Divertikelkrankheit (Divertikulose, Divertikulitis)

Divertikel sind kleine Schleimhautausstülpungen im Dickdarm, die mit zunehmendem Alter häufiger vorkommen. Meist verursachen Divertikel keine Beschwerden, können sich aber entzünden. Eine solche Divertikulitis geht mit deutlichen Symptomen einher, lässt sich aber in der Regel erfolgreich behandeln.

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Was ist eine Divertikelkrankheit?

Divertikel sind kleine Ausbuchtungen der Schleimhaut des Dickdarms; dabei wölbt sich die Schleimhaut an manchen Stellen nach außen durch die Muskelschicht der Darmwand hervor. Bei einigen Personen mit Divertikelkrankheit liegen nur wenige Divertikel vor, meist sind es jedoch sehr viele kleine Ausstülpungen. Während unter 40-Jährige recht selten (<10 %) betroffen sind, weisen etwa die Hälfte der über 50-Jährigen Divertikel auf. In den meisten Fällen werden die Divertikel im absteigenden Teil des Dickdarms auf der linken Seite oder im letzten Abschnitt vor dem Enddarm (im Sigma) nachgewiesen. In der Regel haben die Betroffenen keine Beschwerden, möglich sind aber Bauchschmerzen und Verdauungsprobleme. Wenn eine Entzündung im Gewebe rund um ein Divertikel vorliegt (Divertikulitis), sind heftigere Beschwerden die Folge, meist auch mit Fieber. 

Divertikel im Dickdarm

Meist verursachen Divertikel keine Symptome oder Beschwerden. Dann spricht man von einer Divertikulose. Treten Beschwerden auf, bezeichnen Ärzte dies als Divertikelkrankheit. Symptome sind Stuhlveränderungen – meist Verstopfung, Blähungen und wiederkehrende Schmerzen im linken Unterbauch, die sich bei vielen Patienten durch eine Darmentleerung bessern. Etwa 15 % der Betroffenen mit Beschwerden entwickeln eine Divertikulitis; dann treten Fieber, andauernde Bauchschmerzen meist auf der linken Seite, Blähungen, Übelkeit und blutiger Stuhlgang auf. In schweren Fällen kann es zu starken Schmerzen, Erbrechen und ausgedehnten Entzündungen im Darm kommen, mögliche seltene Folgen sind ein Riss der Darmwand (Perforation) oder ein Darmverschluss.

  • Divertikulose = Divertikel ohne Symptome
  • Divertikelerkrankung = Divertikel mit Symptomen
  • Divertikulitis = entzündete Divertikel

Im Dickdarm entstehen über die Jahre Divertikel. Bei Personen unter 40 Jahren sind in weniger als 10 % betroffen. Bei den 60-Jährigen haben über 50 % und bei den 70-Jährigen über 60 % Divertikel. Allerdings sind ca. 80 % davon ohne Beschwerden.

Das höchste Vorkommen gibt es in den USA, Europa und Australien; bei Menschen, die in Afrika und Asien in ländlichen Gegenden wohnen, sind Divertikel seltener.

Grundsätzlich kann es bei Divertikelkrankheit zu folgenden Komplikationen kommen:

  • Akute Entzündung, Divertikulitis: Sie kann einen Durchtritt von Darminhalt durch die Bauchwand und damit eine Entzündung der Bauchhöhle (Peritonitis) oder eine Blockade der Darmpassage verursachen. In seltenen Fällen entwickelt sich im Gefolge der Entzündung eine Blutvergiftung (Sepsis). Auch Blutungen, Ausbildung von Fisteln oder ein Abszess sind möglich.
  • Blutungen
  • Fistelbildung: Dabei entsteht eine Öffnung bzw. Verbindung zwischen Darm und Haut, zwischen Darm und anderen Organen oder zwischen zwei verschiedenen Darmabschnitten. Dies muss operiert werden.
  • Verengungen im Dickdarm können aufgrund von Entzündungen vorkommen.

Ursachen

Die Grundlage für eine Divertikulose ist wahrscheinlich das Zusammenspiel von mehreren Faktoren, wie eine Störung der Darmbewegungen (Peristaltik), eine zunehmende Schwäche des Gewebes der Darmwand, eine ballaststoffarme Ernährung und auch erbliche Neigung.

