Zwerchfellhernie (Hiatushernie)

Das Zwerchfell ist ein flacher, breiter Muskel, der die Brusthöhle von der Bauchhöhle trennt. Durch diesen Muskel hindurch verläuft die Speiseröhre, die direkt unterhalb des Zwerchfells in den Magen mündet. Bei manchen Menschen schiebt sich der obere Teil des Magens durch eine erweiterte Öffnung im Zwerchfell nach oben in die Brusthöhle. Dies wird als Zwerchfellhernie bezeichnet.

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Was ist eine Zwerchfellhernie?

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Normalerweise verläuft die Speiseröhre im hinteren Teil der Brusthöhle vom Rachen hinunter zum Zwerchfell (Diaphragma), einem flachen Muskel, der die Brusthöhle von der Bauchhöhle trennt. Direkt unterhalb des Zwerchfells mündet die Speiseröhre in den Magen. Der Übergang zwischen der Speiseröhre und dem Magen liegt auf Höhe des Zwerchfells. Hier befindet sich ein Schließmuskel, der verhindern soll, dass Mageninhalt in die Speiseröhre aufsteigt. In der Fachsprache wird ein Zwerchfellbruch als Hiatushernie bezeichnet (Hernie = Bruch). Dabei verschiebt sich ein Teil des Magens nach oben, sodass er sich oberhalb des Zwerchfells befindet. Dort bildet dieser Teil des Magens direkt unterhalb des Übergangs zwischen Speiseröhre und Magen eine Ausbuchtung, wie auf der Abbildung zu sehen ist.

90–95 % aller Zwerchfellhernien sind Gleithernien (siehe Abbildung). Der obere Teil des Magens „gleitet“ dabei durch die Zwerchfellöffnung und weitet sich oberhalb des Zwerchfells in der Brusthöhle aus. Bei einer paraösophagealen Hernie (para = neben, Ösophagus = Speiseröhre) treten auch weiter unten gelegene Teile des Magens durch das Zwerchfell, der Übergang zur Speiseröhre bleibt jedoch in seiner ursprünglichen Lage. In seltenen Fällen ist diese Öffnung zwischen der Bauchhöhle und der Brusthöhle so groß, dass sich auch andere Bauchorgane nach oben in die Brusthöhle schieben. Dabei können sich neben dem Magen auch der Dickdarm, der Dünndarm, das Bauchfell und/oder die Milz verlagern.

Es wird angenommen, dass Zwerchfellhernien relativ häufig auftreten, doch genaue Zahlen gibt es nicht, da die Erkrankung bei den meisten Patienten keine Symptome hervorruft.

Ursache

Was Zwerchfellhernien verursacht, ist nicht genau bekannt. Während des normalen Schluckvorgangs verkürzt sich die Speiseröhre um mehrere Zentimeter, da sich die Längsmuskelschicht der Speiseröhre dabei zusammenzieht. In Kombination mit einem erhöhten Druck in der Bauchhöhle, der beim Husten, Niesen, Pressen oder bei schwerer körperlicher Arbeit entsteht, kann dies dazu führen, dass die Speiseröhre den oberen Teil des Magens mit sich nach oben durch die Zwerchfellöffnung zieht und eine Zwerchfellhernie verursacht.

Bei einer Gleithernie kann durch die Verschiebung des Übergangs zwischen Speiseröhre und Magen über das Zwerchfell der Schließmuskel geschwächt werden, der am unteren Ende der Speiseröhre sitzt. Dieser Muskel fungiert als Ventil und verhindert normalerweise, dass Mageninhalt in die Speiseröhre gelangt. Ist der Schließmuskel geschwächt, kann der saure Mageninhalt jedoch leichter in die Speiseröhre aufsteigen und Sodbrennen verursachen.

Zwerchfellhernien treten bei übergewichtigen Personen häufiger auf. Begünstigt wird eine Zwerchfellhernie zudem durch Umstände, unter denen der Druck in der Bauchhöhle erhöht ist, wie zum Beispiel in der Schwangerschaft, bei Verstopfungen oder bei Prostatabeschwerden. Gleiches gilt, wenn bereits zuvor einmal eine Operation aufgrund einer Zwerchfellhernie stattgefunden hat.

