Mundgeruch, Ratschläge

Gegen Mundgeruch können Betroffene verschiedene Maßnahmen ergreifen. Liegt dem unangenehmen Geruch eine Krankheit zugrunde, wird sich das Problem durch Therapie der Krankheit meist lösen lassen.

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Was ist Mundgeruch?

Mundgeruch, Halitosis, ist ein unangenehmer Geschmack im und ein übler Geruch aus dem Mund. Die meisten von uns erfahren Mundgeruch zeitweise. Morgendlicher Mundgeruch tritt sehr häufig auf und verschwindet meist rasch nach dem Frühstück oder Zähneputzen.

Andauernder und lästigerer Mundgeruch ist keine Seltenheit; die meisten Menschen sind bisweilen davon betroffen. Einige jedoch leiden tagtäglich darunter und erleben dies als große Belastung im Alltag.

Ursachen

Die Ursachen für Mundgeruch sind vielfältig, meistens sind sie jedoch in der Mundhöhle zu suchen. In der Mundschleimhaut finden sich viele verschiedene Arten von Bakterien: Einige von ihnen haben wichtige Funktionen, unter anderem den Schutz vor dem Wachstum krankheitserregender Bakterien. Die Bakterienflora (also die Gesamtheit der üblichen Bakterien eines gesunden Menschen) trägt auch zum Abbau toter Zellen und zur Aufspaltung von Speiseresten bei, die sich in Taschen und Falten der Mundschleimhaut oder zwischen den Zähnen befinden. Beim Abbau solchen Materials können sich aber schwefelhaltige Gase bilden, die in der Folge eine wichtige Ursache für Mundgeruch sind.

Bei mangelnder Hygiene der Zähne, Zunge und Zahnzwischenräume oder aufgrund von Erkrankungen des Zahnfleischs bilden sich große Mengen übelriechender Schwefelverbindungen. Das Gleiche gilt, wenn sich Partikel in den Furchen der Zunge befinden oder sich in einer Zahnprothese immer wieder Speisereste festsetzen.

Allgemein lässt sich sagen, dass Raucher eher Mundgeruch bekommen. Mundtrockenheit geht oft mit Mundgeruch einher: So besteht das Problem bei stark eingeschränkter Speichelproduktion (etwa bei Sjögren-Syndrom) oder bei Einnahme von Medikamenten, die Mundtrockenheit verursachen. Auch Personen, die nachts stark schnarchen, wachen morgens meist mit trockenem Mund auf und haben Mundgeruch. Darüber hinaus gibt es auch Krankheiten im Bereich der Atemwege, die zu Mundgeruch führen können. Dies gilt etwa bei Infektionen der Atemwege (Schnupfen, Nasennebenhöhlenentzündung, chronische Infektionen der Bronchien) oder Krebs in diesem Bereich. Selten sitzen auch Fremdkörper lange unerkannt in der Nase oder im Bereich der Mundhöhle fest (z. B. ein totes Insekt oder ein Stück einer Nuss) und führen zu schlechtem Geruch.

Das Problem kann auch durch Nierenversagen, Lebererkrankungen, Diäten (durch Hungern) oder Unterernährung oder zu hohem Blutzucker bei Diabetikern bedingt sein. Hier entsteht der Mundgeruch durch verschiedene Substanzen, die infolge der gennannten Krankheiten im Stoffwechsel entstehen und über das Blut auch in die Ausatemluft gelangen. Bei den letztgenannten Krankheiten ist der Geruch des Atems oft so charakteristisch, dass der Arzt daran erkennen kann, welche Organkrankheit wahrscheinlich zugrunde liegt. 

Knoblauch erzeugt einen besonderen Geruch; das kann aber auch durch Milchprodukte, besonders fetthaltige Nahrung oder Alkohol geschehen.

Bei rund 5 % der Betroffenen lässt sich jedoch trotz genauer Untersuchungen keine Ursache für den Mundgeruch feststellen. Manche Personen empfinden zudem zwar selbst, an schlechtem Mundgeruch zu leiden, andere Personen nehmen dies jedoch nicht wahr. 

Diagnose

Der Arzt wird Fragen zu Ernährungsgewohnheiten stellen, zur Mundhygiene, zur Atmung (über die Nase oder den Mund), zur Empfindlichkeit der Zähne und des Zahnfleischs (Wunden? Blutungen?) und vorliegenden bekannten Krankheiten. Bei der Untersuchung wird er insbesondere die Mundhöhle mit Zunge, Zähnen und Zahnfleisch, die Nase und den Rachenraum sorgfältig anschauen.

