Mikroskopische Kolitis

Bei der mikroskopischen Kolitis handelt es sich um eine Entzündung im Dickdarm. Typisch für die Erkrankung ist wässriger, unblutiger Durchfall, der über längere Zeit auftritt und nicht mit einer bakteriellen Infektion oder einer Virusinfektion einhergeht.

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Was ist eine mikroskopische Kolitis?

Koloskopie
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Bei der mikroskopischen Kolitis handelt es sich um eine Entzündung im Dickdarm. Typisch für die Erkrankung ist wässriger, unblutiger Durchfall, der über längere Zeit auftritt und nicht mit einer bakteriellen Infektion oder einer Virusinfektion einhergeht. Röntgen und Koloskopie (Darmspiegelung, Untersuchung des Darminneren; siehe Abb.) sind ohne Befund, bei der Koloskopie ist die Schleimhaut optisch scheinbar unauffällig. Die mikroskopische Untersuchung von Gewebeproben der Schleimhaut zeigt jedoch entzündliche Veränderungen.

Bis vor nicht allzu langer Zeit galt die mikroskopische Kolitis als selten. Mittlerweile geht man aber davon aus, dass die Erkrankung wahrscheinlich in vielen Fällen nicht richtig erkannt wird, also häufiger ist als bekannt. Die Häufigkeit nimmt jedoch langsam zu. Laut Studien leiden etwa 10–20 % aller Patienten mit chronischem wässrigen unblutigem Durchfall und unauffälliger Darmspiegelung an einer mikroskopischen Kolitis. Die Krankheit wird meist bei älteren Patienten festgestellt, die über 60 Jahre alt sind.

Im Durchschnitt leiden etwa 9 Personen von 100.000 an einer mikroskopischen Kolitis.

Ursachen

Die Ursachen der mikroskopischen Kolitis sind bislang nicht geklärt. Vermutlich handelt es sich um eine Immunreaktion der Schleimhaut. Bezüglich der auslösenden Faktoren besteht in Fachkreisen Unsicherheit. Grundsätzlich einig ist man sich, dass Medikamente wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), Aspirin, Protonenpumpenhemmer (Säurehemmer), Betablocker und ACE-Hemmer (Medikamente gegen Bluthochdruck) sowie bestimmte Antidepressiva (Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) eine Rolle spielen können. Rauchen erhöht das Risiko für diese Krankheit ebenfalls.

Die mikroskopische Kolitis tritt vermehrt bei Personen mit Autoimmunerkrankungen wie entzündlichen Gelenkerkrankungen (Arthritis), Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), Diabetes mellitus, der Hautkrankheit Sklerodermie und Zöliakie auf. Dieser Zusammenhang spricht für eine Rolle des Immunsystems auch bei der mikroskopischen Kolitis. Weiterhin wurde festgestellt, dass viele Patienten mit Zöliakie auch an mikroskopischer Kolitis leiden, die sich aber anders als Zöliakie nicht durch eine glutenfreie Kost lindern lässt.

Diagnostik

Die Diagnose erfolgt aufgrund einer Krankengeschichte mit lange (über mehrere Wochen) anhaltendem unblutigem und wässrigem Durchfall, oft auch Bauchschmerzen. Mehrmals am Tag und oft auch nachts müssen die Betroffenen zur Toilette. Der Allgemeinzustand ist trotz dieser Einschränkungen meist gut, meist nehmen die Patienten nicht an Gewicht ab. In der Stuhlprobe werden keine Bakterien gefunden, die als Ursache infrage kommen.

Bei chronischem Durchfall sind zunächst andere Ursachen wie Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, kolorektales Karzinom, Divertikelerkrankungen und Zöliakie auszuschließen.  Röntgen und Darmspiegelung sind unauffällig, aber Gewebeproben aus der Dickdarmschleimhaut zeigen typische entzündliche Veränderungen bei der mikroskopischen Untersuchung.

Zusätzlich wird die Ärztin/der Arzt noch verschiedene Werte im Blut bestimmen, u. a. zur Überprüfung von Nierenfunktion und dem Elektrolythaushalt im Blut. Wichtig ist auch zu überprüfen, ob kleinste (nicht sichtbare) Blutmengen (okkultes Blut) im Stuhl zu finden sind.

Therapie

Häufig heilt die Erkrankung spontan aus und erfordert keine medikamentöse Behandlung. Medikamente gegen Durchfall (z. B. Loperamid) können die Symptome ggf. lindern. Bei starken Beschwerden wird meist ein kortisonhaltiges Präparat (Budenosid) verordnet, das sich als sehr wirksam erwiesen hat. Verschiedene andere Medikamente sind ebenfalls geprüft worden, meist mit wenig Erfolg.

Prognose

Die Erkrankung kann zwar starke Beschwerden verursachen, heilt aber in vielen Fällen spontan aus. Wichtig ist zunächst, ggf. möglichst mit dem Rauchen aufzuhören und Medikamente abzusetzen, die die Krankheit mit auslösen können, z. B. NSAR oder Protonenpumpen-Hemmer.

Unter einer Therapie mit Budenosid über 6–8 Wochen werden etwa 80 % der Betroffenen gesund. Bei den meisten treten die Beschwerden dann zwar nach einiger Zeit erneut auf, aber das Kortisonpräparat wirkt dann auch wieder. Die Prognose ist für die überwiegende Mehrheit der Patienten gut. Ein erhöhtes Krebs- oder Sterblichkeitsrisiko im Vergleich zu nicht betroffenen Personen liegt nicht vor.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Mikroskopische Kolitis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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