Sodbrennen

Als Sodbrennen bezeichnet man ein brennendes Gefühl hinter dem Brustbein.  Es tritt häufig zusammen mit saurem Aufstoßen auf. Die Ursache ist meistens Magensäure, welche in die Speiseröhre aufsteigt und diese reizt.

Teilen Sie diese Patienteninformation

QR-Code

Fotografieren Sie diesen QR-Code mit Ihrem Smartphone

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was ist Sodbrennen?

Beim Reflux steigt Magensäure (HCL) aus dem Magen zurück in die Speiseröhre auf und reizt diese. Begleitend liegt oft ein sog. Kleiner Gleitbruch vor, eine Aussackung des Magens über das Zwerchfell, der den Verschluss des Mageneingangs schwächt.
Beim Reflux steigt Magensäure (HCL) aus dem Magen zurück in die Speiseröhre auf und reizt diese. Begleitend liegt oft ein sog. Kleiner Gleitbruch vor, eine Aussackung des Magens über das Zwerchfell, der den Verschluss des Mageneingangs schwächt.
  • Als Sodbrennen bezeichnet man brennende Schmerzen hinter dem Brustbein, die insbesondere nach Mahlzeiten und im Liegen oder beim Bücken auftritt.
  • Begleitend können weitere Beschwerden auftreten wie saures Aufstoßen, Reizhusten, Luftaufstoßen, Mundgeruch und Heiserkeit.
  • Die häufigste Ursache ist ein Rückfluss von Flüssigkeit aus dem Magen (Gaster) in die Speiseröhre (Ösophagus), auch (gastroösophagealer) Reflux genannt.
  • Reflux tritt auch bei Gesunden auf, beispielsweise nach großen, fettreichen Mahlzeiten oder Alkoholkonsum. Wird der Rückfluss regelmäßig als belastend empfunden, oder birgt er ein Gesundheitsrisiko, spricht man von der gastroösophagealen Refluxkrankheit.
  • Die Magenschleimhaut ist so aufgebaut, dass sie Säure verträgt, während die Schleimhaut in der Speiseröhre durch Säure gereizt wird. Häufiger Reflux kann daher zu Entzündungen in der Speiseröhre führen und erhöht langfristig die Wahrscheinlichkeit, an Speiseröhrenkrebs zu erkranken.

Häufigkeit

  • Die gastroösophageale Refluxkrankheit tritt bei 8,8–25,9 % der Bevölkerung in Europa auf. Gelegentliches Sodbrennen und Symptome sind noch wesentlich häufiger.
  • Männer und ältere Personen sind öfter betroffen.
  • Bei etwa der Hälfte der Betroffenen lässt sich in einer Magenspiegelung eine Entzündung der Speiseröhre nachweisen.

Mögliche Ursachen

Häufigste Ursachen

  • Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD)
    • Sodbrennen ist das häufigste Symptom der Refluxkrankheit. Darüber hinaus kommen saures und bitteres Aufstoßen, Schluckbeschwerden, ein Druckgefühl auf der Brust, Luftaufstoßen, unangenehmer Geschmack im Mund und Reizhusten vor.
    • Typisch ist das Auftreten abhängig von Mahlzeiten und Körperlage. Insbesondere nach großen Mahlzeiten, Alkoholkonsum sowie im Liegen, beim Bücken oder schweren Heben und Husten treten Beschweden auf.
    • Die Ausprägung kann von gelegentlich auftretenden, leichten Beschwerden bis hin zu deutlich beeinträchtigenden Beschwerden reichen.
    • Bei etwa der Hälfte der Betroffenen zeigt sich im Rahmen einer Magenspiegelung eine Entzündung der Speiseröhre (Ösophagitis). Es lässt sich jedoch kein Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Beschwerden und dem Auftreten einer Ösophagitis nachweisen: Einige Patient*innen mit verhältnismäßig leichten Beschwerden weisen schwere Entzündungszeichen auf, während selbst bei schwer Betroffenen die Speiseröhre unauffällig aussehen kann.
    • Begleitend liegt oft ein sog. kleiner Gleitbruch (Hiatushernie, axiale Gleithernie) vor, eine Aussackung des Magens über das Zwerchfell, der den Verschluss des Mageneingangs schwächt.
  • Magengeschwür (Ulcus ventriculi)
    • Hierbei wird die Magenschleimhaut durch Magensäure geschädigt. 
    • Es kommt zu Bauchschmerzen, die vor allem im oberen Bauchbereich auftreten, und Unwohlsein. Auch hier treten die Schmerzen oft nachts im Liegen auf. Gelentlich können sie durch Essen gelindert werden.
    • Ursächlich ist oft eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori.
    • Durch eine Behandlung mit Protonenpumpeninhibitoren und Antibiotika über wenige Wochen kann die Erkrankung meist geheilt werden.
  • Nichtorganische Beschwerden im oberen Verdauungstrakt (funktionelle Dyspepsie, Reizmagen)
    • Die Symptomatik variiert, häufig vorkommende Symptome sind Unbehagen im oberen Bauchbereich, Völlegefühl im Zusammenhang mit Mahlzeiten, Übelkeit, Blähungen und mitunter auch Sodbrennen oder saures Aufstoßen.
    • Es lässt sich keine sichere Ursache der Beschwerden ermitteln.

Seltene Ursachen

  • Koronare Herzkrankheit (Angina pectoris)
    • Bei Verengungen der Herzkranzgefäße im Rahmen einer koronaren Herzkrankheit kommt es zu attackenartigen Brustschmerzen (Angina pectoris). Diese können als Sodbrennen fehlgedeutet werden. Umgekehrt können auch Refluxbeschwerden fälschlicherweise auf das Herz bezogen werden.
  • Reflux bei Kindern
    • Bei Säuglingen und Kleinkindern kommt es regelmäßig zum vermehrtem Aufstoßen (Bäuerchen) oder Erbrechen von Nahrung. Im Alter von 4 Monaten stoßen zwei Drittel der gesunden Kinder auf, im Alter von 7 Monaten sind es bereits deutlich weniger.
    • In der Folge können Schluckbeschwerden und unerklärliche Schreianfälle auftreten.
  • Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom)
    • Häufigstes Symptom einer bösartigen Krebserkrankung der Speiseröhre sind zunehmende Schluckbeschwerden. Auch Sodbrennen tritt auf. In vielen Fällen kommt es später zu einer ungewollten Gewichtsabnahme.
    • Ein frühzeitiges Erkennen ist entscheidend, um eine solche Krebserkrankung heilen zu können. Der Tumor muss in einer Operation entfernt werden.

Was können Sie selbst tun?

Verschiedene Faktoren des Lebensstils beeinflussen das Auftreten von Sodbrennen. Hieraus lassen sich Empfehlungen ableiten. Der Einfluss von einzelnen Faktoren ist oft individuell unterschiedlich. Testen Sie aus, welche Maßnahmen für Sie persönlich am wirksamsten sind.

  • Vermeiden Sie umfangreiche, fette und stark gewürzte Mahlzeiten.
  • Verzichten Sie auf späte und größere Mahlzeiten am Abend, da diese die nächtliche Säureproduktion erhöhen. Nehmen Sie drei Stunden vor dem Zu-Bett-Gehen keine Speisen mehr ein.
  • Vermeiden Sie säurehaltige Speisen, die einen irritierenden Einfluss auf die Schleimhaut haben, wie Fruchtsäfte, Pfefferminz, Schokolade, Kaffee, saure Beeren und kohlensäurehaltige Getränke.
  • Verzichten Sie aufs Rauchen.
  • Reduzieren Sie Ihren Alkoholkonsum.
  • Bewegen Sie sich mehr.
  • Erhöhen Sie das Kopfende des Bettes, falls Sie unter nächtlichen Beschwerden leiden.
  • Im Falle von Übergewicht kann eine Gewichtsabnahme die Beschwerden lindern.
  • Tragen Sie keine Kleidung, die den Bauch einschnürt, beispielsweise durch eng sitzende Gürtel.
  • Behandeln Sie Verstopfung.
  • Vermeiden Sie Tätigkeiten, die eine längere gebeugte Haltung erfordern.
  • Vermeiden Sie die Einnahme nichtsteroidaler Antirheumatika.
  • Rezeptfreie Säure neutralisierende Mittel können bei leichtem Sodbrennen kurzfristig lindernd wirken.

Wann sollten Sie ärztliche Hilfe suchen?

  • Wenn Ihre Beschwerden trotz säureneutralisierender Mittel und Änderungen des Lebensstils anhalten.
  • Wenn Sie durch die Beschwerden stark beeinträchtigt sind.
  • Wenn Sie Schwierigkeiten haben, Nahrung zu schlucken, oder ungewollt Gewicht verloren haben.
  • Wenn untypische Beschwerden auftreten, wie Atemnot oder starke Schmerzen in der Brust, oder sich der Charakter der Beschwerden plötzlich ändert.
  • Wenn Sie Sorgen haben, dass eine schwerwiegende Erkrankung zugrunde liegt.
  • Wenn Sie weiteren Rat benötigen.

Wie sieht die Untersuchung aus?

Anamnese

Ihnen werden eventuell folgende Fragen gestellt:

  • Welche Symptome haben Sie?
  • Seit wann leiden Sie unter den Beschwerden?
  • Bestehen die Beschwerden dauerhaft oder nur phasenweise?
  • Wie stark sind Ihre Beschwerden? Wie stark schränken diese Sie im Alltag ein?
  • Treten die Beschwerden insbesondere nachts oder in bestimmten Situationen auf?
  • Haben Sie Schluckbeschwerden?
  • Haben Sie Beschwerden in den Atemwegen? Besteht Husten, Heiserkeit oder Atemnot?
  • Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?
  • Wie viel Alkohol trinken Sie? Rauchen Sie?

Ärztliche Untersuchung

  • Bei Sodbrennen und Refluxkrankheit lassen sich bei der körperlichen Untersuchung nur selten Auffälligkeiten feststellen. Gelegentlich kommt es zu Schädigungen des Zahnschmelzes und einer Entzündung des Rachens durch die Magensäure.

Weitere Untersuchungen

  • Die Diagnose Refluxkrankheit kann anhand der Beschreibung der Beschwerden gestellt werden. Hierfür sind keine weiteren Untersuchungen zwingend vonnöten.
  • Blutuntersuchungen haben nur einen geringen Nutzen.
  • Um festzustellen, ob eine Schleimhautentzündung der Speiseröhre (Ösophagitis) vorliegt, wird eine Magenspiegelung (Gastroskopie) durchgeführt. Unbedingt durchgeführt werden sollte diese bei Schluckbeschwerden, da diese durch Speiseröhrenkrebs verursacht sein können.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien
  • Dietrich August, Arzt, Freiburg im Breisgau

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Refluxsymptome. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. Gastroösophageale Refluxkrankheit. AWMF-Leitlinie Nr. 021-013. Stand 2014. www.awmf.org
  2. Clarrett DM, Hachem C. Gastroesophageal Reflux Disease (GERD). Mo Med. 2018;115(3):214‐218. PMID: 30228725 www.ncbi.nlm.nih.gov
  3. Sandhu DS, Fass R. Current Trends in the Management of Gastroesophageal Reflux Disease. Gut Liver. 2018;12(1):7‐16. PMID: 28427116 www.ncbi.nlm.nih.gov
  4. Vakil N, van Zanten SV, Kahrilas P, Dent J, Jones R; Global Consensus Group. The Montreal definition and classification of gastroesophageal reflux disease: a global evidence-based consensus. Am J Gastroenterol. 2006;101(8):1900‐1943. PMID: 16928254 insights.ovid.com
  5. Talley NJ. What the physician needs to know for correct management of gastro-oesophageal reflux disease and dyspepsia. Aliment Pharmacol Ther. 2004;20 (suppl 2):S23-S30 PMID:15335410 PubMed
  6. Madisch A, Andresen V, Enck P, Labenz J, Frierling T, Schemann, M:. Diagnose und Therapie der funktionellen Dyspepsie. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 222-32. doi:DOI: 10.3238/arztebl.2018.0222 www.aerzteblatt.de
  7. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit. AWMF-Leitlinie Nr. 021-001, Stand 2016. www.awmf.org
  8. Bode C, Bode JC. Alcohol's role in gastrointestinal tract disorders. Alcohol Res Health 1997; 21: 76 - 84. PMID: 15706765 www.ncbi.nlm.nih.gov
  9. Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie. Alkoholbezogene Störungen: S3-Leitlinie Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen. AWMF-Leitlinie Nr. 076-001, Stand 2016 www.awmf.org
  10. Lucendo AJ, Molina-Infante J, Arias Á, et al. Guidelines on eosinophilic esophagitis: evidence-based statements and recommendations for diagnosis and management in children and adults. United European Gastroenterol J. 2017;5(3):335-358. PMID: 28507746 pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  11. NVL-Programm von BÄK, KBV, AWMF. Nationale VersorgungsLeitlinie: Neuropathie bei Diabetes im Erwachsenenalter. AWMF-Leitlinie Nr. nvl-001e, Stand 2016 www.awmf.org
  12. Pandolfino JE, Gawron AJ. Achalasia. A systematic review. JAMA. 2015;313(18):1841-1852. PMID: 25965233 jamanetwork.com
  13. Schlottmann F, Patti MG. Primary Esophageal Motility Disorders: Beyond Achalasia. Int J Mol Sci. 2017;18(7):1399. Published 2017 Jun 30. PMID: 28665309 www.ncbi.nlm.nih.gov
  14. Siddiq MA, Sood S, Strachan D. Pharyngeal pouch (Zenker's diverticulum). Postgrad Med J. 2001;77(910):506-511. PMID: 11470929 www.ncbi.nlm.nih.gov
  15. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. Diagnostik und Therapie der Plattenepithelkarzinome und Adenokarzinome des Ösophagus. AWMF-Leitlinie Nr. 021–023OL. S3, Stand 2018. www.awmf.org
  16. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. Brustschmerz. AWMF-Leitlinie Nr. 053-023. S3, Stand 2011. www.awmf.org
  17. Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische KHK – Langfassung, 5. Aufl. 2019. www.leitlinien.de
  18. Kaltenbach T, Crockett S, Gerson LB. Are lifestyle measures effective in patients with gastroesophageal reflux disease?: an evidence-based approach. Arch Intern Med 2006; 166: 965-71. PMID: 16682569 jamanetwork.com