Juckreiz im Analbereich, Empfehlungen

Der Juckreiz des Afters (Pruritus ani) ist ein relativ häufiges Leiden. Auslöser können ganz verschiedene Krankheiten sein, aber bei ca. 20 % der Betroffenen kann keine Ursache festgestellt werden.

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Was ist Juckreiz im Analbereich?

Der Juckreiz des Afters (Pruritus ani) ist ein relativ häufiges Leiden. Bei ca. 20 % der Betroffenen kann keine Ursache festgestellt werden, es sind aber meist eine auslösende Krankheit zu finden: Erkrankungen, bei denen lokal mehr Feuchtigkeit entsteht, z. B. bei Hämorrhoiden oder gynäkologischen Erkrankungen, sind eine häufige Ursache. Auch Entzündungen, Infektionen, allgemeine Erkrankungen der Haut (Neurodermitis), Schleimhautrisse, häufiger Durchfall oder selten auch ein Tumor können Juckreiz zur Folge haben. Häufig ist die Haut auch aufgrund von Seifen, Feuchttüchern, zu häufigem Waschen oder auch zu häufigem Schwitzen gereizt und juckt deshalb.

Zur Vorbeugng und Behandlung ist eine vernünftige Hygiene wichtig. Durch ungenügende Hygiene kann es zu Juckreiz kommen, aber meist wird der Juckreiz durch übertriebenes Waschen hervorgerufen. Bei einer übermäßigen Reinigung wird die Fettschicht der Haut zerstört und die Haut trocknet aus, sodass das Risiko einer Erkrankung steigt. In seltenen Fällen kann der Juckreiz des Afters durch eine allgemeine Erkrankung des Betroffenen ausgelöst werden, z. B. durch Diabetes mellitus, das Hodgkin-Lymphom, Morbus Crohn, Nierenversagen oder Lebererkrankungen.

Der Juckreiz des Afters verschlimmert sich durch Kratzen. Durch das Kratzen wird oft ein neuer Juckreiz ausgelöst, sodass ein Teufelskreis entsteht.

Ursache

Bei der Untersuchung sucht der Arzt nach lokalen Ursachen. Viele Patienten zeigen entzündliche Veränderungen am After. Einige Betroffene reagieren auf Parfüm, Seife, Kleidung oder Nahrungsmittel oder es zeigen sich kleine Verletzungen an der Haut. Durch Hämorrhoiden kommt es zu einer erhöhten Feuchtigkeit um den After und damit zu Juckreiz und Reizungen. In einigen Fällen führen Hämorrhoiden zu einem Rektumprolaps, welcher das Risiko von Feuchtigkeit und Juckreiz am After erhöht. Auch durch Einrisse in der Haut (Analfissur) kann Juckreiz entstehen. Dies gilt auch bei Analfisteln, d. h. wenn sich ein Gang vom Analkanal zur Haut außerhalb des Afters gebildet hat. Über diesen Kanal kann sich Flüssigkeit entleeren, was zu Reizungen und Juckreiz führt.

In seltenen Fällen kann eine generelle Hauterkrankung die Ursache sein. Der Juckreiz kann (insbesondere bei Kindern) auch durch den Madenwurm oder durch eine Pilzinfektion hervorgerufen werden.

Therapie

Wenn eine zugrunde liegende Ursache festgestellt werden kann, muss diese behandelt werden. Sie können aber auch selbst Maßnahmen ergreifen.

Empfehlungen für Patienten

Eine gute Hygiene ist wichtig: waschen Sie sich regelmäßig, aber nicht zu oft. Verwenden Sie eine milde Seife ohne Parfüm. Waschen Sie sich möglichst nur einmal am Tag und verwenden Sie keinen Waschlappen, sondern duschen Sie. Vermeiden Sie trockenes Papier, verwenden Sie weiches Toilettenpapier. Einigen Patienten hilft es, im Bereich des Anus eine wasserabweisende Salbe aufzutragen.

Vermeiden Sie möglichst Schweißbildung im Bereich des Anus: tragen Sie Unterwäsche aus Baumwolle, vermeiden Sie eng sitzende Kleidung und Aktivitäten, bei denen Sie stark schwitzen. Verwenden Sie während der Menstruation Tampons anstatt Binden. Sie sollten nicht über einen längeren Zeitraum sitzen, zudem ist es empfehlenswert, Plastikstühle zu vermeiden.

Absorbierende Baumwollkompressen zwischen dem Gesäß, die regelmäßig ausgetauscht werden, können lokale Feuchtigkeit aufnehmen.

Kratzen Sie nicht. Vermeiden Sie auslösende Ursachen.

Medikamentöse Therapie

Kortikosteroide, die auf die Haut am After aufgetragen werden, lindern die Beschwerden. Sie sollten diese Präparate jedoch nicht länger als 2–3 Wochen hintereinander anwenden. Die periodische Behandlung mit unterschiedlichen Präparaten wird empfohlen, da die einzelnen Wirkstoffe bei einer chronischen Behandlung häufig immer weniger effektiv sind. Verwenden Sie eine Creme (eher wässrige Basis), wenn die Haut am After feucht und aufgeweicht ist. Ist die Haut trocken und eingerissen, sollte eine Salbe (eher fettige Basis) verwendet werden.

Therapievorschlag:

  • Sie können tagsüber eine neutrale Creme oder Salbe verwenden, die Sie beispielsweise nach dem Waschen nach dem Stuhlgang auftragen.
  • Entfernen Sie die Salbe oder Creme abends mit lauwarmem Wasser und medizinischer Seife bzw. Öl, z. B. Erdnussöl.

Bei einigen Betroffenen tritt der Juckreiz verstärkt nachts auf, sodass man häufig kratzt, ohne dies bewusst wahrzunehmen. In diesem Fall kann ein juckreizlinderndes Mittel, das gleichzeitig den Schlaf fördert, verwendet werden (Antihistaminikum).

Prognose

Durch eine sorgfältige Eigenbehandlung können Sie den Juckreiz häufig selbst kontrollieren. In manchen Fällen kommt es jedoch zu einem chronischen oder ständig wiederkehrenden Zustand. Liegt dem Juckreiz eine Krankheit zugrunde (z.B. Hämorrhoiden), sollte er natürlich mit der wirksamen Behandlung dieser Ursache nachlassen.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Pruritus ani. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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  4. Kränke B, Trummer M, Brabek E, Komericki P, Turek TD, Aberer W. Etiologic and causative factors in perianal dermatitis: results of a prospective study in 126 patients. Wien Klin Wochenschr 2006; 118: 90-4. PubMed
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