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Ernährungstipps nach einer Darmoperation

Nach einer Operation des Darms ist in den ersten Tagen in der Klinik eine spezielle Ernährung nötig. Anschließend können Patienten nach kleineren Operationen grundsätzlich wieder eine übliche ausgewogene Nahrung zu sich nehmen. Nach größeren Operationen, vor allem dann, wenn der gesamte Dickdarm entfernt wurden, sind bestimmte Vorsichtsmaßnahmen zu beachten.

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Magendarmtrakt

Das Verdauungssystem beginnt mit dem Mund, es schließen sich Speiseröhre und Magen an. Vom Magen geht es weiter mit dem Dünndarm, danach folgen der Dickdarm und schließlich der Enddarm. Während des Transports von fester Nahrung und Flüssigkeit durch diese Organe findet die Verdauung statt. Grundsätzlich wird die Nahrung in kleinste Bestandteile aufgelöst, von denen die wichtigen Nährstoffe über die Schleimhaut des Darms in das Blut aufgenommen werden. Unverdauliche Essensreste werden mit dem Stuhlgang ausgeschieden. Jeder Teil im Magendarmtrakt hat spezifische und manchmal auch überlappende Funktionen.

Dickdarm

Der Abbau der Nahrung findet im Magen und Dünndarm statt. Die meisten Nährstoffe werden bereits im Dünndarm ins Blut aufgenommen, aber auch im Dickdarm (Kolon) werden weitere Nährstoffe und Elektrolyte absorbiert. Hier sind viele verschiedene Bakterienarten vorhanden, die zunächst schlecht verdauliche Nahrungsbestandteile weiter verarbeiten, wonach sie ebenfalls ins Blut gelangen. Den übrig gebliebenen Nahrungsbestandteile, die dann noch im Dickdarm verbleiben, wird zunehmend Flüssigkeit entzogen, sodass diese Masse nach einer Weile fester und zu Exkrementen wird.

Operation des Dickdarms

Eine Operation des Dickdarms kann aus ganz verschiedenen Gründen erfolgen und sehr unterschiedlich umfangreich sein. Ist beispielsweise ein kleiner bösartiger Tumor (Kolonkarzinom)entdeckt worden, wird der Chirurg ein nur wenige Zentimeter kurzes Stück des Dickdarms zusammen mit dem Tumor entfernen und die beiden Schnittkanten wieder zusammenfügen. Hat sich der Patient von dem Eingriff erholt, wird er in Bezug auf Verdauung und Darmfunktion keinen Unterschied zu vorher feststellen. Es ist in der Regel keine Umstellung der Ernährung nötig.

Etwas größere Anteile des Darms müssen hingegen in einigen Fällen bei Krankheiten entfernt werden, die größere Teile des Dickdarms betreffen, wie z. B. Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Divertikulitis. Nachdem der Chirurg einen Teil des Dickdarms entfernt hat (Kolonresektion), ist es auch hier in den meisten Fällen möglich, die beiden Enden des Dickdarms wieder zusammenzunähen. Auch hier ist, evtl. nach einer Eingewöhnungsphase und je nach Ausmaß der Operation, oft wieder eine übliche ausgewogene Ernährung möglich.

Die Entfernung des gesamten Dickdarms, eine totale Kolektomie, heilt eine Colitis ulcerosa und eine familiäre Polyposis. Dies ist eine Erberkrankung, bei der im ganzen Dickdarm Polypen entstehen, die eine Vorstufe zum Karzinom darstellen. Nach einer totalen Kolektomie wird das untere Ende des Dünndarms, das Ileum, mit dem Enddarm zusammengenäht. Alternativ kann ein Ileostoma angelegt werden: Hierbei wird das Ileum von innen an einen Schnitt in der Bauchhaut genäht, sodass der Darminhalt dort austreten kann. Der Stuhl wird in einem speziellen Beutel gesammelt, der sich an dieser Stelle fest anheften lässt. Ein Ileostoma kann vorübergehend angelegt werden, wenn im weiteren Verlauf geplant ist, die Darmanteile wieder in der Bauchhöhle zusammenzufügen. Ein solcher künstlicher Darmausgang kann aber auch permanent bestehen bleiben müssen. In solchen Fällen muss der Patient zusätzlich auch auf die Hautpflege im Bereich des neuen Hautschnitts achten. Scharfe Speisen z.B. können dann nicht nur den Dünndarm, sondern auch die Haut am Darmausgang reizen.

