Mundgeruch

Als Mundgeruch wird eine unangenehmer Geruch der ausgeatmeten Luft bezeichnet; dem können ganz verschiedene – harmlose und schwerwiegendere – Ursachen zugrunde liegen.

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Was ist Mundgeruch?

  • Unangenehmer Geschmack im Mund und unangenehmer Geruch der ausgeatmeten Luft (fachsprachlich Halitosis)
  • Mundgeruch tritt vor allem morgens auf.
    • Die verringerte Speichelproduktion und das verminderte Schluckverhalten in der Nacht können zu einer Ansammlung geruchsbildender Bakterien und Abbauprodukte in der Mundhöhle führen.
    • Atmung durch den Mund (statt durch die Nase) erhöht die Gefahr für Mundgeruch.
    • Der Geruch verschwindet häufig bereits nach dem Frühstück und Zähneputzen.

Häufigkeit

  • Bei Mundgeruch handelt es sich um ein weit verbreitetes Phänomen.
  • Die meisten Menschen leiden immer mal wieder unter Mundgeruch.
  • Manche Menschen sind der Überzeugung, sie hätten Mundgeruch, obwohl dies andere Personen nicht wahrnehmen (Pseudohalitosis).

Beurteilung von Mundgeruch

  • Mundgeruch hängt in den meisten Fällen (bis zu 85 %) von den Bedingungen in der Mundhöhle ab und ist seltener auf Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts oder der Atemwege (Nase, Lunge) zurückzuführen.
  • Neben harmlosen Ursachen (trockener Mund, schlechte Mundhygiene) können auch ernste Krankheiten zugrunde liegen.

Was kann die Ursache sein?

Zu häufigen behandlungsbedürftigen Ursachen zählen

  • Karies und Parodontitis (Zahnfleischentzündung)
    • verursacht durch eine unzureichende Mundhygiene, Entzündung von Zahnfleisch und Zahnhalteapparat
    • Bei Karies bilden sich übel riechende Schwefelverbindungen durch Bakterien in den Zahnfleischtaschen oder Zungenbelägen.
    • Zu den Symptomen zählen Mundgeruch und beim Zähneputzen leicht blutendes Zahnfleisch. Das Zahnfleisch ist geschwollen, glänzend, dunkelrot und blutet leicht.
  • Chronische Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)
    • Langjährige Nasennebenhöhlenbeschwerden können Mundgeruch verursachen.
    • Zu den Symptomen zählen ein typisch grüner, zäher Schleim, Druck und Empfindlichkeit in den Nasennebenhöhlen, häufig eine verstopfte Nase.

Häufige, ggf. behandlungsbedürftige Ursachen sind

  • Mundgeruch ohne besondere Ursache
    • Alle Menschen haben hin und wieder Mundgeruch, insbesondere morgens.
    • Die Lungen sondern flüchtige Substanzen aus Nahrungsmitteln oder Getränken ab, die Sie zu sich genommen haben.
      • Knoblauch
      • Alkohol
      • Einige Personen reagieren mit Mundgeruch auf fetthaltiges Essen.
      • Milchprodukte können zu einem sauren Atem führen.
    • Raucher sind anfälliger.
    • Vegetarier sind hingegen weniger betroffen.
    • Träger von Zahnprothesen neigen eher zu Mundgeruch.
  • Akute Mandelentzündung (Tonsillen)
    • Eine Infektion in der Mundhöhle kann zu Mundgeruch führen.
    • Einige Patienten weisen aber auch ohne Entzündung tiefe Einsenkungen (Krypten) in den Mandeln (Tonsillen) auf.
    • In diesen Krypten kann sich ein weißer Belag bilden. Weiße Teilchen mit einem unangenehmen Geschmack und Geruch können sich lösen. 
  • Hunger und Diäten
    • Fastenzeiten oder Hungern kann ebenfalls zu Mundgeruch führen, da sich der Stoffwechsel der hungernden Person verändert (verstärkte Bildung von sog. Ketonkörpern führt zu Acetongeruch).

Seltene Ursachen

  • Speiseröhrendivertikel (Ösophagusdivertikel)
    • Ein seltener Zustand, bei dem sich im oberen Bereich der Speiseröhre (Ösophagus) eine sackförmige Auswölbung bildet.
    • In dieser Ausbuchtung können sich Speisereste sammeln, die sich zersetzen und den schlechten Geruch verursachen.
  • Bronchienausweitungen (Bronchiektasen)
    • angeborene oder durch rezidivierende Entzündungen und Infektionen der Lungen erworbene Erweiterungen der Bronchien
    • Sie können zu episodischem oder chronischem Husten, einer starken Schleimbildung, einer erhöhten Menge an Auswurf (Sputum) z. B. bei einer Lageänderung führen. Einige Menschen husten Blut und es kann Mundgeruch auftreten.
  • Diabetes mellitus (Typ 1 oder Typ 2)
    • Mundgeruch ist ein typisches Phänomen bei Diabetes.
    • Bei einem sehr hohen Blutzucker bei Typ-1-Diabetes kann es zu einem acetonartigen Geruch kommen.
  • Sjögren-Syndrom (rheumatische Erkrankung, Sicca-Syndrom)
    • Diese rheumatische Erkrankung kann zu einer verminderten Speichelbildung und Schleimhautaustrocknung führen.
    • Eine erhöhte Menge von Abbauprodukten im Mund und Karies sind die Folge, die wiederum zu Mundgeruch führen können.
  • Nierenversagen
  • Leberversagen
  • Tumor im hinteren Nasen- oder RachenbereichRachenkrebs
  • Seltene Stoffwechselkrankheiten

Was können Sie selbst tun?

  • Karies und Zahnfleischentzündungen
    • Regelmäßig Zähne putzen.
    • regelmäßige Anwendung von Zahnseide
    • Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt
  • Weißer Belag auf den Mandeln (Tonsillen)
    • Ein Arzt kann eine akute Infektion ausschließen bzw. behandeln.
    • Falls keine Infektion vorliegt, können desinfizierende Mundspüllösungen helfen. Manchmal lassen sich keine eitrige Pusteln auch ausdrücken, was den Mundgeruch mindert.
  • Regelmäßige Mahlzeiten
    • Mahlzeiten (ohne zu starke Gewürze) wirken sich zwei bis drei Stunden lang positiv auf den Mundgeruch aus.
  • Zunge bürsten.
    • Das kräftige Bürsten der Zunge mithilfe einer Zahnbürste mildert die Symptome ebenfalls.
  • Ernährungsumstellung?
    • Probieren Sie, Ihre Ernährung für eine bestimmte Zeit umzustellen (z. B. indem Sie Milchprodukte weglassen).

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

  • Helfen die o. g. Maßnahmen nicht, sollten Sie zunächst zahnärztlichen Rat einholen.
  • Bestehen aus zahnmedizinischer Sicht keine Zahn- oder Zahnfleischprobleme, holen Sie ärztlichen Rat ein.

Wie geht der Arzt vor?

Krankengeschichte (Anamnese)

Der Arzt kann Ihnen folgende Fragen stellen:

  • Seit wann besteht bei Ihnen Mundgeruch? Wurden Sie von anderen Menschen auf den Mundgeruch hingewiesen?
  • Worin besteht Ihrer Meinung nach die Ursache?
  • Atmen Sie häufig durch den Mund?
    • Mundatmung kann die Schleimhäute im Mund austrocknen und einen unangenehmen Geschmack bewirken.
  • Haben Sie beim Zähneputzen Zahnfleischbluten?
  • Haben Sie bemerkt, dass der Mundgeruch mit dem Verzehr bestimmter Lebensmittel verbunden ist?
    • Halten Sie eine spezielle Diät ein, die einen besonderen oder unangenehmen Mundgeruch auslöst?
    • Wie sieht es nach der Einnahme fetthaltiger Lebensmittel aus?
    • Wie sieht es nach der Einnahme von Milchprodukten aus?
  • Leiden Sie an bekannten chronischen Erkrankungen? Diabetes?
    • Nierenerkrankung?
    • Lebererkrankung?
    • Lungenerkrankung?
  • Bildet sich leicht weißer Belag auf den Mandeln (Tonsillen)?
  • Stoßen Sie häufig Essensreste auf?

Ärztliche Untersuchung

  • Bei einer zahn-/ärztlichen Untersuchung werden üblicherweise Zähne, Mund, Nase und Rachen sorgfältig inspiziert.

Andere Untersuchungen

  • Normalerweise nicht erforderlich. Um eine Grunderkrankung auszuschließen, ist aber evtl. eine Blutuntersuchung notwendig.

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Weitere Informationen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Halitosis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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