Reisedurchfall

Reisedurchfall ist eine akute Durchfallerkrankung aufgrund einer Infektion durch verunreinigte Nahrung oder Getränke, die während einer Reise im Ausland auftritt. Insgesamt sind 20–70 % der Reisenden betroffen, meist bessern sich die Beschwerden nach wenigen Tagen deutlich; schwere Verläufe sind jedoch vor allem bei älteren Patienten oder bei bereits bestehenden Krankheiten möglich.

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Was ist Reisedurchfall?

Reisedurchfall ist eine akute Durchfallerkrankung aufgrund einer von Bakterien, Viren oder Parasiten hervorgerufenen Infektion bei Touristen. Meist geht die Krankheit in weniger als 5 Tagen von selbst vorüber. Häufig kommt es 4- bis 5-mal am Tag zu dünnflüssigem Stuhl, möglicherweise mit Blut oder Schleim durchsetzt. Zusätzlich bestehen meist Bauchschmerzen, Übelkeit und eventuell Fieber. Etwa 25 % der Betroffenen sind so stark geschwächt, dass sie bettlägerig sind.

Das Risiko, an Reisedurchfall zu erkranken, hängt davon ab, wohin Sie reisen. Das Risiko ist in einigen Regionen in Asien, Afrika und Lateinamerika bzw. Südamerika am größten. Insgesamt erkranken bis zu 70 % der Reisenden an Durchfall.

Ursachen

In einigen Reiseländern kommt es häufig zu Ausbrüchen von Reisedurchfall. Die Infektion wird fast immer durch verunreinigte Nahrung oder Getränke bzw. Wasser hervorgerufen. Es kann sich dabei um Trinkwasser, Eiswürfel oder um Wasser handeln, das zum Waschen von Obst und Gemüse verwendet wird. Andere Übertragungswege sind Menschen, die in Berührung mit dem Essen kamen, das man isst. Eine schlechte Hygiene bei der Essenszubereitung ist dabei eine wichtige Ursache. Nahrungsmittel und Getränke, die Sie vermeiden sollten, sind roher Salat, ungeschältes Obst, Fleisch und Fisch/Meeresfrüchte, die roh oder nicht durchgebraten/durchgekocht sind, unbehandelte Milchprodukte oder Quellwasser. Kalte Soßen, Salsas und gekochte Speisen, die wieder aufgewärmt werden, stellen auch ein erhöhtes Risiko dar. Im Restaurant oder einer Straßenküche zubereitete Speisen können ebenfalls eine Infektion verursachen.

Bei kleinen Kindern steigt das Risiko einer schweren Infektion. Leiden Sie unter einer verringerten Säureproduktion im Magen oder nehmen Sie Säureblocker (Protonenpumpenhemmer) ein, haben Sie ein erhöhtes Risiko, zu erkranken (Magensäure tötet Bakterien).

Bakterien sind die häufigste Ursache für Reisedurchfall.

  • Etwa 40 % der Fälle werden durch E. coli (ETEC) verursacht.
  • Shigellen, Salmonellen und Campylobacter-Bakterien sind jeweils bei 5–10 % der Betroffenen für die Erkrankung verantwortlich.
  • In einem kleinen Teil (ca. 5 %) der Fälle sind Gifte/Toxine bestimmter Bakterien (oft Staphylococcus aureus, Clostridium perfringens) die Ursache für die Symptome.
  • In manchen Ländern sind Cholera und Typhus verbreitet.
  • Unter den Viren sind meist Norovirus oder Rotavirus Auslöser einer solchen Durchfallerkrankung (z. B. in Ferienanlagen, auf Kreuzfahrtschiffen).
  • Auch eine Infektion mit dem Hepatitis-A-Virus äußert sich als Durchfallerkrankung.
  • Parasiten sind seltener als Bakterien oder Viren die Ursache für die Erkrankung. Wird die Infektion durch Parasiten hervorgerufen, dauert sie oft länger als bei einer Bakterien-/Virusinfektion.

Besonders gefährdet durch eine solche Infektion sind Kinder, schwangere Frauen und ältere Personen sowie Menschen mit einer Immunschwäche.

Diagnostik

Aufgrund der Symptome und Krankengeschichte ist die Diagnose oft eindeutig. Typisch sind wässrig-breiiger Durchfall (etwa als 4- bis 5-mal täglich, evtl. mit Schleim oder Blut durchsetzt), Übelkeit (selten mit Erbrechen), Magenkrämpfe, Bauchschmerzen, manchmal auch Gelenkschmerzen oder Fieber. In schweren Fällen und bei einem anhaltenden Verlauf können Stuhlproben untersucht werden, um die Ursache zu finden. In etwa 50 % der Fälle kann allerdings keine Ursache gefunden werden. Je nach Schwere der Symptome werden auch Blut- und Urinuntersuchungen erfolgen, um den Zustand der Betroffenen besser beurteilen zu können. 

Bei Reisedurchfall kann es sich auch um eine reine Lebensmittelvergiftung handeln. In diesem Fall lösen Giftstoffe in den Bakterien und nicht die Bakterien selbst die Krankheit aus. Bei einer Lebensmittelvergiftung treten die Symptome meist bereits nach 1–6 Stunden auf und die Beschwerden gehen innerhalb von 24 Stunden von selbst vorüber.

Therapie

Es ist wichtig, viel zu trinken, da aufgrund des Wasserverlustes über den Darm dem Körper viel Flüssigkeit entzogen wird und eine Dehydrierung droht. Auch gesalzene Snacks können zu einer Besserung des Zustands beitragen. Kohletabletten haben in einigen Fällen eine Wirkung. Am Anfang der Durchfallerkrankung und bei anhaltenden, mäßigen Symptomen wird empfohlen:

  • Für Kinder von 2–10 Jahren: 100–200 ml Flüssigkeit (gesüßter Tee, verdünnter Fruchtsaft) nach jedem dünnflüssigen Stuhl. Eventuell kann Kindern auch ein fertiger Flüssigkeitsersatz verabreicht werden, der u. a. in der Apotheke erhältlich ist.
  • Für Jugendliche und Erwachsene: mehr Flüssigkeit als sonst, u. a. mindestens 1 Liter kohlensäurearmes Mineralwasser. Vermeiden Sie Erfrischungsgetränke oder Sportgetränke, da dadurch die Flüssigkeitsmenge im Darm steigt und der Durchfall schlimmer wird. Möchten Sie diese Getränke zu sich nehmen, sollten Sie sie zu gleichen Teilen mit Wasser mischen.

Bei Durchfall und Anzeichen von Austrocknung wird eine ausgewogene Zucker-Salzlösung empfohlen.

  • Einen solchen Flüssigkeitsersatz können Sie u. a. in der Apotheke kaufen.
  • Hausgemachter Flüssigkeitsersatz für Erwachsene:
    • 1/2 TL (2,5 mg) Salz und 6 TL/2 EL (30 mg) gewöhnlicher Zucker auf 1 l Wasser.

Falls die betroffene Person nicht genügend trinken kann, kommen Beschwerden wie Erbrechen, Bewusstseinsstörungen, Kreislaufschwäche hinzu, so ist die Gabe von Infusionen im Krankenhaus nötig. 

Loperamid

Loperamid verringert die Darmaktivität und kann die Durchfallbeschwerden lindern. Das Medikament dürfen Patienten mit nur leichten bis mäßigen Beschwerden ab einem Alter von 12 Jahren einnehmen. Bei blutigem Durchfall oder deutlich geschwollenem Bauch (wegen eines stark gedehnten Darms) darf Loperamid jedoch nicht gegeben werden.

Wenn Betroffene Loperamid ohne ärztliche Beratung/Untersuchung einnehmen, ist zu empfehlen, nach etwa 2 Tagen eine Ärztin/einen Arzt zu konsultieren, bevor die Tabletten weiter angewendet werden. Loperamid sollte in der Regel nur 3 Tage verwendet werden.

Man sollte sich bei der Einnahme darüber im Klaren sein, dass dieser Wirkstoff die Darmtätigkeit hemmt und dadurch die Symptome bzw. die Schwere des Durchfalls lindert. Allerdings wirkt Loperamid nicht gegen die Ursache des Durchfalls und kann sogar dazu führen, dass evtl. vorhandene Bakterien durch die Unterdrückung der Darmentleerung etwas länger im Körper bleiben als ohne diese Medikation.  

Wirkstoffe gegen Übelkeit und Bauchschmerzen

Schwere Übelkeit kann mit einem Antiemetikum behandelt werden (z. B. Dimenhydrinat in Zäpfchenform). Bauchschmerzen lassen sich mit Paracetamol oder nach ärztlicher Verschreibung Morphin lindern; Acytylsalicylsäure oder ähnliche Mittel sind hier nicht geeignet.  

Antibiotika

Antibiotika werden nur in Ausnahmefällen eingesetzt. Eine frühzeitige Therapie kann bei Patienten mit einer anderen Grunderkrankung wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn, schlecht eingestelltem Diabetes mit Insulingabe, einer HIV-Infektion mit Symptomen, bei der Einnahme von starken Immunsuppressiva und bei schweren Herzerkrankungen in Erwägung gezogen werden. Für Erwachsene und Jugendliche kommen verschiedene Antibiotika in Betracht, z. B. Azithromycin. Für die sonst auch empfohlenen Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone jedoch ist nach offiziellen Warnhinweisen wegen teilweise schwerer Nebenwirkungen seit April 2019 erhöhte Vorsicht geboten, insbesondere bei älteren Patienten und solchen mit Nierenfunktionsstörungen. Ihre Ärztin/Ihr Arzt wird Sie diesbezüglich genau beraten können. Bei Kleinkindern mit Durchfall sind Antibiotika nur nach sorgfältiger Prüfung durch die Ärztin/den Arzt zu verabreichen. Da gerade (Klein)Kinder schnell dehydrieren können, ist eine vorsorglich frühzeitige ärztliche Untersuchung und ggf. Therapie im Krankenhaus zu empfehlen. 

Eine Eigenbehandlung mit Antibiotika ist nach vorheriger genauer Information zu empfehlen, wenn Sie in Gebiete mit einem hohen Ansteckungsrisiko reisen und sich dort unter sehr einfachen Bedingungen aufhalten (ohne gute gesundheitliche Versorgung). Am wichtigsten ist die ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Die zusätzliche medikamentöse Therapie wird eingeleitet, wenn die Symptome nach 24 Stunden nicht besser werden. Sie sollten möglichst einen Arzt aufsuchen, wenn zu dem Durchfall auch allgemeine Symptome wie Kreislaufschwäche, ErbrechenFieber oder auch blutiger Stuhl hinzukommen.

Prävention

Für Nahrungsmittel und Getränke gilt nach wie vor: „Boil it, cook it, peel it, or forget it“. Also: „Koch es, brat es, schäl es oder vergiss es!“ Die häufigsten Infektionsquellen sind Wasser, Salat, Rohkost, Soßen, roher Fisch, unbehandelte Milch und ungeschältes Obst. Kochen Sie Wasser am besten ab. Sie können Wasser auch jodieren oder chlorieren, aber durch diese Prozesse werden nicht alle Mikroorganismen abgetötet. Wasser aus der Flasche ist sicher, wenn der Korken oder Verschluss unbeschädigt ist. Vor jedem Essen sollten Sie sehr sorgfältig die Hände waschen. Eine vorbeugende Therapie mit Antibiotika wird nur in ganz bestimmten Situationen empfohlen.

Möglicherweise sind Probiotika hilfreich; hier kann Ihre Ärztin/Ihr Arzt Sie beraten.

Die meisten Fälle von Reisedurchfall lassen sich nicht durch Medikamente vermeiden. Allerdings steht gegen manche der oben genannten Erreger eine Impfung zur Verfügung, darunter  Hepatitis A, Typhus, Cholera. Wenn Sie eine Reise in ein Land mit niedrigen Hygienestandards planen bzw. sich längere Zeit in Gebieten mit hohem Infektionsrisiko aufhalten wollen, lassen Sie sich am besten vorher ausführlich von einer Ärztin/einem Arzt darüber beraten, was Sie vorbeugend und im Fall einer Infektion tun können. 

Tipps zur Vermeidung von Reisedurchfall

  • Verwenden Sie gekauftes Wasser aus Flaschen sowohl zum Trinken als auch zum Zähneputzen. Sind Sie unsicher, sollten Sie das Wasser abkochen (mind. 1 Minute sprudelnd).
  • Verwenden Sie keine Eiswürfel in Getränken, wenn Sie nicht sicher sind, dass diese aus sauberem Wasser hergestellt wurden.
  • Vermeiden Sie nicht pasteurisierte Milchprodukte und ungekochte Produkte mit Ei (z. B. Mayonaise).
  • Schälen Sie Obst und Gemüse (schälen Sie selbst).
  • Essen Sie keinen Salat.
  • Essen Sie nur Lebensmittel, die gründlich gegart wurden.
  • Vermeiden Sie Lebensmittel von Straßenständen.

Wie sieht der Krankheitsverlauf aus?

In der Mehrheit der Fälle geht der Durchfall innerhalb von wenigen Tagen bis zu einer Woche von selbst vorüber. Nur eine geringe Anzahl der Betroffenen muss aufgrund von anhaltenden oder starken Beschwerden ärztlichen Rat suchen. Schlagen Antibiotika bei lang anhaltendem Durchfall nicht an, sind eventuell Parasiten die Ursache.

Schwere Komplikationen sind selten, können aber lebensbedrohlich sein. Daher sind eine sorgfältige Prävention und Behandlung wichtig. 

Bei Personen, die an Reisedurchfall litten und im Gesundheitsbereich oder in Berufen der Nahrungsmittelzubereitung arbeiten, sollten anschließend Kontrolluntersuchungen erfolgen, um auszuschließen, dass der Errreger weiterhin vorhanden ist und noch Ansteckungsgefahr besteht.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Reisediarrhö. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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