Es gibt Verfahren, die Ausatemluft objektiv zu beurteilen und bestimmte Substanzen (etwa schwefelhaltige Gase) nachzuweisen.

Blutuntersuchungen können Hinweise auf Diabetes, Nieren- oder Leberkrankheiten oder Infektionen geben. Bei entsprechendem Verdacht kann der Arzt auch eine Röntgenuntersuchung oder ein CT der Atemwege, Nasennebenhöhlen etc. empfehlen. Manchmal ist eine Magenspiegelung anzuraten. Spezielle Krankheiten, wie etwa die Autoimmunkrankheit Sjögren-Syndrom, erfordern weitere, spezielle Tests. Bei manchen Patienten ist es nötig, Fachärzte verschiedener Gebiete zu Rate zu ziehen.

Behandlung

Gute Mundhygiene stellt die wichtigste Maßnahme dar, begleitet von der Behandlung möglicher Grunderkrankungen. Sollte das nicht ausreichen, können Arzneimittel wie Mundspülungen oder Lutschpastillen von großem Nutzen sein.

Mundhygiene

Gute Mundhygiene besteht aus regelmäßigem Zähneputzen, häufiger Verwendung von Zahnseide und/oder Zahnsticks und dem regelmäßigen Kontrollbesuch beim Zahnarzt.

Das Abschaben oder Bürsten der Zunge kann nachgewiesenermaßen zusätzlich dazu beitragen, Partikel zu entfernen, die an der Bildung von Schwefelgasen beteiligt sind. Einige verwenden die Zahnbürste, es gibt aber auch spezielle Schaber für diesen Zweck. Wichtig beim Bürsten/Schaben der Zunge ist, den hintersten Zungenbereich zu erreichen. Das kann unangenehm sein und Brechreiz hervorrufen, doch gewöhnen sich die meisten ziemlich schnell daran. Weiterhin zu beachten ist, dass das Schaben relativ leicht vonstatten gehen und keine Reizungen oder Risse des Gewebes provozieren sollte. Nach dem Schaben wird das Spülen/Gurgeln mit Wasser empfohlen.

Rauchern wird empfohlen, mit dem Rauchen aufzuhören.

Hilfreich können regelmäßige Mahlzeiten sein. Lange Zeiträume zwischen den Mahlzeiten führen zur gesteigerten Bildung von Geruchsstoffen. Möglicherweise hilft es auch, die Ernährung umzustellen, etwa weniger Milchprodukte zu sich zu nehmen. Auch das Spülen/Gurgeln der Mundhöhle mit Flüssigkeit ist nützlich. Studien haben erwiesen, dass Mundgeruch nach Spülen mit Wasser für mindestens 15 Minuten beseitigt wird. Das Kauen von Kaugummis oder pfefferminzhaltigen Pastillen kann auch eine Wirkung haben, doch für gewöhnlich ist diese sehr kurzfristig.

Medikamente

Eine medikamentöse Behandlung kann sehr effektiv sein. Erwiesenermaßen reduzieren mehrere unterschiedliche desinfizierende Wirkstoffe die Bildung von Schwefelgasen in der Mundhöhle deutlich. Hierfür kommen zum Beispiel die Wirkstoffe Chlorhexidin, Amin- und Zinnfluoride oder Cetylpyridin zum Einsatz. Zur Verfügung stehen auch Kombinationspräparate mit Zink. Vor allem bei Kindern ist jedoch Vorsicht bei Zink geboten, denn bei längerer oder regelmäßiger Einnahme kann es zu Schäden durch Zink kommen. Viele geeignete Mundspüllösungen und Lutschpastillen sind rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Auch pflanzliche Präparate und/oder ätherische Öle sind erhältlich und können hilfreich sein. Manche dieser Lösungen enthalten Alkohol; wer regelmäßig Mundspüllösungen verwendet, sollte auf solche Produkte verzichten, weil sie langfristig das Krebsrisiko erhöhen können.

Andere Erkrankungen

Liegt die Ursache des Mundgeruchs in einer bakteriellen Infektion, etwa der Nasennebenhöhlen oder Rachenmandeln, ist oft eine antibiotische Therapie angezeigt. Dies gilt auch für den Fall, dass eine Magenschleimhautentzündung mit dem Keim Helicobacter pylori vorliegt. Liegt jedoch dem Mundgeruch keine solche Infektion zugrunde, ist eine Gabe von Antibiotika nicht angezeigt.

Erkrankungen von Leber, Niere oder des Stoffwechsels oder die seltenen Tumoren der Mundhöhle oder im Bereich der Atemwege als Ursache für Mundgeruch erfordern eine entsprechende spezielle Behandlung, ggf. eine Operation. 

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Halitosis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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