Leberabszess

Der Leberabszess ist eine seltene Erkrankung. Sie kommt als Komplikation einer Bauchfellentzündung vor, bei der sich Bakterien in der Leber festsetzen, eine Entzündung verursachen und einen Abszess bilden.

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Was ist ein Leberabszess?

Ein Abszess ist eine abgekapselte Eiteransammlung, die sich aufgrund einer Entzündung bildet. In den meisten Fällen ist die zugrunde liegende Ursache eine bakterielle Infektion. Dann handelt es sich um einen sogenannten pyogenen Abszess.

Unter bestimmten Umständen kann die Leber zum Entzündungsherd werden und es können sich ein oder mehrere Leberabszesse bilden. Meist handelt es sich um einen pyogenen Leberabszess, also eine bakterielle Infektion. Eine weitere Ursache für einen Abszess in der Leber können Amöben sein, die Erreger der Tropenkrankheit Amöbenruhr bzw. Amöbiasis.

Der Leberabszess ist eine seltene Erkrankung. Die Häufigkeit liegt bei ca. 2 Fällen pro 100.000 Personen jährlich.

Ursachen

Ein pyogener Leberabszess entsteht meist als Folge einer Bauchfellentzündung (Peritonitis) aufgrund eines Austretens von Magen- oder Darminhalt in den Bauchraum, zum Beispiel durch ein Loch im Magen oder Darm, das im Zusammenhang mit einer Endoskopie oder durch einen Tumor entstehen kann. Die Infektion kann sich über die Blutgefäße im Bauchraum, die zur Leber führen, bis dorthin ausbreiten. In anderen Fällen können Bakterien über die Gallengänge bis in die Leber gelangen, und in Ausnahmefällen können Leberabszesse auch durch Bakterien verursacht werden, die von einem anderen Infektionsherd im Körper über das Blut zur Leber transportiert werden (Ausbreitung einer systemischen Infektion).

Welche Symptome deuten auf einen Leberabszess hin?

In vielen Fällen zeigt die Krankengeschichte eine kürzliche Operation im Bauchraum oder eine endoskopische Untersuchung des Darms oder Magens. Bei einem Teil der Betroffenen liegt eine fortschreitende Krebserkrankung des Magen-Darm-Trakts vor.

Die Symptome entwickeln sich normalerweise schleichend, nehmen dann aber an Stärke zu. Manchmal ist das erste Anzeichen Fieber, ohne dass andere Symptome vorliegen. Mit der Zeit kommen dann Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen unterhalb der Brust auf der rechten Seite, möglicherweise stechende Schmerzen beim Atmen, unter Umständen Schluckauf und hohes oder wechselndes Fieber dazu.

Bei einem durch Amöben verursachten Leberabszess haben sich die Betroffenen zuvor in den Tropen aufgehalten.

Diagnostik

Die Diagnose wird anhand der Angaben zur Krankengeschichte und der Ergebnisse der ärztlichen Untersuchung sowie anhand der Blutwerte und der Ergebnisse der bilddiagnostischen Untersuchungen gestellt. Die Betroffenen fühlen sich eindeutig krank und haben hohes Fieber, die Leber ist schmerzhaft und ein wenig vergrößert, bei einigen kommt es zu anormalen Atemgeräuschen im rechten Lungenflügel (wie bei einer Lungenentzündung). Der BSG-Wert (Blutsenkung) ist häufig stark erhöht und die Leberwerte deuten auf eine Leberentzündung.

Mit den bilddiagnostischen Verfahren Ultraschall und Computertomografie (CT) kann am sichersten festgestellt werden, ob ein Leberabszess vorliegt.

Therapie

Die Therapie besteht in der Drainage und Entleerung des Abszesses und einer Behandlung mit Antibiotika.

Die Drainage erfolgt meist über einen Katheter, der durch die Haut/Bauchdecke in den Abszess geführt wird (perkutane Abszessdrainage). Um den Abszess mit dem Katheter genau zu treffen, muss beim Eingriff eine Steuerung über Ultraschall oder Computertomografie erfolgen. Nach der Leerung des Abszesses muss der Hohlraum, in dem sich der Abszess gebildet hat, mit Kochsalzlösung ausgespült werden.

Kleine Abszesse können entleert werden, indem eine lange Hohlnadel in den Abszess geführt und der Inhalt abgesaugt wird.

Wenn kein Katheter in den Abszess geführt werden kann, muss eine Operation erfolgen, damit der Chirurg direkten Zugang zum Abszess erhält. Unter gewissen Umständen kann der Zugang zum Abszess auch über einen endoskopischen Eingriff erfolgen (ERCP).

Alle Patienten erhalten Antibiotika-Infusionen. Wenn der Abszess entleert werden kann, dauert die Behandlung insgesamt zwei bis vier Wochen. Wenn der Abszess nicht vollständig entleert werden kann, liegt die Behandlungsdauer bei vier bis sechs Wochen. Während der Therapie muss der Magen-Darm-Trakt entlastet werden. Daher erhalten die Patienten Flüssigkeit und Nahrung über Infusionen. Nach Ende der Antibiotikabehandlung dürfen die Patienten wieder Nahrung zu sich nehmen.

Prognose

Ein Leberabszess kann sich zu einer schweren und lebensbedrohlichen Erkrankung entwickeln. Dies gilt insbesondere, wenn der Abszess platzt, Eiter und Bakterien in den Bauchraum gelangen und dadurch eine Bauchfellentzündung verursachen. Die Erkrankung kann auch zu einer schweren Blutvergiftung (Sepsis) führen.

Ohne Behandlung ist ein Leberabszess immer tödlich. Die Prognose ist schlechter, wenn sich mehrere Abszesse gebildet haben, wenn eine schwere Erkrankung zugrunde liegt, wenn es zu Komplikationen kommt und wenn die Diagnose spät gestellt wird.

Weiterführende Informationen

Quellen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Leberabszess. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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