Leberzirrhose und chronisches Leberversagen

Viele Krankheiten können eine Leberzirrhose verursachen. Übliche Ursachen sind Alkoholmissbrauch und Leberentzündungen durch eine Infektion mit Hepatitis-B- oder Hepatitis-C-Viren.

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Was ist eine Leberzirrhose?

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Die Leberzirrhose wird auch als Schrumpfleber bezeichnet. Sie ist häufig das letzte Stadium einer chronischen Lebererkrankung. Grundsätzlich werden bei einer Zirrhose die funktionierenden Zellen und Gewebe der Leber immer weiter zerstört und teilweise durch festes Bindegewebe ersetzt; dadurch wird das Organ immer fester und kleiner.

Normalerweise erfüllt die Leber eine Vielzahl unterschiedlicher Aufgaben. Sie hilft dem Körper bei der Fettverdauung und dem Abbau von Cholesterin, verstoffwechselt und beseitigt Gifte wie Alkohol, Drogen und Medikamente und dient außerdem als Energiespeicher. Sie trägt auch zur Bildung von sogenannten Gerinnungsfaktoren bei, also von Substanzen, die das Blut bei Verletzungen gerinnen lassen und somit entscheidend dafür sind, dass beschädigte Blutgefäße sich verschließen und Blutungen stoppen. Bei einer Leberzirrhose ist das Gewebe je nach Ausmaß der Schädigung immer weniger oder gar nicht mehr in der Lage, alle diese Funktionen zu erfüllen.

Die Leberzirrhose bzw. Schrumpfleber ist nicht selten. Von einer Zirrhose bzw. schweren Leberfunktionsstörung sind in Europa und den USA jährlich rund 250 von 100.000 Personen betroffen. Die häufigste Ursache für eine Leberzirrhose in Deutschland ist die alkoholische Lebererkrankung mit 50–60 % der Fälle. Sie zählt damit zu den 20 häufigsten Todesursachen in Deutschland und ist ein zunehmendes Gesundheitsproblem. 

Ursachen

Viele Krankheiten können eine Leberzirrhose verursachen. Übliche Ursachen sind Alkoholmissbrauch und Leberentzündungen durch eine Infektion mit Hepatitis-B- oder Hepatitis-C-Viren. Auch im Rahmen von Fettleibigkeit und Diabetes mellitus kann es zu schweren Leberfunktionsstörungen kommen (nicht-alkoholische Fettleber). In einigen Fällen entsteht eine Leberzirrhose dadurch, dass die betroffene Person über eine sehr lange Zeit beruflich oder privat giftigen Chemikalien ausgesetzt war. Weitere mögliche Ursachen sind bestimmte Medikamente, die Leberschäden verursacht haben, oder eine durch bestimmte Krankheiten bedingte zu starke Eisen- (Hämochromatose) oder Kupferablagerung (Morbus Wilson) in der Leber. 

Weitere mögliche Ursachen sind verschiedene Autoimmunkrankheiten, Erkrankungen der Gallenblase und -wege, manche Krankheiten von Herz und Blutgefäßen sowie Infektionen mit bestimmten anderen Erregern als Hepatitisviren. 

Diagnostik

In den meisten Fällen liegt zunächst eine bekannte chronische Lebererkrankung vor, die sich mit der Zeit zu einer Leberzirrhose entwickelt. Im Frühstadium der Krankheit gibt es nur wenige oder gar keine Symptome. Zu welchem genauen Zeitpunkt dann eine Leberzirrhose vorliegt, ist oft nicht genau zu definieren. Da die Leberfunktion bis dahin aber bereits zunehmend schwächer wird, kann es zu allgemeinen Symptomen und Beschwerden kommen. Ein Zeichen kann Appetitlosigkeit sein. Dazu kommen möglicherweise Übelkeit und Schwindel, Bauchschmerzen, Erbrechen und Gewichtsabnahme. Der Bauch schwillt an und wölbt sich, falls sich aufgrund der Leberschädigung Flüssigkeit in der Bauchhöhle ansammelt (Aszites). Außerdem kann es zu Gelbsucht und starkem Juckreiz der Haut kommen. Weil die Leber im Blutkreislauf des Körpers eine wichtige Station darstellt, kommt es bei Gewebeschäden des Organs sozusagen zu einem „Stau“ und dadurch oft auch zu Veränderungen anderer Blutgefäße: Viele Patienten bemerken sichtbare kleine Äderchen in der Haut, die an dünne Spinnenbeine erinnern (Spider naevi), vergrößerte Venen an der Bauchhaut. Aber auch in inneren Organen können sich Blutgefäße erweitern und z. B. in der Schleimhaut der Speiseröhre zu Blutungen führen (Ösophagusvarizen). Weil es durch die verminderte Leberfunktion zusätzlich an Gerinnungsfaktoren des Bluts mangelt, sind diese Blutungen häufig sehr schwer und nur schwierig unter Kontrolle zu bringen. Die Leberzirrhose kann sich auch auf die Gehirnfunktion auswirken (Enzephalopathie) und zu Verwirrtheitszuständen und Halluzinationen führen. Aus diesem Zustand können die Betroffenen in ein Koma, also völlige Bewusstlosigkeit, abgleiten.

Bei einer ausführlichen körperlichen Untersuchung durch den Arzt oder die Ärztin sind viele Anzeichen einer schweren Lebererkrankung zu erkennen; zusätzlich bringen Blutuntersuchungen wichtige Ergebnisse und mittels Ultraschall kann sich die Ärztin oder der Arzt einen weiteren Eindruck vom Lebergewebe verschaffen. Die sogenannte Elastografie stellt eine Methode dar, bei der schmerzfrei per Ultraschall die Festigkeit der Leber bestimmt werden kann. Daraus lässt sich ableiten, ob eine Zirrhose vorliegt.

Nach der ggf. erforderlichen Einweisung ins Krankenhaus kann eine ganze Reihe weiterer Untersuchungen erfolgen, wie CT, MRT, Endoskopie (Speiseröhren- und Magenspiegelung) und eine Leberbiopsie. Die Diagnose wird dann letztendlich durch die mikroskopische Untersuchung einer Gewebeprobe aus der Leber (Leberbiopsie) bestätigt.

Komplikationen der Leberzirrhose

Wenn die Leberfunktion im Rahmen der Leberzirrhose so stark beeinträchtigt ist, dass sich Beschwerden zeigen, kann es zu einer Vielzahl schwerer Komplikationen kommen. Die häufigsten Komplikationen sind:

Aszites – Flüssigkeitsansammlung in der Bauchhöhle

Dabei handelt es sich um eine krankhafte Ansammlung von Flüssigkeit um die inneren Organe in der Bauchhöhle. Bei rund 85 % der von Aszites Betroffenen liegt eine Leberzirrhose vor. Wichtige therapeutische Maßnahmen sind harntreibende Medikamente, bei einigen auch eine Reduzierung der Salzzufuhr. Mit einer Nadel bzw. einem dünnen Schlauch (Drainage) lässt sich die Flüssigkeit aus der Bauchhöhle nach außen ableiten, was die Beschwerden (Bauchschmerzen etc.) schnell lindert. Allerdings wird sich ohne weitere Therapie (oft auch trotz weiterer Therapie) recht schnell erneut Flüssigkeit im Bauchraum ansammeln.

Bakterielle Infektion im Bauchraum

Eine Flüssigkeitsansammlung in der Bauchhöhle erhöht das Risiko für bakterielle Infektionen (bakterielle Peritonitis). Dies ist eine sehr ernste und häufig lebensbedrohliche Komplikation. Sie wird mit Antibiotika behandelt.

Hepatische Enzephalopathie

Dabei handelt es sich um Veränderungen im Gehirn im Zusammenhang mit einer Leberzirrhose. Das Krankheitsbild beginnt häufig mit unbestimmten Anzeichen mit kleinen und manchmal vorübergehenden Veränderungen der Gedächtnisleistung, der Persönlichkeit, der Konzentration und der Reaktionszeit. Im Verlauf können extreme Verwirrtheit, psychische Auffälligkeiten etc. hinzukommen, manche Betroffene werden bewusstlos. Mögliche Auslöser dieser Veränderungen sind Blutungen, Infektionen, manche Medikamente, Veränderungen der Ernährung oder Stoffwechselveränderungen. Meist lässt sich eine hepatische Enzephalopathie mit Medikamenten behandeln und heilen; Betroffene sollten anschließend jedoch bestimmte Vorsichtsmaßnahmen einhalten (bestimmte Ernährung etc.).

Hoher Blutdruck im Leberkreislauf und Blutungen aus Krampfadern

Die Leberzirrhose bedingt einen erhöhten Widerstand für den Blutfluss durch die Leber. Dadurch bilden sich erweiterte Blutgefäße (Varizen, Krampfadern) in der Umgebung der Leber, durch die das venöse Blut dann an der Leber vorbei ins Herz fließt. Diese erweiterten Venen sind empfindlich und können leicht einreißen und Blutungen verursachen. Besonders typisch und schwerwiegend sind hierbei Blutungen aus Krampfadern am unteren Ende der Speiseröhre. Erste Symptome hierfür sind Hochwürgen von etwas Blut aus der Speiseröhre; bei Erbrechen von rotem oder schwarzem Blut ist eine rasche (notfallmäßige) Therapie erforderlich.

Hepatorenales Syndrom

Dabei handelt es sich um eine Art des Nierenversagens, das durch Leberversagen verursacht wird. Das Syndrom kann einen akuten und schwerwiegenden Verlauf nehmen, allerdings gibt es auch weniger ernste Verläufe.

Hepatozelluläres Karzinom

Bei Patienten mit Leberzirrhose besteht ein deutlich höheres Risiko, eine Krebserkrankung der Leber zu entwickeln. Im frühen Krankheitsverlauf haben die Patienten keine Symptome, sodass die Diagnose häufig erst spät gestellt wird.

Therapie

Den Umbau des Lebergewebes kann keine Behandlung rückgängig machen. Daher geht es vor allem darum, das Fortschreiten der Krankheit abzubremsen und die Komplikationen zu behandeln. Die Therapie richtet sich grundsätzlich natürlich auch nach der Ursache der Erkrankung. Daher ist eine genaue Diagnostik wichtig, um herauszufinden, welche der oben genannten ursächlichen Krankheiten vorliegt, damit diese möglichst spezifisch therapiert werden kann. Dazu gehört z. B. die zielgerichtete Therapie einer Hepatitis mit Medikamenten.

Darüber hinaus sind Behandlungsmaßnahmen gegen verschiedene schwerwiegende Probleme der Leberzirrhose wie die Flüssigkeitsansammlung in der Bauchhöhle (Aszites), Infektionen, Verwirrtheit, Koma oder Blutungen aus Krampfadern in der Speiseröhre möglich.

Zum Einsatz kommen hierfür Antibiotika bei Infektionen der Bauchhöhle, Diuretika bei zusätzlicher Nierenschwäche und/oder Aszites, Laktulose sowie spezielle Ernährungsempfehlungen u. a. bei hepatischer Enzephalopathie. Zur Vorbeugung einer Blutung bei Speiseröhrenvarizen wird häufig der Blutdruck gesenkt, um die Gefäße zu schützen. Ist es bereits zu einer Blutung gekommen, wird oft eine intensivmedizinische Therapie nötig, um diese zu stoppen. Eine weitere seltene Komplikation ist eine Thrombose des großen Lebergefäßes, der Pfortader. Hier kommen gerinnungshemmende Wirkstoffe zum Einsatz.

Die Betroffenen dürfen keinen Alkohol (mehr) konsumieren. Auch andere schädigende Substanzen sind zu meiden, darunter bestimmte Medikamente. Je nach Ausmaß der Zirrhose und evtl. zusätzlichem Aszites ist es wichtig, besondere Empfehlungen für die Ernährung einzuhalten: Wichtig ist eine ausreichende Energiezufuhr und eine Eiweißzufuhr innerhalb bestimmter Grenzen, evtl. auch eine reduzierte Aufnahme von Kochsalz. Lassen Sie sich hier am besten von Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin oder einer Ernährungsfachkraft beraten.

Es gibt auch chirurgische Therapiemöglichkeiten bei Leberzirrhose: Varizen in der Speiseröhre lassen sich in einigen Fällen vorbeugend vernähen oder veröden. Zum Schutz vor einer (erneuten) Varizenblutung oder bei nicht therapierbarem Aszites kann mit einem Stent (Kunststoffschlauch, TIPS) die Leberarterie mit der Lebervene verbunden werden. Hier fließt ein Teil des Bluts dann wie bei einer Abkürzung an der Leber vorbei, was den Druck senkt. Falls die Erkrankung bereits seit langer Zeit anhält und weit fortgeschritten ist, ist möglicherweise eine Lebertransplantation erforderlich bzw. möglich.

Die Lebertransplantation ist dann eine Alternative, wenn es nicht gelingt, die Komplikationen einer Leberzirrhose durch normale medizinische Maßnahmen in den Griff zu bekommen. Es gibt jedoch viel weniger Spenderorgane als Personen, die eine Lebertransplantation benötigen. Daher sind die Bedingungen hierfür sehr streng.

Prognose

Die Prognose ist sehr unterschiedlich, weil sie von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängt, wie der Ursache, dem Schweregrad, dem Auftreten von Komplikationen und dem Vorliegen möglicher weiterer Erkrankungen. Die Sterblichkeit bei Patienten mit alkoholischer Leberzirrhose ist deutlich höher als die bei Patienten mit anderen Formen der Leberzirrhose.

Weitere Informationen

Literatur

  1. Wiegand J, Berg T. Ätiologie, Diagnose und Prävention der Leberzirrhose. Dtsch Ärztebl Int 2013; 110(6); 85-91 www.aerzteblatt.de

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen