Darminfektion

E.-coli-Infektionen: EHEC, EIEC, EPEC, ETEC

Manche Arten von E.-coli-Bakterien kommen natürlicherweise im Darm vor und tragen zur gesunden Darmflora bei. Unter bestimmten Bedingungen können sie zum Teil gefährliche Krankheiten auslösen. Bestimmte Typen (EHEC, EPEC und andere) führen üblicherweise zu Darmerkrankungen.

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Was ist eine E.-coli-Infektion?

E. coli (Escherichia coli) ist eine Sammelbezeichnung für eine Gruppe Bakterien, die natürlicherweise in großen Mengen im Darmsystem von  Menschen und warmblütigen Tieren vorkommt. Die Bakterien tragen zu einer gesunden Darmflora bei, indem sie den Verdauungsprozess unterstützen und verhindern, dass sich gefährliche Bakterien im Darm vermehren können.

Die meisten Stämme von E. coli sind nicht krankheitserregend (pathogen) und damit harmlos. Einige Arten können jedoch unter besonderen Bedingungen eine Erkrankung verursachen, sog. „fakultativ pathogene“ Keime. Andere Varianten, die sog. „obligat pathogenen Keime“, lösen bei allen Betroffenen Erkrankungen aus. Dabei handelt es sich insbesondere um „darmpathogene Keime“, die zu Darmerkrankungen führen, die mit Durchfall einhergehen. 

Unterschiedliche Arten von E.-coli-Infektionen

Erkrankungen durch fakultativ pathogene E. coli

Wie bereits gesagt, versteht man unter einem fakultativ pathogenen Erreger einen natürlicherweise den Körper besiedelnden Keim, der nur unter bestimmten Bedingungen eine krankmachende Wirkung entfaltet. Solche Bedingungen können sein:

  • Beeinträchtigung des Immunsystems, z. B. bei Erkrankungen des Immunsystems oder bei Immunschwäche infolge anderer Erkrankungen (z. B. Krebs)
  • hohe Keimzahl
  • Eindringen der Erreger in sonst sterile Körperbereiche, z. B. in die Harnblase
  • Eindringen in Organe, die durch andere Erkrankungen vorgeschädigt sind.

In diesen Fällen können ansonsten ungefährliche E.-coli-Stämme z. B. Harnwegsinfekte (vor allem bei Frauen), Wundinfektionen, Lungenentzündungen und andere Erkrankungen auslösen.

Erkrankungen durch obligat pathogene E. coli

Man unterscheidet derzeit fünf verschiedene Arten von darmpathogenen E. coli:

  • enteropathogene (EPEC): 82 % der 2014 gemeldeten Fälle von EPEC, EAEC, ETEC, EIEC (siehe unten)
  • enteroaggregative (EAEC/EAggEC): 10 %
  • enterotoxische (ETEC): 4 %
  • enteroinvasive (EIEC): 1 %.

Sie alle werden durch Schmierinfektion und vor allem durch kontaminierte Lebensmittel übertragen.

Die gefährlichste Form ist der

  • enterohämorrhagische E.-coli-Stamm (EHEC).1

Durch EHEC verursachte Darmerkrankungen wurden vornehmlich unter dem Namen enterohämorrhagische Kolitis bekannt. EHEC-Infektionen zählen zu den häufigsten Ursachen für Lebensmittelvergiftungen. Der Erreger ist hoch infektiös: 10 bis 100 Bakterien sind ausreichend, um einen Menschen zu infizieren. Die niedrige Infektionsdosis begünstigt eine Übertragung von Mensch zu Mensch. Eine Infektion kann jedoch auch durch Tierkontakt (Zoonose) oder durch Verschlucken von kontaminiertem Badewasser erfolgen.  

Wie häufig treten diese Infektionen auf?

Darminfektionen mit Durchfall sind ein großes Problem in Entwicklungsländern. Insbesondere Kinder sind für diese Art von Infektionen anfällig. Befinden sie sich darüber hinaus in einem schlechten Gesundheitszustand, kann eine Infektion im schlimmsten Fall tödlich verlaufen. In Industrieländern führen solche Infektionen dank der besseren Therapiemöglichkeiten nur sehr selten zum Tod.

In Deutschland wurden 2014 insgesamt 8.415 Erkrankungen durch EPEC, EAEC, ETEC und EIEC gemeldet, eine Zunahme um 7,3 % im Vergleich zum Vorjahr und ein Anstieg um zwei Drittel seit 2001. Die meisten der Betroffenen hatten sich in Deutschland angesteckt (84%). Die meisten Auslandsnennungen entfielen auf die Türkei (3 %) und Ägypten (2 %).

Auf EHEC entfielen 1.650 Meldungen (die zweithöchste Zahl übermittelter Erkrankungen seit 2001); v.a. Kleinkinder unter 5 Jahren sind von solchen Infektionen betroffen. Auch hier waren die meisten Infektionen in Deutschland erfolgt (87 %), gefolgt von der Türkei (3 %) sowie Ägypten, Italien und Namibia (je 1 %).2

Symptome

Die Dauer von der Aufnahme des Erregers bis zum Auftreten von Symptomen (Inkubationszeit) beträgt bei EIEC 10–12 Stunden, bei den anderen Typen 2–6 Tage (bis zu 14 Tagen).

