Leberzirrhose und chronisches Leberversagen

Viele Krankheiten können eine Leberzirrhose verursachen. Übliche Ursachen sind Alkoholmissbrauch und Leberentzündungen durch eine Infektion mit Hepatitis-B- oder Hepatitis-C-Viren.

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Was ist eine Leberzirrhose?

Die Leberzirrhose wird auch als Schrumpfleber bezeichnet. Sie ist häufig das letzte Stadium einer chronischen Lebererkrankung.

Normalerweise erfüllt die Leber eine Vielzahl unterschiedlicher Aufgaben. Sie hilft dem Körper bei der Fettverdauung und dem Abbau von Cholesterin, verstoffwechselt und beseitigt Gifte wie Alkohol, Drogen und Medikamente und dient außerdem als Energiespeicher. Sie trägt auch zur Bildung von sogenannten Gerinnungsfaktoren bei, also von Substanzen, die das Blut bei Verletzungen gerinnen lassen und somit entscheidend dafür sind, dass beschädigte Blutgefäße sich verschließen und Blutungen stoppen. Bei einer Leberzirrhose ist das Gewebe je nach Ausmaß der Schädigung immer weniger oder gar nicht mehr in der Lage, alle diese Funktionen zu erfüllen.

Die Leberzirrhose bzw. Schrumpfleber ist nicht selten. Von einer Zirrhose bzw. schweren Leberfunktionsstörung sind in Europa und den USA jährlich rund 250 von 100.000 Personen betroffen. Die häufigste Ursache in Deutschland ist die alkoholische Lebererkrankung, an der im Jahr 2009 mehr als 8.600 Menschen starben. Sie zählt damit zu den 20 häufigsten Todesursachen in Deutschland und ist ein zunehmendes Gesundheitsproblem. Zwischen 1980 und 2005 hat sich die Zahl der Todesfälle pro 100.000 Einwohner von 5 auf 9,9 verdoppelt.1

Ursachen

Viele Krankheiten können eine Leberzirrhose verursachen. Übliche Ursachen sind Alkoholmissbrauch und Leberentzündungen durch eine Infektion mit Hepatitis-B- oder Hepatitis-C-Viren. Auch im Rahmen von Fettleibigkeit und Diabetes mellitus kann es zu schweren Leberfunktionsstörungen kommen. In einigen Fällen entsteht eine Leberzirrhose dadurch, dass der Betroffene über eine sehr lange Zeit beruflich oder privat giftigen Chemikalien ausgesetzt war. Weitere mögliche Ursachen sind bestimmte Medikamente, die Leberschäden verursacht haben, oder eine durch bestimmte Krankheiten bedingte zu starke Eisen- (Hämochromatose) oder Kupferablagerung (Morbus Wilson) in der Leber. 

Weitere mögliche Ursachen sind verschiedene Autoimmunkrankheiten, Erkrankungen der Gallenblase und -wege, manche Krankheiten von Herz und Blutgefäßen sowie Infektionen mit bestimmten anderen Erregern als Hepatitisviren. 

Diagnostik

In den meisten Fällen liegt zunächst eine bekannte chronische Lebererkrankung vor, die sich mit der Zeit zu einer Leberzirrhose entwickelt. Im Frühstadium der Krankheit gibt es nur wenige oder gar keine Symptome. Zu welchem genauen Zeitpunkt dann eine Leberzirrhose vorliegt, ist schwer auszumachen. Da die Leberfunktion bis dahin aber bereits zunehmend schwächer wird, kann es zu allgemeinen Symptomen und Beschwerden kommen. Ein Zeichen kann Appetitlosigkeit sein. Dazu kommen möglicherweise Übelkeit und Schwindel, Bauchschmerzen, Erbrechen und Gewichtsabnahme. Der Bauch schwillt an und wölbt sich, falls sich aufgrund der Leberschädigung Flüssigkeit in der Bauchhöhle ansammelt (Aszites). Außerdem kann es zu Gelbsucht und starkem Juckreiz kommen. Aufgrund der Durchblutung der Leber kommt es bei Gewebeschäden des Organs oft auch zu Veränderungen anderer Blutgefäße: Viele Patienten bemerken sichtbare kleine Äderchen in der Haut, die an dünne Spinnenbeine erinnern (Spider naevi), vergröberte Venen an der Bauchhaut. Aber auch in inneren Organen können sich Blutgefäße erweitern und z. B. in der Schleimhaut der Speiseröhre zu Blutungen führen. Die Leberzirrhose kann sich auch auf die Gehirnfunktion auswirken (Enzephalopathie) und zu Verwirrtheitszuständen und Halluzinationen führen. Aus diesem Zustand können die Betroffenen in ein Koma, also völlige Bewusstlosigkeit, abgleiten.

