen, heftige Durchfälle u.a.), wird Ihnen der Arzt entsprechend besondere Ernährungsratschläge geben können. Manchmal ist eine Therapie im Krankenhaus mit einer vorübergehenden Ernährung über eine Magensonde oder auch über die Vene (parenteral) notwendig.

Um die Entzündung einzudämmen, erfolgt eine medikamentöse Therapie. Verschiedene Wirkstoffgruppen kommen dabei zum Einsatz:

  • Mittel der Wahl zur medikamentösen Behandlung bei Morbus Crohn sind Kortisonpräparate (Prednisolon und Budesonid), andere spezielle Wirkstoffe zur Eindämmung der Entzündung (5-ASA, Sulfasalazin) und Immunsuppressiva (Azathioprin/6-Mercaptopurin u.a.).
  • Zunehmend kommen auch noch gezielt wirkendere Immunsuppressiva zum Einsatz (z.B. Infliximab).
  • Antibiotika kommen überwiegend bei der Behandlung von Fisteln und Abszessen zur Anwendung.
  • Je nach speziellem Problem sind weitere Medikamente erforderlich, zum Beispiel Mittel gegen Durchfall oder auch Nahrungsergänzungsmittel/Vitamine bei Mangelernährung.

In erster Linie wird versucht, die Erkrankung durch Medikamente zu kontrollieren. Dennoch müssen die meisten Patienten mit Morbus Crohn mindestens einmal im Leben operiert werden. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn Verengungen vorliegen, welche die Passage des Darminhalts blockieren. Bei der Operation werden Teile des Darms entfernt oder Komplikationen wie Verengungen, Fisteln, Abszesse oder Blutungen anderweitig behandelt.

Betroffene sollten in jedem Fall mit dem Rauchen aufhören. Bei Rauchern besteht ein erhöhtes Risiko, dass die Erkrankung deutlich stärker ausgeprägt ist als bei Nichtrauchern.

Prognose

Der Krankheitsverlauf variiert. Viele der Betroffenen sind über lange Phasen völlig symptomfrei, aber fast alle erleben Rückfälle (Rezidive). Tritt der Morbus Crohn bereits im Kindesalter auf, so ist der Krankheitsverlauf oftmals schwerer als bei Erwachsenen. Mehr als die Hälfte aller Patienten mit Morbus Crohn müssen einmal oder mehrfach operiert werden.

Folgende Komplikationen können im Zusammenhang mit der Erkrankung auftreten:

  • Die Entzündungen können zu Verengungen (Stenosen) in Teilbereichen des Darms führen; Verstopfung und Schmerzen sind die Folge.
  • Es kann zur Fistelbildung kommen. Fisteln sind anomale Verbindungen zwischen dem Darm und anderen Organen wie der Harnblase, der Vagina oder der Haut. Sie können sehr schmerzhaft sein und zu schweren Entzündungen außerhalb des Darms führen.
  • Symptome im Bereich des Anus können auftreten, dazu zählen Entzündungen, Abszesse und Risse (Fissuren).
  • Ein Bakterienbefall des Dünndarms kann bestehenden Durchfall verschlimmern.
  • Aufgrund der verminderten Fähigkeit des entzündeten Darms zur Aufnahme der Nährstoffe aus der Nahrung kann es zu Mangelerscheinungen und deutlichem Untergewicht kommen.
  • Bei 10–20 % der Betroffenen lassen sich auch in anderen Organen wie der Haut, den Augen und den Gelenken krankhafte Veränderungen nachweisen.

Weiterführende Informationen

Patientenverbände

 Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Morbus Crohn. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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