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Verwachsungen in der Bauchhöhle nach einer Operation

Jeder operative Eingriff in der Bauchhöhle führt zur Bildung von Narbengewebe, das Verklebungen und Verwachsungen in der Bauchhöhle bilden kann. Solche Veränderungen können später Probleme verursachen.

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Was sind Verwachsungen in der Bauchhöhle?

Verwachsungen in der Bauchhöhle, sogenannte intraperitoneale Adhäsionen, entstehen nach einer Bauchoperation (postoperativ) und sind das Ergebnis von Gewebeschäden und ihrer darauffolgende Heilung. Es bildet sich Narbengewebe in Form von Verwachsungen (Adhäsionen) rund um und zwischen den Därmen. Adhäsionen können den Darm abklemmen und die Passage von Nahrungsmitteln und Exkrementen durch den Darm behindern, wodurch akute und starke Magenschmerzen entstehen können (Ileus). Bei Frauen können Adhäsionen außerdem zu einer verringerten Fruchtbarkeit (Fertilität) führen.

Es ist nicht geklärt, ob die Gewebeveränderungen wiederkehrende Magenschmerzen verursachen. Neue Operationen von Patienten mit vielen Adhäsionen komplizieren weitere Operationen und führen zu verlängerten Operationszeiten und einem erhöhten Risiko für Darmschäden und begleitende, ernste Komplikationen. Aus dem gleichen Grund führt eine Operation, bei der Adhäsionen entfernt werden, häufig zu weiteren Adhäsionen und erhöht die Probleme des Patienten nur noch.

Adhäsionen in der Bauchhöhle entstehen bei bis zu 95 % der Patienten, die am Bauch operiert werden (Laparotomie). 65–75 % aller Fälle von Dünndarmverschlüssen (Dünndarmileus) sind darauf zurückzuführen. Laut einer Auswertung von gynäkologischen Daten wurden 2,9 % der Patientinnen irgendwann aufgrund von einer adhäsionsbezogenen Erkrankung erneut ins Krankenhaus eingeliefert.

Symptome

Es können Schmerzen, Unfruchtbarkeit oder eine Unterbrechung der Darmpassage (Darmverschluss) auftreten. Die Adhäsionen erhöhen außerdem das Risiko für Schwierigkeiten und Komplikationen bei späteren operativen Eingriffen.

Diagnostik

Die Angaben zu früheren Operationen bei Personen mit akuten Magenschmerzen lassen den Verdacht zu, dass Verwachsungen eine Erklärung für die Schmerzen sein können. Die Wahrscheinlichkeit steigt mit der Anzahl der früheren Bauchoperationen.

Das akute Krankheitsbild ist geprägt von zeitweise starken Magenschmerzen, zunehmender Übelkeit und vermehrtem Erbrechen sowie fehlendem Abgang von Winden und Stuhlgang. Bei der Untersuchung stellt der Arzt fest, dass der Bauch hart und empfindlich ist. Die Darmgeräusche sind verändert oder bleiben aus.

Die akuten Magenschmerzen führen häufig zu einer Akut-Einweisung ins Krankenhaus. Im Krankenhaus kann es erforderlich sein, eine Bilddiagnostik mithilfe von Röntgen, Computertomografie, Magnetresonanztomografie, Ultraschall und evtl. einer Endoskopie durchzuführen.

Behandlung

Es gibt nur wenige Behandlungsangebote bei Verwachsungen im Bauchfell nach einer Operation. Stattdessen sind die Chirurgen aufgefordert, Adhäsionen vorzubeugen und Eingriffe mit geringstmöglichen Traumatisierungen durchzuführen. Das bedeutet, dass man eher Eingriffe mit Schlüssellochtechnologie (Laparoskopie) durchführt als offene Operationen, weil bei einem laparoskopischen Eingriff weniger Verwachsungen entstehen.

Es gibt keine Beweise dafür, dass Medikamente Komplikationen bei Adhäsionsbildung vorbeugen können.

Prognose

Entstandene Verwachsungen lassen sich nur schwierig entfernen.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Postoperative peritoneale Adhäsionen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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  3. Brüggmann D, Tchartchian G, Wallwiener M, Münstedt K, Tinneberg HR, Hackethal A. Intraabdominale Adhäsionen - Definition, Entstehung, Bedeutung in der operativen Medizin und Möglichkeiten der Reduktion. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(44): 769-75; DOI: 10.3238/arztebl.2010.0769 www.aerzteblatt.de
  4. Ellis H, Moran BJ, Thomson JN et al. Adhesion-related hospital admissions after abdominal and pelvic surgery: a retrospective cohort study. Lancet 1999; 353: 1476-80. PubMed
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  6. Gutt CN, Oniu T, Schemmer P et al. Fewer adhesions induced by laparoscopic surgery? Surg Endosc 2004; 18: 898-905. PubMed