Yersinien-Infektion

Um eine Yersinien-Infektion (Yersiniose) zu vermeiden, müssen Sie Schweinefleisch vor dem Verzehr gründlich zubereiten.

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Was sind Yersinien?

Yersinien sind Bakterien, die bei Schweinen, Rindern und bestimmten Nagern vorkommen. Beim Menschen kommen diese Bakterien normalerweise nicht vor, und darum führen Sie bei einer Infektion zur Erkrankung. Infektionen, die von Tieren übertragen werden, werden Zoonosen genannt. Eine Yersiniose ist also eine Zoonose.

Im Jahr 2015 (2014) wurden in Deutschland  2.747 (2.485) Fälle von Yersiniose gemeldet.

Was sind die Symptome der Infektion?

Das Krankheitsbild bei einer Infektion mit Yersinia enterocolitica ist sehr vielfältig. Die Symptome rühren vom Magen-Darm-Trakt her und äußern sich in Durchfall, Bauchschmerzen und in manchen Fällen in Übelkeit und Erbrechen. Bei Kleinkindern treten oft Bauchschmerzen, Durchfall und Fieber über mehrere Tage bis hin zu drei Wochen auf. Bei älteren Kindern ähneln die Symptome einer Blinddarmentzündung mit starken Schmerzen im rechten Unterbauch. Blutiger Stuhl ist nicht ungewöhnlich. Bei Erwachsenen kommt es meist nur zu wenigen akuten Symptomen, es können aber Folgeerscheinungen in Form von Ausschlag (Erythema nodosum bzw. Knotenrose) oder Gelenkschmerzen (reaktive Arthritis bzw. Reiter-Krankheit) auftreten. In bis zu 20 % der Fälle haben die Betroffenen auch Halsschmerzen.

Es kommt vor, dass Patienten mit einer Yersinien-Infektion operiert werden, da eine Blinddarmentzündung vermutet wird.

Wie kann man sich infizieren?

Die Infektion erfolgt hauptsächlich über Schweinefleisch oder andere Nahrungsmittel, die durch Schweinekot verunreinigt wurden. Sie können sich auch über verunreinigtes Trinkwasser infizieren. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist sehr selten, kann aber unter Familienangehörigen vorkommen. Meist dauert es drei bis fünf Tage vom Verzehr der verunreinigten Nahrungsmittel bis zu den ersten Symptomen der Erkrankung. Nehmen Sie große Mengen der Bakterien zu sich, kann die Infektion bereits nach 24 Stunden auftreten.

Der Magen-Darm-Trakt ist die Eingangspforte für die Infektion. Nach dem Verzehr des bakterienverseuchten Fleisches dringen die Organismen über die Schleimhaut des Dünndarms ein. Sie setzen sich im Lymphgewebe der Darmschleimhaut und später auch in den Lymphknoten der Bauchhöhle fest. Nach einigen Tagen bilden sich Wunden auf der Schleimhaut im unteren Teil des Dickdarms, und die Lymphknoten zeigen entzündliche Veränderungen. Verbreiten sich die Bakterien auch über das Blut, kann die Infektion in seltenen Fällen auch innere Organe wie Leber, Lunge und Hirnhaut angreifen. Es kann auch zu Gelenkentzündungen (Reiter-Krankheit) kommen.

Diagnostik

Das Stellen der Diagnose kann schwierig sein, da die Infektion mit diffusen Symptomen beginnt und einer einfachen Darminfektion ähnelt. Weder Symptome, Anzeichen, normale Blutuntersuchungen noch Röntgenbilder können zur Diagnostizierung herangezogen werden. Eine Yersiniose kann nur durch Bakterien im Stuhl (Zellkulturen) oder Antikörper im Blut (Serologie) nachgewiesen werden. Zellkulturen und Blutausstriche müssen in ein Labor geschickt werden und die Untersuchung dauert etwa eine Woche.

Therapie

Nur selten müssen Betroffene im Krankenhaus behandelt werden. Der Krankheitsverlauf ist meist leicht und geht von selbst vorüber. Achten Sie insbesondere bei Kleinkindern darauf, dass es nicht zu einem übermäßigen Flüssigkeitsverlust kommt. Beachten Sie daher folgende Hinweise:

  • Kinder unter fünf Jahre:
    • Achten Sie bei starkem Durchfall darauf, dass es nicht zur Austrocknung kommt.
    • Führen Sie viel Flüssigkeit zu, am besten über einen Flüssigkeitsersatz, und achten Sie darauf, dass das Kind etwas isst.
    • Suchen Sie einen Arzt auf, wenn das Kind wenig oder selten uriniert.
  • Kinder über fünf Jahre: verabreichen Sie 100–200 ml verdünnten Saft (normale, unverdünnte Säfte oder Erfrischungsgetränke entziehen dem Darm mehr Flüssigkeit) nach jedem dünnflüssigen Stuhl. Sie können auch einen fertigen Flüssigkeitsersatz verabreichen, der u. a. in der Apotheke erhältlich ist.
  • Erwachsene: trinken Sie mehr als gewöhnlich (Erfrischungsgetränke und Säfte müssen mit Wasser verdünnt werden). Achten Sie darauf, normale, salzhaltige Nahrung zu sich zu nehmen, z. B. gesalzene Kekse.

Es ist nicht nachgewiesen, dass Antibiotika bei schwächeren Krankheitsverläufen helfen. Auch besteht kein Grund zu der Annahme, dass Antibiotika Komplikationen und chronische Beschwerden verhindern. Eine Antibiotikatherapie sollte nur bei schweren Infektionen durchgeführt werden, wenn der Patient ins Krankenhaus eingewiesen werden muss.

Prävention

Es ist wichtig, Schweinefleisch vor dem Verzehr gut durchzukochen/durchzubraten, um das Infektionsrisiko zu verringern. Speisen aus gekochtem Schweinehackfleisch sind gründlich durchzubraten oder durchzukochen. Waschen Sie die Hände, nachdem Sie auf der Toilette waren, nach Kontakt mit Tieren und vor der Essenszubereitung. Waschen Sie Messer, Schneidbretter und Küchengeräte, die durch Rohwaren verunreinigt worden sind.

Kindergarten/Tagesmutter:

Nach zwei symptomfreien Tagen kann das Kind wieder in den Kindergarten gehen. Kontrollproben sind nicht notwendig.

Prognose

Die Infektion klingt in der Regel ohne Spätfolgen von selbst ab. In seltenen Fällen kann es zu Gelenkentzündungen in den großen gewichttragenden Gelenken kommen. Diese Beschwerden zeigen sich meist einige Wochen nach der akuten Darminfektion. Eine solche Gelenkentzündung heilt meist nach drei bis fünf Monaten aus. Als seltene Komplikation kann beispielsweise eine Blutvergiftung bei Säuglingen, älteren Menschen oder immungeschwächten Personen auftreten.

Ist die Yersinien-Infektion so schwer, dass der Patient ins Krankenhaus eingewiesen werden muss, kann die Infektion auch lebensbedrohlich sein. Todesfälle sind allerdings sehr selten.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Yersinien-Infektion. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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