Sexuell übertragene Proktitis

Eine Proktitis ist eine Entzündung der Schleimhaut im Enddarm (Rektum).

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Was ist eine Proktitis?

Es können schwere Symptome auftreten, die anfänglich nur schwach ausgeprägt sind. Die Proktitis betrifft den Enddarm (Rektum, 15 cm lang) und kann folgende Symptome verursachen:

  • Schmerzen beim Stuhlgang,
  • Schmerzen im Analkanal und Rektumbereich,
  • Gefühl, den Darm nicht vollständig entleert zu haben, nachdem Sie auf Toilette waren,
  • Unkontrollierte, oft schmerzhafte Krämpfe in Darm und Enddarm beim Toilettengang,
  • Blutungen, eventuell Ausfluss aus dem Enddarm.

Die Proktitis kann ein schnell vorübergehender Zustand sein oder sich zu einer chronischen Erkrankung entwickeln, die über Wochen, Monate oder Jahre andauert.

Ursache

Für die Proktitis gibt es zwei Hauptursachen: es kann sich um eine sexuell übertragbare Krankheit (Geschlechtskrankheit) oder eine Form einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung wie Colitis ulcerosa, Morbus Crohn oder mikrozytäre Proktitis handeln. Diese Informationen beziehen sich auf die sexuell übertragene Proktitis.

Gonorrhö, Syphilis, Herpes, Genitalwarzen und Chlamydiose sind die häufigste Ursache der sexuell übertragenen Proktitis. Die Erkrankung tritt immer häufiger bei homosexuellen Männern und Personen auf, die oral-analen oder analen Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern praktizieren.

Andere Ursachen können nicht sexuell übertragene Infektionen, Fremdkörper im Darm, Wunden im Analbereich, Schädigungen durch Bestrahlung oder Nebenwirkungen von Antibiotika (pseudomembranöse Kolitis) sein.

Symptome

Die Symptome der Proktitis hängen von der Ursache ab. Das Hauptsymptom ist das anhaltende Gefühl, auf die Toilette gehen zu müssen, um den Darm zu entleeren. Die Betroffenen haben das Gefühl, dass der Darm voll ist. Es kann auch zu Verstopfung kommen. Mildere Symptome können Schmerzempfindlichkeit im Analbereich und eine leichte Reizung des Rektums sein. Auch schwerere Symptome können auftreten: Ausfluss von Eiter und Blut, gefolgt von Darmkrämpfen und Schmerzen beim Stuhlgang. Kommt es zu starken Blutungen, kann sich eine Anämie (Blutarmut) entwickeln.

Sexuell übertragbare Krankheiten und Proktitis

Gonorrhö

In den meisten Fällen erfolgt die Ansteckung bei Analverkehr. Die Krankheit kann ohne Symptome verlaufen. Treten Symptome auf, handelt es sich meist um Schmerzempfindlichkeit, Juckreiz, blutigen oder eitrigen Ausfluss oder Durchfall. Andere rektale Probleme können Analwarzen (Genitalwarzen), Einrisse im Analbereich, Fisteln oder Hämorrhoiden sein.

Syphilis

Die Symptome ähneln denen anderer Infektionen: lokale Schmerzen, Ausfluss und Darmkrämpfe beim Stuhlgang. Es müssen jedoch keine Symptome auftreten. Die Syphilis verläuft in drei Stadien:

  • Im Primärstadium bildet sich an der Stelle des sexuellen Kontakts ein schmerzfreies Geschwür mit verhärteten Kanten. Dieses Geschwür wird auch Schanker genannt und hat einen Durchmesser von 1–2 cm. In der akuten Phase der Infektion kommt es zu einer schmerzhaften Schwellung der Lymphknoten in der Leiste.
  • Im Sekundärstadium bilden sich weitere Geschwüre am Anus und im Rektum in Form von warzenähnlichen Auswüchsen.
  • Das Tertiärstadium tritt erst im späten Verlauf auf und greift Herz und Nervensystem an.

Chlamydien

Diese bakterielle Form der sexuell übertragenen Proktitis macht bis zu 20 % der Fälle aus. Die Krankheit kann symptomfrei verlaufen, aber auch leichte bis schwere Symptome zeigen. Milde Symptome können leichte anale Schmerzen beim Stuhlgang, eventuell Ausfluss und möglicherweise krampfartige Schmerzen im Enddarm sein. Es kann zur Bildung von Geschwüren kommen, die vernarben und zu einer Verengung (Striktur) im Enddarm führen. Auch der Analkanal kann betroffen sein und sich verengen. Die Verengung des Analkanals kann zur Verstopfung führen, sodass Sie den Stuhl kräftig herauspressen müssen. Es kann jedoch auch zu dünnflüssigem Stuhl kommen.

Herpes simplex

Proktitis kann durch das Herpes-simplex-Virus Typ 2 und in manchen Fällen auch Typ 1 verursacht werden. Wie auch bei den anderen Ursachen kann die Krankheit symptomfrei verlaufen. Bei der durch Herpes hervorgerufenen Proktitis kann es zu Schmerzen und Empfindlichkeit im Analbereich, Ausfluss und Verstopfung kommen. Um den After können sich kleine schmerzhafte Bläschen oder Geschwüre in kleinen Herden bilden. Anders als bei den anderen Arten der Proktitis kann es bei Herpes auch zu Problemen bei der Blasenentleerung, Impotenz und Schmerzen in Gesäß und Oberschenkeln kommen.

Genitalwarzen

Genitalwarzen werden durch das humane Papillomavirus (HPV) verursacht. Es bilden sich weiche Auswüchse am After, die sich auch nach innen und somit in den unteren Teil des Analkanals und des Enddarms (Rektum) ausbreiten können. Es kann zu Juckreiz am After, unterschiedlich starken Schmerzen und leichten Blutungen und Ausfluss kommen.

Verletzungen des Enddarms

Verletzungen des Anus oder Enddarms, bei denen die Schleimhaut gedehnt wird oder einreißt, kommen ebenfalls als Ursache einer Proktitis in Frage. Diese Verletzungen treten insbesondere bei Personen auf, die Fremdkörper in den Enddarm eingeführt haben. Dabei kann es sich um den Penis beim Analverkehr oder Sexspielzeug handeln. In der Schleimhaut sind kleine Einrisse sichtbar. In einigen Fällen steckt der Fremdkörper noch im Enddarm. Bei Personen mit einer anorektalen Verletzung kann es infolge von unsicherem Geschlechtsverkehr zu einer Infektion kommen.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

Zeigen Sie einige der oben genannten Symptome, insbesondere, wenn Sie sexuelle Praktiken ausüben, bei denen das Risiko einer Proktitis besteht, sollten Sie sich von einem Arzt untersuchen lassen. Andere Erkrankungen, z. B. Hämorrhoiden, können ähnliche Symptome zeigen. Ein Arzt kann Ihnen Gewissheit verschaffen und die richtige Therapie einleiten.

Mögliche Untersuchungen

Die Diagnose beruht auf dem Verdacht der Erkrankung. Der Arzt führt eine ausführliche Anamnese (Krankengeschichte) durch und befragt Sie auch zu Ihren sexuellen Gewohnheiten und eventuell damit verbundenen Risiken.

In den meisten Fällen ist bei einem Verdacht auf Proktitis eine Proktoskopie oder Rektoskopie notwendig. Über ein Röhrchen, das in den Enddarm eingeführt wird, kann der Arzt mithilfe einer Lichtquelle die Schleimhaut im Enddarm betrachten. Der Arzt kann eine Gewebeprobe (Biopsie) der Schleimhaut entnehmen und auf Erkrankungen und Infektionen untersuchen. Ausfluss kann auf sexuell übertragbare Krankheiten untersucht werden. Mit einer Blutuntersuchung kann festgestellt werden, ob Sie Antikörper gegen sexuell übertragbare Krankheiten gebildet haben.

Therapie

Die Therapie der Proktitis hängt von der Ursache der Erkrankung ab. Liegt die Ursache der Proktitis in einer sexuell übertragbaren Krankheit, erfolgt die Therapie mit Antibiotika, mit denen die Bakterien abgetötet werden, die die Infektion verursacht haben. Leiden Sie an einer Infektion, befinden sich meist auch andere Bakterien oder Viren im Körper. Die Antibiotikatherapie muss sich darum gegen zwei oder mehrere Infektionen gleichzeitig richten.

Wurde bei Ihnen eine sexuell übertragene Infektion festgestellt, müssen Sie Safer Sex praktizieren, d. h. Sie und Ihr Partner müssen ein Kondom verwenden.

Verlaufskontrolle

Wichtiger Bestandteil der Therapie ist die Verlaufskontrolle. Sie müssen die Therapie nach den Anweisungen des Arztes bis zum Ende fortsetzen. Verzichten Sie auf Geschlechtsverkehr, bei dem After und Enddarm gereizt werden können. Die erste Kontrolle erfolgt nach ein bis zwei Wochen. Sie erfahren, ob die Entzündung zurückgegangen ist oder ob Sie die Medikamente weiterhin einnehmen müssen. Verschlimmern sich die Symptome während der Therapie, müssen Sie sich an Ihren Arzt wenden.

Vorbeugung

Der Arzt wird Ihnen Ratschläge zu Ihren sexuellen Gewohnheiten geben. Zu den Sicherheitsmaßnahmen gehört, dass Sie sich mit einem Kondom schützen, Ihren Sexualpartner kennen und Analverkehr vermeiden.

Sie sollten vorbeugende Maßnahmen ergreifen, wenn Sie unsicheren Geschlechtsverkehr praktizieren, z. B. wenn Sie:

  • viele oder wechselnde Sexualpartner haben,
  • ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einem unbekannten Partner haben,
  • bisexuelle oder homosexuelle Partner haben,
  • bereits an einer sexuell übertragbaren Krankheit gelitten haben,
  • einen Partner haben, der vor kurzem an einer sexuell übertragbaren Krankheit gelitten hat,
  • einen Partner mit einer unbekannten sexuellen Vorgeschichte haben,
  • Drogen oder Alkohol konsumieren, denn dadurch steigt das Risiko ungeschützten Geschlechtsverkehrs,
  • einen Partner haben, der Drogen nimmt,
  • Analverkehr praktizieren, denn auch mit einem Kondom kann die Schleimhaut verletzt werden und es kann zu einer Proktitis kommen.

Prognose

In den meisten Fällen kann die anorektale Erkrankung erfolgreich behandelt werden. Antibiotika zeigen bei sexuell übertragenen Erkrankungen gute Wirkung.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln