Übelkeit und Erbrechen

Übelkeit und Erbrechen können verschiedene Ursachen haben. Die Umstände, unter denen sie auftreten, können einen Hinweis auf die zugrunde liegende Ursache geben.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was sind Übelkeit und Erbrechen?

  • Übelkeit und Erbrechen sind sehr häufige Beschwerden.
  • Sie können bei sehr vielen verschiedenen Krankheitsbildern auftreten, die hier nicht alle aufgeführt werden können. Daher liefert dieser Artikel allgemeine Informationen zu diesen Symptomen.

Häufige Ursachen

  • Magen-Darm-Infektion (Gastroenteritis)
    • Beginnt häufig mit Übelkeit.
  • Schwangerschaftsübelkeit
    • vor allem in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten
  • Reiseübelkeit, Seekrankheit
  • Migräne
    • häufig von Übelkeit begleitet
  • Lebensmittelvergiftung
    • Eine Vergiftung durch verdorbene Speisen, die Bakterien enthalten können, die Giftstoffe (Toxine) produzieren.
    • Etwa 1–6 Stunden nach Aufnahme der verdorbenen Nahrung beginnt das Erbrechen, nach etwa 6–24 Stunden evtl. auch Durchfall. Der Zustand hält meist 1–3 Tage an.
    • Es kommt zu Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall.
  • Infektion/Entzündung eines Verdauungsorgans (z. B. Blinddarmentzündung
  • Andere Erkrankungen des Magendarmtrakts (z. B. Darmverschluss
  • Nebenwirkungen bei medikamentöser Behandlung
    • Viele Medikamente können Übelkeit und Erbrechen auslösen.
  • Alkohol-, Drogenkonsum
  • Fortgeschrittene Krebserkrankung oder Chemotherapie bei Krebs
  • Nach einem chirurgischen Eingriff oder Narkose
  • Stoffwechselstörungen (z. B. Funktionsstörung der Schilddrüse)
  • Verschiedene psychische Krankheiten (z. B. Essstörungen)
  • Verschiedene Krankheiten des Gehirns und Nervensystems (z. B. des Gleichgewichtsorgans, Morbus Menière)

Daneben sind viele weitere Ursachen möglich, die aber meist seltener auftreten und hier nicht alle aufgeführt werden können.

Was können Sie tun?

  • Flüssigkeitszufuhr Flüssigkeitsmangel (Dehydrierung) kann zu einer Verstärkung von Übelkeit und Erbrechen führen. Daher sollten Sie sehr häufig jeweils kleine Mengen kalorienreicher Flüssigkeit oder Wasser trinken, um Flüssigkeitsmangel vorzubeugen. Nehmen Sie Speisen ein, die viel Flüssigkeit enthalten, wie Suppen oder geleeartige Desserts.
  • Leichte Speisen Wenn Sie feste Nahrung bei sich behalten können, sind zum Beispiel Zwieback, Toast mit Marmelade oder Nudeln günstig. Sie sollten keine Milchspeisen oder fettreiche Nahrung zu sich nehmen. Verzichten Sie auf kohlensäure- oder koffeinhaltige Getränke.
  • Mittel gegen Übelkeit Leichte Mittel gegen Übelkeit bekommen Sie in der Apotheke, diese sind jedoch häufig nur von geringer Wirkung.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

  • Meist lassen sich die Krankheiten, die zu Übelkeit und Erbrechen führen, zu Hause behandeln. Mitunter können sie aber auch Hinweise auf eine ernsthafte Erkrankung sein. Wenn zusätzlich zu diesen Symptomen folgende Beschwerden bestehen, sollten Sie einen Arzt konsultieren:
    • bei Schmerzen im Bauch- oder Brustbereich
    • nach einem Unfall/Sturz auf den Kopf mit Kopfschmerzen
    • bei Erbrechen von Blut
    • bei starkem Schwindelgefühl und Schwäche, Dehydrierung (Austrocknung)
    • bei neu aufgetretener Verwirrung, Gedächtnisstörungen
    • Wenn Sie nur geringe Mengen Urin produzieren.
    • Wenn Sie an Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) leiden.
    • bei bekannten Herzkrankheiten
    • bei bekannter Immunschwäche
    • bei Fieber und/oder Schüttelfrost
    • Wenn Sie vor Kurzem mit der Einnahme eines Medikaments begonnen haben.
    • Handelt es sich um kleine Kinder oder ältere Menschen, sollten Sie einen Arzt kontaktieren, auch wenn das Erbrechen erst kurze Zeit anhält und keine anderen Symptome bestehen.
    • Ansonsten gesunden Jugendlichen/Erwachsenen ist ein Arztbesuch zu empfehlen, wenn sie schon 1–2 Tage häufig erbrechen und sich keine Besserung zeigt, v. a. wenn sie zusätzlich kaum etwas bei sich behalten können.

Was macht der Arzt?

Anamnese

  • Die Anamnese hilft dem Arzt herauszufinden, woran Sie leiden und zu entscheiden, ob bestimmte Maßnahmen ergriffen werden sollten.
  • Der Arzt wird wahrscheinlich folgende Fragen stellen:
    • Seit wann ist Ihnen übel/erbrechen Sie?
    • Wie häufig und in welchen Mengen erbrechen Sie?
    • Leiden Sie auch an Durchfall?
    • Sind Erbrochenes/Stuhlgang blutig? Sonstige Auffälligkeiten?
    • Können Sie etwas Nahrung oder Flüssigkeit bei sich behalten?
    • Haben Sie darüber hinaus andere Beschwerden?
    • Haben Sie vor den Beschwerden etwas Besonderes gegessen oder Medikamente eingenommen?

Untersuchung beim Hausarzt

  • Der Umfang der Untersuchung hängt von Ihrem Zustand ab und davon, welche Diagnosen der Arzt vermutet (siehe oben).
  • Wahrscheinlich wird der Arzt den Bauch sorgfältig abtasten und Darmgeräusche abhören sowie evtl. weitere Organe untersuchen.
  • Möglicherweise wird eine Blutuntersuchung durchgeführt.
  • Je nach Verdachtsdiagnose sind weitere Untersuchungen möglich.

Weitere Untersuchungen

  • Sind gewöhnlich nicht erforderlich, aber auch in diesem Fall macht der Arzt seine Entscheidung von Ihrem Zustand und den vermuteten Diagnosen abhängig.

Überweisung zum Spezialisten oder in ein Krankenhaus

  • Eine stationäre Behandlung im Krankenhaus ist selten notwendig, außer Ihren Symptomen liegt eine ernsthafte Erkrankung zugrunde oder der schlechte Allgemeinzustand macht solch eine Behandlung nötig.

Behandlung

  • Unabhängig von einer möglicherweise zugrunde liegenden Krankheit muss die ausreichende Versorgung des Patienten sichergestellt sein, möglicherweise per Infusion.
  • Gegen Übelkeit können verschiedene Medikamente helfen. 
  • Durch fortgesetzten Erbrechen/Durchfall können der Stoffwechsel und die Konzentrationen der lebenswichtigen Substanzen Natrium und Kalium im Blut gestört sein; in diesem Falle ist eine rasche Korrektur durch bestimmte Infusionen wichtig.
  • Darüber hinaus ist, falls erforderlich, eine spezielle Therapie der zugrunde liegenden Krankheit notwendig. 

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Übelkeit und Erbrechen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Schaufelberger M, Meer A, Furger P, Derkx H et al.. Red Flags - Expertenkonsens - Alarmsymptome der Medizin. Neuhausen am Rheinfall, Schweiz: Editions D&F, 2018.
  2. Fleischmann T. Fälle Klinische Notfallmedizin - Die 100 wichtigsten Diagnosen. München, Deutschland: Elsevier, 2018.
  3. Scorza K, Williams A, Phillips JD, Shaw J. Evaluation of nausea and vomiting. Am Fam Physician 2007; 76: 76-84. PubMed
  4. Koch KL. Assessment of nausea and vomiting, adults. BestPractice, last updated July 31, 2012. bestpractice.bmj.com
  5. Anderson WD, Strayer SM. Evaluation of nausea and vomiting in adults: a case-based approach. Am Fam Physician 2013; 88: 371-9. American Family Physician
  6. Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin. Übelkeit und Erbrechen. Leitlinien der Sektion Pflege, 2014. www.dgpalliativmedizin.de
  7. Schmitt T, Mikus G, Egerer G. Leitliniengerechte Therapie von Übelkeit und Erbrechen. J Gastroenterolog Hepatol Erkr 2011; 9 (1), 18-24. www.kup.at
  8. Rüsch D, Leopold HJ, Wallenborn J, Kranke P. Übelkeit und Erbrechen nach Operationen in Allgemeinanästhesie - Eine evidenzbasierte Übersicht über Risikoeinschätzung, Prophylaxe und Therapie. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(42): 733-41; DOI: 10.3238/arztebl.2010.0733. www.aerzteblatt.de
  9. Ratnaike RN. Acute and chronic arsenic toxicity. Postgrad Med J 2003; 79: 391-6. PubMed
  10. Audi J, Belson M, Patel M, Schier J, Osterloh J. Ricin poisoning: a comprehensive review. JAMA 2005; 294: 2342-51. Journal of the American Medical Association
  11. Scallan E, Hoekstra RM, Angulo FJ, et al. Foodborne illness acquired in the United States—major pathogens. Emerg Infect Dis. 2011;17(1):7–15.
  12. Batchelor J, McGuiness A. A meta-analysis of GCS 15 head injured patients with loss of consciousness or post-traumatic amnesia. Emerg Med J 2002; 19: 515-9. PubMed
  13. Detsky ME, McDonald DR, Baerlocher MO, Tomlinson GA, McCrory DC, Booth CM. Does this patient with headache have a migraine or need neuroimaging? JAMA. 2006; 296(10): 1274–1283.
  14. Koch KL, Frissora CL. Nausea and vomiting during pregnancy. Gastroenterol Clin North Am 2003;32:201-234 PubMed
  15. Hejazi RA, McCallum RW. Review article: cyclic vomiting syndrome in adults--rediscovering and redefining an old entity. Aliment Pharmacol Ther. 2011;34:263-273. PubMed
  16. Quigley EM, Hasler WL, Parkman HP. AGA technical review on nausea and vomiting. Gastroenterology 2001; 120: 263-86. Gastroenterology
  17. Hasler WL, Chey WD. Nausea and vomiting. Gastroenterology 2003; 125: 1860-7. Gastroenterology
  18. Jacobs JE, Birnbaum BA, Macari M, et al. Acute appendicitis: comparison of helical CT diagnosis focused technique with oral contrast material versus nonfocused technique with oral and intravenous contrast material. Radiology. 2001; 220(3): 683–690.
  19. Mann SD, Danesh BJ, Kamm MA. Intractable vomiting due to a brainstem lesion in the absence of neurological signs or raised intracranial pressure. Gut 1998; 42: 875-7. Gut
  20. American Gastroenterological Association. American Gastroenterological Association medical position statement: nausea and vomiting. Gastroenterology 2001; 120: 261-3. Gastroenterology
  21. Shen J, Wenger N, Glaspy J, Hays RD, Albert PS, Choi C, et al. Electroacupuncture for control of myeloablative chemotherapy-induced emesis: a randomized controlled trial. JAMA 2000; 284: 2755-61. Journal of the American Medical Association
  22. Lee A, Done ML. Stimulation of the wrist acupuncture point P6 for preventing postoperative nausea and vomiting. Cochrane Database Syst Rev, issue 3, 2004. The Cochrane Library
  23. Vutyavanich T, Kraisarin T, Ruangsri R. Ginger for nausea and vomiting in pregnancy: randomized, double-masked, placebo-controlled trial. Obstet Gynecol 2001; 97: 577-82. PubMed
  24. Jewell D, Young G. Interventions for nausea and vomiting in early pregnancy. Cochrane Database Syst Rev, issue 4, 2003. The Cochrane Library
  25. Matthews A, Haas DM, O'Mathúna DP, Dowswell T, Doyle M. Interventions for nausea and vomiting in early pregnancy. Cochrane Database of Systematic Reviews 2014, Issue 3. Art. No.: CD007575. Cochrane (DOI)