Entzündung des Wurmfortsatzes des Blinddarms (Blinddarmentzündung, Appendizitis)

Den ersten Abschnitt des Dickdarms bezeichnet man als Blinddarm. Hier befindet sich eine kleine, blind endende Ausstülpung, der Wurmfortsatz (die Appendix) des Blinddarms. Die Appendix liegt in der Regel in der rechten unteren Bauchregion; eine Entzündung ist meist sehr schmerzhaft.

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Was ist eine akute Blinddarmentzündung?

Entzündung des Wurmfortsatzes des Blinddarms
Entzündung des Wurmfortsatzes des Blinddarms

Bei der akuten Appendizitis handelt es sich um eine plötzlich auftretende Entzündung des Wurmfortsatzes des Blinddarms. Früh im Verlauf treten typischerweise Schmerzen im Bereich des Bauchnabels auf. Innerhalb von zwölf Stunden verlagern sich die Schmerzen beim typischen Verlauf in den rechten Unterbauch. Häufige Symptome sind Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen (1- bis 2-mal) und Verstopfung. Einige Patienten leiden unter Durchfall. Häufig tritt Fieber in Höhe von etwa 38 ºC auf.

Je nach Patientenalter und genauer Lage des Appendix in der Bauchhöhle können die Symptome einer akuten Blinddarmentzündung jedoch stark variieren. Bei älteren Patienten oder auch sehr kleinen Kindern sind die Beschwerden häufig weniger ausgeprägt und eher diffus, bei einer Schwangerschaft können die Schmerzen aufgrund einer Verschiebung des Blinddarms an anderer Stelle auftreten.

Die Blinddarmentzündung ist in Deutschland eine der häufigsten Ursachen für einen Krankenhausaufenthalt. Ein Drittel aller Blinddarmoperationen wird bei Kindern und Jugendlichen (5–19 Jahre) vorgenommen. Bezieht man auch die jungen Erwachsenen (5–29 Jahre) ein, so entfallen auf diese Bevölkerungsgruppe 56% aller Blinddarmentfernungen. Weltweit sinkt die Häufigkeit der akuten Blinddarmentzündung, wobei die Gründe hierfür nicht bekannt sind. Auch in Deutschland sind die Blinddarmoperationen zwischen 2007 und 2012 weniger geworden; ein Teil dieses Rückgangs ist aber auch dadurch zu erklären, dass in diesem Zeitraum sich auch die Zahl der Kinder und Jugendlichen insgesamt verringert hat. 

Ursache

Dickdarm mit Blinddarm
Dickdarm mit Blinddarm

Der Blinddarm ist eine blind endende Ausstülpung am Anfang des Dickdarms und liegt in der Regel in der rechten unteren Bauchregion. Die Funktion seines Wurmfortsatzes ist nicht bekannt, dessen Entfernung gilt als ungefährlich.

Man geht davon aus, dass eine Blinddarmentzündung ihren Lauf nimmt, wenn der enge Eingang zum Wurmfortsatz verstopft ist. Häufig geschieht dies durch Kotreste oder Fremdkörper. Im Wurmfortsatz befindlicher Schleim wird nicht abgeführt, was einen Druckanstieg nach sich zieht. Dies kann die Blutzufuhr zum Wurmfortsatz herabsetzen, sodass Bakterien ideale Bedingungen für eine Infektion vorfinden.

Möglicherweise haben Personen, die ballaststoffarme Nahrung zu sich nehmen, ein erhöhtes Risiko.

Diagnostik

Häufig weisen Patienten eine typische Krankengeschichte (Anamnese) auf. Durch die ärztliche Untersuchung von Bauch und Enddarm kann häufig bereits entschieden werden, ob eine stationäre Aufnahme erforderlich ist. Es gibt verschiedene spezielle Methoden, mit denen der Arzt die oft typischen Schmerzpunkte eingrenzen kann. Sind die Symptome typisch, lässt sich die Diagnose nach der körperlichen Untersuchung mit hoher Wahrscheinlichkeit stellen. Ist dies aber nicht der Fall, kann der Arzt zur Diagnosesicherung Blut- und Urinuntersuchungen durchführen sowie bei Bedarf auch eine Ultraschall-,  CT- oder auch MRT-Untersuchung vornehmen bzw. anordnen.