  • Bei Patienten mit einem Reizdarm ist möglicherweise die Wahrscheinlichkeit, Divertikel zu bekommen, größer. Die Beschwerden bei Reizdarm und Divertikelkrankheit können zudem recht ähnlich sein.
  • Ballaststoffarme Ernährung gilt als Risikofaktor, da sie die Wahrscheinlichkeit für Verstopfung erhöht. Bei Vegetariern und in Gesellschaften mit ballaststoffreichen Ernährungsgewohnheiten tritt die Divertikulose seltener auf.
  • Hohes Alter

Diagnostik

Wenn bei älteren Personen Symptome auftreten, wie Stuhlveränderungen, linksseitige, kolikartige Schmerzen, die durch Stuhlgang gelindert werden, Blähungen und evtl. blutiger Stuhl, besteht ein Verdacht auf eine Divertikulose oder Divertikelkrankheit. Allerdings verursachen andere chronische Darmkrankheiten recht ähnnliche Symptome, z. B. Colitis ulcerosa, Morbus Crohn oder Reizdarm.

Wenn gleichzeitig Fieber besteht, ist die Wahrscheinlichkeit einer Divertikulitis hoch.

Laboruntersuchungen können die Diagnose nur im Fall einer Divertikulitis stützen; hier sind Entzündungswerte im Blut oft erhöht. Blutuntersuchungen sind dennoch wichtig um z.B. eine Blutarmut zu bestätigen oder auszuschließen.

Die bevorzugte bildgebende Untersuchung bei Divertikulose und Divertikulitis ist eine Computertomografie (CT). Es kann allerdings manchmal etwas schwierig sein, sicher auszuschließen, dass nicht zusätzlich noch Veränderungen aufgrund eines bösartigen Tumors vorliegen. In solchen Fällen wird eine Koloskopie (Darmspiegelung) oder Rektoskopie durchgeführt, bei der man von den verdächtigen Veränderungen Gewebeproben nehmen kann.

Zur Untersuchung von unklaren Dickdarmbeschwerden wird meist eine Koloskopie gemacht. Der Arzt führt dabei einen flexiblen Schlauch in den Enddarm ein und weiter hinauf in den Dickdarm, sodass die Innenseite des Darms untersucht werden kann. Bei Verdacht auf eine Entzündung, Divertikulitis, wird in der akuten Phase eine Koloskopie vermieden, weil die Gefahr von Verletzungen zu hoch ist. Hier werden ein CT oder eine Ultraschalluntersuchung eingesetzt.

Liegt eine sehr starke Divertikelblutung vor, kann eine spezielle Untersuchung namens Angiografie sinnvoll sein; hier lässt sich der Gefäßverlauf und der Ort einer Blutung erkennen. Falls die genannten Untersuchungen keine Diagnose erlauben, ist in manchen Fällen eine Laparotomie erforderlich, d.h. eine chirurgische Eröffnung der Bauchhöhle, bei der der Chirurg erkennen kann, ob Divertikel vorliegen oder nicht. 

Behandlung

Eine Divertikulose muss nicht behandelt werden. Ziel der Behandlung einer Divertikelkrankheit ist die Verringerung der evtl. Beschwerden. Regelmäßige Mahlzeiten und ballaststoffreiche Ernährung mit reichlich Flüssigkeit werden grundsätzlich empfohlen. Abführmittel können gegen Verstopfungen helfen. Darüber hinaus gibt es keine Medikamente, die nachgewiesenermaßen die Beschwerden bei Divertikelkrankheit lindern können. Bei starken Bauchkrämpfen sind sogenannte Anticholinergika manchmal hilfreich.

Divertikulitis

Verläuft eine Divertikulitis ohne Komplikationen (also ohne Abszess, Darmverschluss oder Ähnliches) und sind die Patienten ansonsten gesund, ist eine Antibiotikatherapie in einigen Fällen nicht nötig. Ansonsten können verschiedene Antibiotika zum Einsatz kommen, um die verursachenden Bakterien abzutöten. Ihr Arzt wird Sie entsprechend beraten können. Wichtig sind zudem Ruhe und evtl. ausschließlich flüssige bzw. leicht verdauliche Kost. Viele Patienten können mit guten Ergebnissen zu Hause behandelt werden.

