Hepatitis B

Hepatitis B

Bei Hepatitis B handelt es sich um eine Entzündung der Leber, die vom Hepatitis-B-Virus (HBV) verursacht wird.

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Was ist Hepatitis B?

Bei Hepatitis B handelt es sich um eine Entzündung der Leber, die vom Hepatitis-B-Virus (HBV) verursacht wird. Die Infektion verläuft bei rund einem Drittel der Betroffenen symptomlos und wird daher nur zufällig bei Blutuntersuchungen festgestellt. Das Virus wird über kontaminiertes Blut, Sperma und seltener auch andere Körperflüssigkeiten übertragen. Die Inkubationszeit, also die Dauer zwischen Infektion (Aufnahme des Virus) und Entwicklung der Beschwerden, variiert zwischen einem und sechs Monaten.

Bei einer akuten Hepatitis B mit Symptomen kann der Krankheitsverlauf in drei Phasen eingeteilt werden:

  1. Beim Übergang in die Erkrankung und in der ersten Phase der Erkrankung fühlen sich die Betroffenen möglicherweise antriebslos, müde, haben leichtes Fieber, leiden unter Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme, Schmerzen im rechten Oberbauch, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen oder Durchfall (Prodromalstadium).
  2. Nach der ersten Phase bekommt etwa ein Drittel der infizierten Patienten eine Gelbsucht (Ikterus) mit Gelbfärbung von Haut und Augen, hellem Stuhl und dunklem Urin. Diese Phase beginnt häufig zu einem Zeitpunkt, an dem man sich wieder deutlich wohler fühlt (Gelbsuchtstadium).
  3. Die akute Erkrankung geht innerhalb von ein bis drei Monaten zurück, ihr folgt aber häufig eine lang anhaltende Phase mit Müdigkeit und Abgeschlagenheit (Rekonvaleszenzstadium). Ein Teil der Patienten wird zu dauerhaften Virusträgern (Ausscheidern) und entwickelt später Symptome einer chronischen Hepatitis. Das Risiko einer chronischen Infektion ist besonders für Kinder <1 Jahr sehr hoch (90%), ebenso für Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Für gesunde über 5-jährige und erwachsene akut Erkrankte liegt es bei 2%. 
Verlaufskurve
Verlaufskurve
 

Die Symptome der akuten Erkrankung gehen im Laufe von ein bis drei Monaten bei rund 90% der Betroffenen vollständig zurück, manche Patienten leiden dann aber noch an einer lang anhaltenden Schwächephase. Bei ca. 0,1–0,5 % der Patienten kommt es zu einem schweren Leberversagen. Der behandelnde Arzt muss jede HBV-Infektion dem Gesundheitsamt melden. 

Wie häufig ist Hepatitis B?

Die Hepatitis B ist eine der häufigsten Infektionskrankheiten überhaupt. Weltweit haben nach Angaben der WHO etwa 2 Milliarden Menschen eine HBV-Infektion durchgemacht oder durchlaufen aktuell eine Infektion; weltweit sind ca. 240 Millionen chronisch mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) infiziert. Jährlich sterben etwa 600.000 Menschen an den (Spät)Folgen dieser Infektion. Die Häufigkeit von HBV ist in Sub-Sahara-Afrika und Ostasien am höchsten, wo 5–10% der erwachsenen Bevölkerung chronisch infiziert ist. Im Mittleren Osten und auf dem Indischen Subkontinent sind ca. 2–5% der Allgemeinbevölkerung betroffen. Demgegenüber sind weniger als 1% der Allgemeinbevölkerung in Westeuropa und Nord-Amerika akut oder chronisch infiziert. In Deutschland erkranken jährlich ca. 0,9 von 100.000 Einwohnern an einer Hepatitis B; es sind doppelt so viele Männer wie Frauen betroffen.

Allerdings ist in Deutschland die Infektionsrate in bestimmten Risikogruppen und bei Personen mit Migrationshintergrund deutlich höher. Studien in der allgemeinärztlichen bzw. hausärztlichen Versorgung zeigen für Personen mit Migrationshintergrund eine Häufigkeit bis zu 3,6%, wobei den Betroffenen in einem hohen Anteil die Infektion nicht bewusst ist und sie oft nicht ausreichend über die Übertragungswege informiert sind.
Unter Personen, die Einrichtungen der Drogenhilfe aufsuchen, lag einer deutschen Studie die Infektionsrate zwischen 5% und 33%. Weitere Risikogruppen umfassen insbesondere Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), Sexarbeiter und Sexarbeiterinnen sowie medizinisches Personal.

