Hepatitis E

Hepatitis E ist eine Infektion der Leber mit dem Hepatitis-E-Virus (HEV), das fäkal-oral übertragen wird, also über Speisen oder Getränke, die durch infektiöse Ausscheidungen verunreinigt sind.

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Was ist Hepatitis E?

Hepatitis E ist eine Infektion der Leber mit dem Hepatitis-E-Virus (HEV), das fäkal-oral übertragen wird, also über Speisen oder Getränke, die durch infektiöse Exkremente verunreinigt sind. Die Erkrankung nimmt den gleichen Verlauf wie eine Hepatitis-A-Infektion und wird niemals chronisch. Bei einer akuten Hepatitis nach einer Reise in Gegenden, in denen HEV stark verbreitet ist (Endemiegebiete), und wenn andere bekannte Hepatitisviren ausgeschlossen sind, sollte man an Hepatitis E als mögliche Ursache denken. HEV wurde erst 1983 bei einer Immunelektronenmikroskopie von Exkrementen entdeckt.

Die Hepatitis E wird in Deutschland relativ selten diagnostiziert.
2014 betrug die jährliche Erkrankungshäufigkeit 8 Erkrankungen pro 1 Million Einwohner. Insgesamt wurden 670 Erkrankungen dem Robert Koch-Institut gemeldet, was einer Zunahme um cirka 46 % gegenüber dem Vorjahr entsprach.
Die Ursache dieser Zunahme ist unbekannt. Neben einer vermehrten Diagnosestellung kommt die tatsächliche Zunahme an Erkrankungsfällen in Deutschland in Betracht. Der Verzehr von unzureichend gegartem Wild- und Schweinfleisch und daraus hergestellten Produkten stellt hier einen wichtigen Übertragungsweg dar

Hepatitis E tritt aber am häufigsten bei Personen zwischen 15 und 40 Jahren aus.

Wo kommt die Hepatitis E vor?

Zu Ausbrüchen kommt es normalerweise, wenn Trinkwasser durch Exkremente verunreinigt wurde, zum Beispiel bei Überschwemmungen. Insbesondere bei Epidemien kommt es auch in Industrieländern zu einzelnen Fällen bei Personen, die sich in Endemiegebieten infiziert haben.Das Virus kommt in den meisten subtropischen und tropischen Entwicklungsländern in Asien, Afrika und Mittelamerika vor. In diesen Ländern verursacht das Virus Hepatitisepidemien durch verunreinigtes Wasser, wobei es manchmal zu großen Ausbrüchen kommt. Die ersten bekannten Epidemien fanden in Somalia, Sudan und Mexiko 1985 und 1986 statt. Die akute Hepatitis E kommt auch in Industrieländern bei Personen vor, die sich nicht in Endemiegebieten aufgehalten haben. Hepatitis E tritt auch in Schweden nicht nur als importierte Erkrankung auf, allerdings werden Personen, die sich nicht im Ausland aufgehalten haben, nur sehr selten auf Hepatitis E getestet, sodass sich in diesen Fällen die Krankheit nur schwer nachweisen lässt.

Ansteckung

Zu Ausbrüchen kommt es normalerweise, wenn Trinkwasser aufgrund schlechter sanitärer Verhältnisse durch Exkremente verunreinigt wurde, zum Beispiel bei Überschwemmungen. Insbesondere bei Epidemien kommt es auch in Industrieländern zu einzelnen Fällen bei Personen, die sich in den entsprechenden Gebieten infiziert haben. Die direkte Übertragung von Person zu Person ist dagegen viel seltener. Nur 1–2 % der anderen Haushaltsmitglieder infizieren sich ebenfalls. Übertragungen über Lebensmittel wurden zwar ebenfalls beschrieben, scheinen im Allgemeinen aber keine große Rolle zu spielen. Aus Endemiegebieten wurden auch Übertragungen von der Mutter aufs Kind und Infektionen über Bluttransfusionen berichtet. Mehrere Studien zeigen, dass Hepatitis E auch über Schweine auf Menschen übertragen werden kann. Es ist aber nach wie vor umstritten, ob es sich bei Hepatitis E um eine Zoonose handelt, also eine von Tieren auf Menschen übertragene Krankheit.

Die Inkubationszeit (die Zeit zwischen Ansteckung und Beginn der Symptome) beträgt 15–60 Tage, im Durchschnitt 40 Tage.

Welchen Krankheitsverlauf hat die Hepatitis E?

Die Erkrankung beginnt meist mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber und Übelkeit. Bei den meisten Betroffenen mit Hepatitis E treten keine Krankheitssymptome auf, sondern sie verläuft als sogenannte asymptomatische Infektion. Bei Personen mit HEV-Infektion, die erkranken, unterscheidet sich das klinische Bild meist nicht von anderen Typen einer Virushepatitis, zum Beispiel einer Hepatitis A. Manche Betroffene entwickeln allerdings eine cholestatische Form mit hohen AP-Werten.

Der Krankheitsverlauf lässt sich in drei Phasen einteilen: ein Stadium des Erkrankungsbeginns (Prodromalstadium), ein Stadium mit Gelbsucht und das Rekonvaleszenzstadium. Die Erkrankung klingt üblicherweise nach einigen Wochen ab, ohne dauerhafte Schäden zu hinterlassen. Im Unterschied zu Hepatitis B und C wird die Infektion niemals chronisch.

Im Prodromalstadium treten allgemeine Symptome und Beschwerden wie Muskel- und Gelenkschmerzen, leichtes Fieber, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme (2–4 kg), Dehydrierung und Schmerzen im rechten Oberbauch auf (die sich bei körperlicher Aktivität verstärken).

Im Gelbsuchtstadium kommt es zu den typischen Erscheinungen einer Gelbsucht. Bei Farbigen kann die Gelbsucht schwerer zu erkennen sein, allerdings zeigt sie sich auch immer in einer Gelbfärbung des Weißen im Auge (Sklera). In dieser Periode ist der Urin dunkel und der Stuhl hell/weißlich verfärbt. Häufig tritt auch Juckreiz auf. Andere Symptome können Nesselsucht und Durchfall sein.

Diagnostik

Die Diagnose erfolgt anhand der Krankengeschichte: Hat sich der Patient vor Kurzem in einem Endemiegebiet aufgehalten? Liegen Symptome einer ansteckenden Gelbsucht vor und gibt es Blutuntersuchungsergebnisse, die die Diagnose Hepatitis E bestätigen? Eine einfache Blutuntersuchung kann die Diagnose klären. Die Analyse der entsprechenden Blutproben erfolgt im Labor. Wenn in seltenen Ausnahmefällen Unsicherheit bezüglich der Diagnose besteht, kann auch eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums erfolgen.

Therapie

Die Hepatitis E ist eine selbstbegrenzende Infektion, die keine besondere Therapie benötigt. Die Patienten können weiter aktiv bleiben und alles tun, was sie schaffen. Es gibt keinerlei Nachweis dafür, dass Bettruhe die Genesung beschleunigen würde, ganz im Gegenteil. Bislang gibt es keine Medikamente zur Vorbeugung oder zur Linderung der Symptome.

Das wesentliche Ziel der Therapie ist es, die weitere Krankheitsübertragung zu verhindern, indem für sauberes Trinkwasser, gute sanitäre Verhältnisse und gute persönliche Hygiene gesorgt wird.

Vorbeugung

Bei Reisen in Endemiegebiete müssen die Reisenden darauf achten, Wasser oder andere Getränke zu vermeiden, die verunreinigt sein können, und nur desinfizierte oder industriell hergestellte Getränke zu sich zu nehmen. Auch der Verzehr roher Meeresfrüchte muss vermieden werden. Durch Abkochen von Wasser wird die Infektion verhindert, die Wirkung von Chlor dagegen ist nicht ausreichend belegt. Bis heute gibt es keinen Impfstoff gegen das Hepatitis-E-Virus.

Laut Infektionsschutzgesetz ist die Hepatitis E in Deutschland meldepflichtig. Die Meldung erfolgt an das zuständige Gesundheitsamt.

Prognose

Fast alle Betroffenen werden wieder völlig gesund.

Lediglich bei 0,2–4 % der Infizierten entwickelt sich eine schwere Hepatitis mit tödlichem Ausgang. Eine besondere Ausnahme bilden schwangere Frauen, bei denen die Mortalität 10–20 % beträgt und gegen Ende der Schwangerschaft am höchsten ist.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hepatitis E. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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