Analabszess und Analfistel

Ein Analabszess ist eine Eiteransammlung im Bereich des Afters, eine Analfistel ein Verbindungsgang zwischen Haut und Analkanal. Sie sind sehr schmerzhaft und treten bei Patienten mit Morbus Crohn gehäuft auf. Die Behandlung erfolgt stets chirurgisch.

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Was sind Analabszesse und Analfisteln?

Analabszess
Analabszess

Ein Abszess ist eine eine Eiteransammlung in einem neugebildeten Hohlraum im Gewebe. Bei einem Analabszess befindet sich die eitergefüllte Höhle unter der Haut oder in den Drüsen um den After. Häufig besteht eine Schwellung und Rötung. Viele Patienten klagen außerdem über starke Schmerzen und eine Behinderung beim Stuhlgang sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl mit Fieber und Schüttelfrost.

Analfisteln
Analfisteln

Eine Analfistel ist ein schmaler Gang, der sich zwischen dem inneren Teil des Analkanals und der Haut um den After gebildet hat. Sind die Gänge nur an einem Ende geöffnet, spricht man von einem Sinus (Analkrypten). Aus einer Analfistel kann Flüssigkeit austreten, deren Ausfluss nicht kontrolliert werden kann. Darüber hinaus kann die Haut um den Fistelausgang schmerzempfindlich sein und brennen.

Analabszesse und Analfisteln können unabhängig voneinander auftreten, kommen aber häufig zusammen vor. Ein Analabszess verursacht meist eher akute Beschwerden, während sich eine Analfistel schleichend aus einem Abszess entwickelt.

Ursachen

Ein Analabszess entsteht durch eine bakterielle Infektion. Die Bakterien dringen in die Schleimhaut oder Haut ein, z. B. durch einen Riss in der Haut, und vermehren sich unter der Oberfläche, häufig in einer Drüse. Immunzellen wandern ein, um die Bakterien zu bekämpfen. Haut-, Immunzellen und Bakterien verschmelzen zu Eiter. Eine Analfistel entwickelt sich meist aus einem, möglicherweise unbemerkten, Abszess.

Bei Personen, die an Morbus Crohn, einer chronisch-entzündlichen Darmentzündung leiden, besteht ein erhöhtes Risiko einen Analabszess oder -fistel zu entwickeln. Aus diesem Grund sollte beim Auftreten von Analfisteln abgeklärt werden, ob ein Morbus Crohn vorliegt.

Darüber hinaus sind Patienten mit einer Abwehrschwäche, beispielsweise im Rahmen eines Diabetes mellitus, Erkrankungen des blutbildenden Systems sowie Raucher besonders gefährdet.

Diagnostik

Durch die charakteristische Krankengeschichte sowie eine körperliche Untersuchung lässt sich die Diagnose meist eindeutig stellen. Falls ein Tasten zu schmerzhaft ist, erfolgt eine lokale Betäubung des Gewebes. 

Die weitere Abklärung und Behandlung erfolgt in der Regel durch einen Spezialisten (Chirurg). Bei Analfisteln muss der genaue Verlauf des Ganges ermittelt werden. Das individuelle Vorgehen ist dabei unterschiedlich - angewandt werden Ultraschall, MRT und eine Spiegelung des Analkanals. Bei Verdacht auf eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung wird eine Darmspiegelung durchgeführt.

Therapie

Analabszesse und -fisteln sollten stets chirurgisch behandelt werden, da sie von allein oder nur durch Medikamente nicht abheilen. Durch die Therapie sollen die Symptome gelindert und neue Infektionen verhindert werden. Da ausgedehnte Fisteln und Abszesse die Stuhlkontinenz bedrohen, sollte die Therapie so früh wie möglich erfolgen.

Ein Abszess wird aufgeschnitten, so dass sich der angesammelte Eiter entleert, und ausgiebig gespült. Im Anschluss ist für eine gute Wundpflege zu sorgen, um die Abheilung sicherzustellen.

Zur Behandlung von Analfisteln existieren unterschiedliche Operationstechniken wie eine bloße Spaltung oder eine vollständige Entfernung. In extremen Ausnahmefällen kann ein solcher Eingriff so kompliziert sein, dass vorübergehend ein künstlicher Darmausgang (Stoma) gelegt werden muss, über das der Darm entleert wird (Sigmoidostomie). Damit wird der Enddarm entlastet und die Wunde kann besser verheilen.

Nach der Operation erfolgt eine regelmäßige Wundkontrolle und -pflege. Mittels Sitzbädern kann die Analhygiene verbessert werden. Ballaststoffreiche Nahrung sorgt für einen dünneren Stuhl und erleichtert den Stuhlgang.

Prognose

Unzureichend behandelte Analabszesse und -fisteln drohen sich zu vergrößern und chronisch zu werden. Schlimmstenfalls droht eine Stuhlinkontinenz. Daher sollte bei Verdacht auf ein Analabszesse oder -fisteln stets frühzeitig die Vorstellung bei einem Spezialisten erfolgen.

Weiterführende Informationen

Autoren

Dietrich August, Arzt, Freiburg im Breisgau

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Analabszess und Analfistel. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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