Okkultes (nicht sichtbares) Blut im Stuhl

Bei einer sehr geringen Blutung im Magen oder Darm kann sich das Blut mit dem Stuhl so vermischen, dass es mit dem bloßen Auge nicht mehr erkennbar ist. Lässt sich mit speziellen Testverfahren jedoch Blut im Stuhl nachweisen, so wird dies als nicht sichtbares (okkultes) Blut im Stuhl bezeichnet.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was ist okkultes Blut im Stuhl?

  • Sichtbares Blut im Stuhl stammt häufig aus dem Enddarm oder dem unteren Teil des Dickdarms oder dem Magen, selten aus dem Dünndarm.
  • Bei einer geringen Blutung oder einem nur unregelmäßigen Blutverlust im Magen oder Darm mischt sich das Blut mit dem Stuhl und ist mit dem bl0ßen Auge nicht mehr zu erkennen. So kann Blut nicht sichtbar (okkult, versteckt) sein. 
  • Wurde bei Ihnen ein niedriger Blutwert und ein Eisenmangel festgestellt und es lässt sich keine Ursache dafür finden, kann eine Stuhlprobe genommen werden, um diese auf okkultes Blut zu untersuchen und damit eine Magen-/Darmblutung nachzuweisen.
  • Darmkrebs blutet leicht:
    • Wurden bereits mehrere Stuhlproben genommen und kein Blut festgestellt, so besteht eine geringere Wahrscheinlichkeit für einen Darmtumor, sofern keine anderen Anzeichen für eine solche Erkrankung vorliegen.
    • Wird Blut festgestellt, erfolgt eine Untersuchung und Kontrolle des Magen-Darm-Trakts (Gastrointestinaltrakt), um Tumoren u. a. Ursachen für eine solche Blutung auszuschließen.

Häufigkeit

  • Sichtbares Blut im Stuhl kommt häufig vor und ist meist auf Hämorrhoiden oder Analfissuren (kleine Hautrisse am Anus) zurückzuführen.
  • Schleimhautentzündungen des Darms zählen ebenfalls zu den häufigen Ursachen für Blut im Stuhl. Sie kommen bei chronisch entzündlichen Darmkrankheiten wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn vor oder bei Darminfektionen durch Bakterien oder Viren.
  • Polypen oder auch Tumoren/Krebs im unteren Dickdarm- und Enddarmbereich können ebenfalls zu sichtbarem oder auch okkultem Blut im Stuhl führen.
  • Die meisten Menschen, die aufgrund von Blut im Stuhl einen Arzt aufsuchen, wissen, dass dies ein Hinweis auf Darmkrebs sein kann und wollen die Blutungsursache ermitteln lassen.

Was kann die Ursache sein?

Häufige Ursachen für sichtbares Blut

Häufige Ursachen für okkultes Blut

  • Dickdarmkrebs (Kolorektalkrebs)
    • Von dieser Diagnose sind 5–6 % der Bevölkerung einmal im Leben betroffen. Das Erkrankungsrisiko steigt mit zunehmendem Alter.
    • Der Zustand verläuft längere Zeit symptomfrei. Zu den häufigsten Symptomen zählen plötzliche Verstopfung oder Stuhlveränderungen ab einem Alter von 45 Jahren sowie Blut im Stuhl.
    • Auch langsam zunehmende Blutarmut und Erschöpfung können Hinweis auf eine lang andauernde, okkulte Blutung und damit Darmkrebs sein.
  • Magenkrebs (Magenkarzinom)
    • Tritt meist bei älteren Menschen auf, ist aber auch bei jungen Erwachsenen möglich.
    • Häufig mit einer vagen Symptomatik einhergehend: Frühes und starkes Sättigungsgefühl nach dem Essen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Unwohlsein, Gewichtsverlust
  • Colitis ulcerosa
    • Tritt häufig bei jüngeren Erwachsenen auf.
    • Es handelt sich um eine chronisch-entzündliche Dickdarmerkrankung, bei der sich Phasen mit und ohne Beschwerden abwechseln können.
    • Der Zustand kann phasenweise zu starken Darmentleerungen führen (5–15 mal pro Tag). Häufig befindet sich sichtbares Blut, Eiter und Schleim im Stuhl.
  • Morbus Crohn
    • Tritt häufig bei jüngeren Erwachsenen auf.
    • Auch bei dieser chronisch-entzündliche Dünn- und Dickdarmerkrankung können sich beschwerdefreie Phasen mit Zeiten starker Symptome abwechseln.
    • Die Erkrankung verläuft von Patient zu Patient unterschiedlich. Sie ist jedoch meist durch unblutigen Durchfall, kolikartige Schmerzen und lokale Entzündungen um den Enddarm gekennzeichnet. Blut im Stuhl kann jedoch vorkommen.
  • Magengeschwür (Ulcus pepticum)
    • Am häufigsten treten Magengeschwüre bei Menschen über 45 Jahren und bei Personen auf, die bereits zuvor an Magengeschwüren oder phasenweise an Oberbauchbeschwerden gelitten haben.
    • Zu den typischen Symptomen zählen Perioden mit Oberbauchbeschwerden, die bei Nahrungsaufnahme oder mithilfe von Antazida gelindert werden. Nächtliche Schmerzen. Sehr häufig bei Rauchern
    • Ein Magengeschwür kann leichte oder stärkere (lebensgefährliche) Blutungen auslösen.
    • Besonders gefährdet in Bezug auf eine Magenschleimhautentzündung oder ein Magengeschwür sind Personen, die regelmäßig Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Voltaren einnehmen.
  • Darminfektionen
    • Leichtere Blutungen im Darm sind möglich.
  • Dickdarmpolypen
    • Sie lösen in der Regel keine Symptome aus.
    • Polypen können jedoch mehr oder weniger stark bluten.
    • Große Polypen können zudem zu einer Verengung im Darm führen
  • Verwendung von Medikamenten zur Blutverdünnung
    • Die Einnahme von Kumarin/Warfarin zur Blutverdünnung oder Acetylsalicylsäure (ASS) kann die Blutungen im Magen-Darm-Trakt (Gastrointestinaltrakt) auslösen.

Seltene Ursachen

  • Analkarzinom
    • Ein sehr seltener Krebs, der am häufigsten bei älteren Menschen auftritt
    • Lokale Symptome und Anzeichen in Form von Wunden, Blutungen und einem (tastbaren) Tumor im Bereich des Anus
  • Ausstülpungen im Dickdarm (Divertikelkrankheit)
    • Tritt am häufigsten bei älteren Menschen auf
    • Normalerweise treten keine Symptome auf. Stuhlveränderungen und Blähungen sowie evtl. Blut im Stuhl sind möglich.
    • Entzünden sich die Divertikel, spricht man von Divertikulitis.
  • Minderdurchblutung des Darms (ischämische Kolitis)
    • Eine verhältnismäßig seltene Erkrankung, die bei älteren Menschen und häufig bei Patienten mit einer bekannten, ausgeprägten Arteriosklerose auftritt.
    • Die Erkrankung geht mit Episoden krampfartiger Schmerzen im Unterbauch sowie leichter und häufig blutiger Diarrhö einher.
  • Darmentzündung nach Antibiotikatherapie (pseudomembranöse Kolitis)
    • Komplikation infolge einer Antibiotikabehandlung (Antibiose)
    • Die Symptome variieren von leichten bis schweren Dickdarmentzündungen; typisch ist wässrige Diarrhö, die schleimig und manchmal blutig ist, zudem kommen Magenkrämpfe im Unterbauch vor
  • Entzündung des Meckel-Divertikels (Meckel-Divertikulitis)
    • Tritt meist bei Kindern unter zehn Jahren auf; es handelt sich um eine Ausstülpung des Dünndarms (Divertikel), die sich entzünden kann
    • Die Erkrankung kann zu intensiven Schmerzattacken führen. Zu den Symptomen beim Kind zählen Fieber, Übelkeit, Erbrechen und ein gespannter Bauch
  • Krampfadern in der Speiseröhre (Ösophagusvarizen)
    • Sie entstehen in der Regel infolge von Lebererkrankungen (Zirrhose) und treten am häufigsten bei Alkoholabhängigen auf
    • Es handelt sich um erweiterte Blutgefäße direkt unter der Schleimhaut in der Speiseröhre. Die Krampfadern können reißen und leichtere oder schwere (lebensgefährliche) Blutungen auslösen.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

  • Wenn Sie zunehmend über einige Wochen blasser werden und sich schnell erschöpft fühlen, möglicherweise auch Stuhlunregelmäßigkeiten beobachtet haben, könnte dies auf eine okkulte Blutung aus dem Darm hinweisen. Ein Arztbesuch ist zu empfehlen.
  • In Deutschland werden ab dem 50. Lebensjahr im Rahmen der Darmkrebsvorsorge bestimmte Untersuchungen empfohlen: Zunächst werden als Screening die Kosten  für einen Test auf okkultes Blut im Stuhl einmal jährlich, ab dem 54. Geburtstag zweimal jährlich übernommen. Hier haben die neuen genaueren sog. immunologischen FOBT-Tests seit 2017 den vorher üblichen Guajaktest abgelöst.
  • Ab dem 55. Lebensjahr kann man eine Koloskopie zur Vorsorge durchführen und nach 10 Jahren wiederholen lassen. 
  • Hat der Arzt einen Verdacht auf Darmkrebs, wird er unabhängig vom Screening einen Test auf okkultes Blut im Stuhl oder eine Koloskopie durchführen (lassen).

Wie geht der Arzt vor?

Krankengeschichte (Anamnese)

Der Arzt kann Ihnen folgende Fragen stellen:

  • Haben Sie Blut im Stuhl beobachtet?
  • Hat sich Ihr Stuhl in letzter Zeit verändert?
  • Haben Sie Diarrhö (Durchfall)?
  • Haben Sie unabsichtlich an Gewicht abgenommen?
  • Haben Sie einen ansonsten guten Allgemeinzustand?
  • Wurden Sie vor Kurzem mit Antibiotika behandelt?
  • Treten in Ihrer Familie gehäuft Magen-Darm-Erkrankungen auf?

Ärztliche Untersuchung

  • Der Arzt wird Sie allgemein körperlich und v.a. Ihren Bauch untersuchen.
  • Mit einem behandschuhten Finger wird er den Enddarm von innen abtasten.

Andere Untersuchungen

  • Der Hämoglobingehalt des Bluts wird überprüft, um das Ausmaß der Blutung zu beurteilen: Bei einer größeren oder sehr lange anhaltenden kleinen Darmblutung sinkt der Hämoglobingehalt im Blut.
  • Der Arzt wird den Enddarm und den unteren Bereich des Dickdarms oder den gesamten Dickdarm mithilfe der Rektoskopie und/oder Koloskopie untersuchen, wenn es Hinweise auf okkultes Blut im Stuhl gibt.
  • Eine Rektoskopie kann von vielen Allgemeinmedizinern eigenständig durchgeführt werden.
  • Ziel der Untersuchungen ist es, Ursache, Ort und Ausmaß der Blutung zu finden und zu bewerten, damit die zugrunde liegende Krankheit möglichst geheilt werden kann. 

Überweisung an einen Spezialisten oder ein Krankenhaus

  • Bei Koloskopiebedarf werden Sie an einen Facharzt oder ans Krankenhaus überwiesen.
  • Bei Verdacht auf eine schwerwiegende Erkrankung werden Sie ins Krankenhaus eingewiesen.

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Darmblutung, okkulte. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Mitchell SH, Schaefer DC, Dubagunta S. A new view of occult and obscure gastrointestinal bleeding. Am Fam Physician 2004; 69: 875-81. PubMed
  2. Bechtold ML, Ashraf I, Nguyen DL. A clinician's guide to fecal occult blood testing for colorectal cancer. South Med J 2016; 109(4): 248-255. pmid: 27043809 PubMed
  3. Bojarski C. Gastrointestinale Blutung. Harrisons Innere Medizin. 19. Auflage 2016. Thieme-Verlag, S.335ff.
  4. Rockey DC. Occult gastrointestinal bleeding. N Engl J Med 1999;341:38-46. New England Journal of Medicine
  5. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. Kolorektales Karzinom. AWMF-Leitlinie Nr. 021-007OL. Stand 2017 www.awmf.org
  6. Westwood M, Corro Ramos I, Lang S, et al. Faecal immunochemical tests to triage patients with lower abdominal symptoms for suspected colorectal cancer referrals in primary care: a systematic review and cost-effectiveness analysis. Health Technol Assess 2017; 21: 1-234. pmid:28643629 PubMed
  7. Kassenärztliche Bundesvereinigung. Praxisnachrichten, 30.06.2012: Leistungsanspruch auf Stuhltest iFOBT spätestens ab 1. April 2017. www.kbv.de
  8. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. Gastrointestinale Blutung. AWMF-Leitlinie Nr. 021-028. Stand 2017. www.awmf.org www.awmf.org