Die Ernährung nach der Entfernung des Dickdarms oder von Teilen davon variiert von Patient zu Patient, abhängig von der Art der Operation und dem generellen Gesundheitszustand des Patienten. Selbst wenn viele Patienten nach einigen Wochen oder Monaten in der Lage sind, zu einer fast normalen Ernährung zurückzukehren, müssen einige Patienten ihre Ernährung für eine längere Zeit umstellen.

Die ersten Tage nach der Operation

Wenn Teile oder der gesamte Dickdarm von 1,5 Meter Länge entfernt werden, bringt das Veränderungen bei der Bildung der Exkremente mit sich. Die Ernährung, sowohl unmittelbar nach der Operation als auch auf lange Sicht, bedarf besonderer Maßnahmen.

An den ersten Tagen nach der Operation wird mit Flüssignahrung sichergestellt, dass die Naht im Darm nicht aufgeht und die Wundflächen heilen können, ohne dass sie durch Substanzen im Essen gereizt werden. Zunächst dürfen Sie klare Flüssigkeiten zu sich nehmen. Nach einigen Tagen können Sie normalerweise anfangen weiches Essen zu sich zu nehmen, wie pürierte Suppen, Brei, Pudding und Milchprodukte. Nach einer Weile können sie wieder feste Nahrung zu sich nehmen. Sie beginnen dann aber mit Lebensmitteln, die gut verdaulich sind, wie etwa leichte Suppe und helles Brot. Weitere Nahrung wird langsam wieder eingeführt, d. h. ein neues Lebensmittel nach dem anderen, um unangenehme Nebenwirkungen zu vermeiden. Die ersten 6–8 Wochen nach der Operation sollten Sie ballaststoffarm (also wenig Vollkorn und nur bestimmtes, gekochtes Gemüse; keine Hülsenfrüchte) essen, um Schmerzen, viel Gas und Durchfall zu vermeiden. Wenn die Heilung gut vorangeht, tritt selten eine Mangelernährung auf, vor allem wenn nur eine Teilresektion des Darms durchgeführt wurde. Wenn die vorsichtige Normalisierung der Ernährung Probleme bereitet, kann man zwischenzeitig intravenöse Lösungen geben, die die wichtigen Nährstoffe wie Proteine und Fett enthalten.

Nach der Operation kann es zunächst zu einem Stuhlgang von bis zu 20 Mal am Tag mit wässriger Entleerung kommen. Weil der Körper bei einem wässrigen Stuhlgang Elektrolyte und Wasser verliert, kann während der ersten Tage nach einer Operation des Dickdarms eine Störung im Elektrolytgleichgewicht und eine Dehydrierung (Austrocknung) entstehen. Die Anteile von Natrium, Kalium und Magnesium im Blut müssen an diesen ersten Tagen täglich kontrolliert und entsprechend mit Infusionen ergänzt werden.

Auf längere Sicht

Mit der Zeit wird sich der Körper auf den Verlust von Teilen oder dem ganzen Dickdarm einstellen. Der Dünndarm übernimmt die Funktion, das Wasser aufzunehmen. Dehydrierung stellt nach einer Weile immer weniger ein Problem dar. Auch die Aufnahme von Elektrolyten wird im Dünndarm wirksamer. Bei der Entfernung des ganzen Dickdarms kann das Risiko von Ernährungsproblemen jedoch über Wochen oder Monate weiter bestehen. In der Regel dauert es nach der Entfernung des gesamten Darms 6–12 Monate, bis sich die Verdauung mit Absorption der Flüssigkeit angepasst hat. 

Um den Übergang zu einer normalen Ernährung zu vereinfachen, sollten Sie einige einfache Hinweise befolgen: Nehmen Sie am Tag fünf bis sechs kleine Mahlzeiten oder Snacks zu sich anstelle von drei großen Mahlzeiten. Versuchen Sie auch, jeden Tag zu etwa der gleichen Zeit zu essen. Essen Sie langsam und kauen Sie das Essen gründlich, um die Verdauung zu erleichtern. Trinken Sie reichlich Wasser (2–3 l täglich) und achten Sie darauf, dem Körper ausreichend Mineralien (Elektrolyte) zuzuführen. Für eine kurze Zeit kann es einfacher sein, wenn Sie Sportgetränke zu sich nehmen. Dies sollte jedoch nur in Absprache mit dem Arzt erfolgen. 

Einige Lebensmittel verursachen Gase und Diarrhö. Versuchen Sie folgende Lebensmittel zu vermeiden oder zu begrenzen: getrocknete Bohnen, Hülsenfrüchte, Kohl, Paprika, Eier, Zwiebeln, scharf gebratenes, fettes Essen und Limonade (auch Sekt, Bier). Auch Fisch, scharfe Gewürze und vollaromatischen Käse vertragen nur wenige Patienten gut. Lebensmittel, die leicht eine Diarrhö auslösen, sind Obst und rohe Gemüse, Kaffee, Lebensmittel mit hohem Zuckergehalt und Alkohol. Ansonsten sollten Sie nicht zu schnell essen, kein Kaugummi kauen und nicht mit Trinkhalm trinken, da dies zu Unwohlsein führen kann, weil man dabei oft sehr viel Luft schluckt.

Einige Lebensmittel können unangenehme Symptome mildern und dazu beitragen, dass Sie schneller gesund werden. Versuchen Sie es mit Joghurt, Petersilie und trinken Sie Heidelbeer-/Preiselbeersaft oder Kümmeltee oder Fenchel, weil Sie damit Blähungen kontrollieren können. Essen Sie u.a. Bananen, Pasta, Kartoffeln, gekochte Möhren, geschälten Reis, Haferflocken, geriebenen Apfel und helles Brot, um ggf. eine Diarrhö zu verringern.

Alle operativen Eingriffe in der Bauchhöhle haben das Risiko für Verwachsungen (Adhäsionen) und Verengungen (Obstruktionen). Verwachsungen in Form von Narbengewebe können Organe in der Bauchhöhle abschnüren oder aneinanderheften. Verengungen im Darm (Darmobstruktion) können akute Magenschmerzen verursachen und treten häufiger bei Verwachsungen auf. Besteht hier ein Problem, kann eine eher leicht verdauliche Ernährung hilfreich sein. Manchmal ist es daher erforderlich, auf Nahrungsmittel wie rohes Gemüse oder Vollkorn etc. zu verzichten. Nach der Darmoperation können Nahrungsergänzungsmittel und Vitamine das Fehlen dieser Lebensmittel ausgleichen.

Empfehlungen

Es kann für Patienten und Ärzte eine Herausforderung sein, eine Dehydrierung zu vermeiden und eine ausgewogene Ernährung aufrecht zu erhalten. Grundsätzlich ist für die meisten Patienten eine mediterrane Ernährung geeignet, also viel Gemüse, pflanzliche Öle statt tierischem Fett, Fisch, Fleisch in Maßen, wenig Alkohol. Besonderheiten für einzelne Patienten lassen sich dann zusätzlich mit dem Arzt oder einem Ernährungsberater klären.

Es kann sinnvoll sein, dass der Patient vor der Operation einen Ernährungsphysiologen oder Ernährungsberater aufsucht, damit sich der Patient schon im Vorfeld über die Änderungen seiner Ernährung informieren kann. Insbesondere nach der Entfernung des gesamten Dickdarms kann die Wiedereinführung von Lebensmitteln eine sehr langsame Anpassung erfordern. Die Zusammenarbeit mit einem Ernährungsspezialisten ist da die beste Möglichkeit, eventuelle Mängel zu bewerten und zu korrigieren. Hilfreich ist es meist auch, in den ersten Wochen nach der Operation ein Ernährungstagebuch zu führen, aus dem sich anhand der beschriebenen Nahrungsmittel und Beschwerden erkennen lässt, welche Lebensmittel besser als andere vertragen werden.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen