Magenkrebs (Magenkarzinom)

Magenkrebs wird fachsprachlich als Magenkarzinom bezeichnet. Wie jeder bösartige Tumor kann ein Magenkarzinom sich im Magen ausbreiten, ins benachbarte Gewebe und Organe im Bauchraum sowie auf die Lymphknoten übergreifen.

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Magen: Anatomie und Funktion

Der Magen ist ein Hohlorgan im oberen Bauchraum direkt unter dem Zwerchfell. Größe und Form sind individuell unterschiedlich. Der Magen hat die Form eines großen „J“. Er besteht aus kräftigem Muskelgewebe und ist innen mit Schleimhaut ausgekleidet. Nach oben mündet der Magen in die Speiseröhre. Unten schließt der Zwölffingerdarm an. Der Magen produziert jeden Tag ca. 2 Liter Magensaft, der zur Aufspaltung der Nahrung beiträgt.

Häufigkeit

Im Jahr 2012 erkrankten in Deutschland etwa 9.200 Männer und 6.400 Frauen an Magenkrebs, meist im fortgeschrittenen Alter (im Mittel mit 72–75 Jahren). Männer erkranken häufiger als Frauen daran. In seltenen Fällen erkranken jüngere Personen im Alter von 20 bis 30 Jahren.  Ein Magenkarzinom ist eine sehr schwerwiegende Erkrankung. Je eher sie entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen. In Deutschland und den übrigen Ländern der westlichen Welt ist die Neuerkrankungshäufigkeit in den letzten Jahren in allen Altersgruppen zurückgegangen. Im Verhältnis werden jedoch mehr Karzinome im Bereich des Übergangs zur Speiseröhre diagnostiziert. Ein Magenkarzinom kommt weltweit in verschiedenen Ländern unterschiedlich häufig vor, besonders häufig beispielswiese in Japan oder auch Finnland.

Ursachen

Ein Magenkarzinom entwickelt sich in der Regel über einen längeren Zeitraum auf der Basis von zunächst kleinen Veränderungen der Zellen der Magenschleimhaut. Verschiedene Faktoren spielen hier eine Rolle, dazu zählen: Ernährungsgewohnheiten wie zum Beispiel der Verzehr geräucherter und stark gesalzener Lebensmittel sowie häufiger Alkoholkonsum und Tabakgenuss tragen zu einem erhöhten Risiko bei. Auch bei Personen mit deutlichem Übergewicht und damit assoziierter Refluxkrankheit wird im Vergleich häufiger ein Magenkarzinom diagnostiziert. Einen weiteren Risikofaktor stellt eine aus anderen Gründen erfolgte größere Magenoperation nach einem bestimmten Verfahren (Billroth II) dar. Genetische Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle; es gibt Erbkrankheiten, bei denen die Betroffenen vermehrt an Magen- und Darmkrebs leiden. 

In den letzten Jahren stellte sich heraus, dass auch die Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori die Entstehung von Magenkarzinomen fördert. Dieser Keim führt zu einer chronischen Entzündung und Schädigung Magenschleimhaut. Die Infektion lässt sich, falls erkannt, mit Antibiotika heilen. Es hat sich gezeigt, dass mit Helicobacter pylori infizierte Personen ein höheres Risiko für Magenkarzinome tragen. Es konnte aber noch nicht abschließend geklärt werden, ob nach einer Beseitigung der Infektion auch das Risiko für ein Magenkarzinom zurückgeht. 

Symptome

  • In der Anfangsphase eines Magenkarzinoms bestehen häufig keine Beschwerden.
  • Mit der Zeit treten Symptome wie bei einem übersäuerten Magen oder Magengeschwür in Erscheinung.
  • Typisch sind in dieser Phase Übelkeit, Unwohlsein im Bereich unterhalb des Rippenbogens, vorzeitiges Sättigungsgefühl, saures Aufstoßen und Sodbrennen. Diese Beschwerden werden sehr häufig in der Bevölkerung beobachtet und sind meist harmlos. Treten sie jedoch ab einem Alter von 40 bis 50 Jahren erstmalig auf, sollte der Verdacht auf Magenkarzinom gelenkt werden.
  • Die Spätphase ist durch Appetitverlust, Gewichtsverlust und Anämie (Blutarmut) gekennzeichnet.
  • Bei Erbrechen von Blut oder Blut im Stuhl sollten rasch entsprechende Untersuchungen durchgeführt werden, um eine mögliche Krebserkrankung auszuschließen.

