Reisedurchfall

Reisedurchfall ist eine akute Durchfallerkrankung aufgrund einer Infektion durch verunreinigte Nahrung oder Getränke.

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Was ist Reisedurchfall?

Reisedurchfall ist eine akute Durchfallerkrankung aufgrund einer von Bakterien, Viren oder Parasiten hervorgerufenen Infektion bei Touristen. Meist geht die Krankheit in weniger als fünf Tagen von selbst vorüber. Häufig kommt es vier bis fünf Mal am Tag zu dünnflüssigem Stuhl, möglicherweise mit Blut oder Schleim durchsetzt. Zusätzlich bestehen Bauchschmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen und/oder eventuell Fieber. Etwa 25 % der Betroffenen sind so stark geschwächt, dass sie bettlägerig sind.

Das Risiko, an Reisedurchfall zu erkranken, hängt davon ab, wohin Sie reisen. Das Risiko ist in einigen Regionen in Asien, Afrika und Lateinamerika bzw. Südamerika am größten.

Ursache

In einigen Reiseländern kommt es häufig zu Ausbrüchen von Reisedurchfall. Die Infektion wird fast immer durch verunreinigte Nahrung oder Getränke bzw. Wasser hervorgerufen. Eine schlechte Hygiene bei der Essenszubereitung ist dabei die Hauptursache. Nahrungsmittel und Getränke, die Sie vermeiden sollten, sind roher Salat, ungeschältes Obst, Fleisch und Fisch/Meeresfrüchte, die roh oder nicht durchgebraten/durchgekocht sind, unbehandelte Milchprodukte oder Quellwasser. Kalte Soßen, Salsas und gekochte Speisen, die wieder aufgewärmt werden, stellen auch ein erhöhtes Risiko dar. Im Restaurant oder einer Straßenküche zubereitete Speisen können ebenfalls eine Infektion verursachen.

Bei kleinen Kindern steigt das Risiko einer schweren Infektion. Leiden Sie unter einer verringerten Säureproduktion oder nehmen Sie Säureblocker ein, haben Sie ein erhöhtes Risiko, zu erkranken (Magensäure tötet Bakterien).

Bakterien sind die häufigste Ursache für Reisedurchfall.

  • Etwa 40 % der Fälle werden durch E. coli (ETEC) verursacht.
  • Shigellen, Salmonellen und Campylobacter-Bakterien sind jeweils bei 5–10 % der Betroffenen für die Erkrankung verantwortlich.
  • Unter den Viren sind meist Norovirus oder Rotavirus die Ursache (z. B. in Ferienanlagen, auf Kreuzfahrtschiffen).
  • Parasiten sind seltener als Bakterien oder Viren die Ursache für die Erkrankung. Wird die Infektion durch Parasiten hervorgerufen, dauert sie oft länger als bei einer Bakterien-/Virusinfektion.

Diagnostik

Aufgrund der Symptome und Krankengeschichte ist die Diagnose oft eindeutig. In schweren Fällen und bei einem anhaltenden Verlauf können Stuhlproben untersucht werden, um die Ursache zu finden. In etwa 50 % der Fälle kann allerdings keine Ursache gefunden werden.

Bei Reisedurchfall kann es sich auch um eine reine Lebensmittelvergiftung handeln. In diesem Fall lösen Giftstoffe in den Bakterien und nicht die Bakterien selbst die Krankheit aus. Bei einer Lebensmittelvergiftung treten die Symptome meist bereits nach 1–6 Stunden auf und die Beschwerden gehen innerhalb von 24 Stunden von selbst vorüber.

Therapie

Es ist wichtig, viel zu trinken. Auch gesalzene Snacks können zu einer Besserung des Zustands beitragen. Kohletabletten haben in einigen Fällen eine Wirkung. Am Anfang der Durchfallerkrankung und bei anhaltenden, mäßigen Symptomen wird empfohlen:

  • Für Kinder von 2–10 Jahren: 100–200 ml Flüssigkeit nach jedem dünnflüssigen Stuhl. Eventuell kann Kindern auch ein fertiger Flüssigkeitsersatz verabreicht werden, der u. a. in der Apotheke erhältlich ist.
  • Für Jugendliche Erwachsene: mehr Flüssigkeit als sonst, u. a. mindestens 1 l kohlensäurearmes Mineralwasser. Vermeiden Sie Erfrischungsgetränke oder Sportgetränke, da dadurch die Flüssigkeitsmenge im Darm steigt und der Durchfall schlimmer wird. Möchten Sie diese Getränke zu sich nehmen, sollten Sie sie zu gleichen Teilen mit Wasser mischen.

Bei Durchfall und Anzeichen von Austrocknung wird eine ausgewogene Zucker-Salzlösung empfohlen.

  • Einen solchen Flüssigkeitsersatz können Sie u. a. in der Apotheke kaufen.
  • Hausgemachter Flüssigkeitsersatz für Erwachsene:
    • 1/2 TL (2,5 mg) Salz und 6 TL/2 EL (30 mg) gewöhnlicher Zucker auf 1 l Wasser

Loperamid

Loperamid verringert die Darmaktivität und kann die Durchfallbeschwerden lindern. Betroffene können die Therapie beginnen, wenn der Durchfall es nötig macht oder seit mehr als 3 Tagen besteht. Erwachsene nehmen zwei Tabletten (je 2 mg) nach dem ersten Durchfall ein und danach jeweils eine Tablette nach jedem dünnflüssigen Durchfall. Innerhalb von 24 Stunden dürfen nicht mehr als acht Tabletten verwendet werden. Für Kinder ab 8 Jahren gilt die Hälfte der Dosis (also 1 Tablette zu Beginn, dann bis zu 4 Tabletten [8 mg] täglich). Kinder zwischen 2 und 8 Jahren können Loperamid in einer geringen Dosis nach Empfehlung eines Arztes erhalten, allerdings nicht in Form von Tabletten. Für Kleinkinder (unter 2 Jahren) ist Loperamid nicht zugelassen.

Wenn Betroffene Loperamid ohne ärztliche Beratung/Untersuchung einnehmen, ist zu empfehlen, nach etwa 2 Tagen einen Arzt zu konsultieren, bevor die Tabletten weiter angewendet werden.

Man sollte sich bei der Einnahme darüber im Klaren sein, dass dieser Wirkstoff die Darmtätigkeit hemmt und dadurch die Symptome bzw. die Schwere des Durchfalls lindert. Allerdings wirkt Loperamid nicht gegen die Ursache des Durchfalls und kann sogar dazu führen, dass evtl. vorhandene Bakterien durch die Unterdrückung der Darmentleerung etwas länger im Körper bleiben als ohne diese Medikation.  

Wirkstoffe gegen Übelkeit

Schwere Übelkeit kann mit einem Antiemetikum behandelt werden (z. B. Metoclopramid in Zäpfchenform [nicht für Kinder]).

Antibiotika

Antibiotika werden nur in Ausnahmefällen eingesetzt. Eine frühzeitige Therapie kann bei Patienten mit einer anderen Grunderkrankung wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn, schlecht eingestelltem Diabetes mit Insulingabe, einer HIV-Infektion mit Symptomen, bei der Einnahme von starken Immunsuppressiva und bei schweren Herzerkrankungen in Erwägung gezogen werden. Für Erwachsene wird Ciprofloxacin oder Azithromycin empfohlen. Für Jugendliche empfiehlt sich Azithromycin. Kleinkindern dürfen Antibiotika nur vorsichtig verabreicht werden. Lassen Sie Ihr Kind eventuell im Krankenhaus behandeln, wenn es bereits geschwächt ist. Grundsätzlich wird der Arzt vor Ort entscheiden, welches Antibiotikum sinnvoll ist.

Eine Eigenbehandlung mit Antibiotika ist nach vorheriger genauer Information zu empfehlen, wenn Sie in Gebiete mit einem hohen Ansteckungsrisiko reisen und sich dort unter sehr einfachen Bedingungen aufhalten (ohne gute gesundheitliche Versorgung). Die Therapie wird eingeleitet, wenn die Symptome nach 24 Stunden nicht besser werden bzw. schnellstmöglich, wenn zu dem Durchfall auch allgemeine Symptome wie Fieber hinzukommen.

Prävention

Für Nahrungsmittel und Getränke gilt nach wie vor: „Boil it, cook it, peel it, or forget it“. Also: „Koch es, brat es, schäl es oder vergiss es!“ Die häufigsten Infektionsquellen sind Wasser, Salat, Rohkost, Soßen, roher Fisch, unbehandelte Milch und ungeschältes Obst. Kochen Sie Wasser am besten ab. Sie können Wasser auch jodieren oder chlorieren, aber durch diese Prozesse werden nicht alle Mikroorganismen abgetötet. Wasser aus der Flasche ist sicher, wenn der Korken oder Verschluss unbeschädigt ist. Vor jedem Essen sollte man sehr sorgfältig die Hände waschen. Eine vorbeugende Therapie mit Antibiotika wird nicht empfohlen.

Möglicherweise sind Probiotika hilfreich; hier kann Ihr Arzt Sie beraten.

Eine Impfung ist nicht notwendig. Ausnahmen bilden Reisen in Länder, in denen Cholera vorkommt.

Wie sieht der Krankheitsverlauf aus?

In 90 % der Fälle geht der Durchfall innerhalb von einer Woche von selbst vorüber. Nur eine geringe Anzahl der Betroffenen muss aufgrund von anhaltenden oder starken Beschwerden einen Arzt aufsuchen. Schlagen Antibiotika bei lang anhaltendem Durchfall nicht an, sind eventuell Parasiten die Ursache.

Schwere Komplikationen sind selten, können aber lebensbedrohlich sein. Daher sind eine sorgfältige Prävention und Behandlung wichtig.  

Bei Personen, die an Reisedurchfall litten und im Gesundheitsbereich oder in Berufen der Nahrungsmittelzubereitung arbeiten, sollten anschließend Kontrolluntersuchungen erfolgen um auszuschließen, dass ein Keim weiterhin persistiert.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Reisediarrhö. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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