Salmonellose

Salmonellen sind eine sehr häufige Ursache von ansteckenden Magen-Darm-Infektionen; die Bakterien werden in der Regel über kontaminierte Lebensmittel übertragen.

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Was ist eine Salmonellose?

Eine Salmonellose ist eine Infektion des Darms mit Salmonellenbakterien. Es gibt 6 Untergruppen mit insgesamt etwa 1500 Typen (Serovare) der Art Salmonella enterica. Allerdings sind nur etwa 500 überhaupt für den Menschen gefährlich und die meisten Infektionen gehen von sehr wenigen Typen aus.

Die Salmonellose kann in zwei Hauptarten eingeteilt werden: akute Enteritis (Entzündung des Dünn- und Dickdarms), die den Großteil der Erkrankungen ausmacht, und Blutvergiftung bei einer Darminfektion, die vor allem durch die Bakterien Salmonella typhi (Typhus) und Salmonella paratyphi (Paratyphus) hervorgerufen wird. Die Enteritis führt zu plötzlich auftretendem Durchfall, Kopfschmerzen, krampfartige Bauchschmerzen und eher leichtem Fieber. Der Allgemeinzustand ist meist noch recht gut, es sei denn, die Austrockung ist stark ausgeprägt. Bei Typhus und Paratyphus entwickeln sich Bauchschmerzen und Durchfall oder auch Verstopfung in der Regel eher langsam über einige Tage. Hinzu kommen hier meist hohes Fieber und ein schlechter Allgemeinzustand mit oft eingeschränktem Bewusstsein und Gliederschmerzen; manchmal entwickelt sich ein Hautausschlag.

Salmonellen gehören mit zu den häufigsten Ursachen von ansteckenden Magen-Darm-Infektionen. Im Jahr 2016 wurden in Deutschland rund 13.000 Fälle gegenüber etwa 16.000 noch zwei Jahre zuvor gemeldet. Die Häufigkeit der gemeldeten Fälle geht seit Jahren in Deutschland kontinuierlich zurück. An Typhus erkrankten 2016 in Deutschland etwa 60 Personen; Paratyphus ist mit einer Häufigkeit von weniger als 1 Fall von je 1 Million Bewohnern ebenfalls selten.

Kleine Kinder im Alter von 0 bis 9 Jahren machten im Verhältnis den größten Anteil der gemeldeten Fälle aus.  Auch ältere Personen oder Menschen mit Immunschwäche erkranken eher an dieser Infektion als andere. Salmonellosen zeigen deutliche saisonale Schwankungen mit den höchsten Zahlen in den Sommermonaten. Die Erkrankung trat 2014 am häufigsten im August und September auf.

Während früher Salmonellen vor allem durch kontaminierte Hühnereier und entsprechend damit zubereitete Speisen übertragen wurde, ist dieser Infektionsweg seit der Einführung einer Impfpflicht der kommerziell genutzten Hühner und Puten 2008 stark rückläufig. Seit 2012 ist die Ursache für Infektionen in Deutschland vor allem verunreinigtes (nicht durcherhitztes) Fleisch (z.B. Hackfleisch, Erzeugnisse aus roher Wurst). Auch mit Tierkot (Gülle) gedüngtes Gemüse kann Salmonellen übertragen; es gab z. B. Ausbrüche durch verunreinigte Sprossen.

Warum werden wir krank?

Die Bakterien rufen eine Entzündung im Darm hervor, was zu einer verringerten Flüssigkeits- und Nährstoffaufnahme im Darm und damit zu Durchfall führt. Zu einer Blutvergiftung kommt es, wenn die Bakterien in den Blutkreislauf gelangen. Dies führt meist zu hohem Fieber.

Wie kommt es zu einer Salmonelleninfektion?

Die Infektion erfolgt wie oben beschrieben meist über kontaminierte Lebensmittel, wie beispielsweise halbrohes Fleisch oder auch Gemüse, das durch Bewässerung oder Düngung verunreinigt wurde. Die Bakterien lassen sich durch hohe Temperaturen von >70°C beim Braten oder Kochen abtöten; rohes oder nicht ausreichend durchgegartes Gemüse (z.B. Sojasprossen) oder Fleisch kann aber noch lebende Salmonellen enthalten. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich, kommt aber weniger häufig vor.

Ein Sonderfall ist die Infektion über befallene kleine Wildvögel; durch Kontakt mit kontaminiertem Kot z.B. im Futterhäuschen im Winter kann es zu Erkrankungen bei Menschen kommen. Sehr selten infizieren sich Tierhalter an ihrem erkrankten Haustier; dies kommt z.B. bei Reptilien vor.

Diagnostik

Bei Patienten mit Verdacht auf Salmonellose aufgrund der typischen Beschwerden wird eine Bakterienkultur aus einer oder mehreren Stuhlproben angelegt, um die Salmonellenbakterien nachweisen zu können. Es kann auch ein Bakterienabstrich der Lebensmittel gemacht werden, die für die Infektion infrage kommen. Ist es zu einer Blutvergiftung gekommen, lassen sich die Bakterien oft auch in Blutproben identifizieren. 

Therapie

Ziel der Therapie ist, eine ausgeprägte Dehydrierung (Austrocknung) des Patienten und die weitere Ausbreitung der Infektion im Körper zu verhindern. Eine Antibiotikatherapie wird meist nicht durchgeführt, da die Erkrankung in der Regel von selbst heilt. Antibiotika können darüber hinaus die Übertragungszeit der Krankheit verlängern. Hingegen werden Antibiotika verabreicht bei einer schweren Infektion, z. B. bei einer Blutvergiftung (bei Typhus oder Paratyphus), immungeschwächten Personen, Säuglingen und älteren Menschen sowie Patienten unter Hämodialyse bei Nierenkrankheiten oder solchen mit chronischen Darmkrankheiten, um das Risiko einer lebensgefährlichen Infektion zu verringern. Auch Patienten, die Gefäßfehlbildungen (Aneurysma) haben, einen Gefäßstent oder eine Gelenkprothese (künstliches Gelenk) tragen, kann eine antibiotische Therapie verordnet werden, um eine Infektion dieser Fremdkörper zu vermeiden. Eine Antibiotikatherapie wird meist im Krankenhaus durchgeführt; zur Verfügung stehen verschiedene Wirkstoffe (manche Erregertypen sind nur noch gegen bestimmte Antibiotika empfindlich, d. h. erfolgreich zu bekämpfen).

Wichtig für alle Erkrankten ist die ausreichende Flüssigkeitszufuhr, um die durch den Durchfall verursachten Verluste auszugleichen. Falls die Betroffenen nicht selbst genug trinken können und/oder die Durchfälle zu ausgeprägt sind, ist eine Flüssigkeitszufuhr über die Venen (Infusion) nötig. 

Zudem ist es wichtig, das infrage kommende Lebensmittel möglichst schnell zu identifizieren, damit sich nicht noch weitere Personen anstecken.

Vor allem Personen mit Durchfall, die in der Lebensmittelindustrie oder im Gesundheitsbereich arbeiten, werden in der Regel auch noch einige Zeit nach der akuten Erkrankung krankgeschrieben.

Empfehlungen für Patienten

Eine gute Handhygiene und gründliches Händewaschen nach dem Toilettengang und vor der Essenszubereitung sind wichtig, um andere Personen nicht anzustecken.

Als Flüssigkeitszufuhr am Anfang der Durchfallerkrankung und bei anhaltenden, mäßigen Symptomen wird empfohlen:

  • Für Kinder von 2–10 Jahren: 100–200 ml Flüssigkeit nach jedem dünnflüssigen Stuhl
  • Für Erwachsene: mehr Flüssigkeit als sonst (etwa 1–1,5 l täglich mindestens). Vermeiden Sie Erfrischungsgetränke oder Sportgetränke; möchten Sie diese Getränke zu sich nehmen, sollten Sie sie zu gleichen Teilen mit Wasser mischen.

Bei Durchfall und Anzeichen von Austrocknung wird eine ausgewogene Zucker-Salzlösung empfohlen:

  • Flüssigkeitsersatz erhalten Sie in der Apotheke oder Drogerie.
  • Hausgemachter Flüssigkeitsersatz für Erwachsene:
    • 1/2 TL (2,5 ml) Salz und 6 TL/2 EL (30 ml) gewöhnlicher Zucker auf 1 l Wasser

Alle Getränke sollten in jeweils kleinen Portionen regelmäßig über den Tag verteilt getrunken werden. Vor allem kleine Kinder, ältere Menschen und/oder Personen mit ohnehin geschwächtem Immunsystem können innerhalb weniger Stunden stark dehydrieren, was lebensgefährliche Folgen haben kann. Haben Sie den Eindruck, dass sich der Zustand eines Erkrankten schnell verschlechtert, klagt dieser über Schwindel, wirkt benommen oder verwirrt und/oder bekommt hohes Fieber, sollten sie rasch einen Arzt konsultieren.

Prävention

Folgende Verhaltensregeln (z. B. bei Reisen in den Süden, aber grundsätzlich auch zu Hause) können einer Ansteckung vorbeugen:

  • Waschen Sie die Hände, nachdem Sie auf der Toilette waren, nach Kontakt mit Tieren und vor der Essenszubereitung.
  • Kaufen Sie Wasser in Flaschen oder trinken Sie abgekochtes Wasser.
  • Stellen Sie sicher, dass Fleisch, Hamburger, Hackbraten und andere Hackfleischgerichte gut durchgekocht oder durchgebraten sind (mindestens 10 Minuten bie >70°C).
  • Kochen Sie Eier hart.
  • Verwenden Sie nur behandelte (also pasteurisierte) Milch.
  • Leicht verderbliche Lebensmittel sollten stets gut gekühlt werden.
  • Seien Sie vorsichtig mit rohem Obst und ungeschältem Gemüse (gerade in bereits geschnittenem Salat in Plastikpackungen können sich Erreger gut ausbreiten).
  • Achten Sie auf sauberes Trinkwasser (v. a. auf Reisen).
  • Waschen Sie Messer, Schneidbretter und Küchengeräte, die für Rohwaren verwendet worden sind, mit sehr heißem Wasser ab.
  • Wechseln Sie Wischlappen in der Küche regelmäßig und waschen Sie diese sehr heiß.

Ein Kind mit Salmonellose kann wieder in den Kindergarten gehen, wenn es stabil und symptomfrei ist, d. h. in der Regel nach einigen Tagen ohne Symptome.

Wie sieht der Krankheitsverlauf aus?

Bei einer Salmonellose beträgt die Zeit von der Ansteckung (also Aufnahme des Lebensmittels) bis zum Ausbruch der Krankheit (Inkubationszeit) zwischen 6 und 72 Stunden (meist 12–36 Stunden). Bei Typhus liegt die Inkubationszeit bei 8–14 Tagen (selten auch 3–60 Tage), bei Paratyphus vergehen zwischen Aufnahme der Bakterien und Symptombeginn 1–10 Tage.

Bei einigen Personen zeigen sich trotz Infektion keine Beschwerden, andere leiden nur wenige Tage an Durchfall ohne andere Symptome. Je nach Menge der aufgenommenen Salmonellen, Alter, Allgemeinzustand, anderen Erkrankungen etc. sind jedoch auch schwere Verläufe mit starken Beschwerden möglich, die eine Therapie im Krankenhaus erforderlich machen. In solchen Fällen können die Symptome ein bis zwei Wochen anhalten, aber die Bakterien können noch mehrere Wochen im Darm überleben. Wegen der Gefahr der weiteren Ansteckung müssen Personen, die beruflich unverpackte Lebensmittel zubereiten oder behandeln, und Personen, die mit Säuglingen oder immungeschwächten Patienten arbeiten, nach durchgemachter Infektion drei salmonellenfreie Proben abgeben, bevor sie wieder arbeiten dürfen.

Bei den meisten Personen heilt die Krankheit recht schnell von selbst aus und der Körper scheidet alle Salmonellen aus, andere bleiben jedoch weiterhin Träger der Erreger (ohne Symptome zu zeigen). Seltener kann es bei Typhus zu Darmblutungen oder einem Darmdurchbruch kommen, bei den anderen Salmonellentypen zu einer Gelenkentzündung als Spätfolge der Darminfektion. Im Rahmen der Infektion kann es in anderen Organen als dem Darm auch zu Abszessen kommen. Bei sehr schwerem Verlauf können v.a. ältere, geschwächte Menschen an einer Salmonellenenteritis sterben (2014 starben in Deutschland 17 meist ältere Menschen an einer solchen Infektion) .

Gegen Typhus steht eine Impfung zur Verfügung, die jedoch keinen 100%igen Schutz ermöglicht.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Salmonellen-Enteritis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Robert Koch Institut: Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2016. www.rki.de
  2. Robert Koch Institut. RKI-Ratgeber für Ärzte: Salmonellose. Berlin, Stand 2016. Zugriff 09.01.2018 www.rki.de
  3. Moos V. Schneider T. Salmonellosen. Harrisons Innere Medizin. 19. Auflage 2016. Thieme-Verlag, S. 1281ff.
  4. Robert Koch Institut. RKI-Ratgeber für Ärzte: Typhus abdominalis, Paratyphus. Berlin, Stand 2017. Zugriff 09.01.2018 www.rki.de
  5. Onwuezobe IA, Oshun PO, Odigwe CC. Antimicrobials for treating symptomatic non-typhoidal Salmonella infection. Cochrane Database of Systematic Reviews 2012, Issue 11. Art. No.: CD001167. DOI: 10.1002/14651858.CD001167.pub2. DOI
  6. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. Gastrointestinale Infektionen und Morbus Whipple. AWMF-Leitlinie-Nr. 021-024, Stand 2015. www.awmf.org www.awmf.org
  7. BfR: Salmonella – Epidemiologie und aktuelle Entwicklungen, Berlin, Stand 2011 www.bfr.bund.de
  8. Bundesinstitut für Risikobewertung. Fragen und Antworten Schutz vor Infektionen mit Salmonellen. 9. November 2016. Zugriff 12.1.2018 www.bfr.bund.de