Speiseröhrenkrampf

Ein Speiseröhrenkrampf ist schwer festzustellen, da diese Erkrankung relativ unerforscht ist, nur schwache Symptome zeigt und leicht mit anderen Diagnose verwechselt werden kann.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was ist Speiseröhrenkrampf?

Der Speiseröhrenkrampf unterscheidet sich in zwei verschiedene Hauptformen: diffuse Krämpfe mit unkoordinierten Kontraktionen in der Muskulatur der Speiseröhre und Nussknacker-Ösophagus, bei dem die Muskelkontraktionen koordinierter sind, sich aber stärker ausbreiten.

Ein Speiseröhrenkrampf ist schwer festzustellen, da diese Erkrankung relativ unerforscht ist, nur schwache Symptome zeigt und leicht mit anderen Diagnose verwechselt werden kann.

Was ist die Ursache?

Die auslösende Ursache ist unbekannt.

Die Speiseröhre besteht aus zwei Muskelschichten. Wie auch andere Verdauungskanäle hat die Speiseröhre die Eigenschaft, sich peristaltisch zusammenzuziehen. Die Kontraktionen beginnen in der oberen Speiseröhre und setzen sich bis zum Magen hin fort. Auf diese Weise wird die Nahrung durch die Speiseröhre zum Magen geleitet. Bei einem Speiseröhrenkrampf ist die Peristaltik bzw. die Fähigkeit der Speiseröhre sich zusammenzuziehen gestört. Diffuse Krämpfe in der Speiseröhre führen zu unregelmäßigen und ineffektiven Kontraktionen in verschiedenen Teilen der Speiseröhre. Beim Nussknackerösophagus sind die Bewegungen sichtlich normal, fallen aber anormal stark aus.

Diffuse Krämpfe in der Speiseröhre äußern sich oft als temporäre Schluckbeschwerden und sporadische Brustschmerzen. Patienten mit Nussknackerösophagus spüren oft auch Brustschmerzen, jedoch weniger Schluckbeschwerden.

Was sind die Symptome?

Die Symptome für diffusen Speiseröhrenkrampf und Nussknacker-Ösophagus überlappen einander. Die Patienten bekommen gelegentlich Brustschmerzen, Schluckbeschwerden mit oder ohne Aufstoßen der Nahrung oder beides. Häufig spürt man auch einen Klumpen im Hals, der sich wie ein Fremdkörper anfühlt.

Circa 80 % der Patienten berichten über Brustschmerzen. Der Schmerz sitzt meist hinter dem Brustbein und kann in den Rücken ausstrahlen. Der Schmerz kann schlimmer sein als bei einem Gefäßkrampf aber auch weniger stark und währt zwischen einigen Minuten und mehreren Stunden.

Schluckbeschwerden kommen nicht bei allen Speiseröhrenkrämpfen vor, aber 30 bis 60 % der Betroffenen haben dennoch dieses Problem. Die Schluckbeschwerden sind oft dann am schlimmsten, wenn die Brustschmerzen am stärksten sind. Die Schluckbeschwerden treten sporadisch auf, sind nicht konstant und können über den Zeitverlauf in der Stärke variieren.

Diagnostik

Die Symptome lassen einen Diagnoseverdacht zu, aber da die Erkrankung selten ist, kann der Arzt diese Möglichkeit leicht übersehen. Daher besteht ein Risiko für Fehldiagnosen wie Angina pectoris, gastroösophageale Refluxkrankheit oder Achalasie. Die ärztliche Untersuchung führt zu normalen Ergebnissen. Ein EKG, eventuelle Blutuntersuchungen und Röntgen von Herz und Lungen sind übliche Untersuchungen und wichtig, um andere Krankheiten ausschließen zu können.

Eine Gastroskopie führt man durch, um Erkrankungen wie Krebs oder Entzündung der Speiseröhre auszuschließen. Bisher erfolgte häufig ein Röntgen der Speiseröhre. Diese Methode wird aber nicht länger als gut für eine Diagnose von Speiseröhrenkrampf angesehen. Eine Methode der Druckmessung in der Speiseröhre (Manometrie) ist inzwischen die gängige Untersuchung zur Festlegung der Diagnose und zur Unterscheidung zwischen diffusem Speiseröhrenkrampf und Nussknacker-Ösophagus.

Behandlung

In erster Linie empfiehlt sich eine medikamentöse Behandlung. Bei vielen Patienten sind Kombinationsbehandlungen notwendig. Jedoch sind nicht alle Behandlungen für jeden Patienten geeignet und bei manchen hilft auch keine Behandlungsform.

Einzelne Patienten berichten, dass die Symptome von der Einnahme bestimmter Lebensmittel ausgelöst werden. Eine gewisse Zurückhaltung gegenüber diesen Lebensmitteln kann bei manchen Patienten die Probleme zeitweilig dämpfen.

Man kann außerdem weitere Medikamente testen. Bei beiden Formen des Speiseröhrenkrampfs werden in erster Linie sogenannte Kalziumantagonisten empfohlen. Diese lassen die Krämpfe abschwächen.

Eine weitere Gruppe von wirksamen Medikamenten sind die Nitroglycerine. Man kann auch säureneutralisierende oder -reduzierende Mittel einsetzen, deren Wirkung auf die Symptome jedoch variiert.

Wenn keines dieser Medikamente hilft, kann eventuell ein trizyklisches Antidepressivum getestet werden. Dieses Medikament scheint bei einem Teil der Betroffenen die Brustschmerzen zu lindern. Als temporäre Behandlung wurde auch über die Injektion von Botulinumtoxin (BTX) berichtet.

Bei Patienten mit diffusem Speiseröhrenkrampf (Myotomie) kann ein chirurgischer Eingriff in Form einer Muskelseparation in der Speiseröhre zum Erfolg verhelfen. Dieser Eingriff kann aber den Zustand bei Patienten mit Nussknackerösophagus verschlimmern. In sehr speziellen und irreparablen Fällen wurden Speiseröhren sogar operativ entfernt.

Prognose

Der Speiseröhrenkrampf ist eine lebenslänglich bestehende Erkrankung, die sich in variierender Stärke wiederholt, sich aber nicht verschlimmert.

Auch wenn sich die Symptome nur bedingt lindern lassen, ist die Prognose gut. Die Erkrankung trägt nicht zu einer höheren Sterblichkeit bei und bedingt auch keine Gewichtsabnahme. Bei bestimmten Patienten können wiederkehrende Brustschmerzen die Lebensqualität stark beeinträchtigen.

Wenn sich die Symptome verstärken, sollte eine neue Untersuchung eingeleitet werden, da die Erkrankung eine Vorstufe der sogenannten Achalasie sein kann.

Weitere Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Ösophagusspasmus. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Castell D. Diffuse Esophageal Spasm and Nutcracker Esophagus. UptoDate. August 15, 2005. UpToDate
  2. Gaumnitz E. Esophageal motility disorders. Medscape, last updated Oct 30, 2014. emedicine.medscape.com
  3. Malas A. Esophageal spasm. Medscape, last updated June 24, 2015.
  4. Spencer HL, Smith L, Riley SA. A questionnaire study to assess long-term outcome in patients with abnormal esophageal manometry. Dysphagia 2006; 21: 149. PubMed