Meckel-Divertikel

Ein Meckel-Divertikel ist eine kleine Ausbuchtung im Dünndarm, die bei ca. 1 % der Menschen angeboren ist. Bei 4–6 % der Menschen mit einer solchen Ausbuchtung können Probleme in Form von Blutungen, beeinträchtigter Darmpassage und Entzündungen auftreten. Dies kommt am häufigsten bei Kindern unter zwei Jahren vor.

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Was ist das Meckel-Divertikel?

Eingeweide und Milz

Ein Divertikel ist eine Ausbuchtung im Darm. Bei älteren Menschen sind solche Ausbuchtungen ganz normal, vor allem im Dickdarm. Das Meckel-Divertikel unterscheidet sich von diesen auf mehrfache Weise. Dieses Divertikel liegt im Dünndarm, es ist etwas größer, als die Divertikel im Dickdarm, es ist angeboren und führt bei Kindern viel häufiger zu Problemen als bei Erwachsenen.

Im Inneren eines Meckel-Divertikels befindet sich oft die gleiche Art Schleimhaut wie im Magen. Das bedeutet, dass in diesem Divertikel Salzsäure produziert werden kann. Diese Salzsäure kann die Schleimhaut des Dünndarms rund um das Divertikel verätzen und zu Wundbildung, Blutungen, Entzündungen und Narbengewebe führen, die die Passage durch den Darm an dieser Stelle behindern.

Das Meckel-Divertikel gehört zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen. In den meisten Fällen verursacht das Divertikel keine Symptome. Ein symptomatisches Meckel-Divertikel wird meist bei Kindern entdeckt und behandelt, in der Regel vor dem 2. Lebensjahr. Auch wenn das Divertikel bei Jungen und Mädchen gleich häufig vorkommt, sind Jungen zwei- bis dreimal häufiger von symptomatischen Komplikationen betroffen.

Bei Personen mit einem Meckel-Divertikel besteht auch eine größere Wahrscheinlichkeit für eine Darmverschlingung. Das wird darauf zurückgeführt, dass die Ausbuchtung mit einem Strang an der Innenseite des Nabels verbunden ist und sich der Darm an diesem Strang aufhängen kann. Auch kann in der Ausbuchtung eine Entzündung entstehen. Essensreste und Darminhalt können dort liegen bleiben, sodass Bakterien Zeit haben, sich dort zu bilden. Wenn die Bakterienmenge in der Ausbuchtung groß genug ist, führt dies zu einer Entzündung.

Symptome und Beschwerdebilder

Es wird damit gerechnet, dass ca. 1 % der Bevölkerung ein Meckel-Divertikel hat. Bei den meisten, sicherlich mehr als 95 %, wird das Divertikel nie irgendwelche Beschwerden verursachen. Am häufigsten sind Symptome bei Kindern unter zwei Jahren. Das Divertikel kann zu drei etwas unterschiedlichen Krankheitsbildern führen.

  • Blutung im Divertikel Tritt bei 30–40 % der Fälle sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen auf. Die Blutungen sind typischerweise akut, episodisch und schmerzfrei. Bei Kindern ist das Meckel-Divertikel eine häufige Ursache für Blutungen. Die Blutungen können zwischen schwarzem/teerähnlichem Stuhl (Meläna), langsamer Blutung und frischer „roter” Meläna variieren.
  • Unterbrechung der Darmpassage (Obstruktion, Ileus) Bei Kindern äußert sich das meist durch eine Dünndarmobstruktion. Diese kommt bei 40 % der symptomatischen Fälle vor. Symptome sind Erbrechen, kolikartige Schmerzen und ein aufgeblähter Magen, manchmal leiden die Betroffenen unter Verstopfung.
  • Entzündung im Divertikel Dies kommt in erster Linie bei Erwachsenen vor, in etwa bei 20–30 % der Fälle. Die Symptome der Infektion ähneln denen einer Blinddarmentzündung mit Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Fieber. Eine solche Entzündung kann von einem Arzt schwer von einer Blinddarmentzündung zu unterscheiden sein.

Diagnostik

Wenn der Verdacht vorliegt, dass die akuten Beschwerden von einem Meckel-Divertikel herrühren, ist eine Einweisung und Untersuchung im Krankenhaus notwendig.

Im Krankenhaus kann ein Röntgen des Darms durchgeführt werden; meist reicht das aber nicht aus. Bei einer anderen Untersuchung wird ein ungefährlicher, radioaktiv markierter Stoff in die Blutbahnen des Patienten gespritzt. Man kann dann diesem Farbstoff mit einer Art Geigerzählerkamera von außen folgen. Die Untersuchung wird Szintigrafie genannt. In Ausnahmefällen wird ein Farbstoff in die Adern gespritzt und man kann erkennen, wo es im Darm blutet (Angiografie). Die Ausbuchtung wird ein charakteristisches Bild der Blutgefäße geben, das die Ärzte erkennen können.

In einigen Fällen ist die Diagnose so unsicher, dass der Arzt entscheidet eine laparoskopische Untersuchung durchzuführen, bei der man mit Schlüssellochtechnologie in die Bauchhöhle schaut und das Divertikel evtl. entfernen kann.

Behandlung

Die meisten Menschen (mehr als 95 %) mit einer solchen Ausbuchtung werden niemals irgendwelche Beschwerden haben. Erst wenn eine Erkrankung im Divertikel auftritt, wird eine Behandlung notwendig. Die Behandlung besteht in der Regel darin, das Divertikel durch einen operativen Eingriff zu entfernen – meist durch eine Laparoskopie. Wenn die Ausbuchtung an einem Strang fixiert ist, muss dieser Strang entfernt werden. Es handelt sich dabei um Gewebe, das eigentlich nicht vorhanden sein sollte und keine Funktion hat.

Wenn während einer anderen Magenoperation zufällig ein Meckel-Divertikel entdeckt wird, ist es üblich dieses gleich zu entfernen. Forschungsberichte aus dem Jahr 2008 empfehlen allerdings, dass die Chirurgen solche zufällig entdeckten Divertikel in Ruhe lassen. Die Gefahr für Komplikationen nach einem solchen Eingriff wird als größer bewertet als die Gefahr durch das Divertikel krank zu werden.

Prognose

Bei einer adäquaten Behandlung von symptomatischen Patienten sind die Prognosen hervorragend. Das Risiko für postoperative Komplikationen wird mit 2–7 % angegeben. Das Lebenszeitrisiko von asymptomatischen Patienten, ein symptomatisches Meckel-Divertikel zu entwickeln, liegt bei 4–6 %.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Meckel-Divertikel. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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