Das hohe HBV-Übertragungsrisiko bei Drogengebrauch ist v.a. dadurch bedingt, dass die Betroffenen oft Spritzen, Kanülen oder andere Geräte mehrfach nutzen und untereinander austauschen, ohne diese ausreichend zu sterilisieren. Personen, die Drogen injizieren, haben auch ein erhöhtes Risiko für andere übertragbare Krankheiten, wie Hepatitis C, HIV/AIDS, andere sexuell übertragene Infektionen. Da Strafgefangene ebenfalls häufig Drogen injizieren, unterliegen auch sie einem erhöhten Risiko für HBV; hier können auch ungeschützte sexuelle Kontakte eine Rolle spielen.

Was geschieht bei einer Hepatitis B?

Das Blut und die Körperflüssigkeiten infizierter Betroffener enthalten das Virus HBV. Die Übertragung erfolgt in der Regel über Blut oder sexuellen Kontakt, das Virus ist aber in geringen Mengen auch im Speichel, den Tränen und der ersten Muttermilch (Kolostrum) enthalten. Das Virus verursacht eine Entzündung der Leber, was die Leberzellen schädigt. Dadurch sammelt sich Gallenpigment an und gelangt in den Blutkreislauf. Das Gallenpigment, das sich im Körper verteilt, färbt unter anderem die Haut gelb, was dann als Gelbsucht bezeichnet wird.

Folgende Faktoren erhöhen die Ansteckungsgefahr mit dem Hepatitis-B-Virus:

  • Intravenöser Drogenkonsum. Drogenkonsumenten infizieren sich häufiger mit HBV, da sich das Virus über unsterile Spritzen, über das Drogenbesteck und die Drogen selbst verbreiten kann.
  • Ungeschützter Sex mit einer ansteckenden Person.
  • Die strengen Kontrollen von Blutspendern und Blutprodukten haben das Risiko einer Ansteckung über Bluttransfusionen bzw. über Blutprodukte minimiert.
  • Medizinisches Personal ist durch das Risiko von Stichverletzungen bei Operationen oder bei der Blutentnahme von infizierten Personen im Vergleich zu anderen Berufsgruppen stärker gefährdet (Übertragungsrisiko von 20–30% bei Stichverletzung bei einem Infizierten). Prophylaktisch ist eine Impfung möglich.
  • Wenn Schwangere bei der Geburt eine ansteckende Hepatitis B haben, besteht ein großes Risiko der Übertragung aufs Kind (von denen 90 % eine chronische Hepatitis bekommen), falls das Kind nicht unmittelbar nach der Geburt geimpft wird:
    • Bei einer Impfung direkt nach der Geburt erkranken nur noch 5–15 % der Kinder.

Andere Übertragungswege sind ebenfalls möglich, wenn Menschen mit Hautverletzungen Kontakt mit infizierten Körperflüssigkeiten haben, z.B. in Familien oder in Gemeinschaftseinrichtungen für Kinder oder Behinderte. Besonders in Gemeinschaftseinrichtungen mit pflegebedürftigen Personen sind besondere Hygienestandards zu befolgen, damit es nicht zu einer Infektion z.B. von Diabetikern durch unhygienische Blutzuckermessungen kommt. Auch ein nicht sachgemäßes, unhygienisches Vorgehen beim Tätowieren, Piercen oder Ohrlochstechen birgt die Gefahr potenzieller Übertragung; Zahlen zur Häufigkeit gibt es hier jedoch nicht.

Die Diagnose wird anhand der oben genannten typischen Symptome und mithilfe von Blutuntersuchungen (v.a. Leberwerte sowie Tests verschiedener Marker der HBV-Infektion [Hepatitis-B-Serologie]) gestellt. Es kann manchmal auch sinnvoll sein, die Leber mit Ultraschall zu untersuchen.

