Juckreiz bei Lebererkrankungen

Bei verschiedenen Lebererkrankungen kann es zu einem unangenehmen Juckreiz kommen.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was ist Juckreiz bei Lebererkrankungen?

qr-code_32027.png

Die Leber hat eine ganze Reihe unterschiedlicher Aufgaben, unter anderem die Reinigung des Bluts von Abbauprodukten. Diese Abbauprodukte werden mithilfe der Gallenflüssigkeit ausgeschieden, die in den Darm abgegeben wird. Aus unterschiedlichen Gründen kann dieser Vorgang gehemmt werden, sodass dieser Ausscheidungsvorgang nicht funktioniert und nicht alle Abbauprodukte entfernt werden. Daraus kann sich ein störender Juckreiz entwickeln. Bei Stauung der Gallenflüssigkeit tritt Juckreiz bei etwa 25 % der Patienten als frühes Symptom auf. Weitere typische Symptome einer Lebererkrankung sind Gelbsucht, Müdigkeit, Schmerzen im rechten Oberbauch, Übelkeit, Appetitlosigkeit und Blähungen. 

Bei verschiedenen Lebererkrankungen kann es zu einem unangenehmen Juckreiz kommen (hepatischer Juckreiz). Beispiele für solche Erkrankungen sind Störungen des Gallenflusses während der Schwangerschaft, chronische Leberentzündung (Hepatitis), primär biliäre Zirrhose, Gelbsucht durch Stau in den Gallengängen, primär sklerosierende Cholangitis, Krebs der Gallenwege, durch Medikamente hervorgerufene Störungen der Gallensekretion und verschiedene seltene Erbkrankheiten.

Ursachen

In den meisten Fällen beruht der Juckreiz auf einem Gallenstau (Cholestase), bei dem die Abgabe der Gallenflüssigkeit aus der Leber blockiert ist. Die Ursache für diesen Gallenstau kann eine Lebererkrankung (intrahepatisch) oder eine Blockierung der äußeren Gallengänge (extrahepatisch) sein. Der Juckreiz stammt nicht aus der Haut, sondern ist durch Signale bedingt, die das zentrale Nervensystem empfängt und die einen allgemeinen Juckreiz auslösen. Als Ursache wird die Gallensalzkonzentration vermutet, aber auch andere körpereigene Stoffe spielen eine Rolle.

Symptome

Häufig tritt der Juckreiz vor anderen Symptomen einer Lebererkrankung auf. Der Juckreiz kann so stark sein, dass er die Lebensqualität erheblich mindert. Der hepatische Juckreiz ist am stärksten in den Handflächen und an den Fußsohlen, in schweren Fällen kann der Juckreiz auch den ganzen Körper betreffen. Manche Patienten klagen über Juckreiz im Gehörgang, in der Nase und sogar am Augenhintergrund. Die Intensität kann von einem irritierenden bis hin zu einem fast brennenden Juckreiz reichen. Der Juckreiz ist nachts am beschwerlichsten.

Zunächst bestehen keine Hautveränderungen. Durch Kratzen können aber Hautabschürfungen, Krusten und Risse entstehen, die sich entzünden können.

Diagnostik

Die Diagnose wird anhand der Krankengeschichte (Anamnese) gestellt. In vielen Fällen ist bereits eine Lebererkrankung bekannt, sodass die Erklärung einfach ist. Wenn die Erkrankung mit Juckreiz beginnt, ist die Diagnose unter Umständen schwieriger zu stellen.

Bei einer körperlichen Untersuchung tastet Ihr Arzt Leber und Lymphknoten ab und untersucht die Haut. Er nimmt Ihnen Blut ab, um die Leberwerte zu bestimmen.

Zusätzlich können Leber und Gallenwege in einer Ultraschall-Untersuchung oder mit anderen bildgebenden Verfahren begutachtet werden. In seltenen Fällen kann auch eine Gewebeprobe der Leber entnommen werden.

Therapie

Zur Therapie gehört die Behandlung der zugrunde liegenden Lebererkrankung. 

Es gibt viele Möglichkeiten zur Linderung des Juckreizes, aber keine Therapie, die sämtlichen Patienten hilft. Betroffene müssen daher Geduld haben und sich darauf einstellen, dass möglicherweise mehrere Behandlungsversuche nötig sind.

Salben oder Gele mit Zusätzen von Capsaicin, Menthol, Kampfer, Lidocain oder Polidocanol können den Juckreiz der Haut lindern. Wenn sich die aufgekratzte Haut entzündet hat, können für kurze Zeit Salben oder Cremes mit Kortison oder sogenannten Calcineurininhibitoren, die das Immunsystem hemmen, aufgetragen werden.

Ihr Arzt kann Ihnen auch verschiedene Medikamente zum Einnehmen verschreiben. Als Mittel der Wahl gilt dabei Colestyramin, ein Wirkstoff, der Gallensäuren im Darm bindet. Auch Antihistaminika können versucht werden, haben aber meist keine ausreichende Wirkung.

Juckreiz durch Gallenstau während der Schwangerschaft wird mit Ursodeoxycholsäure, die den Gallenstau auflöst, behandelt.

Prognose

Der Juckreiz ist ungefährlich und wirkt sich nicht auf die Prognose in Bezug auf die zugrunde liegende Lebererkrankung aus. In den meisten Fällen hört der Juckreiz von allein wieder auf, er kann aber mehrere Wochen bis Monate anhalten, in einigen Fällen sogar Jahre.

  • Ein während der Schwangerschaft auftretender Juckreiz verschwindet fast immer nach der Entbindung.
  • Bei einer primär biliären Zirrhose variiert der Juckreiz, und die Betroffenen dürfen auch ohne Behandlung eine spontane, zeitweilige Verbesserung erwarten.
  • Bei einem durch Medikamente hervorgerufenen Gallenstau oder einem Juckreiz ohne eindeutigen Auslöser kann der Juckreiz bis zu sechs Monate anhalten und dann verschwinden.
  • Der Juckreiz bei Cholestase, der auf einem Stau in den Gallengängen beruht, verschwindet ein paar Tage nach Wiederherstellung der normalen Gallensekretion.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Pruritus, hepatischer. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Schmidt H. Zugang zum leberkranken Patienten. Harrisons Innere Medizin. 19. Auflage 2016 Thieme-Verlag S.2442ff
  2. P. Altmeyer.E. Die Online Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie, Allergologie und Umweltmedizin. Hepatischer Pruritus. Zugriff 17.12.2018 www.enzyklopaedie-dermatologie.de
  3. Pusl T; Beuers U. Leitsymptom Juckreiz. Dtsch Arztebl 2006; 103(21 www.aerzteblatt.de
  4. Deutsche Dermatologische Gesellschaft. Diagnostik und Therapie des chronischen Pruritus. AWMF-Leitlinie Nr. 013-048. S2k, Stand 2016. www.awmf.org
  5. Bergasa NV. An approach to the management of the pruritus of cholestasis. Clin Liver Dis 2004; 8: 55-66. PubMed
  6. Kremer, A.E., Wolf, K. & Ständer, S.Intrahepatische Schwangerschaftscholestase. Hautarzt 2017 68: 95. link.springer.com
  7. Bergasa NV. The pruritus of cholestasis. J Hepatol 2005; 43:1078. www.ncbi.nlm.nih.gov
  8. Tandon P, Rowe BH, Vandermeer B, Bain VG. The efficacy and safety of bile Acid binding agents, opioid antagonists, or rifampin in the treatment of cholestasis-associated pruritus. Am J Gastroenterol 2007; 102:1528. PubMed
  9. Orphanet. Schwangerschaftscholestase, intrahepatische. Mai 2007 www.orpha.net
  10. Kurbegov AC, Setchell KD, Haas JE et al. Biliary diversion for progressive familial intrahepatic cholestasis: improved liver morphology and bile acid profile. Gastroenterol 2003; 125: 1227-34. PubMed
  11. Talwalkar JA, Souto E, Jorgensen RA et al. Natural history of pruritus in primary biliary cirrhosis. Clin Gastroenterol Hepatol 2003; 1: 297-302. PubMed