Bei einer paraösophagealen Hernie kann das betroffene Organ (z. B. der Dünndarm) eingeklemmt und von der Blutversorgung abgeschnitten werden, was zu starken Schmerzen, Erbrechen und schweren Komplikationen wie Geschwüren und Absterben von Gewebe im Darm führen kann.

Symptome

Eine Zwerchfellhernie verursacht meist keine Symptome. Falls Symptome auftreten, sind dies Beschwerden wie Sodbrennen, Schluckstörung und Schmerzen beim Schlucken, Heiserkeit, Asthma, AtemnotBrustschmerzen oder Kombinationen dieser Symptome.

Keine dieser Symptome lassen eindeutig auf eine Zwerchfellhernie schließen. Die Symptome sind unspezifisch, d. h. sie können auch durch eine andere Erkrankung verursacht sein.
Bei manchen Patienten verstärken sich die Symptome beim Vornüberbeugen, bei starker körperlicher Anstrengung (z. B. schwerem Heben) und in Situationen, in denen der Druck in der Bauchhöhle erhöht ist.

Eine komplizierte paraösophageale Hernie kann ein akutes Krankheitsbild mit starken Brustschmerzen, Erbrechen – eventuell auch Erbrechen von BlutAtemnot, Fieber und Verwirrtheit hervorrufen.

Diagnostik

Eine Zwerchfellhernie wird oft zufällig bei Untersuchungen wegen anderer Erkrankungen festgestellt, denn in den meisten Fällen verursacht sie keine Symptome. Falls sie Symptome wie Sodbrennen hervorruft, ist das Röntgen von Speiseröhre und Magen die entscheidende Untersuchung. Anhand der Röntgenaufnahme kann die Hernie diagnostiziert werden.

Bei einer Magenspiegelung kann die Schleimhaut der Speiseröhre beurteilt werden. Falls der Verdacht auf eine seltene paraösophageale Hernie besteht, kann eine CT- oder MRT-Untersuchung angezeigt sein.

Behandlung

Das Ziel der Behandlung ist die Linderung der Symptome. Falls keine Symptome bestehen, ist auch keine Behandlung nötig. Liegen jedoch Beschwerden wie Sodbrennen vor, die durch einen Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre hervorgerufen werden, spricht man von einer gastroösophagealen Refluxkrankheit, die durch Änderungen des Lebensstils und eventuell durch säurehemmende Medikamente behandelt werden kann (siehe dort).

Eine Beratung zur Änderung des Lebensstils ist die Behandlung der Wahl. Wichtige Empfehlungen hierbei sind eine Gewichtsreduktion, das Anheben des Kopfendes des Bettes und das Meiden großer Mahlzeiten, von Mahlzeiten direkt vor dem Schlafengehen sowie von Alkohol und säurehaltigen Speisen. Nahrungsmittel und Wirkstoffe, die sich negativ auf die Funktion des Speiseröhren-Schließmuskels auswirken, sollten bei Unverträglichkeit gemieden oder nur in Maßen konsumiert werden. Dazu zählen Nikotin, Schokolade, Pfefferminze, Koffein, fettreiche Speisen sowie Medikamente wie Kalziumkanalblocker, Nitrate und Betablocker.

Als Medikamente können säurebindende Mittel (Antazida) oder sogenannte Protonenpumpenhemmer, die die Produktion der Magensäure verringern, eingesetzt werden.

In manchen Fällen kann eine Operation erforderlich sein. Die Ziele der operativen Behandlung einer Zwerchfellhernie bestehen darin, die Bruchpforte zu verkleinern, den Bruchsack zu entfernen und den in der Bauchhöhle liegenden Teil der Speiseröhre zu verlängern. Eventuell wird ein Netz eingesetzt, das das Zwerchfell verstärkt, oder es wird eine Anti-Reflux-Operation vorgenommen. Die meisten Eingriffe werden in Form einer Schlüsselloch-Operation (Laparoskopie) durchgeführt.

Prognose

Bei den meisten Patienten mit einer unkomplizierten Gleithernie lässt sich durch eine Lebensstiländerung und Medikamente eine zufriedenstellende Symptomlinderung erreichen. Eventuell kann durch eine Anti-Reflux-Operation sowohl die Zwerchfellhernie als auch die gastroösophageale Refluxkrankheit geheilt werden.

Illustrationen

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Zwerchfellhernie
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Gesunder Speiseröhrenschließmuskel

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

 

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hiatushernie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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