Abbildung

Blut im Stuhl

Mit steigendem Alter nimmt die Häufigkeit von Krankheiten zu, bei denen es im Magendarmtrakt blutet und daher Blut im Stuhl auftritt.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was ist Blut im Stuhl?

  • Wenn es im Magen oder Darm blutet, kann Blut mit dem Stuhlgang ausgeschieden werden und in der Toilette sichtbar sein (hellrot oder dunkelrot in unterschiedlichen Mengen).
  • Ist das Blut hellrot, liegt die Quelle eher im Darm. Bemerkt man sehr dunkles bis schwarzes Blut, so blutet es aus dem Magen. Die schwarze Farbe (Meläna) des Stuhls entsteht durch den Kontakt des Bluts im Magen mit Magensäure.
  • Bei einer sehr heftigen Blutung aus dem untersten Teil der Speiseröhre oder dem Magen jedoch strömen große Mengen hellroten Bluts in den Darm und sind im Stuhl zu sehen. In solchen Fällen zeigen die Betroffenen meist allgemeine Beschwerden wie Schwindel, Ohnmacht, sehr schnellen Puls. Hier ist sofort ein Notarzt zu rufen, die Blutung kann lebensgefährlich sein. 
  • Doch Blut im Stuhl kann auch vom Patienten unbemerkt auftreten, wenn es nur sehr kleine Mengen sind. Nicht sichtbares Blut (okkultes Blut) lässt sich bei einer routinemäßigen Stuhluntersuchung nachweisen, die in der Arztpraxis analysiert wird.
  • Manche Patienten bemerken bei okkulter Blutung eine über Monate langsam zunehmende Blutarmut (Blässe der Haut) und Erschöpfung.

Häufigkeit

  • 20 % der Bevölkerung bemerken innerhalb eines Jahres Blut im Stuhl.
  • Nur 1 von 25 betroffenen Personen sucht ärztlichen Rat:
    • Bei mehr als der Hälfte dieser Personen lässt sich nichts Auffälliges nachweisen. Bei 2–3 % liegt ein Karzinom im Dick- oder Enddarm vor. Polypen im Dickdarm werden bei 10 % nachgewiesen.
    Mit steigendem Alter nimmt die Häufigkeit von Krankheiten zu, bei denen Blut im Stuhl auftritt.

Weitere Diagnostik bei blutigem Stuhl

  • Bei Menschen über 40 Jahren, bei denen Blut im Stuhl nachgewiesen wird, ist es wichtig Darmkrebs als Ursache für die Blutung auszuschließen. Ab diesem Alter nämlich steigt das allgemeine Risiko für Darmkrebs an.

Was kann die Ursache sein?

  • Wie oben beschrieben, können Blutungen aus der Speiseröhre, dem Magen oder Dünndarm auch Quelle für Blut im Stuhl sein. Mögliche Ursachen sind ausgeprägte Magengeschwüre (Magenulkus), Geschwüre im Dünndarm, Ösophagusvarizen (s. unten) oder als allgemeine Ursache für Blutungen auch eine übermäßige Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten.
  • Häufiger sind die Blutungsquellen aber im Dickdarm/Enddarm zu finden:

Häufige Ursachen (Darm) für Blut im Stuhl

  • Hämorrhoiden
    • Hämorrhoiden sind erweiterte Venen im Bereich des Enddarms und Anus, aus denen es leicht bluten kann.
    • Hämorrhoiden können infolge von Verstopfung, Schwangerschaft, anhaltender Diarrhö und einer Vielzahl anderer Ursachen auftreten.
    • Dieser Zustand ist durch Episoden mit einer hellroten Blutung bei Darmentleerungen gekennzeichnet. Das Blut kann dabei in das Toilettenbecken tropfen oder spritzen. Häufig sind die Hämorrhoiden schon eine längere Zeit vorhanden. Der Patient verspürt in der Regel ein Druckgefühl im Enddarm und Schmerzen.
  • Risse in der Enddarmöffnung (Analfissur)
    • Dazu kommt es häufiger bei kleinen Kindern und bei Frauen nach der Geburt, aber auch anderen Personen. Häufig reißt die empfindliche Haut am Anus auch infolge einer chronischen Verstopfung.
    • Die kleinen Wunden schmerzen vor allem beim Stuhlgang, häufig bemerken die Patienten das Einreißen der Haut. Auf dem Stuhl oder am Toilettenpapier nach dem Abwischen ist frisches Blut erkennbar. Oft bemerken die Patienten auch Sekret/Wundwasser im Bereich des Anus.
  • Infektionskrankheiten des Darms, Reisedurchfall („Touristen-Diarrhö“)
    • Bei schweren Darminfektionen können Risse und Wunden in der Darmschleimhaut auftreten, die zu Blut im Stuhl führen.
  • Dickdarmpolypen
    • Diese Ausstülpungen der Darmwand nach innen können unterschiedlich groß sein und verursachen in der Regel keine Beschwerden, können aber bluten.
    • Große Polypen können zudem zu einer Verengung (Obstruktion) im Darm führen.
    • Da sich aus manchen Polypen mit der Zeit Krebs entwickeln kann, sollte diese regelmäßig kontrolliert (Darmspiegelung) bzw. rechtzeitig entfernt werden.
  • Colitis ulcerosa
    • Tritt häufig bei jüngeren Erwachsenen auf.
    • Colitis ulcerosa ist eine chronisch-entzündliche Dickdarmerkrankung, bei der die Betroffenen phasenweise starke Beschwerden haben können.
    • Symptome sind Bauchschmerzen, häufige Darmentleerungen und das Auftreten von Blut, Eiter und Schleim im Stuhl.
  • Morbus Crohn
    • Tritt häufig bei jüngeren Erwachsenen auf.
    • Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Dünn- und Dickdarmerkrankung, die sich ebenfalls phasenweise mit starken Beschwerden äußert.
    • Die Erkrankung verläuft von Patient zu Patient unterschiedlich. Sie ist jedoch meist durch unblutigen Durchfall, kolikartige Schmerzen und lokale Entzündungen im Bereich des Enddarms gekennzeichnet
  • Dickdarmkrebs (Kolonkarzinom) oder Enddarmkrebs (Rektumkarzinom)
    • Diese Diagnose erhalten 4–6 % der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens. Das Erkrankungsrisiko steigt mit zunehmendem Alter.
    • Der Zustand verläuft meist längere Zeit symptomfrei. Zu den häufigsten Symptomen zählen plötzliche Verstopfung oder Stuhlveränderungen ab einem Alter von 45 Jahren sowie Blut im Stuhl, langsam zunehmende Blutarmut und leichte Erschöpfbarkeit.
  • Ausstülpungen im Dickdarm (Divertikelkrankheit)
    • Tritt am häufigsten bei älteren Menschen auf
    • Normalerweise treten keine Symptome auf. Stuhlveränderungen und Blähungen sowie evtl. Blut im Stuhl sind aber möglich.
    • Entzünden sich die Divertikel, spricht man von Divertikulitis.

Seltene Ursachen

  • Analkanalkrebs (Analkarzinom)
    • Seltene Krebserkrankung
    • Die Erkrankung ist durch lokale Symptome gekennzeichnet. Zu den Anzeichen zählen Wunden, Blutungen sowie ein (tastbarer) Tumor im Bereich des Afters.
  • Minderdurchblutung des Darms (ischämische Kolitis)
    • Eine verhältnismäßig seltene Erkrankung, die bei älteren Menschen und häufig bei Patienten mit einer bekannten, ausgeprägten Arteriosklerose auftritt.
    • Die Erkrankung geht mit Episoden krampfartiger Schmerzen im Unterbauch sowie leichter und häufig blutiger Diarrhö einher.
  • Pseudomembranöse Kolitis
    • Diese Komplikation tritt bei einigen Personen auf, wenn diese wegen einer Darminfektion Antibiotika eingenommen haben, da diese die Darmflora verändern können.
    • Die Symptome variieren von leichten bis schweren Dickdarmentzündungen.
    • Typisch sind wässrige, schleimige und manchmal blutige Diarrhö (Durchfall), Bauchkrämpfe tief im Magen und Fieber.
  • Krampfadern in der Speiseröhre (Ösophagusvarizen)
    • Sie entstehen in der Regel infolge von Lebererkrankungen und treten am häufigsten bei Alkoholabhängigen auf.
    • Es handelt sich um erweiterte Blutgefäße direkt unter der Schleimhaut im unteren Bereich der Speiseröhre. Die Krampfadern können reißen und (starke, lebensgefährliche) Blutungen verursachen.
  • Antikoagulanzienbehandlung (Behandlung mit blutgerinnungshemmenden Mitteln) mit Warfarin oder Salicylsäure (Überdosierung).

Was können Sie selbst tun?

  • Bei Hämorrhoiden können eine ballaststoffreiche Ernährung mit ausreichend Flüssigkeit sowie regelmäßige Toilettengewohnheiten den Stuhlgang erleichtern und damit die Beschwerden lindern. Reichen diese Maßnahmen nicht, können die Hämorrhoiden von einem Arzt entfernt werden.
  • Risse im Bereich der Enddarmöffnung verheilen in der Regel von selbst. Auf einen weichen Stuhlgang ist zu achten. Bei der Darmentleerung darf kein großer Druck ausgeübt werden.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

  • Findet sich Blut im Stuhl bei Kindern, sind kleine Risse am Anus zu erkennen und die Blutungen und evtl. Schmerzen hören nach einigen Tagen von selbst auf, ist in der Regel kein Arztbesuch nötig.
  • Bei Erwachsenen ist eine ärztliche Untersuchung aber anzuraten, bei häufigeren Blutungen und in mittlerem/höheren Alter ist ein Arztbesuch sehr wichtig.
  • Nicht alle Blutungen im Enddarm werden durch Hämorrhoiden verursacht, selbst wenn bereits Hämorrhoiden zuvor diagnostiziert wurden! Wiederholte Blutungen erfordern eine ärztliche Untersuchung.
  • Haben Sie bereits die Diagnose Hämorrhoiden, Analfissur oder andere mögliche Ursachen für Blutungen erhalten, so brauchen Sie nicht bei jeder neuen Blutung zum Arzt zu gehen. Bemerken Sie jedoch (v.a. in einem Alter nach dem 40. Lebensjahr) zum ersten Mal Blut im Stuhl oder kommt es häufiger zu Blutungen als zuvor, ist eine ärztliche Untersuchung dringend anzuraten.
  • Bemerken Sie eine Blutung aus dem Darm und fühlen sich dabei schwach, schwindelig und bemerken einen sehr schnellen Puls, ist sofort ärztlicher Rat einzuholen (evtl. auch der Notarzt).
  • Bei akuten, starken Blutungen ist sofortige Hilfe angezeigt!

Wie geht der Arzt vor?

Anamnese

Der Arzt kann Ihnen folgende Fragen stellen:

  • Seit wann haben Sie Blut im Stuhl bemerkt? Wie sieht es aus?
  • Hatten Sie bereits früher ähnliche Schmerzen?
  • Spritzt Blut in das Toilettenbecken?
  • Haben Sie Blutungen und Schmerzen im Bereich des Anus?
  • Hat sich Ihr Stuhl in letzter Zeit verändert?
  • Haben Sie Diarrhö (Durchfall) oder Obstipation (Verstopfung)?
  • Haben Sie unabsichtlich an Gewicht abgenommen?
  • Haben Sie einen ansonsten guten Allgemeinzustand?
  • Liegen andere Beschwerden vor?
  • Wurden Sie vor Kurzem mit Antibiotika behandelt?
  • Nehmen Sie gerinnungshemmende Medikamente ein (z. B. Acetylsalicylsäure)?
  • Treten in Ihrer Familie gehäuft Magen-Darm-Erkrankungen auf?

Ärztliche Untersuchung

  • Der Arzt wird neben einer Untersuchung Ihres Allgemeinzustands speziell Ihren Bauch (Abdomen) untersuchen.
  • Zudem wird er mit einem behandschuhten Finger den Enddarm von innen abtasten.

Andere Untersuchungen

  • Der Hämoglobingehalt des Bluts wird überprüft, um das Ausmaß der Blutungen einschätzen zu können: Bei einer größeren oder lang anhaltenden Darmblutung sinkt der Hämoglobingehalt im Blut.
  • Andere Blutuntersuchungen kommen ggf. auch zum Einsatz (z. B. Leberwerte, Gerinnungswerte, Entzündungszeichen).
  • Lässt sich kein Blut im Stuhl erkennen, aber besteht der Verdacht auf eine kleine, aber anhaltende Blutung im Magen oder Darm, so lässt sich ggf. im Stuhl mithilfe eines besonderen Tests auf okkultes (verstecktes) Blut nachweisen. 
  • Enddarm und der untere Bereich des Dickdarms oder der gesamte Dickdarm werden mithilfe der Rektoskopie und/oder Koloskopie inspiziert.
  • Eine Rektoskopie (Enddarmspiegelung) kann von vielen Allgemeinmedizinern eigenständig durchgeführt werden.
  • Ziel dieser Untersuchungen ist es, Ursache, Ort und Ausmaß der Blutung zu identifizieren und dann eine entsprechende Therapie einleiten und die Blutung stoppen zu können.

Überweisung an einen Spezialisten oder ein Krankenhaus

  • Ist eine Koloskopie notwendig, werden Sie an einen Spezialisten oder ans Krankenhaus überwiesen.
  • Bei Verdacht auf eine schwerwiegende Erkrankung oder starke Blutung werden Sie ins Krankenhaus eingewiesen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Blut im Stuhl. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Bojarski C. Gastrointestinale Blutung. Harrisons Innere Medizin. 19. Auflage 2016. Thieme-Verlag, S.335ff.
  2. Jones R, et al. Alarm symptoms and identification of non-cancer diagnoses in primary care: cohort study. BMJ 2009; 339: b3094. BMJ (DOI)
  3. Nikpour S, Ali Asgari A. Colonoscopic evaluation of minimal rectal bleeding in average-risk patients for colorectal cancer. World J Gastroenterol 2008; 14: 6536-40. PubMed
  4. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. Gastrointestinale Blutung. AWMF-Leitlinie Nr. 021-028. Stand 2017. www.awmf.org
  5. Poritz LS. Anal Fissure. emedicine.medscape, 2014 emedicine.medscape.com
  6. Deutsche Gesellschaft für Gastroentrologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. Kolorektales Karzinom. AWMF-Leitlinie Nr. 021-0070L, Stand 2017. www.awmf.org
  7. Robert Koch-Institut: Verbreitung von Krebserkrankungen in Deutschland, Entwicklung der Prävalenzen zwischen 1990 und 2010, Stand 2010 edoc.rki.de
  8. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Diagnostik und Therapie des M.Crohn. AWMF-Leitlinie Nr. 021-004, Stand 2014. www.awmf.org
  9. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Colitis ulcerosa: Diagnostik und Therapie. AWMF-Leitlinie Nr. 021-009, Stand 2011. www.awmf.org
  10. Leifeld L, Germer C, Kruis W. Divertikelkrankheit und Divertikulitis: Althergebrachte Vorstellungen werden auf den Kopf gestellt. Dtsch Arztebl 2015; 112: 21-22 www.aerzteblatt.de
  11. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten und Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie . Divertikelkrankheit/Divertikulitis. AWMF-Leitlinie Nr. 021-020, Stand 2013. www.awmf.org
  12. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. Akuter Durchfall. AWMF-Leitlinie Nr. 053-030, Stand 2013. www.awmf.org
  13. Robert Koch Institut. Infektionskrankheiten. Clostridium difficile, RKI-Ratgeber für Ärzte. Berlin 2009 (Zugriff 12.06.2017). www.rki.de
  14. Ell C, Remke S, May A, Helou L, Henrich R, Mayer G. The first prospective controlled trial comparing wireless capsule endoscopy with push enteroscopy in chronic gastrointestinal bleeding. Endoscopy 2002; 34: 685-9. PubMed
  15. Manning-Dimmitt LL, Dimmitt SG. Diagnosis of gastrointestinal bleeding in adults. Am Fam Physician 2005; 71: 1339-46. PubMed
  16. American Society for Gastrointestinal Endoscopy (ASGE) Guideline: The role of endoscopy in the patient with lower-GI bleeding Gastrointestinal endoscopy 2Volume 79, No. 6 : 2014 www.asge.org