Ist der Arzt sich nach der Untersuchung nicht sicher, ob eine Appendizitis vorliegt, wird er den Patienten meist 6–10 Stunden (in der Klinik) beobachten wollen, um den Verlauf beurteilen zu können. In anderen Fällen wird je nach Schwere der Symptome möglicherweise entschieden, eine Operation durchzuführen (explorative Laparotomie), um den Appendix direkt beurteilen zu können und dann zu entscheiden, ob er entfernt werden muss.

Bei rund 20 % der Patienten kommt es vor der Operation zu einer Darmperforation (Blinddarmdurchbruch). In diesem Fall können die starken Bauchschmerzen zunächst schlagartig nachlassen. Nach einigen Minuten bis Stunden verschlechtert sich der Zustand der Patienten jedoch zusehends. Typische Symptome sind steigendes Fieber und massive, anhaltende Schmerzen. Außerdem kann es in der Nähe des Blinddarms zur Bildung von Eiter (Abszess) kommen. Ein Blinddarmdurchbruch oder die Bildung eines Abszesses zieht eine etwas umfassendere Operation und einen etwas längeren Krankenhausaufenthalt nach sich.

Therapie

Ohne Therapie kann es innerhalb von 36 Stunden zum Absterben und zur Perforation des Wurmfortsatzes kommen. Die Therapie erfolgt daher nach Stellung der Diagnose möglichst innerhalb von 24 Stunden chirurgisch durch Entfernung des Wurmfortsatzes. Dies kann in Form einer herkömmlichen Operation oder einer operativen Bauchspiegelung (laparoskopischer chirurgischer Eingriff) geschehen. Obwohl der Wurmfortsatz immer häufiger durch einen laparoskopischen Eingriff entfernt wird, dominiert nach wie vor die herkömmliche Operation. Nach einem laparoskopischen Eingriff können die Patienten das Krankenhaus in der Regel schneller wieder verlassen und können ihren Alltag schneller wieder aufnehmen. In Bezug auf den Behandlungserfolg unterscheiden sich die beiden Vorgehensweisen dagegen nach heutigem Kenntnisstand kaum. Sind bereits Komplikationen aufgetreten oder zu befürchten, wird in der Regel eine klassische Operation durchgeführt.

Eine Therapie mit Antibiotika kann in verschiedenen Situationen zum Einsatz kommen: liegt eine eitrige Entzündung vor oder gar ein Durchbruch der Appendix, sind Antibiotika angezeigt. Manche Ärzte empfehlen in einigen Fällen auch Antibiotika vor einer Operation, um spätere Wundinfektionen zu vermeiden. Es gab auch, v.a. bei Kindern, Untersuchungen darüber, ob unkomplizierte Fälle zunächst nur mit Antibiotika behandelt werden. Eine Operation kam dann nur bei erfolgloser Therapie zum Einsatz. Das allgemein übliche Vorgehen ist jedoch weiterhin eine Operation.

Prognose

Eine unkomplizierte Blinddarmentzündung verläuft in der Regel ohne größere Probleme. Ein Blinddarmdurchbruch birgt ein etwas höheres Risiko, dass nach der Operation Komplikationen auftreten. Bei 8–33 % infiziert sich die Operationswunde. Bei älteren Menschen birgt die Operation eines akut entzündeten Blinddarms ein erhöhtes Todesfallrisiko, v.a. wenn der Blinddarm perforiert ist. 

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
  • Günter Ollenschläger, Prof. Dr. Dr. med., Internist, Uniklinikum Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Appendizitis, akute. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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