Behandlung bei chronischer Hepatitis C

Eine chronische Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus kann zu Leberzirrhose, Leberversagen oder Leberkrebs führen. Mit moderner Behandlung können nahezu alle Erkrankten geheilt werden.

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Hepatitis C

Hepatitis beschreibt eine Entzündung der Leber. Ursache für eine Hepatitis sind unterschiedliche Viren wie die Hepatitis-Viren A, B, C, D und E. Das Hepatitis-C-Virus (HCV) ist eine der häufigsten Ursachen für eine chronische Lebererkrankung. In Deutschland sind etwa 400.000 bis 500.000 Menschen infiziert. Der häufigste Infektionsweg ist der über das Blut. Unter Drogenkonsumenten sind in Deutschland etwa 85 % mit Hepatitis C infiziert; in der deutschen Allgemeinbevölkerung liegt die Rate be 0,2–0,3 %. Weltweit rechnent man mit 130–150 Millionen infizierten Personen; jährlich sterben etwa 700.000 Menschen an Hepatitis C.

Das Hepatitis-C-Virus wird nach verschiedenen Untertypen differenziert: die Genotypen 1–6. In Deutschland kommen die Genotypen 1 und 2/3 am häufigsten vor. Bei einem Teil der Infizierten heilt die Krankheit von selbst aus; bei 60–85 % jedoch kommt es zur chronischen Infektion. Bleibt diese unbehandelt, entwickelt sich häufig nach 20–30 Jahren eine Leberzirrhose mit Leberversagen, selten auch Leberkrebs. Verschiedene Erkrankungen anderer Organe treten ebenfalls bei bestehender Hepatitis-C-Infektion häufiger auf. Da in den letzten Jahren immer wirksamere und auch besser verträgliche Medikamente gegen dieses Virus entwickelt wurden, lässt sich in den meisten Fällen auch im chronischen Stadium eine Heilung erreichen (etwa 90 %). Eine Impfung steht jedoch nicht zur Verfügung.

Wie können Sie selbst der Infektion vorbeugen?

Es gibt keine Impfung gegen Hepatitis C. Blutprodukte sind in Deutschland seit 1991 sicher. Drogengebrauch ist zu vermeiden (ansonsten sollte man auf keinen Fall sein Besteck mit jemandem teilen). Um einer Infektion mit Hepatitis C vorzubeugen, sollten Sie:

  • kein gebrauchtes Spritzbesteck verwenden.
  • bei sexueller Aktivität mit wechselnden Geschlechtspartnern ein Kondom benutzen.
  • Piercings und Tätowierungen nur unter sterilen Bedingungen durchführen lassen.
  • scharfkantige Hygienegegenstände wie Rasierklingen und Zahnbürsten nicht gemeinsam mit einem infizierten Menschen benutzen.
  • beim Umgang mit fremdem Blut Schutzhandschuhe tragen.
  • Blutflecken mit Desinfektionsmittel entfernen.

Sollten Sie mit Hepatitis C infiziert sein, gilt Folgendes: Teilen Sie keine Spritzen mit anderen, spenden Sie kein Blut, und benutzen Sie ein Kondom bei eventuellem ungeplanten Sex.

Wem wird eine Behandlung angeboten?

Das Ziel der Behandlung besteht darin, durch Vernichtung des Virus die entzündlichen Prozesse in der Leber einzudämmen und so einer Schrumpfleber (Zirrhose) vorzubeugen. Schrumpfleber kann zu Leberversagen und Leberkrebs führen.

Eine Behandlung ist bei Personen indiziert, bei denen das Virus im Blut nachgewiesen worden ist (HCV-RNA-positiv). In der Regel wird erst einmal einige Wochen abgewartet um zu prüfen, ob die Infektion spontan ausheilt und den Patienten nicht unnötig zu behandeln. Längeres Abwarten ist manchmal auch bei Personen in sehr schlechtem Allgemeinzustand sinnvoll. Während der Schwangerschaft sind Medikamente gegen Hepatitis C nicht erlaubt; bei Kindern gelten besondere Empfehlungen.

Die chronische Hepatitis C (Infektion über einige Monate), aber auch Komplikationen der Erkrankung in anderen Organen, z.B. der Niere,  stellen eine Indikation zur antiviralen Therapie dar. Patienten mit einer fortgeschrittenen Lebererkrankung und Patienten mit einer Leberzirrhose haben eine dringliche Therapieindikation.
Welches Medikament der Arzt auswählt hängt v. a. vom Stadium der Lebererkrankung, vom genauen Virus-Subtyp, einer evntl. bereits erfolgten Therapie, Begleitkrankheiten und Gesundheitszustand des Patienten und möglichen Medikamentennebenwirkungen ab. Der Arzt wird Sie genau über die Therapie, deren Effektivität und Nebenwirkungen und die erforderlichen Nachuntersuchungen informieren.

Da sich die Therapieoptionen durch neue Arzneimittel ständig erweitern, werden Patienten meist in spezialisierten Zentren/Praxen nach den aktuellen Leitlinien therapiert.