Diagnostik

Der Arzt wird genau nach Art und Dauer der Beschwerden fragen und den Patienten untersuchen. In sehr seltenen Fällen kann der Arzt den Tumor im Rahmen einer klinischen Untersuchung im Magen des Patienten ertasten. Gelegentlich sind auch vergrößerte Lymphknoten im Bereich des Schlüsselbeins, der Achselhöhle oder im Bereich des Nabels feststellbar. Mittels Ultraschall lässt sich möglicherweise schon beim Hausarzt feststellen, dass der Tumor bereits in andere Organe gestreut hat. Eine konventionelle Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel ist möglich, die Gastroskopie (Magenspiegelung) erzielt jedoch in den meisten Fällen genauere Resultate. Eine MRT- oder CT-Untersuchung geben über das Ausmaß und den eventuellen Befall anderer Organe Aufschluss.

Gastroskopie

Bei der Gastroskopie handelt es sich um eine Untersuchung, bei der ein dünner Schlauch mit einer Spiegeloptik in den Magen eingeführt wird. Am Ende des Schlauchs befindet sich eine Videokamera, mithilfe derer die Magenschleimhaut genau beurteilt werden kann. Kleine Gewebeproben (Biopsien) können mit einem zusätzlichen Instrument für eine weitere mikroskopische Untersuchung auf Krebszellen entnommen werden. Für diese Untersuchung wird in der Regel eine Lokalanästhesie des Rachenraums vorgenommen. Sie ist für den Patienten in der Regel nur mit geringen Schmerzen verbunden.

Ultraschall

Bei der Untersuchung der inneren Organe mithilfe von Ultraschallwellen kann der Arzt auf einem Monitor mögliche Auffälligkeiten beurteilen. Diese Untersuchung lässt sich ohne großen Aufwand oder Vorbereitung des Patienten komplikationsfrei durchführen.

CT (Computertomografie)

Die CT ist eine Röntgenuntersuchung, bei der mehrere Bilder von verschiedenen Schnittebenen des Körpers angefertigt werden. Damit kann eine eventuelle Streuung der Krebserkrankung auf andere Organe außerhalb des Magens abgeklärt werden.

Magnetresonanztomografie (MRT)

Bei dieser Untersuchung entstehen durch die Einwirkung eines sehr starken Magnetfeldes (Magnetröhre) Bilder der inneren Organe. Manche Auffälligkeiten lassen sich im MRT besser beurteilen als im CT; zudem ist hier keine Röntgenstrahlung erforderlich. 

Laparotomie

Als Laparotomie bezeichnet man die chirurgische Eröffnung des Bauchraums. Im Falle eines Magenkarzinoms kann der Arzt dadurch das Ausmaß des Tumors noch genauer beurteilen und prüfen, in welchem Umfang Metastasen im Bauchraum vorliegen.

Therapie

Operative Therapie

Vorrangiger und einziger zur Heilung der Erkrankung geeigneter Therapieansatz ist die Operation. Für die Therapie eines Magenkarzinoms stehen unterschiedliche chirurgische Ansätze zur Verfügung. Welches chirurgische Verfahren gewählt wird und ob eine Operation überhaupt möglich ist, hängt von der Lokalisation des Karzinoms im Magen und vom Ausmaß des Tumors ab. Gelegentlich reicht die Entfernung von einem Teil des Magens (subtotale Magenresektion). In anderen Fällen muss der Magen vollständig entfernt werden (Gastrektomie). In diesen Fällen wird die Speiseröhre anschließend direkt mit dem Dünndarm verbunden. Wenn die Lymphknoten im Bereich der Milz befallen sind, werden diese ebenfalls entfernt. Unter Umständen muss auch ein Teil der Bauchspeicheldrüse, evtl. auch anderer Organe, entnommen werden.

Ist ein Magenkrebs schon weit fortgeschritten, kommen unter Umständen auch chirurgische Maßnahmen zum Einsatz, etwa um die Nahrungspassage durch den Magen offen zu halten.

Chemotherapie

In der Frühphase und wenn der Tumor nicht vollständig abgegrenzt ist, wird routinemäßig vor und nach dem chirurgischen Eingriff eine Chemotherapie verabreicht. Dieses Vorgehen verbessert die Heilungschancen.