Therapie

Als Therapieziel gilt, die weitere Übertragung auf andere zu verhindern und v.a. chronisch Erkrankte zu behandeln. Im Erkrankungsstadium muss auf Alkohol verzichtet werden, da sich sonst die Leberschädigung verstärken kann. Es gibt keine spezielle Therapie für eine akute Hepatitis B, außer Maßnahmen zur Linderung der Symptome. In schweren Fällen werden Betroffene zur Beobachtung ins Krankenhaus eingeliefert, wo gegebenenfalls auch eine unterstützende Behandlung wie z. B. Flüssigkeits- und Nahrungszufuhr erfolgen kann. In einfacheren Fällen ist keine Therapie erforderlich.

Eine schwere chronische Hepatitis B kann mit Interferon, einer Substanz mit immunstimulierender Wirkung, oder mit sogenannten Nukleosidanaloga und Nukleotidanaloga behandelt werden. In der Regel ist eine Langzeitbehandlung erforderlich.

Infektionsschutz und Hygienemaßnahmen

1. Präventive Maßnahmen


Impfung

Eine gezielte Prophylaxe der Hepatitis B ist nur durch die aktive Immunisierung effektiv möglich. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die HBV-Impfung nicht mehr nur Personen mit erhöhtem Infektionsrisiko, sondern grundsätzlich allen im Säuglings- und Kleinkindalter oder (falls noch nicht geschehen) bis spätestens zum 18. Lebensjahr (siehe Empfehlungen der STIKO). Eine erfolgreiche Hepatitis-B-Impfung schützt auch vor einer Hepatitis-D-Virus-Infektion.

Daneben empfiehlt die STIKO die Impfung gegen Hepatitis B im Erwachsenenalter für besonders gefährdete Personengruppen. Dazu gehören Personen mit Immunschwäche oder oder anderen Erkrankungen, bei denen ein HBV-Infekt besonders schwer verlaufen würde, Personen mit erhöhtem beruflichem oder nichtberuflichem Expositionsrisiko und solche, die sich im Ausland mit höherem HBV-Risiko aufhalten (z.B. Reise).

Medizinisches Personal sollte frühzeitig gegen HBV geimpft werden, am besten noch während der Ausbildung. Alle Beschäftigten im Gesundheitswesen, die mit HBV-Infizierten in Kontakt kommen könnten, sollten geimpft sein. Es sollte zudem im Laufe der Zeit kontrolliert werden, ob die Impfung noch schützt und ggf. erneut geimpft werden.

Als Personen mit besonders hohem individuellem Expositionsrisiko gelten z.B. Sexualpartner von HBsAg-Trägern. Analog kann im beruflichen Umfeld hierzu beispielsweise OP-Personal gezählt werden, das regelmäßig HBsAg-positive Patienten operiert sowie Beschäftigte, die durch eine eigene Immunsuppression ein erhöhtes Risiko für einen ungünstigen Verlauf einer HBV-Infektion haben.

Wenn man einem Ansteckungsrisiko ausgesetzt war, zum Beispiel bei Verletzungen mit möglicherweise HBV-haltigen Gegenständen, z.B. nach Nadelstich oder Blutkontakt mit Schleimhaut / nichtintakter Haut oder durch Sex mit einer HBV-positiven Person, empfiehlt sich eine Behandlung mit Hepatitis-B-Antikörpern und dem Impfstoff. Die Behandlung muss so schnell wie möglich erfolgen, spätestens 48 Stunden nach dem berechneten Ansteckungszeitpunkt.

Schutz vor Ansteckung

Da man häufig nicht weiß, ob ein Patient mit HBV infiziert ist, sollte das medizinische Personal grundsätzlich bei allen Patienten die Maßnahmen der Basishygiene berücksichtigen. Schutzhandschuhe sind wichtig, um sich bei Pflege- oder Therapiemaßnahmen vor Blut und anderen virushaltigen Körperflüssigkeiten zu schützen. Falls beim Kontakt mit dem Infizierten virushaltige Tröpfchen entstehen können, müssen Schutzkittel/Schürze, ein Mund-Nasen-Schutz und eine Schutzbrille benutzt werden. Besonders wichtig ist es auch, gebrauchte Nadeln/Skalpelle oder ähnliche Instrumente sicher zu entsorgen.

Sind Pfleger/Ärzte selbst chronische HBV-Träger, gelten besonders strenge Vorsichtsmaßnahmen. Besondere Vorsichtsmaßnahmen hinsichtlich einer Übertragung müssen ebenso chronische HBV-Träger in nichtmedizinischen Berufen beachten, wenn ihre Tätigkeit mit der Gefahr einer Verletzung verbunden ist, z. B. Maniküre, Pediküre, Tätowierungen. Dies gilt ebenso für Sexarbeiterinnen und -arbeit: Wichtig sind hier Kenntnisse und Nutzung von Praktiken des Safer Sex bzw. Kondomen. Da viele der hier Tätigen in Deutschland nicht gemeldet sind und/oder keine Krankenversicherung haben, ist ein kostenfreies Beratungsangebot durch den Öffentlichen Gesundheitsdienst wichtig.

Eine effektive Desinfektion gehört ebenfalls zur Prävention. Das HB-Virus ist sehr widerstandsfähig gegenüber hohen Temperaturen; es ist erst sicher abgetötet, wenn es feuchter Hitze mit einer Temperatur ≥ 90°C für mindestens 5 Minuten ausgesetzt war.

2. Maßnahmen bei erkrankten Personen

Personen mit einer aktiven HBV-Infektion sollten sich stets so verhalten, dass andere Personen nicht gefährdet werden. Wenn man die üblichen Hygieneregeln im Haushalt/Alltag beachtet, ist das Übertragungsrisiko zwischen Menschen, die zusammen wohnen, gering. Allerdings darf der Infizierte nicht z.B. Nagelscheren, Zahnbürsten oder Rasierer gemeinsam mit anderen benutzen. Außerdem ist unbedingt zu vermeiden, dass andere Personen über z.B. offene Wunden Kontakt mit dem Blut oder anderen Körperflüssigkeiten Infizierter haben. Personen mit einer aktiven HBV-Infektion sollten beim Sex stets ein Kondom verwenden (außer der Sexualpartner ist effektiv geimpft).

Muss eine infizierte Person von einem Arzt behandelt werden, v.a. beim Zahnarzt oder Chirurgen, sollte er diesen zuvor unbedingt über die Infektion informieren. Dann kann der Arzt während der Behandlung noch vorsichtiger sein und Instrumente ggf. besonders sorgfältig desinfizieren. 

In Gemeinschaftseinrichtungen (u.a. Kindergärten, Schulen, Heime)

Chronisch mit HBV Infizierte dürfen grundsätzlich Gemeinschaftseinrichtungen besuchen bzw. dort arbeiten; sie müssen sich aber so verhalten können, dass sie niemanden infizieren können. Allen Mitgliedern in diesen Einrichtungen wird eine Impfung empfohlen.

Im Einzelfall sind aber besondere Entscheidungen nötig, z.B. wenn es um infizierte Kinder geht, die hygienisch mangelhaft versorgt sind oder um Kinder, die sich aggressiv verhalten (z.B. kratzen, beißen) oder auch um Kinder mit Immunschwäche, schweren Hautkrankheiten oder verstärkter Blutungsneigung.

Grundsätzlich sollten alle Kinder, die entweder HBV-Träger sind oder durch eine Infektion stark gefährdet wären, frühzeitig lernen, sich hygienisch zu verhalten.

Wie verläuft die Krankheit?

Zwischen der Ansteckung und den ersten Symptomen liegen 1–6 Monate. Die meisten Betroffenen werden innerhalb von 4 Monaten nach Krankheitsbeginn wieder ganz gesund.

Ca. 10 % werden zu chronischen Hepatitis-B-Virusträgern und damit zu sogenannten Ausscheidern. Bei kleinen Kindern, vor allem Säuglingen, besteht ein hohes Risiko, dass sie Ausscheider werden. Auch sehr alte Menschen tragen ein höheres Risiko, während junge erwachsene, sonst gesunde Personen nur selten zu chronischen Virusträgern werden (< 5 %). Eine chronische Hepatitis-B-Infektion kann eine schwere Erkrankung sein. Daher ist eine genaue Beurteilung und möglicherweise eine Behandlung bei Fachärzten nötig. Bei rund 30 % der chronischen Virusträger kann sich nach vielen Jahren eine Leberzirrhose entwickeln. Eine chronische Hepatitis B bringt auch ein erhöhtes Risiko für Leberkrebs mit sich.

Weiterführende Informationen

 

Literatur

  1. Robert Koch Institut. Hepatitis B - Ratgeber für Ärzte. Berlin, 2016.www.rki.de

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
  • Günter Ollenschläger, Prof. Dr. Dr. med., Internist, Uniklinikum Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hepatitis B. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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