Blut im Stuhl

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Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

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Was ist Blut im Stuhl?

Bei Blutungen im Magen- oder Darmtrakt kann Blut mit dem Stuhlgang ausgeschieden werden und in der Toilette sichtbar sein (hellrot oder dunkelrot in unterschiedlichen Mengen).

Ist das Blut hellrot, liegt die Quelle eher im Darm. Bemerkt man sehr dunkles bis schwarzes Blut, so blutet es aus dem Magen. Die schwarze Farbe (Meläna) des Stuhls entsteht durch den Kontakt des Bluts im Magen mit Magensäure.

Bei einer sehr heftigen Blutung aus dem untersten Teil der Speiseröhre oder dem Magen jedoch strömen große Mengen hellroten Bluts in den Darm und sind im Stuhl zu sehen. In solchen Fällen zeigen die Betroffenen meist allgemeine Beschwerden wie Schwindel, Ohnmacht, sehr schnellen Puls. Hier ist sofort ein Notarzt zu rufen, die Blutung kann lebensgefährlich sein.

Doch Blut im Stuhl kann auch vom Patienten unbemerkt auftreten, wenn es nur sehr kleine Mengen sind. Nicht sichtbares Blut im Stuhl (okkultes Blut) kann durch eine Stuhluntersuchung nachgewiesen werden.

Häufigkeit

20 % der Bevölkerung bemerken innerhalb eines Jahres Blut im Stuhl, aber nur 1 von 25 betroffenen Personen sucht ärztlichen Rat.

Bei mehr als der Hälfte dieser Personen lässt sich nichts Auffälliges nachweisen. Bei 2–3 % liegt ein Karzinom im Dick- oder Enddarm vor. Polypen im Dickdarm werden bei 10 % nachgewiesen.

Mit steigendem Alter nimmt die Häufigkeit von Krankheiten zu, bei denen Blut im Stuhl auftreten kann. Bei Menschen über 40 Jahren, bei denen Blut im Stuhl nachgewiesen wird, ist es wichtig, Darmkrebs als Ursache für die Blutung auszuschließen. Denn ab diesem Alter steigt das allgemeine Risiko für diese Erkrankung an.

Was kann die Ursache sein?

