Gestörte Darmdurchblutung (Darmischämie)

Darmischämie ist eine Durchblutungsstörung des Dick- oder Dünndarms infolge eines Blutgerinnsels. Die Erkrankung kann lebensbedrohlich sein und erfordert eine schnelle Behandlung.

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Was ist eine akute Darmischämie?

Eine akute Darmischämie ist eine sehr ernste lebensgefährliche Erkrankung, die schnell behandelt werden muss.

Bei der Darmischämie ist die Blutzufuhr (Ischämie) zum Darm (Mesenterium) gestört. Dies ist in der Regel darauf zurückzuführen, dass ein Blutgerinnsel ein Blutgefäß verschließt, das Teile des Darms mit Blut versorgt. Das gesamte Körpergewebe ist von einer konstanten Blutzufuhr abhängig. Bereiche, die nicht mehr durchblutet werden, sterben ab.

Eine Darmischämie wird häufig durch ein Blutgerinnsel in einem Blutgefäß in der Bauchhöhle verursacht. Manchmal reicht die Blutversorgung des Darms aufgrund anderer Krankheiten nicht aus, z. B. bei Kreislaufversagen, schweren Verletzungen, Schock etc.

Man unterscheidet eine akute Darmischämie von einer chronischen Ischämie. Hier tritt nicht ein plötzlicher Gefäßverschluss auf, sondern die Arterien, die den Darm versorgen, sind infolge unterschiedlicher Krankheiten verengt. Daher treten Beschwerden zunächst nur auf, wenn der Darm verstärkt durchblutet werden soll (z. B. nach dem Essen). An dieser Art der Ischämie leiden v. a. ältere Menschen.

Ursachen

Eine häufige Ursache für die Bildung von Blutgerinnseln ist die Arterienverkalkung (Arteriosklerose), die alle Arterien im Körper betreffen kann. Die Folgen sind Komplikationen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Thrombose in einem Bein oder auch das Versagen der Blutzufuhr im Darm.

Die Hauptursachen der Darmischämie sind:

  • Blutgerinnsel, die sich im Blutkreislauf befinden und eine Arterie verschließen (50 %).
  • Ein Blutgerinnsel, das sich an einer Stelle in einer Arterie bildet (15–25 %).
  • Ein Blutgerinnsel, das sich in einer Vene bildet, die das Blut aus dem Darm abführt (5 %).
  • Eine verminderte Blutversorgung, z. B. durch einen Schock oder eine akute Herzinsuffizienz: Hier wird die Durchblutung des Darms recht schnell gedrosselt, damit v. a. die lebenswichtigen Organe möglichst ausreichend Blut erhalten. 

Eine Darmischämie tritt vereinzelt auch bei jüngeren Patienten nach Kokainkonsum und großer physischer Anstrengung (z. B. Marathonlauf) auf.

Symptome

Bei der akuten Ischämie werden 3 Phasen unterschieden:

  • Erste Phase: In dieser Phase treten plötzlich starke Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall auf.
  • Die zweite Phase tritt frühestens nach einigen Stunden ein. Hierbei nehmen die Schmerzen oft etwas ab, aufgrund der Gasbildung können Blähungen auftreten, und beim Erbrechen oder Durchfall wird Blut ausgeschieden.
  • Die dritte Phase beginnt mit dem Absterben des Darms. Hierbei kann der Darm perforieren und der Darminhalt eine schwere Entzündung der Bauchhöhle verursachen. Die Betroffenen bekommen Fieber, der stark angespannte und schmerzhafte Bauch wird äußerst empfindlich. In dieser Phase kommt es außerdem häufig zur Blutvergiftung (nachdem Bakterien aus dem Darminhalt in das Blut gelangt sind). Dies ist lebensbedrohlich!

Die chronische Darmischämie äußert sich durch Schmerzen, die nach dem Essen auftreten, insbesondere nach großen Mahlzeiten. Oft kommen Verstopfung und/oder Durchfall hinzu. Wegen der Schmerzen essen viele Patienten weniger und nehmen an Gewicht ab. Im Verlauf können die Schmerzen dauerhaft werden, manchmal ist der Stuhl blutig (ein Warnzeichen!).

Diagnostik

Eine akute Darmischämie ist ein Notfall – die betroffene Person muss schnellstmöglich in ein Krankenhaus eingewiesen werden. Hier werden gründliche Untersuchungen der Bauchhöhle durchgeführt. Gewöhnliche Methoden sind Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen, in der Regel wird jedoch eine spezielle Computertomografie mit Kontrastmittel bevorzugt.

In einigen Fällen ist auch eine Spiegelung des unteren Darmbereichs erforderlich. Diese erfolgt gewöhnlich mit einem Koloskop, einem fingerdicken flexiblen Schlauch mit Optik (Lichtquelle und Kamera), der zur Untersuchung des gesamten Dickdarms genutzt werden kann.

Behandlung

Bei einer akuten Darmischämie ist ein operativer Eingriff die einzig mögliche Behandlung. Teile des Darms, die nicht ausreichend mit Blut versorgt wurden und abgestorben sind, müssen entfernt werden; anderenfalls würde sich der noch gesunde Darm infizieren.

Wird die Behandlung rechtzeitig eingeleitet, lässt sich die Blutversorgung möglicherweise wiederherstellen und verhindern, dass Darmgewebe abstirbt.

Auch bei der chronischen Darmischämie kann eine Operation erforderlich sein, um die verengten Gefäße wieder durchgängig zu machen; hier müssen die zugrunde liegenden Krankheiten zusätzlich behandelt werden.

Im Anschluss an die Operation dauert es einige Wochen bis Monate, bis die normale Funktion des Darms wiederhergestellt ist.

Vorbeugung

Ist die Krankheit überstanden, können einige Maßnahmen getroffen werden, um einer erneuten Erkrankung vorzubeugen. Meist sind Menschen mit starker Verkalkung der Gefäße von einer Darmischämie betroffen, daher sollte die Gefäßverkalkung reduziert werden. Die wichtigsten Vorsorgemaßnahmen sind:

Wurde die Darmischämie z. B. durch eine Herzkrankheit verursacht, muss diese behandelt werden.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Darmischämie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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