Eine Chemotherapie kann auch palliativ eingesetzt werden, um die Krankheit vorübergehend zu stoppen und Symptome zu lindern. Dieser Ansatz wird gewählt, wenn eine Heilung nicht zu erreichen ist, die Beschwerden aber natürlich dennoch möglichst effektiv gelindert und die Überlebenszeit möglichst verlängert werden sollen.

Strahlentherapie

Bestrahlung wird nicht routinemäßig zur Therapie beim Magenkarzinom eingesetzt. Allerdings wird eine Kombination aus Chemotherapie und Bestrahlung (Radiochemotherapie) zum Beispiel bei Patienten eingesetzt, bei denen der Krebs auf den Magen begrenzt ist, sich aber trotzdem nicht operieren lässt. Auch wenn nach der Operation noch Tumorgewebe vorhanden ist, kann eine Bestrahlung zusammen mit einer Chemotherapie angezeigt sein.

Nebenwirkungen/Komplikationen

Nach der Operation verlieren die meisten Patienten an Gewicht. In der Regel normalisiert es sich jedoch nach einiger Zeit wieder. Bei einer vollständigen Entfernung des Magens (Gastrektomie) kann der Patient in den ersten Monaten nach der Operation unter einem „Dumping-Syndrom“ leiden. Diese Beschwerden werden dadurch ausgelöst, dass die Nahrung nicht mehr eine Zeit lang im Magen verbleiben kann, sondern sehr rasch in den Dünndarm entleert wird, was die normalen Verdauungsprozesse stört. 

Symptome bei Dumping-Syndrom

Die Symptome beim frühen Dumping-Syndroms treten häufig 10 bis 15 Minuten nach einer Mahlzeit auf. Es kommt zu Übelkeit, Erbrechen, Zittern, evtl. Kreislaufproblemen und Müdigkeit. Das sogenannte späte Dumping-Syndrom macht sich u.a. durch Schwitzen, Schwäche, niedrigen Blutdruck und Hungergefühl etwa 2 Stunden nach einer Mahlzeit bemerkbar. 

Empfehlung bei Dumping-Syndrom

  • Kleine Mahlzeiten, die alle 2 bis 3 Stunden eingenommen und langsam verzehrt werden.
  • Trinken Sie zwischen den Mahlzeiten; direkt zum Essen und kurz danach sollten Sie wenig trinken.
  • Ruhen Sie nach den Mahlzeiten aus, legen Sie sich gegebenenfalls eine Weile hin.
  • Manchmal lassen sich die Beschwerden durch bestimmte Medikamente lindern.

Wenn der Magen vollständig entfernt wurde, haben manche Patienten das Gefühl, bestimmte Nahrungsmittel nicht mehr zu vertragen, die ihnen früher nichts ausgemacht haben. Jeder Einzelne muss nach einer Operation ausprobieren, welche Nahrungsmittel ihm gut bekommen. Bei einer Ernährungsberatung können Patienten erfahren, worauf sie achten sollen. Sinnvoll ist es Vitamin B12 zu ergänzen, das dieses bei fehlendem Magen nicht mehr aus der Nahrung aufgenommen werden kann.

Prognose

Empfohlen werden je nach Stadium und Therapie des Karzinoms regelmäßige Kontrolluntersuchungen, zunächst mindestens alls 3 Monate. Dabei kann der Arzt den Therapieerfolg überprüfen und den Patienten bei evtl. Beschwerden, etwa im Zusammenhang mit der Operation, beraten.  

Wie bei den meisten Krebsarten ist das Stadium zum Zeitpunkt der Diagnose für die Überlebensprognose ausschlaggebend. Von allen Patienten mit einem Magenkarzinom leben 5 Jahre nach der Diagnose durchschnittlich noch 25–30%. Wenn das Karzinom in einem frühen Stadium entdeckt wurde und vollständig entfernt werden konnte, liegt die Chance auf Heilung oder ein längeres Überleben insgesamt jedoch deutlich höher. Ist das Magenkarzinom weit fortgeschritten und hat bei Diagnosestellung bereits gestreut, ist die Prognose erheblich schlechter.

Vorbeugung

Verschiedene Faktoren können das Risiko für Magenkrebs senken, zum Beispiel eine Ernährung mit reichlich pflanzlichen, wenig tierischen Nahrungsmitteln, ausreichend Sport bzw. körperliche Bewegung, Vermeidung von Übergewicht, Vermeiden von Rauchen und Alkoholmissbrauch.

Weiterführende Informationen

Illustrationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Magenkarzinom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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