Häufige Ursachen für Blut im Stuhl

  • Hämorrhoiden
    • Hämorrhoiden sind erweiterte Venen im Bereich des Enddarms und Anus, aus denen es leicht bluten kann.
    • Sie können infolge von Verstopfung, Schwangerschaft, anhaltender Diarrhö und einer Vielzahl anderer Ursachen auftreten.
    • Hämorrhoiden sind durch Episoden mit einer hellroten Blutung bei Darmentleerungen gekennzeichnet. Das Blut kann dabei in das Toilettenbecken tropfen oder spritzen. Häufig sind die Hämorrhoiden schon eine längere Zeit vorhanden. Die Patienten verspüren in der Regel ein Druckgefühl im Enddarm und Schmerzen.
  • Risse in der Enddarmöffnung (Analfissur)
    • Dazu kommt es häufiger bei kleinen Kindern und bei Frauen nach der Geburt. Häufig reißt die empfindliche Haut am Anus auch infolge einer chronischen Verstopfung.
    • Die kleinen Wunden schmerzen vor allem beim Stuhlgang, häufig bemerken die Patienten das Einreißen der Haut. Auf dem Stuhl oder am Toilettenpapier nach dem Abwischen ist frisches Blut erkennbar. Oft bemerken die Patienten auch Sekret/Wundwasser im Bereich des Anus.
  • Infektionskrankheiten des Darms, Reisedurchfall („Touristen-Diarrhö“)
    • Bei schweren Darminfektionen können Risse und Wunden in der Darmschleimhaut auftreten, die zu Blut im Stuhl führen.
  • Dickdarmpolypen
    • Diese Ausstülpungen der Darmwand nach innen können unterschiedlich groß sein und verursachen in der Regel keine Beschwerden, können aber bluten.
    • Große Polypen können zudem zu einer Verengung (Obstruktion) im Darm führen.
    • Da sich aus manchen Polypen mit der Zeit Krebs entwickeln kann, sollte diese regelmäßig kontrolliert (Darmspiegelung) bzw. rechtzeitig entfernt werden.
  • Colitis ulcerosa
    • Tritt häufig bei jüngeren Erwachsenen auf.
    • Colitis ulcerosa ist eine chronisch-entzündliche Dickdarmerkrankung, bei der die Betroffenen phasenweise starke Beschwerden haben können.
    • Symptome sind Bauchschmerzen, häufige Darmentleerungen und das Auftreten von Blut, Eiter und Schleim im Stuhl.
  • Morbus Crohn
    • Tritt häufig bei jüngeren Erwachsenen auf.
    • Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Dünn- und Dickdarmerkrankung, die sich ebenfalls phasenweise mit starken Beschwerden äußert.
    • Die Erkrankung verläuft von Patient zu Patient unterschiedlich. Sie ist jedoch meist durch unblutigen Durchfall, kolikartige Schmerzen und lokale Entzündungen im Bereich des Enddarms gekennzeichnet
  • Dickdarmkrebs (Kolonkarzinom) oder Enddarmkrebs (Rektumkarzinom)
    • Diese Diagnose erhalten 4–6 % der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens. Das Erkrankungsrisiko steigt mit zunehmendem Alter.
    • Die Erkrankung verläuft meist längere Zeit symptomfrei. Zu den häufigsten Symptomen zählen plötzliche Verstopfung oder Stuhlveränderungen ab einem Alter von 45 Jahren sowie Blut im Stuhl, langsam zunehmende Blutarmut und leichte Erschöpfbarkeit.
  • Ausstülpungen im Dickdarm (Divertikelkrankheit)
    • Tritt am häufigsten bei älteren Menschen auf.
    • Normalerweise treten keine Symptome auf. Stuhlveränderungen und Blähungen sowie evtl. Blut im Stuhl sind aber möglich.
    • Entzünden sich die Divertikel, spricht man von Divertikulitis.

Seltene Ursachen

  • Analkanalkrebs (Analkarzinom)
    • seltene Krebserkrankung
    • Die Erkrankung ist durch lokale Symptome gekennzeichnet. Zu den Anzeichen zählen Wunden, Blutungen sowie ein (tastbarer) Tumor im Bereich des Afters.
  • Gestörte Darmdurchblutung (Darmischämie)
    • Eine verhältnismäßig seltene Erkrankung, die bei älteren Menschen und häufig bei Patienten mit einer bekannten, ausgeprägten Arteriosklerose auftritt.
    • Die Erkrankung geht mit Episoden krampfartiger Schmerzen im Unterbauch sowie leichtem und häufig blutigem Durchfall einher.
  • Pseudomembranöse Kolitis
    • Diese Komplikation tritt bei Personen auf, die wegen einer Darminfektion Antibiotika eingenommen haben, da diese die Darmflora verändern können.
    • Die Symptome variieren von leichten bis schweren Dickdarmentzündungen.
    • Typisch sind wässrige, schleimige und manchmal blutige Diarrhö (Durchfall), Bauchkrämpfe und Fieber.
  • Krampfadern in der Speiseröhre (Ösophagusvarizen)
    • Sie entstehen in der Regel infolge von Lebererkrankungen und treten am häufigsten bei Alkoholabhängigen auf.
    • Es handelt sich um erweiterte Blutgefäße direkt unter der Schleimhaut im unteren Bereich der Speiseröhre. Die Krampfadern können reißen und (starke, lebensgefährliche) Blutungen verursachen.
  • Behandlung mit blutgerinnungshemmenden Mitteln: Warfarin oder Salicylsäure (Überdosierung)

Wann sollten Sie ärztlichen Rat suchen?