Schwere Fälle einer akuten Divertikulitis können jedoch die Einweisung ins Krankenhaus erforderlich machen, wo die Patienten sofort mit Antibiotika behandelt werden und Flüssigkeit sowie Nahrung intravenös zugeführt bekommen. Der Darm soll einige Tage Ruhe bekommen. Eine Besserung tritt normalerweise innerhalb von 2–3 Tagen auf.

Bei ernsten Fällen, wenn andere Behandlungen keine Wirkung zeigen, kann es notwendig sein, den Teil des Dickdarms operativ zu entfernen, der betroffen ist. Dies wird aber sehr selten durchgeführt. Auch schwere Abszesse, ein Darmverschluss oder andere Komplikationen können eine Operation erforderlich machen. In den meisten Fällen lässt sich diese Operation dann durchführen, wenn die akute Infektion bereits zurückgegangen ist. In der Regel kann diese im Rahmen einer "Schlüssellochchirurgie" (Laparoskopie) erfolgen. Falls es jedoch zu einer Darmperforation und/oder Bauchfellentzündung gekommen ist, ist eine Notfalloperation nötig. Eine Perforation kommt bei Divertikulitis selten vor, ist aber mit einer recht hohen Sterblichkeit verbunden.

Falls Patienten schwere Begleitkrankheiten aufweisen (z. B. Immunsuppression, Zustand nach Organtransplantation) und damit ein hohes Risiko für eine erneute Divertikulitis tragen, wird möglicherweise empfohlen, auch nach erfolgreich therapierter Divertikulitis eine Operation durchzuführen.

Blutungen

Ist eine Blutung bei Vorliegen von Divertikeln aufgetreten, so hört diese in den überwiegenden Fällen von selbst wieder auf. Bei 3–5 % der Patienten mit Divertikulose treten schwere Blutungen auf. Falls die Blutung anhält, kann sie meist im Rahmen einer Darmspiegelung mit verschiedenen Verfahren gestoppt werden, eine Operation ist selten nötig.

Verlauf

20–25 % der Patienten mit Divertikulose werden mit der Zeit Symptome und Beschwerden entwickeln, d. h. eine Divertikelerkrankung. Die übrigen, also 75–80 %, bleiben symptomfrei. Von den Patienten mit Beschwerden bei Divertikelkrankheit kommt es bei etwa 15–20 % zu (wiederholten) Episoden mit Divertikulitis. Nach einer ausgeheilten Divertikulitis klagen rund zwei Drittel der Betroffenen über wiederkehrende Unterbauchschmerzen. Zudem ist das Risiko, erneut eine Entzündung zu bekommen erhöht. Eine solche erneute Entzündung tritt bei etwa der Hälfte der Betroffenen innerhalb eines Jahres nach der vorigen Entzündung auf, nach 5 Jahren sind 90% davon betroffen. Je mehr Episoden mit Divertikulitis Sie haben, desto wahrscheinlicher wird, dass der kranke Teil des Darms operativ entfernt werden muss. Grundsätzlich sind die Ärzte hier jedoch weiterhin mit einer Operation zurückhaltend, die Entscheidung ist ganz individuell zu treffen.

Um den Krankheitsverlauf zu kontrollieren und Komplikationen oder weitere Krankheiten auszuschließen, wird empfohlen, einige Wochen nach Ausheilung einer akuten Divertikulitis erneut eine Darmspiegelung oder ein CT durchführen zu lassen. Eine Divertikelkrankheit hingegen erfordert keine Kontrolluntersuchungen.

Prävention

Eine ballaststoffreiche Ernährung (z. B. Weizenkleie, 10–20 g/täglich), ausreichend Flüssigkeit, regelmäßige körperliche Bewegung können möglicherweise das Risiko für eine Divertikelkrankheit senken. Ob eine ballaststoffreiche Ernährung bei bereits vorhandener Erkrankung die Beschwerden lindern kann, ist nicht sicher geklärt.  

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Divertikelkrankheit (Divertikulose, Divertikulitis). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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