Darminvagination

Bei einer Darminvagination dringt ein Teil des Darms in das nächste Darmsegment ein. Diese Erkrankung tritt am häufigsten bei Kindern unter 2 Jahren auf.

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Was ist eine Darminvagination?

Darminvagination
Darminvagination


Bei einer Darminvagination (Darmeinstülpung) dringt ein Teil des Darms in den nächsten Darmabschnitt ein. Die normalen Bewegungen des Darms versuchen, den Inhalt nach unten zu befördern, sodass mehr und mehr des eingestülpten Darms in das nächste Darmsegment geschoben wird. Dadurch entsteht eine mechanische Behinderung, die schließlich zum Darmverschluss führt. Darüber hinaus wird die Blutzufuhr des eingeschobenen Darmabschnitts erschwert, kann beeinträchtigt oder vollständig blockiert werden. Am häufigsten wird der untere Teil des Dünndarms in den oberen Teil des Dickdarms geschoben.

Diese Erkrankung tritt bei Kindern auf, meist im Alter zwischen 3 Monaten und 2 Jahren. Pro Jahr erkranken 62 von 100.000 Säuglingen unter 1 Jahr. Jungen sind etwas häufiger betroffen als Mädchen.

Im typischen Krankheitsverlauf bekommt das Kind plötzlich starke Bauchschmerzen und Weinanfälle, später ist oft Blut und Schleim im Stuhl zu sehen. Die Schmerzen kommen in der Regel in Anfällen, die durch 5–15 Minuten lange schmerzfreie Perioden unterbrochen werden. Zusätzlich zu Blut und Schleim im Stuhl kommt häufig Erbrechen vor. Hohes Fieber kann ebenfalls auftreten.

Ursachen

Die Ursachen für eine Darmeinstülpung sind häufig unbekannt. Meistens tritt die Erkrankung auf, nachdem das Kind eine bakterielle oder Virusinfektion des Darms hatte, also nach einer Durchfallerkrankung. In einigen Fällen beruht die Erkrankung auf einer Verletzung oder einer (angeborenen) Veränderung der Darmwand. Ein geringfügig erhöhtes Risiko für Darminvaginationen besteht in den ersten Tagen nach einer Impfung gegen Rotaviren. Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts empfiehlt daher, die Rotavirus-Impfung im Alter von 6–12 Wochen zu beginnen, da später das Risiko für Darmeinstülpungen zunimmt.

Therapie

Eine Darminvagination ist eine ernsthafte Erkrankung, die sofort behandelt werden muss. Patienten, bei denen die Erkrankung vermutet wird, werden daher immer sofort ins Krankenhaus eingewiesen. Im Krankenhaus wird der Darm mit Ultraschall untersucht. Diese Untersuchung wird durchgeführt, um zu bestätigen, dass die Beschwerden auf einer Darminvagination beruhen.

Die Darmeinstülpung wird in der Regel durch einen Einlauf mit Kochsalzlösung in den Enddarm bei gleichzeitiger Ultraschallkontrolle behandelt. Dadurch wird in den meisten Fällen das eingestülpte Darmsegment wieder an seinen natürlichen Platz gedrückt. Wenn diese Behandlung nicht erfolgreich ist, muss das Kind operiert werden. Wenn der Zustand lange Zeit bestanden hat, können Teile des Darms beschädigt werden. In diesem Fall wird ein Teil des Darms chirurgisch entfernt.

Prognose

Ohne Behandlung ist die Darminvagination eine lebensbedrohliche Erkrankung. Mit früher und angemessener Behandlung sind die Aussichten gut, und normalerweise heilt der Darm komplikationslos und ohne dauerhafte Schäden. Bei ca. 10 % treten Rückfälle auf, meist innerhalb von 48 Stunden nach der ersten Behandlung.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Darminvagination. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie. Invagination. AWMF-Leitlinie Nr. 006-027 . Stand 2013 (in Überarbeitung). www.awmf.org
  2. Weiß S, Streng A, von Kries R, Liese J, Wirth S, Jenke AC : Inzidenz der Invagination bei Säuglingen in Deutschland. Eine Schätzung anhand der Capture-Recapture-Methode. 2011. www.rki.de
  3. Nylund CM, Denson LA, Noel JM. Bacterial enteritis as risk factor for childhood intussusception: a retrospective cohort study. J Pediatr 2010; 156: 761-5. PubMed
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  5. Weintraub ES, Baggs J, Duffy J, et al. Risk of intussusception after monovalent rotavirus vaccination. N Engl J Med 2014. doi:10.1056/NEJMoa1311738 DOI
  6. Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie. Non-Hodgkin-Lymphome im Kindes- und Jugendalter. AWMF-Leitlinie Nr. 025–013. S1, Stand 2017. www.awmf.org
  7. Koch J, Harder T, von Kries R, Wichmann O: The risk of intussusception after rotavirus vaccination—a systematic literature review and meta-analysis. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 255–62. www.aerzteblatt.de
  8. Robert Koch Institut Berlin. Mitteilung der Ständigen Impfkommission (STIKO) zur Rotavirus-Impfung. Stand 2015 www.rki.de