Findet sich bei Kindern Blut im Stuhl, sind kleine Risse am Anus zu erkennen und die Blutungen und evtl. Schmerzen hören nach einigen Tagen von selbst auf, ist in der Regel kein Arztbesuch nötig. Aber bei Erwachsenen und vor allem bei Menschen mittleren oder höheren Alters, die unter häufigeren Blutungen leiden, ist eine ärztliche Untersuchung auf jeden Fall anzuraten.

Nicht alle Blutungen im Enddarm werden durch Hämorrhoiden verursacht, selbst wenn bereits Hämorrhoiden zuvor diagnostiziert wurden! Wiederholte Blutungen erfordern eine ärztliche Untersuchung. Haben Sie bereits die Diagnose Hämorrhoiden, Analfissur oder andere mögliche Ursachen für Blutungen erhalten, so brauchen Sie nicht bei jeder neuen Blutung zum Arzt zu gehen. Bemerken Sie jedoch (v. a. in einem Alter nach dem 40. Lebensjahr) zum ersten Mal Blut im Stuhl, oder kommt es häufiger zu Blutungen als zuvor, ist eine ärztliche Untersuchung dringend anzuraten.

Bemerken Sie eine Blutung aus dem Darm und fühlen sich dabei schwach, schwindelig und bemerken einen sehr schnellen Puls, ist sofort ärztlicher Rat einzuholen (evtl. auch der Notarzt). Bei akuten, starken Blutungen ist sofortige Hilfe angezeigt!

Was wird untersucht?

Anamnese

Die Ärztin/der Arzt kann Ihnen folgende Fragen stellen:

  • Seit wann haben Sie Blut im Stuhl bemerkt? Wie sieht es aus?
  • Hatten Sie bereits früher ähnliche Schmerzen?
  • Spritzt Blut in das Toilettenbecken?
  • Haben Sie Blutungen und Schmerzen im Bereich des Anus?
  • Hat sich Ihr Stuhl in letzter Zeit verändert?
  • Haben Sie Diarrhö (Durchfall) oder Obstipation (Verstopfung)?
  • Haben Sie unabsichtlich an Gewicht abgenommen?
  • Haben Sie einen ansonsten guten Allgemeinzustand?
  • Liegen andere Beschwerden vor?
  • Wurden Sie vor Kurzem mit Antibiotika behandelt?
  • Nehmen Sie gerinnungshemmende Medikamente ein (z. B. Acetylsalicylsäure)?
  • Treten in Ihrer Familie gehäuft Magen-Darm-Erkrankungen auf?

Ärztliche Untersuchung

Die Ärztin oder der Arzt wird Sie allgemein körperlich untersuchen und v. a. Ihre Bauchorgane abtasten. Bei Frauen erfolgt auch eine gynäkologische Untersuchung.

Zudem wird die Ärztin oder der Arzt im Bereich des Anus vorsichtig untersuchen, ob HämorrhoidenFissuren oder andere Verletzungen vorliegen.

Der Hämoglobingehalt des Bluts wird überprüft, um das Ausmaß der Blutung zu beurteilen: Bei einer größeren oder sehr lange anhaltenden kleinen Darmblutung sinkt der Hämoglobingehalt im Blut.

Lässt sich kein Blut im Stuhl erkennen, aber besteht der Verdacht auf eine kleine, aber anhaltende Blutung im Magen oder Darm, so lässt sich ggf. im Stuhl mithilfe eines besonderen Tests okkultes (verstecktes) Blut nachweisen.

Enddarm und der unterer Bereich des Dickdarms oder der gesamte Dickdarm lässt sich mithilfe der Rektoskopie und/oder Koloskopie untersuchen, wenn es Hinweise auf okkultes Blut im Stuhl gibt. Mit der Gastroskopie lässt sich im Magen nach Blutungsquellen fahnden.

Ziel der Untersuchungen ist es, Ursachen, Ort und Ausmaß der Blutung zu finden und zu bewerten, damit die zugrunde liegende Krankheit möglichst geheilt werden kann.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Blut im Stuhl. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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