Diarrhö (Durchfall) durch Antibiotika

Antibiotika töten Bakterien ab, die zu einer Infektion geführt haben. Dabei gehen aber auch zahlreiche Keime zugrunde, die zur gesunden Bakterienflora im Darm gehören. Dies kann zu Durchfall (Diarrhö) führen. Die wichtigste Therapiemaßnahme ist die Beendigung der aktuellen Antibiotikabehandlung.

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Was ist eine durch Antibiotikagebrauch verursachte Diarrhö?

 

Diarrhö (Durchfall) ist eine häufige Komplikation bei der Verwendung von Antibiotika. In den meisten Fällen ist es eine kurz andauernde, wenig beschwerliche Episode. Manchmal kann es aber auch zu einer ernsten Erkrankung führen. Da Antibiotika zusätzlich zu ihrer erwünschten Funktion auch Bakterien abtöten, die im Darm wichtige Funktionen haben, können sich dort gefährliche Erreger übermäßig vermehren. Die bekannteste Durchfallerkrankung, die durch Antibiotika ausgelöst werden kann, ist die Clostridium difficile-Infektion, die in einzelnen Fällen zu einer schweren Erkrankung namens pseudomembranöse Kolitis führen kann.

Sehr starke Durchfallerkrankungen als Folge von Antibiotikabehandlung kommen fast ausschließlich nach einer Therapie im Krankenhaus vor. Eine solche Komplikation verlängert den Krankenhausaufenthalt im Durchschnitt um drei bis sieben Tage und hat oft andere Infektionen zur Folge (20–65 %). Vor allem für Patienten in einem schlechten Allgemeinzustand, die bereits an anderen schweren Grundkrankheiten leiden, kann eine solche durch Antibiotika bedingte Darminfektion lebensgefährlich sein.

Ursachen

Im Darm befinden sich normalerweise verschiedene Bakterien in großer Menge. Sie sind wichtig für die Verdauung und ein wichtiger Schutz gegen das Eindringen von krankheitserregenden Bakterien. Antibiotika sollen Bakterien im Falle zum Beispiel einer Lungenentzündung abtöten, zerstören jedoch dabei auch viele dieser wichtigen Darmbakterien. Dies schwächt das Widerstandsvermögen des Darms gegen krankheitserregende Bakterien; eine Infektion durch solche Bakterien verursacht in der Regel eine langanhaltende Durchfallerkrankung.

Clostridium difficile ist Ursache von ca. 20–30 % der Fälle einer durch Antibiotika bedingten Diarrhö und wahrscheinlich von fast allen Fällen von pseudomembranöser Kolitis.

Der Gebrauch sogenannter Breitbandantibiotika (Substanzen, die gegen sehr viele verschiedene Bakterientypen wirken), hohes Alter und schlechter allgemeiner Gesundheitszustand, eventuell auch die Einnahme säurehemmender Medikamente (gegen Sodbrennen) erhöhen das Risiko für eine durch Antibiotika ausgelöste Diarrhö.

Diagnostik

Eine durch Antibiotika ausgelöste Diarrhö tritt meist 2–4 Wochen (bis zu 12 Wochen) nach der Behandlung mit Antibiotika auf. Die Diarrhö variiert von einzelnen Episoden mit losem Stuhl bis hin zu sehr häufigen, oft flüssigen, manchmal blutigen Entleerungen. Hat sich eine pseudomembranöse Kolitis entwickelt, können Fieber, Bauchschmerzen und ein geschwächter Allgemeinzustand hinzukommen.

Um andere Ursachen für die Erkrankung auszuschließen, sind Blutuntersuchungen wichtig. Stuhlproben können zeigen, welche Bakterien die Krankheit ausgelöst haben. Manchmal können auch eine Darmspiegelung, Röntgen oder Computertomografie notwendig sein, um andere Erkrankungen auszuschließen.

Behandlung

Das Ziel der Behandlung ist, die Infektion bei kranken Patienten zu beenden und eine Ausbreitung auf andere Patienten zu verhindern.

Die wichtigsten Maßnahmen sind das Einstellen der aktuellen Antibiotikabehandlung und die Einschränkung des Gebrauchs bestimmter Antibiotikatypen, die das Risiko für Darmerkrankungen erhöhen. Bei den meisten Patienten reicht es aus, die aktuelle Antibiotikabehandlung abzubrechen.

Bei einer schweren Erkrankung ist die Einweisung ins Krankenhaus notwendig. Dort können die Patienten Flüssigkeit per Infusion erhalten und so lange überwacht werden, bis sie gesund sind. Schwierig wird es, wenn der Patient wegen der ursprünglichen Infektion, die die Antibiotika erst nötig machte, unbedingt weiterhin Antibiotika benötigt. Dann wird der Arzt ein Antibiotikum wählen, das in der Regel nur sehr selten zu antibiotikabedingtem Durchfall führt.

Wird eine Infektion mit Clostridium difficile nachgewiesen, so stehen bestimmte andere Antibiotika zur Verfügung, die speziell gegen diesen Erreger wirken. Meist wird Metronidazol gegeben, manchmal aber auch Vancomycin.

Probiotika können Studien zufolge möglicherweise Durchfallerkrankungen nach einer Antibiotikatherapie vorbeugen. Probiotika sind Produkte, die lebende Organismen enthalten, normalerweise Bakterien, insbesondere Milchsäurebakterien. Probiotika können das bakterielle Gleichgewicht (Bakterienflora) im Darm wiederherstellen und dadurch die Darmfunktion und damit die Gesundheit verbessern. Probiotika gibt es in Form von gärenden Milchprodukten wie Sauermilch und Joghurt. Es gibt sie auch als gefriergetrocknete Bakterien in rezeptfreien Medikamenten gegen Diarrhö.

Prognose

In den meisten Fällen geht die Diarrhö von selbst vorüber, ohne dass man besonders krank wird. Wenn Ihr Gesundheitszustand aber schon geschwächt ist, besteht ein erhöhtes Risiko, dass Sie ernster krank werden und eine Einweisung in die Klinik nötig wird. In einigen Fällen kann der Zustand chronisch werden und die Diarrhö immer wieder auftreten. 10–20 % der betroffenen Patienten erleiden einen Rückfall.

Eine kleine Anzahl der Erkrankten mit Clostridium difficile entwickelt eine schwere pseudomembranöse Kolitis, die eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung ist.

Ist ein Patient an antibiotikabedingtem Durchfall erkrankt, sind effektive Hygienemaßnahmen entscheidend, um eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Die Patienten werden in einem Krankenzimmer allein isoliert, Pflegekräfte, Angehörige und Ärzte müssen strenge Hygieneregeln beachten (sorgfältige Händedesinfektion, sterile Kittel etc.).

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Antibiotika-assoziierte Diarrhö. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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