Bei einer ausführlichen körperlichen Untersuchung sind viele Anzeichen einer schweren Lebererkrankung zu erkennen; zusätzlich bringen Blutuntersuchungen wichtige Ergebnisse und mittels Ultraschall kann sich der Arzt einen weiteren Eindruck vom Lebergewebe verschaffen. Bei der Einweisung ins Krankenhaus kann eine ganze Reihe weiterer Untersuchungen erfolgen, wie CT, MRT, Endoskopie und eine Leberbiopsie. Die Diagnose wird dann letztendlich durch die mikroskopische Untersuchung einer Gewebeprobe aus der Leber (Leberbiopsie) bestätigt.

Komplikationen der Leberzirrhose

Wenn die Leberfunktion so stark herabgesetzt ist, dass sich eine Leberzirrhose entwickelt hat, kann es zu einer Vielzahl schwerer Komplikationen kommen. Die häufigsten Komplikationen sind:

Aszites – Flüssigkeitsansammlung in der Bauchhöhle

Dabei handelt es sich um eine krankhafte Ansammlung von Flüssigkeit um die inneren Organe in der Bauchhöhle. Bei rund 85 % der von Aszites Betroffenen liegt eine Leberzirrhose vor. Wichtige therapeutische Maßnahmen sind eine Reduzierung der Salzzufuhr und gegebenenfalls harntreibende Medikamente. In bestimmten Fällen ist eine Ableitung von Flüssigkeit aus der Bauchhöhle nach außen erforderlich (Drainage).

Bakterielle Infektion im Bauchraum

Eine Flüssigkeitsansammlung in der Bauchhöhle erhöht das Risiko für bakterielle Infektionen. Dies ist eine sehr ernste und häufig lebensbedrohliche Komplikation. Sie wird mit Antibiotika behandelt.

Hepatische Enzephalopathie

Dabei handelt es sich um Veränderungen im Gehirn im Zusammenhang mit einer Leberzirrhose. Das Krankheitsbild beginnt häufig mit unbestimmten Anzeichen mit kleinen und manchmal vorübergehenden Veränderungen der Gedächtnisleistung, der Persönlichkeit, der Konzentration und der Reaktionszeit. 

Hoher Blutdruck im Leberkreislauf und Blutungen aus Krampfadern

Die Leberzirrhose bedingt einen erhöhten Widerstand für den Blutfluss durch die Leber. Dadurch bilden sich erweiterte Blutgefäße (Varizen) am unteren Ende der Speiseröhre. Diese Blutgefäße können einreißen, wodurch es zu schweren Blutungen kommen kann.

Hepatorenales Syndrom

Dabei handelt es sich um eine Art des Nierenversagens, die durch Leberversagen verursacht wird. Das Syndrom kann einen akuten und schwerwiegenden Verlauf nehmen, allerdings gibt es auch weniger ernste Verläufe.

Hepatozelluläres Karzinom

Bei Patienten mit Leberzirrhose besteht ein deutlich höheres Risiko, eine Krebserkrankung der Leber zu entwickeln. Bei ca. 3 % pro Jahr tritt diese Komplikation auf. Im frühen Krankheitsverlauf haben die Patienten keine Symptome, sodass die Diagnose häufig erst spät gestellt wird.

Therapie

Die Therapie richtet sich nach der Ursache der Erkrankung. Daher ist eine genaue Diagnostik wichtig um herauszufinden, welche der oben genannten ursächlichen Krankheiten vorliegt, damit diese möglichst spezifisch therapiert werden kann. Darüber hinaus sind Behandlungsmaßnahmen gegen verschiedene schwerwiegende Probleme der Leberzirrhose wie die Flüssigkeitsansammlung in der Bauchhöhle (Aszites), Infektionen, Verwirrtheit, Koma oder Blutungen aus Krampfadern in der Speiseröhre möglich.

Die Betroffenen dürfen keinen Alkohol konsumieren. Falls die Erkrankung durch Hepatitis verursacht wurde, kann diese Infektion mit Medikamenten bekämpft werden. Falls die Erkrankung bereits seit langer Zeit anhält, ist möglicherweise eine Lebertransplantation erforderlich.

Die Lebertransplantation ist dann eine Alternative, wenn es nicht gelingt, die Komplikationen einer Leberzirrhose durch normale medizinische Maßnahmen in den Griff zu bekommen. Es gibt jedoch viel weniger Spenderorgane als Personen, die eine Lebertransplantation benötigen.

Prognose

Die Prognose ist sehr unterschiedlich, weil sie von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängt, wie der Ursache, dem Schweregrad, dem Auftreten von Komplikationen und dem Vorliegen möglicher weiterer Erkrankungen. Die Sterblichkeit bei Patienten mit alkoholischer Leberzirrhose ist deutlich höher als die bei Patienten mit anderen Formen der Leberzirrhose.

Weitere Informationen

Literatur

  1. Wiegand J, Berg T. Ätiologie, Diagnose und Prävention der Leberzirrhose. Dtsch Ärztebl Int 2013; 110(6); 85-91 www.aerzteblatt.de

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen