Leberkrebs (primäres Leberzellkarzinom)

Das primäre Leberzellkarzinom, das auch als hepatozelluläres Karzinom bezeichnet wird, ist weltweit eine der häufigsten Krebsformen. Häufige Ursachen sind Hepatitis B und C und Alkoholmissbrauch.

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Was ist ein Leberzellkarzinom?

Bei einem Leberzellkarzinom handelt es sich um eine Krebserkrankung der Leber, die sich in der Regel aus einer bestehenden Leberzirrhose entwickelt. Der Tumor geht von Leberzellen (Hepatozyten) aus und wächst aggressiv.

Weltweit ist das Leberzellkarzinom die fünfthäufigste Krebserkrankung und verursacht mehr als 800.000 Todesfälle pro Jahr, v. a. in Asien und Afrika. In den westlichen Ländern kommt dieser Tumor jedoch seltener vor; allerdings steigt die jährliche Erkrankungsrate in Europa und den USA seit einigen Jahren. In Deutschland erkrankten im Jahr 2016 3,5 von 100.000 Frauen und 9,8 von 100.000 Männern an einem Leberzellkarzinom.

Ursachen

In über 80 % aller Fälle tritt ein Leberzellkarzinom bei Patient*innen mit Leberzirrhose auf. In Europa sind die häufigsten Ursachen für eine Leberzirrhose (und damit für ein Leberzellkarzinom) eine chronische Hepatitis C (Virusinfektion der Leber) und Alkoholmissbrauch.

Zunehmend liegt auch eine nicht-alkoholische Fettleber zugrunde, die bei Personen mit Übergewicht und/oder Typ-2-Diabetes vorkommen kann.

Auch die Blutkrankheit Hämochromatose und die seltenere erbliche Lungenkrankheit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel können eine Leberzirrhose verursachen.

In Asien und Afrika ist die häufigste Ursache eine chronische Hepatitis-B-Infektion. Während Leberzellkarzinome in Industrieländern vor allem ältere Menschen betreffen, erkranken in Entwicklungsländern vor allem jüngere Menschen.

Diagnostik

Das Leberzellkarzinom tritt wie beschrieben in den meisten Fällen bei Patient*innen mit einer bekannten Leberzirrhose und/oder chronischen Infektion mit Hepatitis B oder C auf. Typische Symptome sind Schmerzen unter dem rechten Rippenbogen, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme und leichtes Fieber. Es kann auch zu einer Gelbsucht kommen. Weil das Leberzellkarzinom in den meisten Fällen bei Patient*innen mit einer chronischen Lebererkrankung auftritt, überlagern sich die (recht ähnlichen) Symptome beider zugrunde liegenden Erkrankungen meist. Verschlechtern sich die an sich bekannten Beschwerden unerwartet und deutlich, kann dies auf die Entwicklung von Krebs hinweisen.

Bei der körperlichen Untersuchung finden Ärzt*innen meist Zeichen einer Lebererkrankung, also:

  • eine anomal feste Struktur der Leber im Tastbefund
  • möglicherweise eine vergrößerte Milz
  • Vorwölbung des Bauchs durch Einlagerung von Flüssigkeit (Aszites)
  • Gelbfärbung der Haut (Gelbsucht)
  • kleinen Spinnennetzen ähnelnde, sichtbare Blutgefäße in der Haut (Spidernävus)
  • evtl. eine Vergrößerung der Brust bei Männern.

Blutuntersuchungen zeigen, dass die Leberfunktion herabgesetzt ist, was ja auch bereits durch die chronische Lebererkrankung bedingt ist. Diese Befunde allein lassen also auch kaum auf eine zusätzliche Krebserkrankung rückschließen. Allerdings gibt es eine spezielle Substanz im Blut mit der Bezeichnung Alpha-1-Fetoprotein (AFP), die bei etwa zwei Drittel der Patient*innen mit Leberkrebs erhöht ist. Ein erhöhtes AFP kann also den Verdacht auf ein Leberzellkarzinom begründen, ist aber kein eindeutiger Marker für diese Krebsart.

Zudem können Ärzt*innen durch Blutuntersuchungen zum einen testen, ob eine Virushepatitis vorliegt, zum anderen mögliche andere Ursachen der Leberkrankheit prüfen.

Die Diagnose Leberkrebs wird vor allem durch Ultraschalluntersuchungen oder mithilfe einer Computertomografie (CT) bzw. Magnetresonanztomografie (MRT) gestellt. Auf den Aufnahmen lassen sich die Tumorherde in der Leber erkennen und beurteilen, ob der Tumor sich bereits in die umliegenden Lymphknoten oder andere Organe ausgebreitet hat. Ist die Diagnose unklar, kann eine gezielte Gewebeentnahme (Biopsie) genauere Informationen liefern.

Bei allen Personen mit hohem Risiko, z. B. bei Leberzirrhose, sollten halbjährliche Ultraschalluntersuchungen zur Früherkennung erfolgen.

Grundsätzlich ist es entscheidend zu wissen, ob ein Tumor in der Leber tatsächlich ein Leberzellkarzinom ist oder evtl. eine Metastase, ein Tochtergeschwür eines anderen Krebses. Aus welchem Organ der Tumor ursprünglich stammt, ist wichtig für die Wahl der Therapie. Für die Planung einer Operation können Ärzt*innen anhand der Aufnahmen aus CT oder MRT zudem genau erkennen, wo der Tumor in der Leber genau liegt und ob bereits mehrere Herde vorhanden sind. Handelt es sich um einen kleinen Tumor, ist eine Operation vielversprechend, sind bereits mehrere Stellen befallen, entscheidet man sich meist für eine andere Form der Therapie.

Therapie 

Operation

Leberzellkarzinome sind schwer zu therapieren, weil sie in den meisten Fällen erst dann entdeckt werden, wenn sich der Krebs bereits weit ausgebreitet hat oder wenn die Leberfunktion stark beeinträchtigt ist. Wie bei anderen Krebsarten auch, bestehen bei einer frühen Diagnose höhere Überlebenschancen. Die vorrangige Behandlungsmethode ist die Entfernung des erkrankten Teils der Leber (Leberresektion). Da die Leber recht hohe Kapazitäten hat, sich zu regenerieren, ist die Entfernung von Teilstücken möglich, ohne die Funktion zu sehr zu beeinträchtigen. Hier ist jedoch grundsätzlich entscheidend, wie gesund das nicht vom Tumor befallene Lebergewebe noch ist.

Weitere Behandlungsmethoden

Neben der Operation kommen weitere Methoden infrage, darunter sogenannte lokale Therapien, zum Beispiel eine Blockierung der Blutzufuhr zum Tumor oder eine Ablation des Tumorgewebes (also gezielte Zerstörung der Tumorzellen) z. B. durch chemische Substanzen wie Alkohol oder Essigsäure, Laser oder Kältetherapie. Die bei anderen Krebsarten oft übliche Strahlentherapie oder Chemotherapie wirken bei Leberzellkarzinomen meist nicht sehr gut; sie kommen daher seltener zum Einsatz. Dafür wurden gerade für das Leberzellkarzinom sehr gezielt wirkende andere Substanzen entwickelt.

Grundsätzlich ist auch die Lebertransplantation eine Option; da es aber viel zu wenige Spenderorgane gibt, kommt dies meist nicht infrage.

Lässt sich die Erkrankung nicht heilen, so stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, Schmerzen und andere Symptome zu lindern bzw. Komplikationen der Lebererkrankung zu behandeln.

Vorbeugung

Wer nicht an einer Leberzirrhose leidet, hat ein recht geringes Risiko, an einem Leberzellkarzinom zu erkranken. Vorbeugend ist es wichtig, nur mäßig Alkohol zu trinken sowie eine Infektion mit Hepatitisviren zu vermeiden. Gegen Hepatitis B gibt es eine Impfung, die bereits im Kindesalter empfohlen wird. Gegen Hepatitis C steht keine Impfung zur Verfügung. Hepatitis-B-Viren werden über Blut von Infizierten (z. B. Drogenkonsum, Nadelstichverletzung) und auch sexuell übertragen, Hepatitis-C-Viren ebenfalls über Blut, aber selten bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr übertragen. Entsprechende Vorsichtsmaßnahmen sind zur Vorbeugung beider Infektionen wichtig.

Patient*innen mit bereits bestehender Hepatitis und/oder Leberzirrhose wird empfohlen, sich engmaschig ärztlich betreuen zu lassen, damit u. a. auch ein Leberzellkarzinom ggf. früh erkannt werden kann.

Prognose

Bei einer frühen Diagnose liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei 50–70 %. Ist die Krebserkrankung allerdings weiter fortgeschritten, dann verläuft sie fast immer innerhalb weniger Jahre tödlich.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Leberzellkarzinom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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