Hepatitis C ist heute fast immer heilbar. Mittlerweile wurden mehrere neue Medikamente zugelassen. Diese haben sowohl die Wirksamkeit als auch die Verträglichkeit der Therapie deutlich verbessert. Die meisten Therapien werden heute über 12 Wochen durchgeführt. Je nach Medikament, Genotyp, Therapieansprechen und Krankengeschichte gibt es jedoch auch andere Therapiezeiten über 8, 16 oder 24 Wochen. Patienten gelten als geheilt, wenn drei und sechs Monate nach dem Therapieende weiterhin keine HCV-RNA im Blut nachweisbar ist.1

Die Medikamente

Bis vor einigen Jahren kamen die Medikamente Peg-Interferon und Ribavirin noch bei jedem Patienten mit chronischer Hepatitis-C zum Einsatz. Seitdem wurde eine ganze Reihe neuer, effektiverer und besser verträglicher Wirkstoffe entwickelt und zugelassen, selbts heute kommen regelmäßig noch neue Medikamente hinzu. Daher wird Ihr Arzt Sie entsprechend über den neuesten Stand beraten können. 

Besonders wichtig ist es, im Einzelfall den genauen Genotyp des Hepatitis-C-Virus zu bestimmen, da manche Substanzen nur gegen bestimmte Genotypen des Hepatitis-C-Virus wirken und daher nicht jede Therapie für jeden Patienten geeignet ist.

Auf der Webseite der wissenschaftlichen Fachgesellschaft DGVS (www.dgvs.de) werden die offiziellen deutschen Therapieempfehlungen bei Hepatitis C regelmäßig aktualisiert und können dort nachgelesen werden.

Wie wirksam ist die Behandlung?

Mit den heute zur Verfügung stehenden Medikamenten wird davon ausgegangen, dass ca. 90 % geheilt werden können. Ist das Virus einmal beseitigt, wird die Zerstörung der Leber gestoppt bzw. stark verlangsamt.

Führt die Therapie nicht zur Heilung, ist die Diagnose zu spät erkannt worden bzw. die Leberzirrhose mit Leberfunktionsstörungen schon sehr weit fortgeschritten, besteht grundsätzlich auch die Möglichkeit einer Lebertransplantation.

Risiken und Nebenwirkungen

In den meisten Fällen sind die neuen Wirkstoffe deutlich wirksamer und nebenwirkungsärmer als die früheren Interferon-Therapien. Je nach Medikament werden aber Kopfschmerzen, Müdigkeit, Hautprobleme oder Magen-Darm-Beschwerden beobachtet. Zu bechaten ist jedoch, dass manche der Substanzen so neu sind, dass Langzeitnebenwirkungen noch nicht erforscht werden konnten und daher unerwartete Probleme noch auftreten können. Die früher vorhandenen Medikamente durften bei bereits bestehender Leberzirrhose nicht mehr zum Einsatz kommen; dies ist heutzutage für viele neue Wirkstoffe nicht mehr der Fall: vielmehr ist eine verminderte Leberfunktion gerade ein Grund mehr, frühzeitig eine antivirale Therapie zu beginnen.

Wichtig ist es, mögliche Wechselwirkungen der neuen HCV-Substanzen mit anderen verschreibungspflichtigen, aber auch rezeptfreien Arznei- und Naturheilmitteln zu beachten. Patienten sind gut beraten, wenn sie Ihrem Arzt über alle Medikamente oder sonstigen Therapeutika informieren, die sie einnehmen, bevor die Therapie gegen HCV beginnt. 

Grundsätzlich wird der Arzt Sie während und nach der Therapie regelmäßig untersuchen und Blutentnahmen zur Bestimmung verschiedener Werte veranlassen. Es wird v. a. überprüft, ob die Hepatitis-C-Viren tatsächlich eliminiert werden, ob Nebenwirkungen auftreten, wie die Leberfunktion ist und ob sich evtl. Leberkrebs nachweisen lässt.

Arbeit/Kindergarten

Berufliche Einschränkungen im Hinblick auf die Ansteckung mit Hepatitis C bestehen nicht. Das Virus überträgt sich praktisch nur beim direkten Kontakt mit Blut und kann beispielsweise nicht durch Nahrungsmittel übertragen werden. Natürlich sind aber allgemeine Hygienemaßnahmen sorgfältig zu beachten. Eine Ausnahme ist medizinisches Personal, das invasive Eingriffe (Chirurgie) vornimmt; hier gelten gesonderte Vorschriften.

Es herrscht Einigkeit darüber, dass Kinder mit einer HCV-Infektion bei normalem Kontakt keine Ansteckungsgefahr für andere Kinder oder Erwachsene darstellen. Deshalb können HCV-positive Kinder in den Kindergarten gehen wie andere Kinder auch. In Absprache mit den Eltern des Kindes sollten die Kindergartenleitung und die Erzieher der Gruppe, in der das Kind betreut werden soll, evtl. über die HCV-Infektion des Kindes in Kenntnis gesetzt werden. 

Weitere Informationen

Quellen

Literatur

  1. Deutsche Leberhilfe. Hepatitis C (HCV). Köln 2016. www.leberhilfe.org

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hepatitis C. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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