Juckreiz im Analbereich

Chronischer oder vorübergehender Juckreiz um die Analöffnung herum (analer Juckreiz) tritt häufig auf.

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Was ist Juckreiz um die Analöffnung?

  • Chronischer oder vorübergehender Juckreiz um die Analöffnung (analer Juckreiz, Afterjucken) tritt häufig auf.

Beurteilung von analem Juckreiz

  • Bei 20 % der Betroffenen findet sich keine Krankheit, die als Ursache infrage kommt.
  • Zustände, die zu lokaler Feuchtigkeit führen, können eine Rolle spielen. Dabei kann es sich um eine lokale Erkrankung oder eine gynäkologische Krankheit handeln.
  • Hygienische Bedingungen:
    • Zu häufiges Waschen führt zur Entfettung der Haut und damit zu trockener Haut, die schmerzanfälliger ist
    • Eine unzureichende Hygiene kann ebenfalls die Gefahr für analen Juckreiz erhöhen
  • Die Beschwerden kehren häufig zurück.
  • Durch Kratzen bei Juckreiz wird das Jucken in der Regel noch verstärkt (Kreislauf).

Was kann die Ursache sein?

Häufige Ursachen:

  • Hämorrhoiden:
    • Hämorrhoiden können infolge von Verstopfung, Schwangerschaft, anhaltender Diarrhö und einer Vielzahl anderer Ursachen auftreten.
    • Hämorrhoiden sind erweiterte Venen im Enddarm, die zu Schmerzen/Jucken und Blutungen führen können.
    • Dieser Zustand ist durch Blutungsepisoden (hellrotes Blut) bei Stuhlgang charakterisiert. Häufig sind kleine Schwellungen odr Knoten im Bereich der Analkanalmündung zu tasten.
  • Schleimhautvorfall (Analprolaps):
    • Durch Druck auf den Enddarm kann sich die Schleimhaut nach unten und aus dem Anus hinaus vorwölben (vorfallen).
    • Ein solcher Vorfall ist bis zu 2 cm groß und kann sich über die gesamte Analöffnung oder Teile davon erstrecken.
  • Vorfall aller Darmwandschichten (Analprolaps):
    • Bei erhöhtem Druck kann nicht nur die Schleimhaut, sondern ein Stück der gesamt Darmwand des Enddarms durch die Analöffnung hervortreten.
    • Ein solcher Vorfall kann eine Länge von etwa 10–20 cm aufweisen.
  • Risse um den Enddarm (Analfissur):
    • Tritt sowohl bei Kleinkindern als auch bei Frauen nach der Schwangerschaft oder auch infolge von starker, andauernder Verstopfung auf. Der Zustand kehrt häufig wieder.
    • Es handelt sich um einen schmerzhaften Riss in der Schleimhaut, aus dem es auch bluten kann (Blutspuren auf dem Toilettenpapier).
  • Kleine Hautöffnung seitlich des Anus (Analfistel):
    • Ursache dafür ist meist unbekannt.
    • Eine Fistel entsteht, wenn sich ein schmaler Gang vom inneren Analkanal zur Haut um den Anus ausbildet.
    • In bestimmten Abständen kann wässriger Stuhl austreten. Der Bereich um die Analöffnung kann feucht werden und es kann sich leicht ein Ekzem entwickeln.
  • Ekzem um die Analkanalöffnung:
    • Perianalekzeme entstehen infolge erhöhter Feuchtigkeit oder als Teil einer übergreifenden Ekzemerkrankung.
    • Fisteln, Fissuren, Hämorrhoiden, partieller Prolaps oder Ausfluss können die Ursache sein. 
  • Abszesse um den Anus (Perianalabszess):
    • Dazu kann es ohne besonderen Grund kommen. Dieser Zustand kann ebenfalls Teil des Krankheitsbilds von Morbus Crohn sein
    • Wiederholt auftretende Infektionen in Form von Geschwüren um den Anus
    • Schmerzhaft, beim Sitzen oder bei Bewegung verschlechtert sich der Zustand; Schwellungen, Rötung und oftmals auch Fieber sind häufige Symptome.
  • Lokale Hauterkrankung:
  • Diarrhö aufgrund verschiedener Ursachen:
    • Kann zu einer lokalen Austrocknung und mechanischen Reizung durch Toilettenpapier führen
  • Madenwurm:
    • Am häufigsten bei Kleinkindern vorkommend, auch als Springwurm und Oxyuris vermicularis (Enterobius vermicularis) bezeichnet
    • Intensiver analer Juckreiz in der Nacht. Der Wurm kann auch im Stuhl oder um den Anus beobachtet werden
  • Pilze:
    • Bei anhaltender Feuchtigkeit aufgrund einer Fistel oder von Harninkontinenz
    • Infolge anderer Erkrankungen oder Antibiotikatherapie
  • Gynäkologische Ursache:

Seltene Ursachen

  • Analkrebs (Analkarzinom):
    • Es handelt sich um eine seltene Erkrankung.
    • Lokale Symptome und Anzeichen in Form von Läsionen, Blutungen und Wucherungen in und um die Analkanalmündung

Was können Sie selbst tun?

  • Kratzen Sie nicht.
  • Meiden Sie die auslösende Ursache.
  • Hygiene:
    • Halten Sie eine vernünftige Hygiene mit regelmäßigen, aber nicht zu häufigem Waschen ein.
    • Verwenden Sie eine milde, parfümfreie Seife.
    • Waschen Sie sich höchstens einmal pro Tag oder alle zwei Tage.
  • Beim Toilettengang:
    • Kratzen oder reiben Sie nicht mit trockenem Toilettenpapier und verwenden Sie weiches Toilettenpapier.
    • Cremen Sie sich nach jedem Stuhlgang mit einer wasserabweisenden Salbe ein.
  • Vermeiden Sie langes Sitzen, v.a. auf Kunststoffstühlen.
  • Unangenehme Schweißausbrüche:
    • Maßnahmen, die lokale Schweißausbrüche mildern:
      • Tragen Sie Baumwollunterwäsche.
      • Tragen Sie keine engen Bekleidungsstücke.
      • Vermeiden Sie schweißtreibende Aktivitäten.
  • Bei reichlich vorhandener lokaler Feuchtigkeit:
    • Verwenden Sie absorbierende Baumwollkompressen in der Gesäßfalte, um die lokale Feuchtigkeit zu reduzieren
  • Menstruation:
    • Bei der Menstruation sollten Tampons statt Binden verwendet werden

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

  • Ist die Selbstbehandlung nicht erfolgreich, suchen Sie ärztliche Hilfe

Wie geht der Arzt vor?

Krankengeschichte (Anamnese)

Der Arzt kann Ihnen folgende Fragen stellen:

  • Haben Sie Krankheiten, die Juckreiz im Enddarm auslösen können?
    • Hämorrhoiden
    • Durchfall
    • Morbus Crohn
    • Colitis ulcerosa
    • Chronische Hauterkrankung
    • Haben Sie vor Kurzem Antibiotika eingenommen?
  • Wie oft waschen Sie sich dort?

Ärztliche Untersuchung

  • Wird im Großen und Ganzen auf eine Untersuchung der Analöffnung sowie Rekto- und Proktoskopie begrenzt.

Andere Untersuchungen

  • Sind selten notwendig.

Überweisung an einen Spezialisten oder ein Krankenhaus

  • Normalerweise nicht notwendig.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Pruritus ani. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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  2. Lacy BE, Weiser K. Common anorectal disorders: diagnosis and treatment. Curr Gastroenterol Rep 2009; 11: 413-9. PubMed
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  4. Kränke B, Trummer M, Brabek E, Komericki P, Turek TD, Aberer W. Etiologic and causative factors in perianal dermatitis: results of a prospective study in 126 patients. Wien Klin Wochenschr 2006; 118: 90-4. PubMed
  5. Ozta MO, et al. Idiopathic perianal pruritus: washing compared with topical corticosteroids. Postgrad Med J 2004; 80: 295-7. PubMed