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Leberkrebs (primäres Leberzellkarzinom)

Das primäre Leberzellkarzinom, das auch als hepatozelluläres Karzinom bezeichnet wird, ist weltweit eine der häufigsten Krebsformen. Häufige Ursachen sind Hepatitis B und C und Alkoholmissbrauch.

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Was ist ein Leberzellkarzinom?

Bei einem Leberzellkarzinom handelt es sich um eine Krebserkrankung der Leber. Der Tumor geht von Leberzellen (Hepatozyten) aus und wächst aggressiv. Weltweit ist das Leberzellkarzinom die fünfthäufigste Krebserkrankung und zweithäufigste Ursache für krebsbedingte Todesfälle, v.a. in Asien und Afrika. In den westlichen Ländern kommt dieser Tumor jedoch seltener vor; in Deutschland wird die Diagnose jährlich bei einem von 100.000 Einwohnern gestellt. Allerdings steigt die jährliche Erkrankungsrate in Europa und den USA seit einigen Jahren. Männer erkranken 3-mal häufiger als Frauen an einem Leberzellkarzinom. 

Ursachen

In über 80 % aller Fälle tritt ein Leberzellkarzinom bei Patienten mit Leberzirrhose auf. In Europa sind die häufigsten Ursachen für eine Leberzirrhose (und damit für ein Leberzellkarzinom) eine chronische Hepatitis C (Virusinfektion der Leber) und Alkoholmissbrauch. Auch die Blutkrankheit Hämochromatose und die seltenere erbliche Lungenkrankheit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel können eine Leberzirrhose verursachen. In Asien und Afrika ist die häufigste Ursache eine chronische Hepatitis-B-Infektion. Während Leberzellkarzinome in unseren Breiten vor allem ältere Menschen betreffen, erkranken in Entwicklungsländern vor allem jüngere Menschen.

Diagnostik

Das Leberzellkarzinom tritt wie beschrieben in den meisten Fällen bei Patienten mit einer bekannten Leberzirrhose und/oder chronischen Infektion mit Hepatitis B oder C auf. Typische Symptome sind Schmerzen unter dem rechten Rippenbogen, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme und leichtes Fieber. Es kann auch zu einer Gelbsucht kommen. Weil das Leberzellkarzinom in den meisten Fällen bei Patienten mit einer chronischen Lebererkrankung auftritt, überlagern sich die (recht ähnlichen) Symptome beider zugrunde liegenden Erkrankungen meist. Verschlechtern sich die an sich bekannten Beschwerden eines Patienten unerwartet und deutlich, kann die auf die Entwicklung eines Krebs deuten.

Bei der körperlichen Untersuchung wird der Arzt meist Zeichen einer Lebererkrankung finden, also

  • eine anomal feste Struktur der Leber im Tastbefund,
  • möglicherweise eine vergrößerte Milz,
  • Vorwölbung des Bauch durch Einlagerung von Flüssigkeit (Aszites), 
  • Gelbfärbung der Haut (Gelbsucht),
  • kleinen Spinnennetzen ähnelnde, sichtbare Blutgefäße in der Haut (Spidernävus),
  • evtl. eine Vergrößerung der Brust bei Männern.

Blutuntersuchungen zeigen, dass die Leberfunktion herabgesetzt ist, was ja auch bereits durch die chronische Lebererkrankung bedingt ist. Diese Befunde allein lassen also auch kaum auf eine zusätzliche Krebserkrankung rückschließen. Allerdings gibt es eine spezielle Substanz im Blut mit der Bezeichnung Alpha-1-Fetoprotein (AFP), die bei etwa zwei Drittel der Patienten mit Leberkrebs erhöht ist. Ein erhöhtes AFP kann also den Verdacht auf ein Leberzellkarzinom begründen, ist aber kein eindeutiger Marker für diese Krebsart.

Zudem wird der Arzt durch Blutuntersuchungen zum einen testen, ob eine Virushepatitis vorliegt, zum anderen mögliche andere Ursachen der Leberkrankheit prüfen. 

Die Diagnose des Leberkrebs wird vor allem durch Ultraschalluntersuchungen oder mithilfe einer Computertomografie (CT) bzw. Magnetresonanztomografie (MRT) gestellt. Auf den Aufnahmen lassen sich die Tumorherde in der Leber erkennen und der Arzt kann beurteilen, ob der Tumor sich bereits in die umliegenden Lymphknoten oder andere Organe ausgebreitet hat. Ist die Diagnose unklar, kann eine gezielte Gewebeentnahme (Biopsie) genauere Informationen liefern. Da hier aber die Gefahr besteht, die Krebszellen noch zu verbreiten, kommt diese Methode nur selten zum Einsatz.

Grundsätzlich ist es entscheidend zu wissen, ob ein Tumor in der Leber tatsächlich ein Leberzellkarzinom ist oder evtl. eine Metastase, also eine Absiedlung eines anderen Krebs, z.B. im Darm. Aus welchem Organ der Tumor ursprünglich stammt, ist wichtig für die Wahl der Therapie. Für die Planung einer Operation können die Ärzte anhand der Aufnahmen aus CT oder MRT zudem genau erkennen, wo der Tumor in der Leber genau liegt und ob bereits mehrere Herde vorhanden sind. Handelt es sich um einen kleinen Tumor, ist eine Operation vielversprechend, sind bereits mehrere Stellen befallen, entscheiden Ärzte sich meist für eine andere Form der Therapie.

Therapie und Prognose

Leberzellkarzinome sind schwer zu therapieren, weil sie in den meisten Fällen erst dann entdeckt werden, wenn sich der Krebs bereits weit ausgebreitet hat oder wenn die Leberfunktion stark beeinträchtigt ist. Wie bei anderen Krebsarten auch, bestehen bei einer frühen Diagnose höhere Überlebenschancen. Die vorrangige Behandlungsmethode ist die Entfernung des erkrankten Teils der Leber (Leberresektion). Da die Leber recht hohe Kapazitäten hat sich zu regenerieren, ist die Entfernung von Teilstücken möglich ohne die Funktion zu sehr zu beeinträchtigen. Hier ist jedoch grundsätzlich entscheidend, wie gesund das nicht vom Tumor befallene Lebergewebe noch ist.

Neben der Operation kommen weitere Methoden infrage, darunter sogenannte lokale Therapien, zum Beispiel eine Blockierung der Blutzufuhr zum Tumor, transkutane Ethanolinjektionen oder eine Ablation des Tumorgewebes (also gezielte Zerstörung der Tumorzellen) z.B. durch Laser, Kältetherapie oder gezielt eingebrachte Chemotherapeutika. Die bei anderen Krebsarten oft übliche Strahlentherapie oder Chemotherapie wirken bei Leberzellkarzinomen meist nicht sehr gut; sie kommen daher seltener zum Einsatz. Allerdings wurden gerade für das Leberzellkarzinom sehr gezielt wirkende andere Substanzen entwickelt.

Grundsätzlich ist auch die Lebertransplantation eine Option; da es aber viel zu wenige Spenderorgane gibt, kommt dies meist nicht infrage.

Lässt sich der Patient nicht heilen, so stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, Schmerzen und andere Symptome zu lindern bzw. Komplikationen der Lebererkrankung zu behandeln.  

Bei einer frühen Diagnose liegt die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei 50–70 %. Ist die Krebserkrankung allerdings weiter fortgeschritten, dann verläuft sie fast immer innerhalb weniger Jahre tödlich. 

Vorbeugung

Wer nicht an einer Leberzirrhose leidet, hat ein recht geringes Risiko an einem Leberzellkarzinom zu leiden. Vorbeugend ist es wichtig, nur mäßig Alkohol zu trinken sowie eine Infektion mit Hepatitisviren zu meiden. Gegen Hepatitis B ist eine Impfung vorhanden und wird bereits im Kindesalter empfohlen. Gegen Hepatitis C steht keine Impfung zur Verfügung. Hepatitis-B-Viren werden über Blut von Infizierten (z.B. Drogenkonsum, Nadelstichverletzung) und auch sexuell übertragen, Hepatitis-C-Viren ebenfalls über Blut, aber selten bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr übertragen. Entsprechende Vorsichtsmaßnahmen sind zur Vorbeugung beider Infektionen wichtig.

Patienten mit bereits bestehender Hepatitis und/oder Leberzirrhose wird empfohlen, sich engmaschig ärztlich betreuen zu lassen, damit u.a. auch ein Leberzellkarzinom ggf. früh erkannt werden kann.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Leberzellkarzinom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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