Amöbenruhr

Die Amöbenruhr ist eine Infektion des Dickdarms, die durch eine Amöbe (Entamoeba histolytica) ausgelöst wird.

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Was ist die Amöbenruhr?

Es handelt sich um eine Infektion des Dickdarms, die durch eine Amöbe (Entamoeba histolytica) ausgelöst wird. Eine Amöbe ist ein einzelliger Organismus (Protozoon). Diese Darmprotozoen gibt es in zwei Formen: als bewegliche Trophozoiten (Parasiten, die von Darmbakterien und Darmgewebe leben) und als eingekapselte Zystenform (ansteckende Form, die im sauren Milieu des Magens überleben kann).

Meist verläuft die Erkrankung ohne Symptome. 10 % der Betroffenen leiden an Durchfall, der immer stärker und später blutig und schleimig wird, sowie Bauchschmerzen. In der Regel tritt kein Fieber auf. Oft kommt es zu einem Schwächegefühl und einer Gewichtsabnahme. Bei einigen Betroffenen kommt es zu einem schweren Krankheitsverlauf. Sie sind bettlägrig, haben hohes Fieber, müssen sich übergeben und haben Bauchschmerzen. Bei einigen Patienten, meist Männern, kommt es zu Zysten in der Leber, die anfangs keine Probleme bereiten, später aber zu Fieber und Bauchschmerzen führen.

Infektionen mit Entamoeba histolytica kommen weltweit vor, treten aber am häufigsten in tropischen und subtropischen Gebieten auf. An manchen Orten stecken sich über 40 % der Bevölkerung an. Es wird davon ausgegangen, dass weltweit etwa 500 Millionen Menschen infiziert sind. Insgesamt kommt es jährlich zu 50 Millionen Neuerkrankungen; 40.000–100.000 dieser Krankheitsfälle verlaufen tödlich.

Ursache

Die Erkrankung wird meist durch Essen oder Trinken ausgelöst, das die Zystenform von Entamoeba histolytica enthält. Die Infektion kann auch durch Analsex übertragen werden.

Prädisponierende Faktoren

Die Erkrankung tritt häufig aufgrund von schlechten sanitären Verhältnissen auf. Durch falsche Ernährung oder Unterernährung sowie Alkoholismus verliert der Körper an Widerstandskraft und es kann leichter zu einer Infektion kommen. Bei schwangeren Frauen und Kindern ist der Krankheitsverlauf meist schwerer als bei anderen Betroffenen. Bestimmte Medikamente, z. B. Kortison, können die Infektion verschlimmern.

Diagnostik

Die Krankheit wird vermutet, wenn Sie in den letzten Monaten tropische oder subtropische Gebiete besucht haben. Bei Symptomen wie Durchfall, Bauchschmerzen und schlechtem Allgemeinzustand sollte eine Untersuchung durchgeführt werden.

Die Diagnose wird durch die Untersuchung von Blut- und Stuhlproben gestellt. Meist ist eine Untersuchung des Enddarms mit einem Rektoskop/Koloskop notwendig, um andere Erkrankungen auszuschließen. Auch Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen können nötig sein.

Therapie

Ziel der Behandlung ist es, die Protozoen abzutöten. Dazu werden bestimmte Antibiotika verabreicht, z. B. Metronidazol. In Ausnahmefällen können auch andere Medikamente eingesetzt werden.

Prävention

Leiden Sie unter Amöbenruhr, müssen Sie bestimmte Maßnahmen beachten, um andere nicht anzustecken.

  • Eine gute Hygiene ist dabei sehr wichtig.
  • Waschen Sie die Hände, nachdem Sie auf der Toilette waren.
  • Verwenden Sie ein eigenes Handtuch.
  • Alle Personen aus Ihrem nahen Umfeld (in Ihrem Haushalt, Familienangehörige, Sexualpartner) müssen ihren Stuhlgang kontrollieren.

Seien Sie mit dem Essen und Trinken im Ausland vorsichtig, um sich nicht erneut anzustecken. Kochen Sie Trinkwasser einige Minuten ab, um Parasiten abzutöten.

Kinder mit Amöbenruhr können nach erfolgreicher Therapie und zwei Tagen Symptomfreiheit wieder in den Kindergarten/die Schule gehen. Eine Kontrolluntersuchung wird frühestens eine Woche nach abgeschlossener Therapie durchgeführt.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Amöbiasis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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