Bei einer EHEC-Infektion kann es zu Durchfall kommen, später mit Blut, der vier bis zehn Tage anhält (bei Kindern etwas länger). Kinder haben meist kein Fieber. Als Komplikationen bei einer EHEC-Infektion können das (hämolytisch-urämische Syndrom, HUS) mit Nierenversagen und die thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (TTP) mit einer niedrigen Anzahl an Blutplättchen auftreten. Die Sterblichkeit bei Kindern mit HUS beträgt 3–5 %. Bei ungefähr 10 % kommt es zu chronischem Nierenversagen.

EPEC verursacht wässrigen Durchfall, häufig einhergehend mit Fieber. Wahrscheinlich ist EPEC eine der sehr seltenen bakteriellen Ursachen für chronischen Durchfall bei Kleinkindern.

EAEC-Infektionen können symptomlos verlaufen oder eine akute oder chronische Durchfallerkrankung verursachen. Meist wird von wässrigem Durchfall mit oder ohne Blut im Stuhl berichtet. Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und leichtes Fieber gehören zu den möglichen Symptomen einer Erkrankung.

ETEC verursacht wässrigen Durchfall, Bauchschmerzen und Übelkeit, meist ohne Fieber. Die Symptome sind oft nur von kurzer Dauer.

Bei EIEC kann das Krankheitsbild einer Dysenterie (Ruhr) ähneln mit eitrigem, manchmal blutigem Durchfall, starken Bauchschmerzen und Fieber.

Therapie

Die Bakterien selbst können nicht behandelt werden. Antibiotika sollten nicht eingesetzt werden, da sie keine Wirkung haben und den Verlauf verschlimmern könnten. Die Infektionen sind selbstbegrenzend und heilen in der Regel nach 2–4 Tagen ohne bestimmte Therapie aus. In Einzelfällen kann die Heilung einige Wochen dauern. Durch den Durchfall kommt es zu einem erhöhten Flüssigkeitsverlust über den Darm. Bei der Therapie ist es darum wichtig, den Flüssigkeitsverlust durch reichliches Trinken auszugleichen. Sind die Symptome sehr ausgeprägt, kann es notwendig sein, dem Patienten im Krankenhaus Flüssigkeit intravenös zuzuführen. Kommt es nach einer EHEC-Infektion zu Nierenversagen, muss der Patient im Krankenhaus behandelt werden. In der kritischen Phase kann eine Dialyse (künstliche Niere) notwendig sein.

Prävention

Die Ansteckung erfolgt über die Übertragung der Bakterien von Tier auf Mensch und durch verunreinigtes Essen und Trinken. Waschen Sie vor und nach der Zubereitung von Speisen die Hände. Das Gleiche gilt nach dem Kontakt mit Haustieren, wenn Sie danach mit lebensmitteln zu tun haben. Vermeiden Sie Speisen, die nicht durchgekocht oder durchgebraten sind. Obst und Gemüse müssen gründlich gewaschen werden. Bewahren Sie Lebensmittel gut gekühlt auf.

Personen mit einer EHEC-Infektion, die in der Lebensmittelindustrie, im Gesundheitsbereich, in der Pflege oder als Erzieherin arbeiten, dürfen erst wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, wenn sie eine bis drei normale Stuhlproben abgegeben haben. Bei den anderen E.-coli-Infektionen sind keine Kontrollproben notwendig.

Kindergarten/Tagesmutter

Auch für den Besuch des Kindergartens gelten strenge Regeln. Kinder mit einer EHEC- oder EIEC-Infektion dürfen den Kindergarten erst wieder besuchen, nachdem sie eine bis drei normale Stuhlproben innerhalb von 24–48 Stunden gesammelt und abgegeben haben. Auch Personen, die mit einem infizierten Kind in Kontakt waren, müssen eine Stuhlprobe abgeben.

In Einzelfällen von Kindern mit EHEC/HUS, die in den Kindergarten gehen, müssen auch die anderen Kinder und Angestellten, die Durchfall haben oder hatten, Stuhlproben abgeben. Kommt es zu einer schweren Infektion bei einem Kind im Kindergarten, müssen eventuell auch Proben von Kindern und Angestellten ohne Symptome genommen werden.

Kinder mit sonstigen E.-coli-Infektionen können bei Symptomfreiheit wieder in den Kindergarten bzw. die Schule gehen; Kontrollproben sind nicht notwendig.

Literatur

  1. Robert Koch Institut. Enterohämorrhagische E. coli (EHEC, STEC, VTEC)/ Hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS). Ratgeber und weitere Informationen. Berlin 2015.www.rki.de
  2. Robert Koch Institut. Infektionsepidemiologisches Jahrbuch für 2014. Berlin 2015.www.rki.de

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln